Direkt zum Inhalt

Arbeitsschutz

(weitergeleitet von Bildschirmarbeitsplatz)
Definition

Die arbeitsschutzrechtlichen Pflichten des Arbeitgebers und die Pflichten und Rechte der Beschäftigten sind im Grundsatz im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) vom 7.8.1996 (BGBl. I 1246) m.spät.Änd. geregelt. Danach ist der Arbeitgeber verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Schutzzweck
    2. Gliederung des Arbeitsschutzes
    3. Durchführung
    4. Verordnungen nach dem ArbSchG

    Arbeitnehmerschutz; Schutz der Arbeitnehmer durch gesetzliche Regelungen (Arbeitsschutzrecht).

    Schutzzweck

    Der Arbeitnehmer hat mit technischen Einrichtungen zu tun und ist in Produktionsverfahren eingegliedert, die seine Gesundheit bedrohen können. Gefahren für den Arbeitnehmer können sich auch aus der wirtschaftlichen Überlegenheit des Arbeitgebers ergeben. Dem Schutz vor diesen Gefahren dient das gesamte Arbeitsrecht. Auf dem Gebiete des Arbeitsschutzes hat der Gesetzgeber Vorschriften erlassen, deren Einhaltung nicht im Belieben des Arbeitgebers stehen. Die Verpflichtung zur Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften besteht gegenüber dem Staat.

    Das Arbeitsschutzrecht wirkt aber auch auf den privatrechtlichen Inhalt des Arbeitsverhältnisses ein. Bei Nichteinhaltung der Arbeitsschutzvorschriften hat der Arbeitnehmer u.U. ein Leistungsverweigerungsrecht und kann bei schuldhafter Verletzung der Schutzvorschriften Schadensersatz verlangen.

    Gliederung des Arbeitsschutzes

    1. Nach dem geschützten Personenkreis: a) Allgemeiner Arbeitsschutz: Gilt für alle Arbeitnehmer.

    b) Bes. Arbeitsschutz: Gilt für einzelne Berufsgruppen, z.B. Bergleute (BundesbergG), Seeleute (Seearbeitsgesetz), mit gefährlichen Stoffen Beschäftigte [Chemikaliengesetz (ChemG), Gentechnikgesetz (GenTG), Störfall-Verordnung, Strahlen- und Röntgenschutzverordnung], Heimarbeiter sowie für Frauen (Mutterschutz), für Jugendliche (Jugendarbeitsschutz) und für behinderte Menschen (SGB IX).

    2. Nach dem Gegenstand: a) Betriebs- oder Gefahrenschutz: Vorschriften zur Verhütung von Betriebsunfällen bilden einen wesentlichen Teil des Arbeitsschutzes.
    b) Arbeitszeitschutz: Gesetzliche Verbote von Feiertagsarbeit und Vorschriften über die Höchstarbeitszeit schützen gegen Überanstrengung und vorzeitigen Verschleiß der Arbeitskraft (Arbeitszeit, Sonntagsarbeit).
    c) Arbeitsvertragsschutz: Schutz vor unsozialer Regelung der vertraglichen Arbeitsbedingungen. Dazu dient z.B. das Truckverbot. Zu dem aus dem Arbeitsvertrag folgenden Arbeitsschutz vgl. Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.

    Durchführung

    1. Die arbeitsschutzrechtlichen Pflichten des Arbeitgebers und die Pflichten und Rechte der Beschäftigten sind im Grundsatz im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) vom 7.8.1996 (BGBl. I 1246) m.spät.Änd. geregelt. Danach ist der Arbeitgeber verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu prüfen und sich ändernden Gegebenheiten anzupassen (§§ 3–14 ArbSchG). Die Beschäftigten sind verpflichtet, nach ihren Möglichkeiten sowie gemäß der Unterweisung und Weisung des Arbeitgebers für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Sorge zu tragen (§§ 15–17 ArbSchG).

    2. Der Betriebsrat hat bestimmte Aufgaben auf dem Gebiet des Arbeitsschutzes. Er hat darüber zu wachen, dass die Unfallverhütungsvorschriften durchgeführt werden (§ 80 I Nr. 1 BetrVG). Er hat mitzubestimmen über Regelungen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie über den Gesundheitsschutz im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und der Unfallverhütungsvorschriften (§ 87 I Nr. 7 BetrVG). Zusätzliche Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Gesundheitsschädigungen können im Wege freiwilliger Mitbestimmung (Betriebsverfassung, Betriebsrat) in Betriebsvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat vereinbart werden (§ 88 I Nr. 1 BetrVG). Nach § 89 BetrVG hat der Betriebsrat die Pflicht, durch Überwachung den Unfallgefahren im Betrieb entgegenzuwirken.

    3. In Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten hat der Unternehmer einen oder mehrere Sicherheitsbeauftragte zu bestellen (§ 22 SGB VII). Nach dem Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit vom 12.12.1973 (BGBl. I 1885) m.spät.Änd. hat der Arbeitgeber Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu bestellen.

