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Dieser Text basiert auf dem Artikel Finanzanalyse aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Wikipedia-Version zuletzt aktualisiert am 20.05.19.

Finanzanalyse

Eine Finanzanalyse ist die von Finanzanalysten erstellte systematische Analyse von Informationen über die finanzwirtschaftliche Situation von natürlichen Personen, Unternehmen, Staaten, Finanzprodukten oder Märkten. Im weiteren Sinne wird mit Finanzanalyse auch die Analyse der Finanzplanung (in Unternehmen, bei öffentlichen Haushalten und privater Finanzplanung) bezeichnet.

Bezieht sich die Analyse auf Wertpapiere – insbesondere auf Aktien – so spricht man auch von Wertpapieranalyse.[1]

Finanzmarktbezogene Analyse

Die Finanzanalyse von Unternehmen, Wertpapieren und Märkten gliedert sich in drei Bereiche:

  • Die Fundamentalanalyse befasst sich mit den betriebswirtschaftlichen Daten eines Unternehmens und mit dessen ökonomischem Umfeld. Sie versucht, daraus einen „fairen“ oder „inneren Wert“ des Unternehmens und ggf. von dessen Aktien zu berechnen und geht davon aus, dass sich die Aktien aufgrund einer (nicht vollkommenen, aber doch vorhandenen) Markteffizienz früher oder später diesem fairen Wert annähern. Es handelt sich also um eine Form der Unternehmensbewertung.
  • Die Chartanalyse befasst sich mit dem Kursverlauf von Wertpapieren, Börsenindizes usw. und versucht, aus Mustern im vergangenen Kursverlauf Rückschlüsse auf dessen weitere Entwicklung zu ziehen.
  • Die Sentimentanalyse befasst sich mit den Stimmungen von Investoren und versucht daraus, die Entwicklung von Wertpapierkursen abzuleiten.

Eine Finanzanalyse liefert selten präzise Ergebnisse. Häufig wird eine Kombination von zwei oder sogar allen drei Analyseformen angewandt, um zu einem zuverlässigeren Resultat zu kommen.

Es gibt professionelle, entsprechend ausgebildete Finanzanalysten, die umfangreiche Unternehmensstudien erstellen und im Verlauf dessen meist ein Kursziel errechnen und eine Handelsempfehlung wie zum Beispiel „Kaufen“, „Akkumulieren“ oder „Verkaufen“ geben. Aber auch Finanzjournalisten (z. B. in Börsenbriefen) und individuelle Investoren können Finanzanalysen durchführen.

Zur Erfolgskontrolle kann eine Performancemessung dienen, die den vorhergesagten mit dem tatsächlich eintretenden Kursverlauf vergleicht.

Ergebnisse der Wertpapieranalyse

Das Ergebnis der Analyse ist oft eine Handlungsempfehlung. Der Analyst ordnet das untersuchte Wertpapier beziehungsweise den untersuchten Markt in Kategorien ein. Üblich sind die Empfehlungen:

Während Kaufen und Verkaufen selbsterklärend sind, ist die Empfehlung „Halten“ interpretationsbedürftig. Üblicherweise bedeutet „Halten“ dass die erwarteten Kursänderungen unter Berücksichtigung der Transaktionskosten keine klare Empfehlung erlauben. Besitzt der Anleger das Papier bereits, lohnt sich ein Tausch in ein mit „Kaufen“ beurteiltes Papier nicht. Besitzt er es nicht, so soll er lieber ein mit „Kaufen“ beurteiltes Papier erwerben.

Manche Analysten differenzieren stärker und heben besonders empfehlenswerte (risikoreiche) Aktien mit dem Attribut „strong“ hervor. Eine weitere Differenzierung kann das Wort „Akkumulieren“ bzw. "Abbauen" bedeuten:

Ist die Empfehlung nicht anders gekennzeichnet, so ist es eine absolute (das heißt von der Marktentwicklung unabhängige) Empfehlung. Teilweise setzen Analysten die Marktentwicklung jedoch als gegeben voraus und bewerten Papiere relativ zum Markt. Die Urteile lauten dann:

  • englisch outperformer → besser als der Markt
  • englisch market performer → dem Markt entsprechend
  • englisch underperformer → schlechter als der Markt

Eine solche Bewertung setzt die Angabe eines Index als Benchmark voraus.

Weiterhin kann eine Empfehlung auf das Gewicht der einzelnen Anlage im Portfolio bezogen sein. So empfiehlt der Analyst, Wertpapiere gemäß der eigenen Risikobereitschaft zu

  • Übergewichten (engl. overweight) wenn die Papiere gute Wertsteigerungschancen haben
  • Untergewichten (engl. underweight) wenn die Papiere schlechte Wertsteigerungschancen haben

Meist wird die Empfehlung des Analysten nach Anlagedauer und Risikobereitschaft differenziert. So kann zum Beispiel ein Analyst empfehlen:

  • Kurzfristig: Halten
  • Langfristig: Verkaufen

Er erwartet somit eine langfristige Kursverminderung.

Rechtsfragen

In Artikel 3 Absatz 1 Nummer 34 der Marktmissbrauchsverordnung wird eine Legaldefinition der Finanzanalyse bereitgehalten, wonach „Personen, die im Rahmen ihrer Berufs- oder Geschäftstätigkeit eine Information über Finanzinstrumente oder deren Emittenten erstellen, die direkt oder indirekt eine Empfehlung für eine bestimmte Anlageentscheidung enthält und einem unbestimmten Personenkreis zugänglich gemacht werden soll“, im Rahmen der Finanzanalyse tätig sind. Von ihnen verlangt das WpHG die erforderliche Sachkenntnis, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit.

Einzelnachweise

  1. Siehe z. B. Benjamin Graham: Geheimnisse der Wertpapieranalyse. FinanzBuch Verlag, 1999, ISBN 3-932114-24-8.

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