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Wikipedia-Version zuletzt aktualisiert am 19.05.19.

Geldmenge

Unter Geldmenge versteht man den gesamten Geld­bestand einer Volkswirtschaft, der sich in Händen der Nichtbanken befindet.[1] Die Geldmenge kann durch Geldschöpfung im Rahmen der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken erhöht und durch die Tilgung von Krediten gesenkt werden. Einer bestimmten Geldmenge stehen somit stets korrespondierende Verbindlichkeiten in gleicher Höhe gegenüber.

Allgemeines

Für die Messung der Geldmenge wird der Geldbestand der Nichtbanken herangezogen, also das sich in Händen von Privathaushalten, Unternehmen (ohne Kreditinstitute), Staat und Ausland (ohne Auslandsbanken) befindet.[2]Volkswirtschaftslehre und Zentralbanken messen die Geldmenge durch Geldmengenaggregate, die durch M{\displaystyle M} (für englisch money) und eine Ziffer bezeichnet werden. Dabei ist das Geldmengenaggregat M1{\displaystyle M1} eine Teilmenge von M2{\displaystyle M2} und letztere eine Teilmenge von M3{\displaystyle M3}. Eine niedrigere Ziffer bedeutet eine größere Nähe der betrachteten Geldmenge zu unmittelbaren realwirtschaftlichen Transaktionen, d. h. je kleiner die Ziffer, desto wichtiger ist die Zahlungsmittelfunktion des Geldes.

Die Abgrenzung der einzelnen Aggregate ist konventionell und international nicht einheitlich. Die Geldbasis M0{\displaystyle M0} (auch monetäre Basis) nimmt eine Sonderstellung ein. Sie ist gleich der Summe von Bargeldumlauf und Zentralbankgeldbestand der Kreditinstitute (Überschussreserven plus Mindestreserven).[3]

Geldmengendefinitionen

Geldmengenklassifikationen der Schweizer Nationalbank
Geldmengenklassifikationen der Deutschen Bundesbank

Definitionen der Europäischen Zentralbank:[4]

  • M0: Banknoten und Münzen, die sich im Umlauf außerhalb des Bankensystems (bei Nicht-Banken) befinden (also ohne Kassenbestände der Geschäftsbanken, aber mit Banknotenumlauf im Ausland) plus dem Zentralbankgeldbestand der Kreditinstitute;
  • M1: Bargeldumlauf plus Sichteinlagen der Nichtbanken;
  • M2: M1 plus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis zu drei Monaten;
  • M3: M2 plus Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren.

Definitionen der Schweizerischen Nationalbank:[5]

  • M0: Notenbankgeldmenge, das heißt Notenumlauf plus Giroguthaben inländischer Geschäftsbanken bei der SNB;
  • M1: Bargeldumlauf plus Sichteinlagen;
  • M2: M1 plus Spareinlagen in Schweizer Franken;
  • M3: M2 plus Termineinlagen in Schweizer Franken.

Definitionen der Fed:[6]

  • M0: Bargeldumlauf plus Guthaben der Kreditinstitute bei der Fed;
  • M1: Bargeldumlauf plus Sichtguthaben von Nichtbanken bei Kreditinstituten;
  • M2: M1 plus Sparguthaben, Terminguthaben bis 100.000 Dollar und bestimmte Geldmarktfondsanteile;
  • M3: M2 plus alle größeren Guthaben über 100.000 US-Dollar u. a. die Eurodollar-Reserven, größere übertragbare US-Dollar-Wertpapierbestände, und die US-Dollar-Devisenbestände der meisten nichteuropäischen Länder. Diese Geldmenge wird seit 2006 nicht mehr erfasst.[7]
  • MZM: „money of zero maturity“ besteht aus Bargeld plus Giro-, Sparkonten, privaten Geldmarktkonten plus institutionellen Festgeld- und Geldmarktkonten.[8]

Definitionen der Deutschen Bundesbank:

  • M1 (1998: 910,2 Mrd. DM): Bargeldumlauf (ohne Kassenbestände der Monetären Finanzinstitute (MFIs)) plus täglich fällige Einlagen der im Währungsgebiet ansässigen Nicht-MFIs (Nichtbanken);
  • M2 (1998: 1302,7 Mrd. DM): M1 plus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist bis zu drei Monaten;
  • M3 (1998: 2239,8 Mrd. DM): M2 plus Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren. Dieses Aggregat steht bei der Geldpolitik des Eurosystems im Vordergrund.

