| 
 | 
 | 
 | 
Wirtschaftslexikon
  Detailsuche
Digitale Fachbibliothek
in über 61.000 Fachbüchern + 500 Fachzeitschriften 

ANZEIGE

Bücher
Menschliches Entscheidungsverhalten ist Untersuchungsobjekt zahlreicher Wissenschaftsdisziplinen. Dieses Buch enthält aktuelle Forschungsergebnisse der Arbeitsgruppe Entscheidungstheorie und –praxis der Gesellschaft für Operations ... Vorschau
39.99 €

Dieses Buch online im Abo für monatlich 45,90 € - inkl. weiterer 61.000 Fachbücher als PDF auf Springer Professional !
Statistik (von statista.com)
Entscheidungen treffen
Treffen Sie viele Entscheidungen mehr mit dem Gefühl als mit dem Verstand?
Statistik: Entscheidungen treffen Statista: hochwertige Statistiken, Umfragen und Studien aus über 10.000 Quellen
Meine zuletzt besuchten Definitionen
Schwerpunktbeiträge des Tages
Unter dem Begriff Venture-Capital fasst man einen Teilbereich des Private-Equity-Geschäfts. Während Letzteres generell den Handel mit Eigenkapitalanteilen an nicht börsennotierten Unternehmen bezeichnet, handelt es sich beim Venture-Capital um zeitlich begrenzte Mittelüberlassungen in Form von Eigenkapital an das Spezialsegment der jungen ... mehr
von  Prof. Dr. Wolfgang Breuer
Consulting ist die individuelle Aufarbeitung betriebswirtschaftlicher Problemstellungen durch Interaktion zwischen externen, unabhängigen Personen oder Beratungsorganisationen und einem um Rat nachsuchenden Klienten.
von  Prof. Dr. Rolf-Dieter Reineke

Bernoulli-Prinzip

Definition

ANZEIGE

1. Begriff: Entscheidungsprinzip bei Risiko, gleichzeitig normative Theorie des Entscheidungsverhaltens bei Risiko.

2. Darstellung: Nach dem Bernoulli-Prinzip wird eine Entscheidung in zwei Schritten getroffen. Im ersten Schritt werden die subjektiven Nutzenvorstellungen des Entscheiders in Form einer Nutzenfunktion ermittelt (Bernoulli-Befragung). Im zweiten Schritt wird die Alternativenwahl getroffen, indem die Alternative mit dem höchsten Erwartungswert des Nutzens gewählt wird. Der Präferenzwert einer Alternative entspricht damit nach dem Bernoulli-Prinzip dem Erwartungswert des Nutzens der Ergebnisse der Alternative. Das Bernoulli-Prinzip wird daher auch als Erwartungsnutzentheorie bezeichnet. Für die Präferenzfunktion Φ gilt:

\Phi(A_a) = E[U( \widetilde{x}_a )] = \sum_{x_a} w(x_a) \cdot U(x_a)

Dabei bezeichnet Aa eine Alternative a, die zu den möglichen Ergebnissen xa führt, w(xa) die Eintrittswahrscheinlichkeit eines konkreten Ergebnisses xa und U(xa) den Nutzenwert dieses Ergebnisses.

Die Entscheidungsregel lautet:

\smash{\displaystyle\max_{a}\;}\Phi(A_a) = \smash{\displaystyle\max_{a}\;}E[U(\widetilde{x}_a)]

3. Beurteilung: Das Prinzip geht auf einen Vorschlag von Daniel Bernoulli zur Lösung des Petersburger Paradoxons zurück. Später wurde das Bernoulli-Prinzip durch J. von Neumann und O. Morgenstern (The Theory of Games and Economic Behavior, 1944) axiomatisch begründet (Axiome rationalen Entscheidens). Da das Prinzip die Gestalt der Nutzenfunktion völlig offen lässt, können sehr unterschiedliche Risikopräferenzen von Entscheidern abgebildet werden.

