| 
 | 
 | 
 | 
Wirtschaftslexikon
  Detailsuche
Digitale Fachbibliothek
in über 61.000 Fachbüchern + 500 Fachzeitschriften 

ANZEIGE

Bücher
Die zentrale Frage, die dieses Buch beantwortet, ist, inwiefern moralische Werte als produktive Kräfte für die Wirtschaft eine Rolle spielen. ... Vorschau
34.99 €

Dieses Buch online im Abo für monatlich 45,90 € - inkl. weiterer 61.000 Fachbücher als PDF auf Springer Professional !
Statistik (von statista.com)
Verhängte Bußgelder des Bundeskartellamts
Vom Bundeskartellamt verhängte Bußgelder von 1993 bis 2010 (in Millionen Euro)
Statistik: Verhängte Bußgelder des Bundeskartellamts Statista: hochwertige Statistiken, Umfragen und Studien aus über 10.000 Quellen
Meine zuletzt besuchten Definitionen
Schwerpunktbeiträge des Tages
Innovationsmanagement ist eine betriebliche Kerntätigkeit, die im Wesentlichen an den Eigenschaften einer Innovation ausgerichtet ist und damit Managementaspekte verbindet. Es bedarf der unternehmerischen Relevanz, um eine Neuerung im betriebswirtschaftlichen Sinn als Innovation bezeichnen zu dürfen.
von  Prof. Dr. Martin G. Möhrle
Das Lehr- und Forschungsgebiet der Arbeitsbeziehungen beschäftigt sich mit den Austauschbeziehungen zwischen den Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit. Es werden die gegensätzlichen Interessen, aber auch das von gegenseitiger Abhängigkeit geprägte Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bzw. ihren betrieblichen, sektoralen und nationalen ... mehr
von  Prof. Dr. Berndt Keller, Privatdozent Dr. rer. soc. Fred Henneberger

Ordnungsökonomik

Definition

ANZEIGE

Kurzerklärung:

Die Begriffe Ordnungstheorie und Ordnungspolitik sind im dt. Sprachraum eng mit der Freiburger Schule um Eucken, Böhm u.a. verbunden. Die Trennung der Begriffe Ordnungstheorie und -politik geht auf die im dt. Sprachraum übliche Trennung der gesamten Volkswirtschaftslehre in Theorie, Politik und Finanzwissenschaft zurück, die sich im angelsächsischen Sprachraum nie durchgesetzt hat. Unter Ordnungsökonomik wird dagegen eine auf die traditionelle Ordnungstheorie und -politik zurückgehende Teildisziplin verstanden, die neuere Erkenntnisse angrenzender Forschungsprogramme wie die der Neuen Politischen Ökonomie, der Neuen Institutionenökonomik oder der Konstitutionenökonomik produktiv integriert.

Ausführliche Erklärung:

1. Begriff: Die Begriffe Ordnungstheorie und Ordnungspolitik sind im dt. Sprachraum eng mit der Freiburger Schule um Eucken, Böhm u.a. verbunden. Die Trennung der Begriffe Ordnungstheorie und -politik geht auf die im dt. Sprachraum übliche Trennung der gesamten Volkswirtschaftslehre in Theorie, Politik und Finanzwissenschaft zurück, die sich im angelsächsischen Sprachraum nie durchgesetzt hat. Unter Ordnungsökonomik wird dagegen eine auf die traditionelle Ordnungstheorie und -politik zurückgehende Teildisziplin verstanden, die neuere Erkenntnisse angrenzender Forschungsprogramme wie die der Neuen Politischen Ökonomie, der Neuen Institutionenökonomik oder der Konstitutionenökonomik produktiv integriert. Wie andere Teildisziplinen auch, wird die Ordnungsökonomik nicht primär über den Erkenntnisgegenstand, sondern über die genutzte Methode abgegrenzt.

2. Fragestellung: Unter Ordnung wird mit Hayek (1981) ein Sachverhalt beschrieben, „in dem eine Vielzahl von Elementen verschiedener Arten in solcher Beziehung zueinander stehen, dass wir aus unserer Bekanntschaft mit einem räumlichen oder zeitlichen Teil des Ganzen lernen können, richtige Erwartungen bez. des Restes zu bilden, oder doch zumindest Erwartungen, die sich sehr wahrscheinlich als richtig erweisen werden.” Die Grundfrage der Ordnungsökonomik lautet, wie die Regeln beschaffen sein müssen, welche die Herausbildung und Aufrechterhaltung einer wohlfahrtssteigernden Ordnung ermöglichen. Zentraler Ansatzpunkt der Ordnungsökonomik sind also nicht die konkreten Ergebnisse von Tauschhandlungen, sondern die Regeln, innerhalb derer Tauschhandlungen erfolgen.