    4. Die Gewerbeaufsicht hat zu überwachen, dass in Betrieben die Schutzvorschriften befolgt werden. Der Zuständigkeitsbereich der Gewerbeaufsicht ist in den verschiedenen Arbeitsschutzvorschriften geregelt und erfasst auch die sonstigen Unfallschutzvorschriften, den Bereich der Gewerbehygiene, des Arbeitszeitschutzes und den Schutz der Mütter, Jugendlichen und Kinder. Für den Arbeitsschutz im Bergbau und in der Seeschifffahrt sind Sonderbehörden zuständig. Gewerbeaufsichtsbeamte haben das Recht, jederzeit - auch nachts - ohne vorherige Anmeldung die Betriebsanlagen zu kontrollieren; sie können Verbote und Auflagen bez. gefährlicher Anlagen erlassen. Als Zwangsmittel der Aufsichtsbehörden kommen in Betracht Ersatzvornahme (Ausführung der zu erzwingenden Maßnahme auf Kosten des Pflichtigen), die Festsetzung von Zwangsgeld und die Anwendung unmittelbaren Zwanges.

    Verordnungen nach dem ArbSchG

    Aufgrund des ArbSchG sind eine Reihe Verordnungen erlassen worden, etwa die PSA-Benutzungsverordnung, die Lastenhandhabungsverordnung, die Bildschirmarbeitsverordnung, die Baustellenverordnung und die Gefahrstoffverordnung.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Arbeitsschutz Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/arbeitsschutz-31113 node31113 Arbeitsschutz node28071 Arbeitsrecht node31113->node28071 node37679 Koalition node28071->node37679 node30041 Betriebssoziologie node30041->node28071 node51993 Bürgerliches Recht node51993->node28071 node51158 Verhaltenskodizes node51158->node28071 node30423 Arbeitsschutzrecht node30423->node31113 node28833 BiostoffVO node28833->node31113 node29033 Bergbaubeschäftigte node29033->node31113 node29236 Beschäftigungsverbot node29236->node31113 node29095 Arbeitszeit node29236->node29095 node38386 Mutterschutz node29236->node38386 node37386 Jugendarbeitsschutz node29236->node37386 node29095->node31113 node38386->node31113 node37386->node31113
      Mindmap Arbeitsschutz Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/arbeitsschutz-31113 node31113 Arbeitsschutz node28071 Arbeitsrecht node31113->node28071 node30423 Arbeitsschutzrecht node30423->node31113 node28833 BiostoffVO node28833->node31113 node29033 Bergbaubeschäftigte node29033->node31113 node29236 Beschäftigungsverbot node29236->node31113

      News SpringerProfessional.de

      • Wenige Unternehmen sind fit für die DSGVO

        Der Countdown läuft: Noch bis zum 25. Mai 2018 haben Organisationen für die Vorbereitungen auf die EU-Datenschutzverordnung Zeit. Wie eine Studie zeigt, hinken die meisten allerdings bei der Umsetzung hinterher. 

      • Nachfolger verzweifelt gesucht

        So viele Unternehmen wie noch nie sind auf Nachfolgersuche. Gleichzeitig geht die Schere zwischen Übergabewilligen und Übernahmeinteressenten immer weiter auseinander. Woran es liegt und was Unternehmer tun können.

      • Unternehmen profitieren von Corporate Volunteering

        Engagieren sich Mitarbeiter freiwillig für das Gemeinwohl, profitieren nicht nur gemeinnützige Organisationen und Gesellschaft davon, sondern auch Unternehmen. Wie Corporate Volunteering geplant und in der Unternehmensstrategie verankert wird.

      • Was Bewerber garantiert abschreckt

        Sie sollen Status symbolisieren und modern daher kommen, erreichen aber das genaue Gegenteil. Arbeitsuchende empfinden englische Jobtitel häufig als unnötig aufgebläht. Keep ist simple, ist der bessere Anglizismus im Recruiting.

      • Big Brother im Büro

        Die totale Überwachung von Mitarbeitern ist längst keine negative Utopie mehr, wie sie George Orwell oder Dave Eggers in ihren Romanen heraufbeschwören. Unternehmen können bereits jetzt die Aktivitäten ihrer Angestellten rundum erfassen. Wissenschaftler warnen vor Missbrauch.

      • Private Equity in Deutschland boomt

        Unternehmen günstig kaufen und mit Gewinn verkaufen. Das ist das Konzept von Private Equity-Gesellschaften. Sie sind in Deutschland nach wie vor sehr aktiv, wie eine aktuelle Studie zeigt.

      • Zu wenig Innovation vor lauter Transformation

        Im BCG-Innovations-Ranking 2018 liegen US- und Digitalunternehmen klar vorn. Deutsche Firmen sind erst ab Platz 21 zu finden. Doch was hemmt hierzulande eigentlich die Innovationskraft?

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      RA Dr. Joachim Wichert
      aclanz – Partnerschaft von Rechtsanwälten
      Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht
      Jan-Hendrik Krumme
      Sekretariat der Kultusministerkonferenz
      Referatsleiter Personalwesen, Organisation, Rechts- und Grundsatzangelegenheiten

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Das Nichteinhalten von Arbeitsschutzvorschriften ist in der Regel nicht strafbewehrt, solange der Verstoß gegen die Bestimmungen keine schwerwiegenden Folgen (Personenschäden) hat. Solange die Nicht-Einhaltung nicht von der Gewerbeaufsicht oder …
      Seit es die Schifffahrt gibt, passieren Unfälle auf See. Spektakuläre Schiffsunglücke wie die der Titanic, Pamir, Exxon Valdez, Estonia, Prestige oder Pallas haben viel Leid für Mensch und Umwelt ausgelöst, aber ohne sie hätte es die großen …
      Höchst unterschiedliche Szenarien der Arbeits- und Technikgestaltung in der Digitalisierung sind denkbar. Das gilt auch für die Frage, welche Anforderungen und digitale Belastungen auf die Beschäftigten zukommen werden und auf welche …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

      Sachgebiete