| 
 | 
 | 
 | 
Wirtschaftslexikon
  Detailsuche
Digitale Fachbibliothek
in 50.000 Fachbüchern + 300 Fachzeitschriften 

ANZEIGE

Bücher
Deutschland ist aus dem Tritt geraten: Massenarbeitslosigkeit, nicht mehr finanzierbare soziale Sicherungssysteme, überschuldete öffentliche Haushalte, ein Staat, der die nötigen ... Vorschau
Statistik (von statista.com)
Meine zuletzt besuchten Definitionen
Schwerpunktbeiträge des Tages
Die Neue Politische Ökonomie (NPÖ) stellt eine Ausweitung der ökonomischen Analyse auf den Bereich der Politik dar. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen politische Institutionen und das Handeln politischer Akteure. Die Vertreter der NPÖ bedienen sich verschiedener ökonomischer Methoden, bspw. der ... mehr
von  Dr. rer. pol. Enrico Schöbel
Corporate Social Responsibility; Abk. CSR, stellt einen aus dem Anglo-Amerikanischen kommenden (normativen) Schlüsselbegriff der Unternehmensethik dar, welcher die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen aufspannt.
von  Prof. Dr. Nick Lin-Hi

soziale Sicherung

Definition

ANZEIGE

Kurzerklärung:

Die soziale Sicherung stellt einen der zentralen Zweige der Sozialpolitik dar. Sie dient der Überwindung bestimmter Fälle von Marktversagen, speziell im Zusammenhang mit der Bildung und Verwertung von Humankapital bzw. Humanvermögen, sowie der Erreichung bestimmter verteilungspolitischer Ziele (Sozialpolitik in der Marktwirtschaft).

Ausführliche Erklärung:

1. Begriff: Die soziale Sicherung stellt einen der zentralen Zweige der Sozialpolitik dar. Sie dient der Überwindung bestimmter Fälle von Marktversagen, speziell im Zusammenhang mit der Bildung und Verwertung von Humankapital bzw. Humanvermögen, sowie der Erreichung bestimmter verteilungspolitischer Ziele (Sozialpolitik in der Marktwirtschaft).

2. Organisation: In Deutschland werden Leistungen der sozialen Sicherung im Rahmen eines gegliederten Systems erbracht. Die traditionelle Selbstverwaltung der sozialen Sicherung in Form von Körperschaften des öffentlichen Rechts gilt für die gesetzliche Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung und Pflegeversicherung. Eine bes. Form der Selbstverwaltung gilt für die Bundesagentur für Arbeit, die v.a. die Arbeitslosenversicherung administriert. Ergänzend erbringen allg. staatliche oder kommunale Verwaltungen Leistungen in den Bereichen Sicherung der Familie und von Kindern, Grundsicherung Erwerbsfähiger (Arbeitslosengeld II), Sozialhilfe, Wohnungspolitik (soziale Sicherung des Wohnens), Eingliederung behinderter Menschen, soziale Sicherung von Wehrpflichtigen und Zivildienstleistenden und Absicherung von Kriegsfolgen.

Im Gegensatz zu Deutschland wird in anderen entwickelten Ländern soziale Sicherung oft direkt vom Staat angeboten (Beveridge-Plan). Die Leistungen sind dadurch politisch besser steuerbar, aber auch relativ unsicher, wenn im Staatshaushalt Finanzierungsprobleme auftreten. Daneben spielen oftmals Privatversicherungen eine größere Rolle als in Deutschland.

3. Gesetzliche Regelungen: Das Sozialgesetzbuch (SGB) enthält wichtige gesetzliche Grundlagen der sozialen Sicherung in Deutschland. Die Sozialgerichtsbarkeit dient der juristischen Kontrolle in einem eigenen Instanzenzug.

a) Leistungen: Die meisten Leistungen der sozialen Sicherung werden in Bundesgesetzen geregelt. Das gilt insbesondere auch für die Leistungen der Sozialversicherungen, da diese gesetzliche Zwangsversicherungen darstellen. Alle gleichartigen Träger eines Versicherungszweiges der Sozialversicherung müssen im Wesentlichen gleiche Leistungen (Regelleistungen) anbieten. Darüber hinaus können durch Regelung in der Satzung der einzelnen Träger jedoch auch Mehrleistungen erbracht werden, die allerdings nur eine geringe Rolle spielen.

