Direkt zum Inhalt

Capital Asset Pricing Model (CAPM)

(weitergeleitet von Kapitalmarktlinie)
Definition

Theoretisch fundiertes Kapitalmarktmodell, nach dem die erwartete Rendite eines Wert­papiers eine lineare Funktion der Risikoprämie des Marktporte­feuilles ist. Das Marktportefeuille ist die Gesamtheit aller umlaufenden riskanten Wertpa­pie­re. Je stärker ein Wertpapier auf Marktschwankungen reagiert, desto höher ist seine erwartete Rendite.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Auf der Portefeuilletheorie (Portfolio Selection) basierendes Modell des Kapitalmarktes zur Erklärung von Wertpapierrenditen und zur Ableitung von Handlungsempfehlungen; theoretische Alternative u.a. zur Arbitrage Pricing Theory (APT).

    2. Grundlagen: Dem Capital Asset Pricing Model (CAPM) liegt die Erkenntnis der Portefeuilletheorie zugrunde, dass sich durch Mischung von Wertpapieren (Diversifikation) deren Risiko (Renditeschwankungen) reduzieren lässt, sofern die Renditen nicht vollständig positiv korreliert sind. Unter der Annahme risikoscheuer Investoren sind all jene Mischungen effizient, die bei gegebener Renditeerwartung ein minimales Risiko bzw. bei gegebenem Risiko eine maximale Renditeerwartung aufweisen. Die Überleitung zum Kapitalmarktmodell erfolgt durch die explizite Einbeziehung eines vollkommenen Kapitalmarktes an dem bes. Kapital zum gleichen Zinssatz risikolos angelegt und aufgenommen werden kann und alle Marktteilnehmer über homogene, d.h. gleichartige Erwartungen hinsichtlich aller relevanten Momente von Wertpapierrenditen verfügen. Hieraus resultiert eine einzige effiziente Struktur der Portefeuilles riskanter Wertpapiere, die im Gleichgewicht der Struktur des Marktportefeuilles (des Gesamtangebots riskanter Wertpapiere entspricht) und unabhängig vom Grad der Risikoscheu des Investors ist (Tobin-Separation). Jede andere Portefeuillestruktur riskanter Wertpapiere weist bei gleicher Renditeerwartung ein höheres Risiko auf und ist daher ineffizient. Als effizientes Gesamtportefeuille ergibt sich somit stets eine Mischung aus risikoloser Kapitalanlage und dem Marktportefeuille. Welche Mischung gewählt wird, ist vom Grad der Risikoscheu des Investors abhängig. Durch die Einbeziehung des Kapitalmarktes lässt sich anhand der sog. Kapitalmarktlinie ein linearer Zusammenhang zwischen dem Risiko (gemessen als Standardabweichung der Wertpapierrendite σp) eines effizienten Gesamtportefeuilles p und seiner Renditeerwartung E (Rp) herstellen (vgl. Abbildung „Kapitalmarktlinie”).

    Die Steigung kann als Preis für eine Risikoeinheit, σp als Risikohöhe interpretiert werden. Das Produkt aus beidem gibt dabei die Risikoprämie für die Übernahme des Risikos an. Für die Kapitalmarktlinie gilt formal:

    wobei: E (Rp) = Renditeerwartung eines effizienten Gesamtportefeuilles p, Rf = risikoloser Zinssatz, E (Rm) = Renditeerwartung des Marktportefeuilles, σm = Standardabweichung der Rendite des Marktportefeuilles, σp = Standardabweichung der Rendite des effizienten Gesamtportfeuilles p. Die Effizienzkurve riskanter Portefeuilles gibt die effiziente Mischung von Wertpapieren ohne Einbeziehung der risikolosen Geldanlage an.

    Für die Bewertung eines einzelnen Wertpapiers ist dessen Renditeerwartung E(Ri) in Abhängigkeit von der relativierten Risikogröße ßi als Wertpapierlinie (oder Wertpapiermarktlinie) aus dem Gesamtportefeuille zu isolieren (vgl. Abbildung „Wertpapierline”).

    Formal gilt:

    E (Ri) = Rf + (E (Rm) - Rf) ßi

    Die relativierte Risikohöhe ßi wird als Beta-Faktor (Beta-Koeffizient) bezeichnet und bringt das Risiko des Wertpapiers i im Verhältnis zum Marktportefeuille zum Ausdruck, gemessen als Quotient aus der Kovarianz der Renditen des Marktportefeuilles und des Wertpapiers i und der Varianz der Rendite des Marktportefeuilles (covim / σ2m). Im Beta-Faktor ist nur das systematische Risiko (Marktrisiko) enthalten. Das unsystematische (unternehmensspezifische) Risiko gilt als wegdiversifiziert.