An der Art ihrer Entstehung anknüpfend können zwei Arten von Ordnungen unterschieden werden:
(1) Spontan entstandene Ordnungen (auch spontane Ordnung) genannt.

Beispiele: Sprache, Moral, Geld, Schrift, aber auch Märkte.
(2) Gesetzte bzw. geplante Ordnungen (auch als Organisation bezeichnet).

Beispiele: Armeen, Betriebe und Regierungen. Obwohl Ordnungen spontan entstehen können, unterliegen die Handlungen der betroffenen Subjekte doch bestimmten Regeln. Die Eigenschaften der Regeln, die hinter spontanen bzw. gemachten Ordnungen stehen, sind jedoch grundverschieden: Spontane Ordnungen (v.a. Märkte) werden durch „universalisierbare” Regeln ermöglicht. Darunter werden Verhaltensregeln verstanden, die für eine Vielzahl von Fällen gültig sind, die negativ formuliert sind - also kein bestimmtes Handeln vorschreiben, aber bestimmte Handlungen untersagen - und die bestimmt sind, bei denen ein Individuum also wissen kann, ob es regelkonform handelt oder nicht. In der spontanen Ordnung Markt finden sich universalisierbare Regeln im Privat- und im Strafrecht. Davon zu unterscheiden sind „Organisationsregeln”, die ein Subordinationsverhältnis begründen und dem jeweils höher Gestellten das Recht geben, dem jeweils niedriger gestellten Befehle zu erteilen. Sie sind nicht allgemeingültig, sondern nur für spezifische Fälle. Sie sind nicht negativ, sondern positiv formuliert. Eine Konkretisierung in der Staatsordnung ist das öffentliche Recht. Hayek folgend ist es unzweckmäßig, die Wirkungsweise der spontanen Ordnung durch Beimengung von Organisationselementen verbessern zu wollen. Diese Überlegungen können relevant sein für wirtschaftspolitisches Handeln, wenn die Voraussetzungen geschaffen werden können, die zur Herausbildung einer spontanen Ordnung führen.

3. Zur Funktion von Institutionen: Unter Institutionen werden in der Ordnungsökonomik gemeinhin bekannte Regeln verstanden, die von einer Gruppe von Teilnehmern genutzt werden, um wiederholt auftretende Interaktionen zu ordnen. Ein Regelverstoß wird mit einer Sanktionsdrohung belegt. Eine Institution besteht also aus zwei Elementen, nämlich Regel und Sanktion. Verschiedene Sanktionsmechanismen können unterschieden werden: Bei externen Institutionen erfolgt die Sanktion unter Rückgriff auf das staatliche Gewaltmonopol, während sie bei internen Institutionen nicht unter Rückgriff auf das staatliche Gewaltmonopol erfolgt. Hier ist zu denken an die informelle Sanktion durch Dritte (böser Blick, Reputationsverlust, Ausschluss aus einer Gruppe), aber auch die formelle Sanktion durch Dritte, die allerdings nicht auf den Staat zurückgreifen wie z.B. private Schiedsgerichte, wie sie v.a. im internationalen Handel genutzt werden. Allg. besteht die Funktion von Institutionen darin, Unsicherheit über das Verhalten anderer zu reduzieren, also strategische Unsicherheit zu mindern. Allerdings ist es keineswegs so, dass Institutionen Transaktionen in jedem Fall erleichtern sollen. Durch Institutionen können bestimmte Formen der Kooperation ausdrücklich verhindert werden (etwa Kartelle); in diesen Fällen erhöhen die gewählten Institutionen (z.B. das Kartellrecht) die Transaktionskosten der Beteiligten.

