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Ergonomische Arbeitsbedingungen

Definition

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I. Begriff:

Das Kunstwort „Ergonomie“ ist griechischen Ursprungs und setzt sich zusammen aus den Begriffen „ergon“, gleichbedeutend mit dem Begriff Arbeit und „nomos“, was mit Gesetz oder Regel übersetzt werden kann. Daraus folgt, dass die Ergonomie die Lehre der Gesetzmäßigkeit der Arbeit ist, gemeint ist hierbei menschliche Arbeit.

II. Ziele:

Ziel der Ergonomie am Arbeitsplatz ist, Arbeit an die Fähigkeiten und Eigenschaften des Menschen bei der Arbeit anzupassen. Dies geschieht durch die Optimierung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsmittel, wodurch bessere Bedingungen für den Arbeitenden geschaffen werden. Das Arbeiten sollte hierbei als körperlich angenehm empfunden werden und keine gesundheitliche Gefahren mit sich bringen.

III. Voraussetzungen:

Bevor die ergonomischen Bedingungen am Arbeitsplatz verbessert werden, ist es notwendig, beeinflussende Faktoren in der Interaktion von Mensch, seiner Arbeitsumgebung und seiner Arbeitsmittel (bspw. Maschine, Schreibtisch, Computer) bei der Verrichtung seiner Arbeit zu analysieren. Sind diese Faktoren nicht bekannt, muss zunächst der Arbeitsablauf untersucht werden. Dies geschieht klassischerweise durch die Beobachtung und Dokumentation typischer Handlungen, Bewegungsabläufe und den damit einhergehenden Belastungen. Sinnvoll ist hierbei auch die zeitliche und häufigkeitsmäßige Quantifizierung der verschiedenen Belastungsfaktoren. Auf diese Weise lässt sich herausfinden welche Bewegungsabläufe, körperliche Haltungen und äußeren Einflüsse, wie etwa Lärm oder Temperatur,  besonders häufig auftreten und eine Belastung darstellen können.

Bei der Umsetzung ergonomischer Maßnahmen ist zu bedenken, dass sich die Bedingungen von Mensch zu Mensch, in Abhängigkeit zu seinen persönlichen Voraussetzungen, verändern.

IV. Auswirkungen:

Die Beachtung ergonomischer Gesichtspunkte am Arbeitsplatz ist von großer Bedeutung für die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeiter eines Unternehmens. Nicht zuletzt hängt auch die allgemeine Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz von der Berücksichtigung ergonomischer Bedingungen zusammen.

Der aktuellen Studie "DGB-Index: Gute Arbeit 2015" zufolge, haben sich die körperlichen und emotionalen Anforderungen der Arbeit in den letzten Jahren deutlich verbessert. So sagen rd. 71 Prozent der Befragten, dass sie nie oder selten an Ihrem Arbeitsplatz widrigen Umgebungsbedingungen, wie z.B. Kälte, Hitze, Nässe, Feuchtigkeit oder Zugluft, ausgesetzt sind, 29 Prozent fühlen sich dagegen oft oder sehr häufig diesbezüglich beeinträchtigt.

Schlechte Arbeitsplatzbedingungen wie z.B. unzureichende raumklimatische Bedingungen, Lärm- und Schadstoffbelastungen, schlechte Lichtverhältnisse oder das Fehlen geeigneter bzw. notwendiger Arbeits- und Betriebsmittel können nicht nur zu physisch-bedingten, sondern gleichermaßen zu psychisch-bedingten Problemen bzw. Fehlzeiten am Arbeitsplatz führen.

Dabei wirken sich physische Beanspruchungen in erster Linie auf folgende Organsysteme aus:

  • Herz-Kreislaufsystem, Lungenfunktion, Atmung,
  • muskuläres System, Sehnen, Bänder,
  • Skelettsystem, Wirbelsäule,
  • Sinnesorgane, Nerven, Drüsen.

Als psychische Belastungsfaktoren sind v.a. zu nennen:

  • kognitive (mental-informatorische) Beanspruchung,
  • emotionale, motivationale und soziale Beanspruchung.

V. Handlungsempfehlungen:

Um das Risiko von Leistungseinbußen, krankheits- bzw. motivationsbedingte Fehlzeiten, Absentismus oder Kündigungen zu vermindern, sollten Unternehmen darauf bedacht sein, ihre Arbeitsplatzgestaltung, i.S.d. Ergonomieansatzes, so zu gestalten, dass ihre Mitarbeiter die Möglichkeit haben, ihre Arbeit unter den bestmöglichen Bedingungen auszuüben.

