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Entrepreneurship

Definition

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Kurzerklärung:

Entrepreneurship bezeichnet zum einen das Ausnutzen unternehmerischer Gelegenheiten sowie den kreativen und gestalterischen unternehmerischen Prozess in einer Organisation, bzw. einer Phase unternehmerischen Wandels, und zum anderen eine wissenschaftliche Teildisziplin der Betriebswirtschaftslehre. Die Entrepreneurship-Forschung (auch Gründungsforschung)  präsentiert sich als ein interdisziplinäres Forschungsgebiet. Neben betriebswirtschaftlichen Theorien kommen im Rahmen von Forschungsarbeiten u.a. auch methodische Ansätze aus der Volkswirtschaftslehre, der Geografie, der Soziologie, der Psychologie und der Rechtswissenschaft zum Einsatz.

Ausführliche Erklärung:

I. Begriff

Entrepreneurship bezeichnet zum einen das Ausnutzen unternehmerischer Gelegenheiten sowie den kreativen und gestalterischen unternehmerischen Prozess in einer Organisation, bzw. einer Phase unternehmerischen Wandels, und zum anderen eine wissenschaftliche Teildisziplin der Betriebswirtschaftslehre. Die Entrepreneurship-Forschung (auch Gründungsforschung) präsentiert sich als ein interdisziplinäres Forschungsgebiet. Neben betriebswirtschaftlichen Theorien kommen im Rahmen von Forschungsarbeiten u.a. auch methodische Ansätze aus der Volkswirtschaftslehre, der Geografie, der Soziologie, der Psychologie und der Rechtswissenschaft zum Einsatz.

II. Bedeutung des Unternehmers bzw. des Unternehmensgründers

Ökonomische Theorien haben den Unternehmer als zentrale Figur wirtschaftlicher Aktivität lange Zeit vernachlässigt. Erste Erklärungsversuche zur Rolle des Unternehmers finden sich zwar bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts; verstärkt in den Blick der ökonomischen Theoretiker gerückt ist der Unternehmer jedoch erst im Laufe des 20. Jahrhunderts. Im zeitgeschichtlichen Ablauf sind dabei verschiedene Definitionen für den Begriff des Entrepreneurs vorgeschlagen worden, aus denen in der Folge eine Reihe verschiedener wissenschaftlicher Schulen entstanden ist. Nachstehend wird eine Auswahl einflussreicher Vertreter der Ökonomie und deren Definition des Unternehmers dargestellt; zusammengenommen geben diese ein umfassendes Bild der vielfältigen möglichen Unternehmerfunktionen.

1) Cantillion (1734): Cantillion sieht den Entrepreneur als ein Individuum, das von seinem Streben nach Profit angetrieben wird und mit der Fähigkeit ausgestattet ist, Güter billig zu erwerben und teurer zu verkaufen. Der Entrepreneur zeichnet sich durch die Übernahme von Risiken aus.

2) Say (1816): Kennzeichnend für die Unternehmerfunktion Says ist die Organisation des Produktionsprozesses durch eine Kombination der drei Produktionsfaktoren Land, Kapital und Beschäftigung.

3) Knight (1921): Für Knight ist der Unternehmer vornehmlich ein Träger von Ungewissheit (true uncertainty). Dieser Ungewissheit kann im Gegensatz zum Risiko keine exakte Eintrittswahrscheinlichkeit zugeordnet werden. Der Wille, sich dieser unkalkulierbaren Ungewissheit zu stellen, begründet nach Knight den wahren Unternehmer.

4) Schumpeter (1934): Schumpeters Bild des Entrepreneurs ist geprägt durch dessen innovatives Verhalten und das Konzept der „schöpferischen Zerstörung“ eines Marktgleichgewichts.

5) Kirzner (1973): Die Unternehmerfunktion nach Kirzner ist geprägt durch die Nutzung von Arbitragemöglichkeiten. Unvollständige Informationen auf einem Markt werden zum unternehmerischen Vorteil genutzt und es entsteht ein neues Marktgleichgewicht. Der Kirznersche und der Schumpetersche Entrepreneur ergänzen sich folglich zu einem umfassenden Konzept.