Geldmengen der Europäischen Zentralbank

Entwicklung der Geldmenge M3 in der Eurozone von 1980 bis 2018
Entwicklung der Geldmengen M0, M1 und M2 in den USA von 1959 bis 2014
Jährliche Änderung der US-Geldmengen von 1959 bis 2014
Zeitpunkt Geldmenge
in Milliarden Euro
Quelle
M1 M2 M3
Januar 2000 1.983 4.138 4.715 [9]
Januar 2001 2.084 4.349 5.027 [9]
Januar 2002 2.239 4.656 5.428 [9]
Januar 2003 2.441 4.924 5.807 [9]
Januar 2004 2.703 5.271 6.164 [9]
Januar 2005 2.966 5.637 6.570 [9]
Januar 2006 3.444 6.134 7.100 [9]
Januar 2007 3.686 6.704 7.813 [9]
Januar 2008 3.852 7.449 8.768 [10]
Januar 2009 4.096 8.102 9.402 [10]
Januar 2010 4.554 8.235 9.326 [10]
Januar 2011 4.709 8.435 9.527 [10]
Januar 2012 4.784 8.620 9.759 [11]
Januar 2013 5.113 9.003 9.769 [10]
Januar 2014 5.433 9.248 9.898 [10]
Januar 2015 6.042 9.743 10.438 [10]
Januar 2016 6.667 10.272 10.909 [10]
Januar 2017 7.229 10.733 11.421 [12]
Januar 2018 7.798 11.261 11.905 [12]
Januar 2019 9.234 11.631 12.272 [10]

Geldmengen weltweit

Land Geldmenge in Milliarden

US-Dollar

Zeitpunkt
M1[13] M2[14]
China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 8.160 25.240 Oktober 2017
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 3.627 14.000 Dezember 2017
JapanJapan Japan 6.426 8.917 Dezember 2017
DeutschlandDeutschland Deutschland 2.312 3.282 Dezember 2017
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 104,8 3.066 Dezember 2017
FrankreichFrankreich Frankreich 1.372 2.338 Dezember 2017
Korea SudSüdkorea Südkorea 742,5 2.167 Dezember 2017
IndienIndien Indien 429,3 2.063 Dezember 2017
HongkongHongkong Hongkong 310,3 1.736 Dezember 2017
ItalienItalien Italien 1.238 1.694 Dezember 2017
AustralienAustralien Australien 271,9 1.586 Dezember 2017
KanadaKanada Kanada 715,3 1.554 Dezember 2017
TaiwanRepublik China (Taiwan) Taiwan 535,1 1.374 Dezember 2017
SpanienSpanien Spanien 1.082 1.337 Dezember 2017
SchweizSchweiz Schweiz 619,4 1.335 Dezember 2017
NiederlandeNiederlande Niederlande 452,7 907,1 Dezember 2017
MexikoMexiko Mexiko 235,5 772,5 Dezember 2017
BrasilienBrasilien Brasilien 106,1 761,2 Dezember 2017
RusslandRussland Russland 204,9 688,4 Dezember 2017

Geldmenge, Wachstum und Inflation

Die Reale Geldmenge Mr{\displaystyle M_{r}} bezeichnet die preisbereinigte nominale Geldmenge Mn{\displaystyle M_{n}}. Sie wird als Quotient von nominaler Geldmenge und Preisniveau P{\displaystyle P} dargestellt und ist eine variable Größe, solange die Zentralbank die nominale Geldmenge steuern kann:[15]

