Direkt zum Inhalt

Wikipedia Version

Dieser Text basiert auf dem Artikel Wirtschaftszweig aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Wikipedia-Version zuletzt aktualisiert am 21.09.19.

Wirtschaftszweig

Als Wirtschaftszweig oder Branche [ */ bʁãːʃə] bezeichnet man in der Wirtschaft eine Gruppe von Unternehmen, die nah verwandte Substitute herstellen.[1] Im Zusammenhang mit dem Begriff Branche stehen auch die Begriffe Geschäftsfeld und unternehmerisches Umfeld (strategisches Management).

Grundlagen

Eine Zuordnung zu einer Branche erfolgt für Unternehmen, die ähnliche Produkte herstellen, die mit ähnlichen Artikeln (Sortimenten) handeln oder die ähnliche Dienstleistungen erbringen (Produktklassifikation). Daneben kommt es zu einer Zusammenfassung von Betrieben, die dasselbe Herstellungsverfahren (zum Beispiel Baugewerbe) oder die gleichen Ausgangsstoffe (Mineralölverarbeitung) benutzen, die Zusammenfassung in Industriezweige, oder die innerhalb dieser Gruppen demselben Wirtschaftssektor angehören. Teilweise werden Wirtschaftszweige wieder zu größeren Gruppen wie der Netzwerkindustrie zusammengefasst.

Unternehmen sind zumeist auf der Ebene von Wirtschaftszweigen in lokalen, regionalen, kantonalen, Landes- oder Bundes- Fachverbänden oder einer berufsständischen Körperschaft (Kammer) organisiert (zum Beispiel Royal Society of Chemistry), mehrere Fachverbände/Kammern können in einem Dachverband zusammengefasst werden (zum Beispiel der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels), Tarifverträge werden meist auf Branchenebene abgeschlossen (in Österreich etwa traditionell als erstes die „Metaller“, deren Verhandlungsergebnisse den Trend festsetzen).

Verwendet wird dieser Begriff auch in Telefonbüchern oder Branchenverzeichnissen um ein Auffinden von Erzeugern bestimmter Artikel zu erleichtern, zum Beispiel in den Gelben Seiten. Ebenso ist unter der Betriebsnummer der Wirtschaftszweig, dem der Betrieb zuzuordnen ist, gespeichert.

Klassifikation der Wirtschaftszweige

Die Historie der Klassifikation der Wirtschaftszweige unterscheidet sich in den einzelnen Staaten erheblich.

UNO

Weltweiter Standard ist die International Standard Industrial Classification (ISIC) der UNO. Über 150 Länder in der ganzen Welt verwenden Wirtschaftszweigsystematiken, die entweder direkt oder indirekt auf der ISIC beruhen.[2]

Europa

Deutschland und Österreich orientieren sich in Statistiken an die Vereinbarungen innerhalb der EU, der Statistischen Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft (NACE). Diese beruht weitgehend auf der ISIC.

Neben den EU-Mitgliedstaaten verwenden auch Norwegen und die Schweiz eine NACE-kompatible Statistik, wie auch ungefähr zehn weitere Staaten außerhalb der EU bzw. die Kandidatenländer wie die Türkei.[2]

Deutschland

Eine für den deutschen Wirtschaftsraum allgemeingültige Einordnung von Unternehmen in sogenannte Wirtschaftszweige nimmt seit 1950 das Statistische Bundesamt vor. Die aktuelle Klassifikation der Wirtschaftszweige von 2008 (WZ 2008) basiert auf der NACE Rev.2, und unterscheidet sich deutlich von der älteren WZ 79. Darüber hinaus wird für die Konjunkturstatistik eine generellere Klassifikation der Wirtschaftszweige verwendet, die Industriellen Hauptgruppen.