III. Themen und Ergebnisse der aktuellen Entrepreneurship-Forschung

Die Entrepreneurship-Forschung konzentriert sich primär auf wissenschaftliche Fragestellungen in Zusammenhang mit der Gründerpersönlichkeit und Umweltfaktoren sowie auf die Erforschung von Strategien und Organisationformen, derer sich Entrepreneure bedienen, um erfolgreich Organisationen aufzubauen. Die folgenden Ausführungen bieten eine Übersicht über wesentliche Erkenntnisse aus verschiedenen zentralen Bereichen der Entrepreneurship-Forschung.

1. Gründerpersönlichkeit: Zahlreiche empirische Studien zeigen, dass sich ein Entrepreneur durch eine Reihe von Charakteristika gegenüber einer abhängig beschäftigten Person unterscheidet. Hier lassen sich beispielhaft folgende Eigenschaften nennen.

a) Leistungsmotivstärke: der Wille, Leistung zu erbringen und sich mit beruflichen Aufgaben auseinander zu setzen, die sowohl herausfordernd als auch realisierbar sind.

b) Internale Kontrollüberzeugung (Selbstwirksamkeit, resp. Machbarkeitsüberzeugung): der Glaube, für sein eigenes Schicksal und die Ergebnisse seines Handelns selbst verantwortlich zu sein und dies aktiv beeinflussen zu können.

c) Unabhängigkeitsstreben: der Drang danach, sich von Autoritäten unabhängig zu machen sowie sich selbst zu verwirklichen.

d) Problemorientierung: die klare Fokussierung auf die primären Einflussfaktoren eines Projektes, um sowohl analytisch als auch intuitiv mit Nicht-Routine-Aufgaben umgehen zu können.

e) Risiko- und Ungewissheitstoleranz: die Tendenz, sich Umweltsituationen mit ungewissem Ausgang freiwillig auszusetzen, wenn die geringere Eintrittswahrscheinlichkeit einer Alternative den größeren Gewinn verspricht, sowie die Fähigkeit, derartige Situationen angemessen bewältigen zu können.

f) Belastbarkeit: insbesondere die physische Widerstandsfähigkeit und auch die Eigenschaft, unter Druck weiter leistungsfähig zu sein.

g) Emotionale Stabilität: die psychische Widerstandsfähigkeit sowie die Anlage, Frustrationen schneller zu verarbeiten.

h) Durchsetzungsbereitschaft (Dominanzbedürfnis): der Wille dazu, andere zu führen.

i) Soziale Anpassungsfähigkeit: nicht nur als Führungspersönlichkeit, sondern gerade auch Kunden und Lieferanten gegenüber.

Es ist zusammenfassend festzustellen, dass insbesondere die Eigenschaften und Überzeugungen wie Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeit der Gründerpersönlichkeit stark mit der Erfolgswahrscheinlichkeit eines Entrepreneurs korrelieren. Allerdings treten die in zahlreichen Studien beobachteten unternehmerischen Phänomene in unterschiedlichen Kontexten auf. Eine ausschließliche Konzentration auf die Persönlichkeit eines Gründers greift daher in vielen Fällen zu kurz und verhindert einen weiten oder umfassenden Erkenntnisgewinn. Aktuelle Forschungsprojekte ziehen deshalb zumeist kontextabhängige Variablen, d.h. Umfeldfaktoren, zur Erklärung unternehmerischer Phänomene mit heran.

2. Umfeldfaktoren: In wissenschaftlichen Studien konnten verschiedene beinflussende Umfeldfaktoren identifiziert werden, die sich auf Gründungsintensität, -erfolg und konkrete Ausgestaltung einer Unternehmensgründung auswirken.

a) Marktgröße und -wachstum: Beide Parameter beeinflussen die Anzahl der Unternehmensgründungen in einem Industriezweig positiv.

b) Unsicherheit durch technologischen Wandel: Unsicherheit in diesem Bereich senkt die Gründungsrate in einem Industriezweig.

c) Hoher Kapitalbedarf: Dieser wirkt als Markteintrittsbarriere.

d) Wettbewerbsdichte: Ein Markt, der nur aus wenigen Unternehmen besteht, signalisiert einem Entrepreneur geringe unternehmerische Möglichkeiten oder eine schlechte Informationslage. Ein sich schnell entwickelnder Markt hingegen erhöht die Attraktivität für junge Unternehmen, in diesem Bereich aktiv zu werden. Mit zunehmender Marktdichte steigt jedoch auch der Wettbewerb um knappe Ressourcen, was sich wiederum als Eintrittsbarriere auswirken kann.