Aufgrund seiner Anwendung auf Risikosituationen wird die im Bernoulli-Prinzip verwendete Nutzenfunktion auch als Risikonutzenfunktion bezeichnet. Nach J. von Neumann und O. Morgenstern, die das Prinzip axiomatisch begründet haben (Axiome rationalen Entscheidens), heißt sie auch von Neumann-Morgenstern-Nutzenfunktion. Die Gestalt der Nutzenfunktion impliziert eine bestimmte Risikopräferenz des Entscheiders: Bei linearer Nutzenfunktion ist er risikoneutral, bei streng konkaver Nutzenfunktion risikoavers, bei streng konvexer Nutzenfunktion risikofreudig. Vgl. auch Arrow-Pratt-Maß.

Aufgrund seiner axiomatischen Fundierung ist das Bernoulli-Prinzip das wichtigste normative Entscheidungskriterium. Die Annahme, dass sich ein Entscheider am Erwartungswert des Nutzens orientiert, liegt dementsprechend häufig betriebs- oder volkswirtschaftlichen Theorien zugrunde, die individuelles Entscheidungsverhalten abbilden (z.B. die Theorie der Versicherungsnachfrage oder die Kapitalmarkttheorie). Als deskriptives Entscheidungskriterium sind dem Bernoulli-Prinzip hingegen Grenzen gesetzt, da davon auszugehen ist, dass Entscheider in der Realität gegen die dem Prinzip zugrunde liegenden Axiome (insbes. gegen das Unabhängigkeitsaxiom) verstoßen. Dies hat zur Entwicklung unterschiedlicher deskriptiver Entscheidungstheorien, z.B. der Prospect-Theorie, geführt. 

Suche in der E-Bibliothek für Professionals

ANZEIGE

Literaturhinweise/Links
Literaturhinweise
  • Laux, H., Gillenkirch, R., Schenk-Mathes, H.:  Entscheidungstheorie
    8, Wiesbaden, 2012  Kapitel 5
Sachgebiete
Bernoulli-Prinzip
ist im Gabler Wirtschaftslexikon folgenden Sachgebieten zugeordnet:
Informationen zu den Sachgebieten
Durch eine internationale Rechnungslegung und damit internationale Harmonisierung der Rechnungslegung soll eine Vergleichbarkeit bzw. Interpretierbarkeit der Jahresabschlüsse international agierender Unternehmen, die ansonsten nach länderspezifischen, unterschiedlichen Rechtsnormen erstellt sind, erreicht werden. Diese Harmonisierung ist seit 2001 Aufgabe des IASB, des privatrechtlichen ... mehr
Die Wirtschaftsinformatik als Wissenschaft von der Konzeption, Entwicklung und Anwendung computergestützter Informations- und Kommunikationssysteme (IKS) nimmt eine interdisziplinäre Schnittstellenfunktion zwischen der Betriebswirtschaftslehre und der Informatik ein. Jedoch bietet die Wirtschaftsinformatik auch zusätzliche Funktionen/Ergebnisse wie etwa Methoden und Modelle, anhand derer ... mehr
Weiterführende Schwerpunktbeiträge
I. Ideengeschichte und Institutionengeschichte Es gibt in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eine Vielzahl von Definitionen, aber keine universelle Definition des Begriffs Management, weil – je nach Forschungsperspektive – ein unterschiedlicher Forschungsgegenstand und unterschiedliches Erkenntnisinteresse vorliegen. Es lassen sich aber zunächst zwei ... mehr
Schwerpunktbeitrag von  Dr. Peter Haric
I. Grundlagen Der Begriff der Organisation lässt sich nicht eindeutig definieren. Die Begriffslegung ist abhängig von der jeweils zugrundegelegten organisations-theoretischen Herangehensweise. Im Rahmen des vorliegenden Beitrags wird unter Organisation das formale Regelwerk eines arbeitsteiligen Systems verstanden. Informale Regelungen werden nicht betrachtet. ... mehr
Schwerpunktbeitrag von  Prof. Dr. Gerhard Schewe
I. Grundlagen des Internen Marketing 1. Entwicklung des Internen Marketing Die ersten Auseinandersetzungen mit dem Thema des Internen Marketing datieren auf Ende der 1970er- bis Mitte der 1980er-Jahre, wobei v.a. Wissenschaftler aus Schweden und den USA den Begriff „Internal Marketing“ geprägt haben. ... mehr
Schwerpunktbeitrag von  Prof. Dr. Manfred Bruhn