4. Abgrenzung von der Wohlfahrtsökonomik: Ordnungsökonomen halten den Versuch, eine optimale Allokation im Sinn von Endzuständen herbeizuführen, für grundsätzlich verfehlt. Für sie ist Wirtschaft kein zu organisierendes Ganzes, mit einer irgendwie zu maximierenden Zielgröße. Stattdessen steht die Frage im Vordergrund, wie eine Vielzahl von Individuen mit einer Vielzahl von Zielen ihr Handeln so koordinieren können, dass Ordnung zum Wohl aller Betroffenen resultiert. Wenn die Wohlfahrtsökonomik als Allokationslogik bezeichnet werden kann, dann könnte die Ordnungsökonomik als Koordinationslogik bezeichnet werden. Die Koordination individueller Handlungen wird hier nicht über wünschenswerte Ergebnisse herbeigeführt, sondern über Regeln. Ordnungsökonomen interessieren sich also nicht primär für Handlungen, die innerhalb gegebener Regeln stattfinden, sondern dafür, wie diese Regeln selbst gewählt werden (s. Konstitutionenökonomik). Sie wählen somit eine andere Analyse-Ebene als Wohlfahrtsökonomen. Da hier nur Regeln von Interesse sind, die für eine Vielzahl von Individuen für eine Vielzahl von Interaktionssituationen Gültigkeit haben, kann die Wahl dieser Regeln kaum als individuelle Wahlhandlung modelliert werden, sondern muss als kollektive Wahlhandlung analysiert werden. Sie ist den individuellen Wahlhandlungen auf der Marktebene vorgelagert.

5. Ausblick: Defizite hat die Ordnungsökonomik noch bei der Erklärung der Veränderungen von Institutionen unter Rückgriff auf ökonomisches Instrumentarium. Bes. gravierend ist der Forschungsbedarf hier in Bezug auf interne bzw. informelle Institutionen.

Suche in der E-Bibliothek für Professionals

ANZEIGE

Sachgebiete
Ordnungsökonomik
ist im Gabler Wirtschaftslexikon folgenden Sachgebieten zugeordnet:
Informationen zu den Sachgebieten
Durch eine internationale Rechnungslegung und damit internationale Harmonisierung der Rechnungslegung soll eine Vergleichbarkeit bzw. Interpretierbarkeit der Jahresabschlüsse international agierender Unternehmen, die ansonsten nach länderspezifischen, unterschiedlichen Rechtsnormen erstellt sind, erreicht werden. Diese Harmonisierung ist seit 2001 Aufgabe des IASB, des privatrechtlichen ... mehr
Die Wirtschaftsinformatik als Wissenschaft von der Konzeption, Entwicklung und Anwendung computergestützter Informations- und Kommunikationssysteme (IKS) nimmt eine interdisziplinäre Schnittstellenfunktion zwischen der Betriebswirtschaftslehre und der Informatik ein. Jedoch bietet die Wirtschaftsinformatik auch zusätzliche Funktionen/Ergebnisse wie etwa Methoden und Modelle, anhand derer ... mehr
Weiterführende Schwerpunktbeiträge
I. Begriff und Einordnung Unter dem Begriff Web 2.0 wird keine grundlegend neue Art von Technologien oder Anwendungen verstanden, sondern der Begriff beschreibt eine in sozio-technischer Hinsicht veränderte Nutzung des Internets, bei der dessen Möglichkeiten konsequent genutzt und weiterentwickelt werden. Es ... mehr
Schwerpunktbeitrag von  Prof. Dr. Richard Lackes, Dr. Markus Siepermann
I. Begriff Beschwerdemanagement umfasst die Planung, Durchführung und Kontrolle aller Maßnahmen, die ein Unternehmen im Zusammenhang mit Kundenbeschwerden ergreift. II. Ziele des Beschwerdemanagements Das generelle Ziel des Beschwerdemanagements liegt darin, Gewinn und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens dadurch zu erhöhen, dass Kundenabwanderungen unzufriedener Kunden vermieden ... mehr
Schwerpunktbeitrag von  Prof. Dr. Bernd Stauss
I. Zweck und Ziel Die Börsenkommunikation gehört zu den Kommunikationsformen der Public Relations (PR). Ihr zentraler Zweck ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens am Kapitalmarkt zu sichern. Die Aktie wird dabei weniger als Anteilsschein am Unternehmen, sondern vielmehr als eigenständiges Produkt ... mehr
Schwerpunktbeitrag von  Dr. Perry Reisewitz