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Dieser Text basiert auf dem Artikel Goodwin-Modell aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Wikipedia-Version zuletzt aktualisiert am 25.08.19.

Goodwin-Modell

Das Goodwin-Modell ist ein Modell zur Erklärung des Konjunkturzykluses, das Richard M. Goodwin entwickelt hat. Es nutzt die Mathematik der Lotka-Volterra-Gleichungen. Es wird das konjunkturelle Wechselspiel zwischen Beschäftigungsquote und Lohnquote modelliert. Bei hoher Beschäftigungsquote (mit v bezeichnet) ist die Verhandlungsmacht der Arbeiter hoch. Der Lohndruck und damit die Lohnquote (u) steigt. Die Profitquote (1-u) sinkt demnach. Wegen geringer Profite entlassen die Unternehmen. Die Beschäftigungsquote sinkt dann. Bei niedriger Beschäftigungsquote ist die Verhandlungsmacht der Arbeiter gering, es sinkt die Lohnquote, die Profitquote steigt. Für die Unternehmen steigt der Anreiz mehr einzustellen, die Beschäftigungsquote steigt wieder. Mathematisch entspricht die Lohnquote den „Räubern“, die Beschäftigungsquote den „Beutetieren“ in den auf den Lotka-Volterra-Gleichungen beruhenden Räuber-Beute-Beziehungen.

Mathematische Darstellung

Der Output, die gesamtwirtschaftliche Produktion, ist gegeben durch

q=min(aℓ,kσ){\displaystyle q=\min \left(a\ell ,{\frac {k}{\sigma }}\right)}

dabei ist q der gesamtwirtschaftliche Output, ist die Beschäftigung, k ist der Bestand an Kapital und a ist die Arbeitsproduktivität. Alle Variablen ändern sich mit der Zeit, die Zeitindizes sind nicht aufgeführt. σ ist der konstant angenommene Kapitalkoeffizient.

Die Kapazitätsauslastung sei 100 %, also Vollauslastung der vorhandenen Kapazitäten:

aℓ=kσ=q{\displaystyle a\ell ={\frac {k}{\sigma }}=q}

Die Beschäftigungsquote ist

v=ℓn{\displaystyle v={\frac {\ell }{n}}}

dabei ist n das Arbeitskräfteangebot, das mit der Rate β wächst. Außerdem wächst die Arbeitsproduktivität a mit der Rate α (technischer Fortschritt). Die Beschäftigung wächst damit mit

dv/dtv=gv=gℓ−β.{\displaystyle {\frac {dv/dt}{v}}=g_{v}=g_{\ell }-\beta .}

Das Arbeitsangebot steigt mit

dℓ/dtℓ=gℓ=gq−α{\displaystyle {\frac {d\ell /dt}{\ell }}=g_{\ell }=g_{q}-\alpha }

Die Löhne bestimmen sich aus der Phillips-Kurve:

dw/dtw=gw=ρv−γ.{\displaystyle {\frac {dw/dt}{w}}=g_{w}=\rho v-\gamma .}

Die Lohnquote u ist definiert als

u=wℓq=wa.{\displaystyle u={\frac {w\ell }{q}}={\frac {w}{a}}.}

Die Wachstumsrate der Lohnquote beträgt also

du/dtu=gu=gw−α{\displaystyle {\frac {du/dt}{u}}=g_{u}=g_{w}-\alpha }

Es wird angenommen, dass die Arbeiter ihre Löhne für Konsum ausgeben, während die Kapitaleigentümer einen Teil ihrer Profite sparen und dass Kapital mit der Rate delta an Wert verliert (Abschreibungen). Die Wachstumsrate von Output und Kapital ist demnach (wegen angenommener Vollauslastung des Kapitals gleich)

dk/dtk=gk=gq=s(1−u)(q/k)−δ.{\displaystyle {\frac {dk/dt}{k}}=g_{k}=g_{q}=s(1-u)(q/k)-\delta .}

Also

dv/dtv=gv=s(1−u)σ−(δ+α+β).{\displaystyle {\frac {dv/dt}{v}}=g_{v}={\frac {s(1-u)}{\sigma }}-(\delta +\alpha +\beta ).}

Lösung der Gleichungen

Es ergeben sich zwei Differentialgleichungen für die Wachstumsraten von Lohnquote u und Beschäftigungsquote v:

dv/dtv=gv=s(1−u)σ−(δ+α+β){\displaystyle {\frac {dv/dt}{v}}=g_{v}={\frac {s(1-u)}{\sigma }}-(\delta +\alpha +\beta )}
du/dtu=gu=ρv−γ−α{\displaystyle {\frac {du/dt}{u}}=g_{u}=\rho v-\gamma -\alpha }

Sie entsprechen den Lotka-Volterra-Gleichungen. Die konstanten Größen der Gleichungen lassen sich zu neuen Konstanten a,b,c und d, jeweils größer null, zusammenfassen:

dv/dtv=−au+b{\displaystyle {\frac {dv/dt}{v}}=-{a}{u}+b}
du/dtu=cv−d{\displaystyle {\frac {du/dt}{u}}=cv-d}

Dabei ist

a=sσ,b=sσ−(δ+α+β),c=ρ,d=γ+α{\displaystyle {a}={\frac {s}{\sigma }},\quad {b}={\frac {s}{\sigma }}-(\delta +\alpha +\beta ),\quad {c}=\rho ,\quad {d}=\gamma +\alpha }

Setzt man die beiden Gleichungen gleich null, erhält man Werte für u und v, bei welchen sich v und u nicht verändern.

u∗=ba=1−(δ+α+β)σs{\displaystyle u*={\frac {b}{a}}=1-{\frac {(\delta +\alpha +\beta )\sigma }{s}}}
v∗=dc=γ+ασ{\displaystyle v*={\frac {d}{c}}={\frac {\gamma +\alpha }{\sigma }}}

Abbildungen

Literatur

  • R. M. Goodwin: A Growth Cycle. In: C. H. Feinstein (Hrsg.): Socialism, Capitalism and Economic Growth. Essays presented to Maurice Dobb. Cambridge University Press, Cambridge 1967, S. 54–58.
  • Richard M. Goodwin: Chaotic Economic Dynamics. Clarendon Press, Oxford u. a. 1990, ISBN 0-19-828335-0.
  • Peter Flaschel: The Macrodynamics of Capitalism. Elements for a Synthesis of Marx, Keynes and Schumpeter. 2nd revised and enlarged edition. Springer, Berlin u. a. 2009, ISBN 978-3-540-87931-2, chapter 4.3.

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