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Kuppelprodukte

(weitergeleitet von Zwangsanfallsprodukte)
Definition

Kuppelprodukte sind Produkte, die bei (technologisch) verbundener Produktion (Kuppelproduktion) simultan in einem Produktionsprozess entstehen, d.h. aus naturgesetzlichen oder technischen Gründen zwangsläufig anfallende Produkte unterschiedlicher Art und Güte (technologisch verbundene Produktion).

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    Koppelprodukte, primär verbundene Produkte, Spaltprodukte, Zwangsanfallsprodukte, Joint Products.

    1. Charakterisierung: a) Begriff: Produkte, die bei (technologisch) verbundener Produktion (Kuppelproduktion) simultan in einem Produktionsprozess entstehen, d.h. aus naturgesetzlichen oder technischen Gründen zwangsläufig anfallende Produkte unterschiedlicher Art und Güte (technologisch verbundene Produktion).

    b) Häufig wird zwischen Nebenprodukten und Abfällen einerseits und dem Hauptprodukt andererseits unterschieden (z.B. Gichtgas, Schlacke, Abwärme neben Roheisen im Hochofenprozess; Sägemehl und Schwarten neben Brettern im Sägewerk). Als Leitprodukt wird das Kuppelprodukt bezeichnet, das die Ausrichtung der Produktion primär bestimmt (kann je nach Marktlage wechseln), als Koprodukte (z.B. Erdölraffination) bezeichnet man gleichrangige Kuppelprodukte. Wird ein Teil der Kuppelprodukte in denselben Prozess oder eine Vorstufe zurückgeführt (Recycling), wird von Kreislaufprodukten gesprochen.

    c) Kuppelprodukte sind Ergebnis eines Trenn-, Zerlegungs-, Umgruppierungs- oder Sortierprozesses. Die Zwangsverhältnisse wirken sich auch nach dem Spaltpunkt (Split-off Point) auf die Weiterverarbeitungsprodukte (mittelbare Kuppelprodukte) bei der Produktions- und Absatzplanung aus.

    d) Mengenrelationen: Die Zusammensetzung des Bündels nach Art und Mengenverhältnis ist nur in Extremfällen absolut konstant (chemische Zerlegung einfacher Verbindungen, z.B. H2O). Schwankende Rohstoffqualität und mangelnde Beherrschung führen zu stochastischen Schwankungen der Arten-, Güte- und Mengenverhältnisse. Die Lenkbarkeit der Mengenverhältnisse reicht von engen, naturgesetzlich oder verfahrenstechnisch vorgegebenen Bahnen bis zu relativ großen Spielräumen (z.B. im Sägewerk). Eine Verschiebung der Mengenrelationen oder Ausweitung der Spielräume ist oft durch den Übergang auf eine andere Technik oder Züchtung möglich.

    2. Produktions- und Absatzproblem: Je inflexibler die Mengenrelationen, desto größer sind die Spannungen zwischen Produktions- und Absatzverhältnissen, bes. wenn ein Teil der Kuppelprodukte kaum Verwertungsmöglichkeiten bietet und die Speicher-, Transportier- oder Vernichtbarkeit erschwert ist; eine Einschränkung der Produktion der eigentlich gewollten Kuppelprodukte kann u.U. die Folge sein.

    Charakteristisch sind starke Preisschwankungen bei nachrangigen Kuppelprodukten, deren Preisuntergrenze im Negativen, bei den alternativ entstehenden Vernichtungskosten, liegen kann. Abhilfe wird durch Kombination von Prozessen mit unterschiedlicher Produktstruktur, Kartelle, Angliederung von Weiterverarbeitungsbetrieben, Entwicklung neuer Verwendungsmöglichkeiten und eine differenzierte Absatzorganisation gesucht.

    3. Kalkulation: a) Die für den Kuppelproduktionsprozess anfallenden Kosten sind variable Gemeinkosten, die sich nicht nach dem Identitätsprinzip und dem Verursachungsprinzip auf die einzelnen Spaltprodukte aufteilen lassen. Erst die Weiterverarbeitungskosten sind kostenträgerbezogen separat erfassbar.

    b) Kalkulationsverfahren/-verfahrensgruppen:
    (1) Rest(kosten)wertrechnung (z.T. auch Subtraktionsmethode): Die Weiterverarbeitungsüberschüsse der Nebenprodukte (Nettoerlöse - Weiterverarbeitungskosten) werden von den Gesamtkosten des Kuppelproduktionsprozesses abgezogen. Der verbleibende Restwert muss vom Hauptprodukt abgedeckt werden; der Restwert liefert Informationen für die Preisfestlegung des Hauptprodukts. Anwendbar, wenn die Kuppelprodukte sich in ein Haupt- und ein bzw. mehrere Nebenprodukte einteilen lassen, bei mehreren Hauptprodukten nur in Kombination mit Verteilungsverfahren.

    Vgl. auch Rest(kosten)wert.
    (2) Verteilungsverfahren: Zur Kostenverteilung werden bestimmte Merkmale der Kuppelprodukte herangezogen z.B. Heizwerte, Molekulargewichte oder Marktpreise; methodisch wird entsprechend der Äquivalenzziffernrechnung (Divisionskalkulation) vorgegangen.
    (3) Päckchenrechnung: Auf eine Aufschlüsselung der Kosten der Kuppelprodukte wird zugunsten der Kalkulation einzelner, gesondert disponierbarer Kuppelprodukt-Päckchen verzichtet.

    Vgl. auch Päckchen-Deckungsbeitrag.

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