VI. Vorteile:

Die Berücksichtigung der Ergonomie wird in vielen Unternehmen in Ansätzen verfolgt. Es ist jedoch sinnvoll, sich intensiv mit der Thematik zu beschäftigen, da es viele Faktoren am Arbeitsplatz gibt, die die Arbeit unbemerkt erschweren können. Auch marginale Veränderungen, wie etwa die Reduktion der Fensterspiegelungen an PC-Arbeitsplätzen, können die Arbeitsqualität entscheidend verbessern.

Ist die Ergonomie im unternehmerischen Denken und Handeln verankert, kann nachweislich mit geringeren Krankenständen, einem verbesserten Betriebsklima und zufriedeneren Mitarbeitern gerechnet werden. Dies wirkt sich wiederum positiv auf das Leistungsverhalten der Mitarbeiter und damit auch auf die gesamte Leistungsfähigkeit des Unternehmens aus.

Als Vorzüge einer ergonomisch orientierten Arbeitsplatzgestaltung können subsummiert werden:

  • niedrigere Arbeitsbelastung,
  • geringere chronische gesundheitliche Beschwerden,
  • verbessertes Betriebsklima,
  • ansteigende Arbeitszufriedenheit,
  • Vermeidung von Haltungsmonotonien,
  • Aktivierung des Herz-Kreislauf- und des vegetativen Nervensystems,
  • Vorbeugen gegen Muskelinaktivitäten,
  • Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit.

VII. Ergonomie in der Unternehmenspraxis:

1. Abgrenzungsmöglichkeiten:

In der Praxis kann unter ergonomischen Arbeitsbedingungen die Anpassung des Arbeitsumfeldes und der verwendeten Werkzeuge (inkl. Compute und Software) an die dort arbeitenden Menschen verstanden werden (Usability). Im Wesentlichen werden fünf Teilbereiche bei der Arbeitsplatzgestaltung voneinander unterschieden werden:

(1) Die anthropometrische Gestaltung befasst sich mit der Anpassung des Arbeitsplatzes an die durchschnittlichen menschlichen Körpermaße und Bewegungsbereiche des Körpers. Dies geschieht entweder durch die Anpassung des Arbeitsplatzes oder durch die Anpassung der Arbeitsmittel (Arbeitssysteme).

(2) Die physiologische Gestaltung beschäftigt sich mit der Anpassung der Arbeitsmethoden und -bedingungen an den menschlichen Körper (z.B. Beleuchtung, Klima, Farben, Lärm; siehe auch Arbeitsumgebung).

(3) Die psychologische Gestaltung befasst sich damit, wie durch Farben, Pflanzen oder Musik eine angenehme Umgebung geschaffen werden kann.

(4) Die informationstechnische Arbeitsplatzgestaltung bildet die Grundlage u.a. für die sog. Mensch-Maschine-Schnittstellen bzw. Benutzerschnittstellen (user interface). 

(5) Die Beachtung des Unfallschutzes und der Arbeitssicherheit bilden weitere sehr entscheidende Faktoren.

2. Voraussetzungen:

Zur Implementierung eben dieser ergonomischen Maßnahmen sind im Vorfeld die genaue Arbeitsplatzanalyse und die Untersuchung der Interaktionen zwischen dem Mensch und seinen Arbeitsmitteln notwendig. Die Kenntnis der Belastungsfaktoren reicht allerdings nicht aus. Diese müssen mit den jeweiligen Voraussetzungen und Fähigkeiten der Mitarbeiter verbunden werden. Auf diese Weise lässt sich die individuelle Beanspruchung am Arbeitsplatz einschätzen. Die Forderung nach ergonomischen Arbeitsbedingungen verfolgt also den Zweck, dass die Arbeitenden in produktiven und effizienten Arbeitsprozessen schädigungslose, ausführbare, erträgliche und beeinträchtigungsfreie Arbeitsbedingungen vorfinden, sowie Standards sozialer Angemessenheit nach Arbeitsinhalt, Arbeitsaufgabe, Arbeitsumgebung erfüllt sehen.

3. Ziele:

Auf diese Weise kann die allgemeine physische und psychische Gesundheit der Mitarbeiter geschützt werden, was nicht zuletzt die Zufriedenheit am Arbeitsplatz verbessern kann. Dies kann sich wiederum positiv auf Problembereiche wie die (innere) Kündigung von Mitarbeitern oder den Absentismus auswirken. Übergeordnetes Ziel ist es ferner, das Leistungsverhalten von Mitarbeitern durch angemessen ausgestaltete Arbeitsplätze positiv zu beeinflussen.

Die Ergonomie erweist sich als ein bedeutendes Gestaltungsfeld im Mitarbeiter-Leistungs-System (MLS), das großen Einfluss auf die Interdependenzen zwischen Arbeitsplatz, Mensch, Maschine (Hard- und Software) und Arbeitsleistung (Performanz) hat.

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