e) Institutionelle Rahmenbedingungen: Günstige regionale oder branchenspezifische Bedingungen beeinflussen Unternehmensgründungen positiv. Beispielhaft anzuführen sind in diesem Zusammenhang günstige Kredite sowie die Verfügbarkeit von Venture-Capital, aber auch private und unternehmenssteuerliche Aspekte.

f) Durchsetzbarkeit gewerblicher Schutzrechte: Stabile Bedingungen im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes ermöglichen es Entrepreneuren, ihre Bemühungen adäquat vergütet zu bekommen.

g) Technologie-Transfer Büros im Umfeld von Forschungseinrichtungen und Universitäten: Innovationen werden mit Unterstützung dieser Einrichtungen über neugegründete Unternehmen an den Markt gebracht.

h) Soziokulturelle Faktoren: Die Bewertung der Attraktivität einer unternehmerischen Tätigkeit und die Bewertung des Risikos, mit einer Geschäftsidee zu scheitern, unterscheiden sich innerhalb sozialer und ethnischer Gruppen.

3. Strategie und Organisationsformen: Neben den beiden zuvor genannten Feldern der Entrepreneurship-Forschung existiert auch eine Reihe von Arbeiten, die sich mit dem Einfluss von entrepreneurialen Strategien und Organisationsformen auseinandersetzt. Auch stehen Fragestellungen im Fokus, die sich mit der Finanzierung von Unternehmen beschäftigen. Neben der Finanzierung eines jungen Unternehmens durch eigene Mittel behandeln zahlreiche Beiträge die Unternehmensfinanzierung durch Venture-Capital-Gesellschaften und Business Angels, und wie sich deren Finanzierungsverhalten in Bezug auf eine Investmentauswahl, Risikoeinschätzung sowie die Überlebensfähigkeit und das Wachstum eines neugegründete Unternehmens auswirkt. Im Bereich der entrepreneurialen Organisationsforschung liegen bspw. Ergebnisse über die Rechtsformwahl und deren Auswirkung auf die Unternehmensentwicklung sowie die angemessene Strategiewahl vor. Die Erforschung von Gründerteams und deren sozialer Herkunft bilden weitere Forschungsschwerpunkte - hier hat sich gezeigt, dass Gründerteams Einzelgründungen oftmals überlegen sind.

IV. Ausblick

Die Entrepreneurship-Forschung erfreut sich seit Beginn der 1980er-Jahre eines regen und wachsenden Zuspruchs. Dies lässt sich v.a. an einer Vielzahl von Publikationen zu Entrepreneurship-Themen ablesen, wie auch an einer stetig steigenden Anzahl von Entrepreneurshiplehrstühlen und -professuren an Universitäten und Fachhochschulen, die sich der Entrepreneurship-Forschung und Gründerausbildung widmen. In neuerer Zeit erfährt die Entrepreneurship-Forschung zudem eine Segmentierung in verschiedene, mitunter trendbestimmende Teildisziplinen. Hierbei lassen sich beispielhaft Social und Sustainable Entrepreneurship (soziales bzw. nachhaltiges Unternehmertum), Corporate Entrepreneurship (unternehmerisches Verhalten auf der organisationalen Ebene), Intrapreneurship (unternehmerisches Verhalten in etablierten Organisationen), E-Entrepreneurship (Gründung, Finanzierung und Entwicklung junger Unternehmen in der Net Economy), Minority Entrepreneurship (Gründungsverhalten ethnischer Minderheiten), Regional Entrepreneurship (Entrepreneurship-Studien mit regionalem Bezug) und Gender Entrepreneurship (Entrepreneurship-Studien mit Geschlechterbezug) nennen.

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Literaturhinweise/Links
Literaturhinweise
  • Kollmann, T.:  E-Entrepreneurship – Grundlagen der Unternehmensgründung in der Net Economy
    3., überarb. und erw. Auflage, Wiesbaden, 2009
  • Kuratko, D. F.:  Entrepreneurship – Theory, Process, Practice
    8., Auflage, Mason, Ohio, 2008
  • Timmons, J. A./Spinelli, S.:  New Venture Creation – Entrepreneurship for the 21st Century
    8., Auflage, Boston, MA, 2009
Bücher
Zeitschriften
  • Schmude, J./Welter, F./Heumann, S.:  Entrepreneurship Research in Germany
    2008  ETP, S. 289–311
Sachgebiete
Entrepreneurship
ist im Gabler Wirtschaftslexikon folgenden Sachgebieten zugeordnet:
Informationen zu den Sachgebieten
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