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Nachhaltige Geschäftsprozesse

Definition

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Kurzerklärung:

Geschäftsprozesse repräsentieren eine Folge von Wertschöpfungsaktivitäten mit dem Ziel der Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Geschäftsprozesse beschreiben, welcher Input einem Unternehmen zugeführt wird, welche Ressourcen innerhalb eines Unternehmens verarbeitet werden und welcher kundenspezifische Output durch das Unternehmen generiert wird. Ein effizientes Geschäftsprozessmanagement unterstützt Unternehmen bei der Gestaltung der Geschäftsprozesse auf Basis der strategischen Ziele des Unternehmens und definiert damit maßgeblich den nach außen wirksamen Einfluss eines Unternehmens. Für die Automatisierung von Geschäftsprozessen vgl. auch Geschäftsprozesstechnologie.

Die Nachhaltigkeitsperspektive in Geschäftsprozessen als Teildisziplin des Umweltmanagements setzt die Erweiterung der vorhandenen unternehmenskritischen Dimensionen Kosten, Qualität, Zeit und Flexibilität voraus. Das Ziel nachhaltiger Geschäftsprozesse ist es, die ökologische Effizienz des Unternehmens langfristig zu verbessern, ohne die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu beinträchtigen. Nachhaltige Geschäftsprozesse fokussieren dabei insbesondere auf drei unterschiedliche Aspekte: Ökonomie, Ökologie und Soziales.

Ausführliche Erklärung:

I. Einführung

Geschäftsprozesse repräsentieren eine Folge von Wertschöpfungsaktivitäten mit dem Ziel der Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Geschäftsprozesse beschreiben, welcher Input einem Unternehmen zugeführt wird, welche Ressourcen innerhalb eines Unternehmens verarbeitet werden und welcher kundenspezifische Output durch das Unternehmen generiert wird. Ein effizientes Geschäftsprozessmanagement unterstützt Unternehmen bei der Gestaltung der Geschäftsprozesse auf Basis der strategischen Ziele des Unternehmens und definiert damit maßgeblich den nach außen wirksamen Einfluss eines Unternehmens. Für die Automatisierung von Geschäftsprozessen vgl. auch Geschäftsprozesstechnologie.

Die Nachhaltigkeitsperspektive in Geschäftsprozessen als Teildisziplin des Umweltmanagements setzt die Erweiterung der vorhandenen unternehmenskritischen Dimensionen Kosten, Qualität, Zeit und Flexibilität voraus. Das Ziel nachhaltiger Geschäftsprozesse ist es, die ökologische Effizienz (ökologische Treffsicherheit) des Unternehmens langfristig zu verbessern, ohne die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu beinträchtigen. Nachhaltige Geschäftsprozesse fokussieren dabei insbesondere auf drei unterschiedliche Aspekte: Ökonomie, Ökologie und Soziales (siehe Abbildung 1). Diese Aspekte sind unter dem allgemeinen Grundsatz der Nachhaltigkeit zu betrachten, gesamtwirtschaftlich nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen als langfristig zur Verfügung stehen. Sie können sowohl einzeln, als auch als Kombination betrachtet werden und bestimmen somit die strategische Ausrichtung der Nachhaltigkeit der Geschäftsprozesse eines Unternehmens. Vor diesem Hintergrund ergeben sich die folgenden Begrifflichkeiten:

Ökonomische Nachhaltigkeit: Das Ziel ökonomischer Nachhaltigkeit besteht auf der einen Seite darin, den Ertrag des Unternehmens zu maximieren, aber auf der anderen Seite die Ressourcen, welche für diesen Ertrag benötigt werden, langfristig zu erhalten. Die ökonomische Effizienz ist für die Sicherstellung der optimalen Ressourcennutzung und Produktion ein entscheidendes Kriterium.

Ökologische Nachhaltigkeit: Der Fokus der ökologischen Nachhaltigkeit liegt auf der allgemeinen Widerstandsfähigkeit und dem Gesundheitszustand von Ökosystemen. Die Zielsetzung besteht darin, den negativen Umwelteinfluss, der durch die Geschäftsprozesse eines Unternehmens entsteht, zu reduzieren.

Soziale Nachhaltigkeit: Die soziale Nachhaltigkeit bezieht sich weitgehend auf die Verbesserung von individuellem und sozialem Wohl, hervorgerufen durch die Steigerung des Sozialkapitals. Soziale Nachhaltigkeit fokussiert den Einfluss ökonomischen Handels auf die gesamte Gesellschaft, u.a. in Form von Geschäftsprozessen.