b) Finanzierung: Die Finanzierung der Sozialversicherungen erfolgt überwiegend aus (zweckgebundenen) Beiträgen, unmittelbar vom Staat angebotene Leistungen der sozialen Sicherung werden aus allg. Haushaltsmitteln (Steuern, öffentliche Kreditaufnahme) finanziert. Nennenswerte Zuschüsse aus allg. Haushaltsmitteln erhalten allerdings auch die Rentenversicherung und, in wachsendem Maße, die Krankenversicherung.

c) Beitragshoheit: Eine wesentliche Befugnis der Selbstverwaltung der sozialen Sicherung, die Beitragshoheit, gilt heute nur noch in der Unfallversicherung, bei der die einzelnen Träger ihre ausschließlich durch die Unternehmer zu erbringenden Beiträge mittels Satzung festlegen. Bis zur Gesundheitsreform 2007 herrschte auch in der Krankenversicherung Beitragshoheit, mit regional und nach Kassen unterschiedlichen Beitragssätzen. Seither erfolgt die Beitragsfestsetzung, wie schon zuvor bei der Rentenversicherung, durch gesetzliche Regelung. Die einzelnen Krankenkassen haben aber seit 2009 das Recht, Zusatzbeiträge für ihre Mitglieder festzusetzen.

4. Aktuelle Herausforderungen: Sozialpolitik in der Marktwirtschaft.

Suche in der E-Bibliothek für Professionals

ANZEIGE

Sachgebiete
soziale Sicherung
ist im Gabler Wirtschaftslexikon folgenden Sachgebieten zugeordnet:
Informationen zu den Sachgebieten
Die Versicherungswirtschaft ist zum einen ein Wirtschaftszweig von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung und zum anderen eine spezielle Betriebwirtschaftslehre - auch Versicherungsbetriebslehre genannt. Als Wirtschaftszweig mit Dienstleistungscharakter ist die Versicherungswirtschaft mit Aufgaben der Schadensverhütung und -regulierung und der Sammlung von Kapital betraut. ... mehr
Durch eine internationale Rechnungslegung und damit internationale Harmonisierung der Rechnungslegung soll eine Vergleichbarkeit bzw. Interpretierbarkeit der Jahresabschlüsse international agierender Unternehmen, die ansonsten nach länderspezifischen, unterschiedlichen Rechtsnormen erstellt sind, erreicht werden. Diese Harmonisierung ist seit 2001 Aufgabe des IASB, des privatrechtlichen ... mehr
Die Wirtschaftsinformatik als Wissenschaft von der Konzeption, Entwicklung und Anwendung computergestützter Informations- und Kommunikationssysteme (IKS) nimmt eine interdisziplinäre Schnittstellenfunktion zwischen der Betriebswirtschaftslehre und der Informatik ein. Jedoch bietet die Wirtschaftsinformatik auch zusätzliche Funktionen/Ergebnisse wie etwa Methoden und Modelle, anhand derer ... mehr
Weiterführende Schwerpunktbeiträge
I. Ursprung Vor dem Hintergrund immer lauterer Kritik an der Eindimensionalität finanzieller Kennzahlensysteme in den USA wurde Anfang der 1990er-Jahre unter der Leitung von R.S. Kaplan und D.P. Norton ein Forschungsprojekt mit zwölf US-amerikanischen Unternehmen durchgeführt. Ziel war, die vorhandenen Kennzahlensysteme ... mehr
Schwerpunktbeitrag von  Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Weber
I. Begriff und Gegenstand Seit den späten 1990er-Jahren wurde die wirtschafts- und strukturpolitische Diskussion in Deutschland und anderen hochentwickelten Ländern stark vom Schlagwort der „Neuen Ökonomie” (New Economy) geprägt. Sie stand unter der Erwartung, dass das Internet und damit verknüpfte Informations- ... mehr
Schwerpunktbeitrag von  Prof. Dr. Henning Klodt
I. Entwicklung Die Untersuchung der Entwicklungsdynamik der kapitalistischen Gesellschaft stand im Zentrum der Soziologie während ihrer Gründungsphase als akademisches Fach (1890-1920). Karl Marx, Émile Durkheim, Georg Simmel und Max Weber entwickelten Gesellschaftstheorien, in denen das Zusammenspiel von Wirtschaft, Kultur und Sozialstruktur ... mehr
Schwerpunktbeitrag von  Prof. Dr. Jens Beckert, Dr. Sascha Münnich