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neoklassische Theorie der Unternehmung

(weitergeleitet von Economies of Information)
Definition

Verhalten und Entwicklung der Unternehmung wird erklärt durch die neoklassiche Markt- und Preistheorie: Die Unternehmung wird als ein Set von Produktionsmitteln verstanden, die gemäß der Präferenz von anderen Wirtschaftseinheiten wie den Haushalten über Preise gesteuert werden, indem sie entsprechend der Preissignale eine durch Gewinnmaximierung motivierte optimale Kombination der Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit anstrebt. Die Unternehmung wird im Wesentlichen aus seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung als Produktionsfunktion verstanden.  

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    1. Begriffsgeschichte: Die neoklassische Theorie der Unternehmung war bis in die 30er-Jahre des 20. Jahrhundert die Erklärungsbasis für das Entscheidungsverhalten der Unternehmung. Sie wendet im Wesentlichen das neoklassische Gleichgewichtsmodell an: Die Unternehmung wird als Set von Produktionsfaktoren betrachtet. Aus Sicht der neoklassischen Theorie wären Unternehmen bei vollkommenen Märkten als Organisation sogar überflüssig: Als preisgesteuerte Faktorkombination sind strategisches Handeln sowie sonstige Interferenzen durch nicht-rationales Verhaltens auszuklammern bei der Erklärung des Verhaltens der Unternehmung. Letztlich erkläre sich die Unternehmensentwicklung aus dem vom Marktpreis über die Ausbringungsmenge (Güterangebotstheorie) gesteuerte Faktoreinsatzmenge (Faktornachfrage-, Produktions- und Kostentheorie) und nicht durch Entscheidungshandeln von Akteuren (kritisch: Machlup, 1967). Das Handeln der Unternehmung werde durch die Kräfte des Wettbewerbs und des Marktes gesteuert und passe sich den jeweiligen Faktor- und Absatzmärkten mit dem Ziel der Gewinnmaximierung an.

    2. Merkmale: Gemeinsamer Kern der hier als neoklassisch bezeichneten Unternehmenstheorien ist die Orientierung an partiellen und totalen Gleichgewichtszuständen (Gleichgewicht), das Ausblenden von endogenen Innovationen, die Voraussetzung einer gegebenen Menge von Handlungsalternativen, die für Wahlhandlungen zur Verfügung stehen sowie die Annahme des Prinzips der marginalen Substitution. Diese Ansätze sind trotz erheblicher Unterschiede auf die statische Allokation bezogen. Dabei bildet das allgemeine Gleichgewicht den Referenzzustand der optimalen Allokation (Wohlfahrtsökonomik).

    2. Auswirkungen auf die Allokation: Die optimale Allokation kann durch die Unternehmung entweder gestört oder verbessert werden. Im ersten Fall beeinträchtigt das (marktformenabhängige) Verhalten den Markt als Allokationsmechanismus. Im zweiten Fall verringern Unternehmungen (und andere Institutionen) Funktionshemmnisse der marktlichen Koordination und verbessern die Allokation.
    a) Zunächst erfolgt die Einbettung der Unternehmung in die neoklassische Markt- und Preistheorie rein unter dem Produktionsaspekt in der mikroökonomischen Theorie der Unternehmung. Es handelt sich dabei um die mikroökonomische Produktionstheorie, die im Zusammenhang mit der Marktform Bestandteil der Wettbewerbstheorie ist. Da davon ausgegangen wird, die Unternehmung verhalte sich wie eine Ein-Mann-Unternehmung, die ihren Gewinn maximiert, spielen die Marktform und die Verhaltensweise für die Allokation eine zentrale Rolle.
    b) Das Verhalten der Unternehmung kann sich auch unmittelbar auf die Effizienz der Unternehmung selbst auswirken. Werden Unternehmungen von Managern geleitet, die nicht Eigentümer sind, kann sich rationales Verhalten der Manager auf die Zielbildung, das Verhalten und das ökonomische Ergebnis der Unternehmung auswirken, wie die Manager-Theorie der Unternehmung zeigt. Weiter führt die Trennung von Eigentum und Kontrolle unter der Annahme unvollkommener Informationen zu Effizienzeinbußen und der Frage der Gestaltung effizienter Anreiz- und Kontrollmechanismen in der Prinzipal-Agent-Theorie der Unternehmung. Ähnliche Probleme ergeben sich u.a. in der Team-Theorie der Unternehmung.
    c) Die Benutzung des Marktmechanismus verursacht – wie die von Organisationen – Kosten. Sie wirken sich auf die Allokation aus. Die Transaktionskostentheorie der Unternehmung und die Governance-Structure-Theorie der Unternehmung greifen auf diese Marktbenutzungs- und Organisationskosten zurück, um Existenz, Struktur und Grenzen der Unternehmung zu erklären. Dabei werden verschiedene institutionelle Arrangements miteinander verglichen. Im Gegensatz zu a) wird die Unternehmung nicht als Produktionsfunktion, sondern als Vertragsnexus begriffen und der Austausch inkl. der Informationsprobleme in den Vordergrund gestellt. Das Verhalten der Unternehmung richtet sich auf eine Minimierung der Transaktionskosten und der Produktionskosten.
    d) Marktversagen auf dem Markt für Informationen (Informationsparadoxon) – und damit Kosten der Informationsbeschaffung und -übertragung – erklären nach K.J. Arrow die Existenz von Unternehmungen. Unternehmungen sparen Informationskosten ein (Economies of Information) und erlangen zudem viele Informationen kostenlos. Dieser Vorteil ist jedoch begrenzt.
    e) Marktversagen drückt sich auch im Fehlen einer vollständigen Palette von Zukunfts- und Versicherungsmärkten aus. Dies führt zu unvollständigen Verträgen und Anpassungskosten, die die Unternehmung erklären (Governance-Structure-Theorie der Unternehmung). Knight begründet die Unternehmung als Ersatz für fehlende Versicherungsmärkte bei Moral Hazard; sein Ansatz ist jedoch nicht neoklassisch.

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      Dr. Peter Haric
      Institutsvorstand Leitbetriebe Austria Institut

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