    3. Praktische Bedeutung: Die praktische Anwendung ist durch teils restriktive Annahmen des Modells wie etwa die homogener Erwartungen erschwert. Ferner wird zur Bestimmung der Renditeerwartungswerte i.d.R. auf Vergangenheitswerte zurückgegriffen. Dies impliziert jedoch im Zeitablauf konstante Eigenschaften von Wertpapierrenditen. Real sind hier Veränderungen zu beobachten, weshalb eine Bewertung bei Verwendung historischer Daten häufig fehlerhaft ist. Infolge dieser Probleme findet der Gedanke der Risikostreuung (Diversifikation) zwar in zahlreichen Wertpapierfonds seinen Niederschlag, doch weisen diese vielfach völlig unterschiedliche Strukturen auf und weichen von einem einheitlichen Marktportefeuille ab. Als Stellvertreter für das Marktportefeuille werden häufig Indizes wie etwa der Deutsche Aktienindex (DAX) herangezogen. Auf der Grundlage einer sicheren Datenbasis stellt das Capital Asset Pricing Model (CAPM) in der Praxis ein wichtiges Instrument zur Feststellung der Überbewertung (Renditeerwartung des Wertpapiers unterhalb der Wertpapierlinie) bzw. der Unterbewertung (Renditeerwartung oberhalb der Wertpapierlinie) eines Wertpapiers dar.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Capital Asset Pricing Model (CAPM) Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/capital-asset-pricing-model-capm-28840 node28840 Capital Asset Pricing ... node43717 Portfolio Selection node28840->node43717 node40664 Kapitalmarkt node28840->node40664 node27793 Arbitrage Pricing Theory ... node28840->node27793 node29123 Beta-Koeffizient node28840->node29123 node34156 Diversifikation node43717->node34156 node40663 Kapitalmarkttheorie node43717->node40663 node38931 internationale Unternehmung node43717->node38931 node36070 Effizienz des Kapitalmarkts node40664->node36070 node40464 Kreditrationierung node40464->node40664 node54278 Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetz ... node54278->node40664 node52954 Einstandszinssatz node52954->node40664 node27346 charakteristische Linie node27346->node28840 node27346->node29123 node42431 Rendite node27346->node42431
      Mindmap Capital Asset Pricing Model (CAPM) Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/capital-asset-pricing-model-capm-28840 node28840 Capital Asset Pricing ... node43717 Portfolio Selection node28840->node43717 node40664 Kapitalmarkt node28840->node40664 node27793 Arbitrage Pricing Theory ... node28840->node27793 node29123 Beta-Koeffizient node28840->node29123 node27346 charakteristische Linie node27346->node28840

      News SpringerProfessional.de

      • Was Arbeit in Europa kostet

        Für eine Arbeitsstunde zahlt die deutsche Wirtschaft durchschnittlich 34,1 Euro. Doch bei den Arbeitskosten gibt es zwischen den EU-Mitgliedstaaten deutliche Unterschiede: Es geht noch teurer – aber auch viel billiger.

      • "Das Silicon Valley ist nicht über Nacht entstanden"

        Wenn es ein Digitalisierungs-Mekka gibt, in das deutsche Manager pilgern, ist es das Silicon Valley. Was Unternehmen von den US-Vorreitern lernen und ob sie die 180-Grad-Wende schaffen können, beantworten Sven Grote und Rüdiger Goyk im Gespräch.

      • Utility 4.0 – mehr als eine Worthülse?

        Vierpunktnull auf Teufel komm raus. Kein Themengebiet scheint heute ohne das Zahlenkürzel '4.0' auszukommen. Mit Utility 4.0 ist dieses Phänomen nun auch im Energiesektor angekommen. Zu Recht?

      • Das blaue Jobwunder der Digitalisierung

        Immer mehr Studien prognostizieren, dass die digitale Transformation insgesamt keine Arbeitsplätze kostet. Denn es entstehen auch jede Menge neue Jobs. Die erfordern jedoch andere Kompetenzen.

      • Starke Teams lassen Risiken zu

        "Werde eins mit deinem Projekt", proklamierte vor Jahren eine Baumarktkette. Ein kerniger Slogan, der seine Parallele in einer Google-Studie findet: Teammitglieder die risikobereit in ihrer Aufgabe aufgehen, arbeiten effektiver.

      • "Freibeträge in Abfindungsregelungen wieder einführen"

        Seit 1. Januar gilt die Institutsvergütungsverordnung (IVV). Mit ihr wurden in erster Linie die Anforderungen der Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA für eine solide Vergütungspolitik in deutsches Recht umgesetzt. Wie sich das auf die Personal- und Abfindungsstrategien bei den Banken auswirkt, erklärt Jurist Christoph Abeln im Interview.

      • So teuer wird der Fachkräftemangel

        Dass der Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft bremst, ist nicht neu. Allerdings war bislang nicht klar, wie sehr fehlendes Personal zu Buche schlägt. Einer Studie zufolge drohen bis zum Jahr 2030 wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. 

      • KMU zögern bei tiefgreifender Digitalisierung

        Der digitale Wandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus. Viele kleine und mittelständische Unternehmen haben das nicht vollends erkannt, weshalb sie sich auf die Optimierung einzelner interner Prozesse versteifen.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Wolfgang Breuer
      RWTH Aachen,
      Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre,
      insb. Betriebliche Finanzwirtschaft
      Professor
      Prof. Dr. Claudia Breuer
      Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe - University of Applied Sciences
      Professorin für Finanzwirtschaft und Nachhaltigkeit

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      This study introduces an approach to fitting a copula based seemingly unrelated regression to an interval-valued data set. This approach consists of fitting a model on the appropriate point of the interval values assumed by the variables in the …
      We present an alternative robust formulation to the determination of the Capital Asset Pricing Model. We consider that both the asset and the market returns are uncertain and subject to some structured perturbations, and calculate a robust beta.
      Conventional asset pricing models assume, rather unrealistically, that investors live for exactly a single time span, during which they will confront no potential changes in consumption preferences, liquidity needs, or tolerance for risk. Robert …

      Sachgebiete