Mr=MnP{\displaystyle M_{r}={\frac {M_{n}}{P}}}

Gemäß der Quantitätstheorie wird die reale Geldmenge endogen aus der Geldnachfrage bestimmt. Zunächst führt ein Anstieg der nominalen Geldmenge zu einem Anstieg der realen Geldmenge. Dies bedingt eine höhere Nachfrage nach Gütern, woraus ein Anstieg des Preisniveaus resultiert. Durch die Inflation (Anstieg des Preisniveaus) wird die reale Geldmenge wieder abgesenkt. Dieser Zusammenhang wird als Realkasseneffekt bezeichnet.[16]

Wesentlich ist die Geldmenge auch für die Bestimmung der Wachstumschancen und der Inflationsrisiken der Volkswirtschaft. Ist zu wenig Geld im Umlauf („Geldlücke“), hat dies dämpfende Effekte auf Wirtschaftswachstum und Inflation und umgekehrt.

Dem gegenüber hat die Höhe von Zentralbankgeld im Markt (auch Liquidität genannt)[17], das u. a. für die Abwicklung von Transaktionen zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken sowie Geschäftsbanken untereinander verwendet wird[18], zwar Einfluss auf das allgemeine Zinsniveau aber nur indirekte Auswirkungen auf Geldmengenwachstum und realwirtschaftliche Größen.[19]

Siehe auch

Weblinks

 Wiktionary: Geldmenge – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Deutsche Bundesbank: Glossar: Geldmenge (Memento des Originals vom 19. September 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundesbank.de. Ohne Datum. Abgerufen am 16. August 2011.
  2. Jürgen Pfannmöller, Kreative Volkswirtschaftslehre, 2018, S. 193
  3. Gabler Wirtschaftslexikon: Geldbasis. Ohne Datum. Abgerufen am 16. August 2011.
  4. Europäische Zentralbank: Monetary aggregates. Abgerufen am 16. August 2011.
  5. Definitionen auf den Seiten der SNB (Memento des Originals vom 17. Februar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.snb.ch. Abgerufen am 13. August 2013.
  6. Geldmengendefinitionen der Fed.
  7. Federal Reserve: Discontinuance of M3. 3. März 2006. Abgerufen am 13. Februar 2014.
  8. Die $ 1 Billion Lösung (Memento des Originals vom 14. Februar 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.calesinvestments.com. In: calesinvestments.com, 15. März 2008. Abgerufen am 16. August 2011.
  9. abcdefgh EZB Statistik (Memento des Originals vom 3. März 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/stats.ecb.europa.eu (zip; 305 kB), Februar, 2012.
  10. abcdefghi Historical monetary statistics (Memento des Originals vom 6. Februar 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/stats.ecb.europa.eu (PDF; 16 kB), Juli, 2012.
  11. MONETARY DEVELOPMENTS IN THE EURO AREA: JANUARY 2012 (PDF; 71 kB) 27. Februar 2012.
  12. ab [1]
  13. The World Factbook — Central Intelligence Agency. Abgerufen am 6. Juli 2018 (englisch). 
  14. The World Factbook — Central Intelligence Agency. Abgerufen am 6. Juli 2018 (englisch). 
  15. Gustav Dieckmann: Makroökonomik: Theorie und Politik. 5. Auflage. Springer, 1992, ISBN 3-540-00564-1, S. 152 ff.
  16. Michael Heine, Hansjörg Herr: Volkswirtschaftslehre. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2002, ISBN 978-3-486-27293-2, S. 281 ff.
  17. Deutsche Bundesbank: Glossar - Liquidität. Abgerufen am 10. Juni 2018. 
  18. Deutsche Bundesbank: Glossar - Zentralbankgeld. Abgerufen am 10. Juni 2018. 
  19. Deutsche Bundesbank: Wie Geld entsteht. 25. April 2017, abgerufen am 10. Juni 2018. 

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