Abbildung 1: Aspekte der Nachhaltigkeit in Geschäftsprozessen

 

II. Nachhaltige Optimierung von Geschäftsprozessen

Geschäftsprozessmanagement und Business Process Reengineering bieten für die Optimierung von Geschäftsprozessen hinsichtlich der konventionellen Dimensionen Kosten, Qualität, Zeit und Flexibilität bereits geeignete Grundlagen und Methoden, müssen für eine umfassende nachhaltige Betrachtung jedoch in entscheidenden Bereichen erweitert werden. Der Nachhaltigkeitsaspekt in heutigen Geschäftsprozessen unterliegt häufig der Beschränkung auf die Bereiche Ökologie und Ökonomie. Diese Dimensionen der Nachhaltigkeit sind i.d.R. kurzfristig und einfacher quantifizierbar als soziale Aspekte und können somit öffentlichkeitswirksam platziert werden (vgl. auch Marketing).

Abbildung 2 zeigt den Lebenszyklus eines Geschäftsprozesses unter den ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten (vgl. auch Geschäftsprozesstechnologie) und veranschaulicht die relevanten Phasen bei der Ausführung von Geschäftsprozessen. Um Nachhaltigkeitsaspekte entsprechend abzudecken, ist unter Berücksichtigung der Bereiche Ökologie und Ökonomie eine Erweiterung des Lebenszyklus notwendig: Neben konventionellen Key Performance Indicators (KPI) müssen zunächst strategische Ziele in Form von ökologischen Indikatoren definiert werden, welche die Zielvorgaben an die auszuführenden Prozesse darstellen. Die ökologischen Indikatoren werden in diesem Zusammenhang auch Key Ecological Indicators (KEI) genannt.

KPI und KEI haben impliziten Einfluss auf alle Phasen des Lebenszyklus. KEI haben allerdings auch expliziten Einfluss auf die Gestaltung einzelner Phasen des Lebenszyklus. Dieser Einfluss wird in Abbildung 2 durch gestrichelte Linien dargestellt und im Folgenden erläutert:

(1) Die Modellierung eines Geschäftsprozesses anhand der strategischen Zielsetzungen der Nachhaltigkeit. Die Aktivitäten eines Geschäftsprozesses werden neben den ökonomischen Aspekten auch anhand ihres Umwelteinflusses ausgewählt. Unterstützt wird die Modellierung von nachhaltigen Geschäftsprozesses zudem durch die Bereitstellung von bereits bewährten Verfahrensmustern (engl. Pattern), die zielorientierte Lösungsvorschläge für eine nachhaltige Prozessoptimierung bereitstellen. Dies kann gegebenenfalls zu vollständig neuen Strukturen eines Prozesses führen.

(2) Die Konfiguration des Geschäftsprozesses, welche definiert, wie einzelne Aktivitäten konkret realisiert werden, bspw. unter Verwendung welcher Technologie eine Aktivität ausgeführt wird.

(3) Die Ausführung der Aktivitäten, die sich durch spezifische ökologische Anforderungen von der herkömmlichen Ausführung unterscheiden kann. Dies kann bspw. die gesammelte Ausführung von Aktivitäten mehrerer Prozessinstanzen zu einem bestimmten, definierten Zeitpunkt sein. Bei der Ausführung der Geschäftsprozesse müssen alle relevanten Informationen, sowohl ökonomischer als auch ökologischer Herkunft, ermittelt und dauerhaft gespeichert werden.

Um Nachhaltigkeitsaspekte in den nachfolgenden Phasen adäquat abzudecken, werden zusätzlich umfangreiche Überwachungs- und Sensorfunktionalitäten benötigt, welche den Ablauf eines Prozesses in allen Bereichen dokumentieren und für eine ökologische Analyse transparent machen. Die Menge der gesammelten Informationen bildet anschließend die Grundlage für eine detaillierte ökologische und ökonomische Analyse eines Geschäftsprozesses. Die Ergebnisse der Analyse können dann zur ökologischen Verbesserung eines Geschäftsprozesses in der Modellierungsphase dazu beitragen, einen ökologisch und ökonomisch optimierten Geschäftsprozess zu gestalten.