Österreich

ÖNACE (Österreichische Systematik der Wirtschaftstätigkeiten) ist der Name des in Österreich gebräuchlichen Klassifikationssystems. Die derzeitige Implementierung heißt ÖNACE 2008[3] und basiert auf NACE Rev.2. Die Übernahme erfüllt die Forderungen des § 21 Bundesstatistikgesetz 2000 (BGBl. I Nr. 163/1999, idF BGBl. I Nr. 92/2007) über die Erfassung statistischer Einheiten. Mitteilungen darüber erfolgen schriftlich und kostenlos. Die Unternehmen sind dazu verpflichtet, „bei der Feststellung des für die Zuordnung maßgebenden Sachverhaltes mitzuwirken und die hierfür erforderlichen Informationen zur Verfügung zu stellen.“[4][5]

Schweiz

In der Schweiz wurde die erste Systematik der Wirtschaftszweige anlässlich der Betriebszählung von 1905 erarbeitet. Diese wurde in späteren Jahren mehrfach überarbeitet und nach dem 15. Februar 1995 an die europäische NACE, Revision 1.1 angepasst. Die Systematik wird mit dem Kürzel NOGA bezeichnet, der für Nomenclature Générale des Activités économiques steht. Die NOGA-Systematik wird vom Bundesamt für Statistik betreut und von diesem auch in vielen eigenen Erhebungen angewendet.

Australien, Neuseeland

Die australische und neuseeländische Standardklassifikation der Wirtschaftszweige ist die Australian and New Zealand Standard Industrial Classification (ANZSIC), die beiden nationalen Systeme sind ASIC[6] und NZSIC. Sie beruht weitgehend auch ISIC Rev. 3 und ist gut vergleichbar.[7]

Nordamerika

In Nordamerika (USA, Kanada, Mexiko) verbreitet ist aber das North American Industry Classification System (NAICS).[8] Zumindest auf Basis der zweistelligen Nummern der ISIC Rev. 4/NACE Rev. 2 ist ein Vergleich möglich.[9] Bis 1997 wurde die Standard Industrial Classification (SIC) verwendet, die sich jedoch nicht an die ISIC der UNO anlehnt.

Siehe auch

Literatur

  • H. Ebensberger: Internationale Wirtschaftszweig- und Gütersystematiken und ihre Harmonisierung. In: Wirtschaft und Statistik. Nr. 2, 1986, ISSN 0043-6143, S. 79–96. 
  • Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Klassifikation der Wirtschaftszweige. Mit Erläuterungen. Deutscher Sparkassenverlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-09-302137-5. 

Weblinks

WiktionaryWiktionary: Wirtschaftszweig – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
WiktionaryWiktionary: Branche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Michael E. Porter: Competitive Strategy. Techniques for analyzing industries and competitors. With a new introduction. Free Press, New York 1998, ISBN 0-684-84148-7 (englisch, Erstausgabe: 1980). 
  2. ab eurostat (Hrsg.): NACE Rev. 2. 132. Sonstige Klassifikationen, S. 45. 
  3. Statistik Austria: ÖNACE (Memento des Originals vom 4. Juli 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistik.at. Klassifikationsdatenbank → * Wirtschaftszweige.
  4. Häufig gestellte Fragen (FAQ): Gibt es eine rechtliche Grundlage?, Statistik Austria
  5. ÖNACE 2008 – Neue Klassifikation der Wirtschaftstätigkeiten (Memento des Originals vom 22. September 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/portal.wko.at, Wirtschaftskammer Österreich.
  6. ABS-Website (Memento des Originals vom 3. März 2000 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistics.gov.au statistics.gov.au
  7. NACE Rev. 2 Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft. Structure and Explanatory Notes. In: eurostat (Hrsg.): Methodologies and Workingpapers. Katalognummer: KS-RA-07-015-DE-N, 2008, ISBN 978-92-79-04740-4, ISSN 1977-0383, 4.3 Verbindung mit anderen multinationalen Klassifikationen 131. ANZSIC, S. 19 (PDF-Datei, circa.europa.eu).  PDF-Datei (Memento des Originals vom 8. Juni 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/circa.europa.eu
  8. NAICS, US Census; STATCAN, Kanada
  9. eurostat (Hrsg.): NACE Rev. 2. 130. NAICS, S. 45. 

zuletzt besuchte Definitionen...

    GEPRÜFTES WISSEN
    Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
    Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
    Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Bücher auf springer.com