 

Abbildung 2: Der Lebenszyklus eines Geschäftsprozesses

Ein wichtiger Bestandteil von Optimierungsverfahren von Geschäftsprozessen (vgl. auch Prozessoptimierung) ist die integrative Betrachtung des Lebenszyklus. Für die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens ist es daher wichtig, alle Optimierungskriterien, d.h. ökonomische, ökologische und soziale Aspekte gleichermaßen zu betrachten und für potenzielle Zielkonflikte einen Kompromiss zu finden. Dieses Optimierungsziel kann jedoch umfangreiche Problemstellungen aufwerfen, auf die ein Unternehmen in Abhängigkeit seiner strategischen Zielvorgaben individuell reagieren muss.

III. Möglichkeiten der ökologischen Verbesserung von Geschäftsprozessen

In der Industrie sind bereits erste Ansätze nachhaltiger Geschäftsprozesse erkennbar. Um die Erfahrungen durchgeführter Optimierungsvorhaben wiederzuverwenden, lassen sich aus der Menge der Lösungsansätze, welche sich als besonders gut herausgestellt haben, allgemeine Verfahrensmuster extrahieren (engl. Patterns). Diese Muster beschreiben für allgemeine Problemstellungen konkrete Optimierungsmöglichkeiten des Geschäftsprozesses hinsichtlich der Verbesserung seiner Nachhaltigkeit. Ein sehr häufig verwendetes Verfahrensmuster dieser Art ist die Kompensation von CO2-Emissionen. Durch den Einsatz dieses Musters werden die durch einen Geschäftsprozess verursachten Emissionen zwar nicht direkt reduziert, d.h. der Geschäftsprozess bleibt unverändert bestehen, jedoch werden die Gesamtemissionen durch Kompensationsaktivitäten reduziert – bspw. durch Investitionen in klimafreundliche Projekte zur Aufforstung von Wäldern. Ein weiteres Muster ist die schrittweise Substitution einzelner Komponenten eines Geschäftsprozesses hinsichtlich ökologisch nachhaltigerer Alternativen. Diese können gegebenenfalls Auswirkungen auf die gesamte Wahrnehmung eines Geschäftsprozessen in der Öffentlichkeit haben. Wichtig ist jedoch, dass die Verbesserung eines Geschäftsprozesses nicht ausschließlich die werbewirksame Darstellung des Prozesses beinhaltet, sondern sich auf eine reelle, langfristige Verbesserung des Prozesses fokussiert.

Für die konkrete Umsetzung von Verbesserungsansätzen stellt sich die Frage, wie die Gesamtheit der ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte auf Geschäfts- und Technologieebene abgedeckt werden können. Eine Möglichkeit zur Entwicklung nachhaltiger Geschäftsprozesse bietet bspw. der Einsatz neuer Technologien oder der Einsatz erneuerbarer Ressourcen. Neue Technologien können i.d.R. durch die mit ihrem Einsatz einhergehenden ökologischen Verbesserungspotentiale darüber hinaus zu einer effizienteren Ressourcennutzung beitragen. Dies bedeutet, dass nicht nur die Optimierung von Geschäftsprozessen selbst, sondern auch die Nutzung neuer Technologien die Geschäftsprozesse und deren Umwelteinfluss verbessern können. Ein Beispiel mit zunehmender Wichtigkeit für Unternehmen besteht in der Nutzung von Cloud Computing, d.h. die Migration bestehender Anwendungen in Cloud-Infrastrukturen um eine höhere Effizienz durch verbesserte Ressourcennutzung erreichen.

IV. Fazit

Es existieren unterschiedliche Methoden und Technologien, welche für die Verbesserungen von Geschäftsprozessen auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene geeignet sind. Welche hiervon in einem konkreten Anwendungsfall passend sind, richtet sich u.a. nach den Geschäftsprozessen, den Produkten, der Unternehmensphilosophie, den strategischen Zielen und der Kompromissbereitschaft eines Unternehmens. Nachhaltigkeit in Geschäftsprozessen erfordert zudem die Betrachtung und entsprechende Erweiterung des gesamten Prozesslebenszyklus. Ein wichtiger Aspekt ist die individuelle, an den konkreten strategischen Zielen ausgerichtete Adressierung des potenziellen Zielkonflikts zwischen den einzelnen Optimierungsperspektiven und der zugehörigen Unternehmensstrategie.

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Literaturhinweise/Links
Literaturhinweise
  • Nowak, A./Leymann, F./Schumm, D./Wetzstein, B.:  An Architecture and Methodology for a Four-Phased Approach to Green Business Process Reengineering
    2011  In: ICT-GLOW 2011
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Nachhaltige Geschäftsprozesse
ist im Gabler Wirtschaftslexikon folgenden Sachgebieten zugeordnet:
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