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Technologiemanagement

Definition: Was ist "Technologiemanagement"?

Unternehmen wollen im schärfer werdenden Wettbewerb bestehen. Um sich von Konkurrenten absetzen zu können, müssen sie sowohl leistungsfähige Technologien in ihre Produkte einbringen, als auch in ihrer Produktion einsetzen. Derartige Technologien sind in verschiedenen Produkten eines Unternehmens anwendbar und deshalb sehr wertvoll. Wer etwa hohe Fähigkeiten im Bereich der Displaytechnologie besitzt, kann diese beispielsweise in TV-Geräte, Anzeigetafeln, Messgeräte, Uhren, Mobiltelefone und vieles andere einbringen. Verfügt ein Unternehmen exklusiv über neueste Fertigungstechnologien, kann es damit besondere Produkteigenschaften, etwa extrem glatte Oberflächen schaffen und außerdem effizienter als andere Akteure produzieren.

Das frühzeitige Erkennen von aufkommenden neuen Technologien, ihre Verfügbarmachung für das Unternehmen, die Weiterentwicklung bestehender Lösungen sind zentrale Aktionsfelder eines Technologiemanagements. Im Bereich der Schaffung neuer Technologien überschneidet sich das Technologiemanagement mit dem Innovationsmanagement. Allerdings betrachtet das Innovationsmanagement auch die Erzeugung nicht technologischer Artefakte wie Organisationsstrukturen. Das Technologiemanagement fokussiert ausschließlich auf Technologien, kümmert sich allerdings auch um schon bestehende Technologien. Es überlegt beispielsweise, wie aus bestehenden nicht mehr ganz neuen Technologien noch möglichst hohe finanzielle Rückflüsse für das Unternehmen generiert werden können, etwa über das Einbringen der Technologie in weitere Produkte oder über Lizenzierung oder Technologieverkauf an andere Akteure. Zur Ausführung dieser Aufgaben nutzt das Technologiemanagement eine Vielzahl von Methoden und organisatorischen Unterstützungsmaßnahmen.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition im Online-Lexikon

    I. Ziel und Aufgaben

    Ziel des Technologiemanagements ist es, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen durch den Aufbau und die Weiterentwicklung technologiebasierter Erfolgspotentiale langfristig zu sichern. Technologiemanagement umfasst die Planung, Organisation, Führung und Kontrolle der Unternehmensprozesse, welche die Beschaffung, die Speicherung und die Verwertung von Technologien zum Inhalt haben. Das Technologiemanagement weist erhebliche Überschneidungen mit dem Innovationsmanagement und dem F&E-Management auf.

    II. Prozess des Technologiemanagements

    Der Prozess des Technologiemanagements umfasst vier Phasen (vgl. Abbildung „Technologiemanagement

    Prozess”).

     

    1. Technologiefrühaufklärung

    Technologiefrühaufklärung soll v.a. für das Unternehmen relevante, zukünftig bedeutende Technologien erfassen und beurteilen. Es werden die Entwicklung der Leistungsfähigkeit, die zeitliche Verfügbarkeit, die Akzeptanz sowie die positiven und negativen Folgewirkungen der Technologien eingeschätzt. Als Informationsquellen dienen u.a. öffentlich zugängliche schriftliche Dokumentationen, wie Patentschriften, Experten von Forschungseinrichtungen sowie Partner innerhalb der Wertschöpfungskette, wie Lieferanten und Kunden. Als unterstützende Methoden kommen Trendextrapolation, Expertenbefragungen und - workshops, Publikations- und Patentanalysen, Delphi-Studien, Technologielebenszykluskonzepte, Szenario-Technik und Technologie-Roadmapping zum Einsatz.

    2. Entwicklung von Technologiestrategien

    Ausgehend von der technologischen Situation des Unternehmens und den identifizierten technologischen Entwicklungen können unter Einsatz von Portfoliotechnik, Roadmapping, Technologiekalender und Investitionsrechnungen mehrdimensionale Technologiestrategien entwickelt werden.

    Technologiearten und Technologieleistungsfähigkeit: Aus der Wettbewerbsstrategie sowie der Technologiefrühaufklärung werden die künftigen Technologiefelder des Unternehmens bestimmt und der angestrebte Grad der technologischen Leistungsfähigkeit festgelegt. Dabei wird in technologische Führerschaft und technologische Präsenz unterschieden. Die Strategie der technologischen Führerschaft ist bei hoher strategischer Bedeutung der Technologie und vorhandener unternehmensinterner Kompetenz empfehlenswert.

    Beschaffungsquellen von Technologien: Hinsichtlich der Bezugsquellen von Technologien kann grundsätzlich zwischen unternehmensinterner Forschung und Entwicklung und unternehmensexterner Beschaffung von Technologien unterschieden werden. Eine unternehmensexterne Technologiebeschaffung, wie Auftragsforschung, Technologiekauf oder Lizenznahme ist bei begrenzter eigener F&E-Kapazität oder unzureichender Kompetenz sinnvoll.

    Verwertung von Technologien: Bei der Technologieverwertung ist eine bezüglich Anwendungsbreite und -dauer optimale Nutzung der Technologie anzustreben. Die wirtschaftliche Verwertung der Technologie kann durch das Einfließen in Produkte und Prozesse des Unternehmens oder durch die Weitergabe der Technologie an andere Unternehmen erfolgen. Die Formen der externen Technologieverwertung sind denen der externen Technologiebeschaffung spiegelbildlich analog.

    Zeitliche Aspekte: Die zeitlichen Aspekte der Technologiestrategie beziehen sich sowohl auf die Entwicklung neuer Technologien, die Inventionen, als auch auf die marktliche Verwertung der neuen Technologien, die Innovationen. Eine Führerrolle bietet dem Unternehmen die Option, Vorteile eines Pioniers, wie eine zeitlich begrenzte Monopolstellung, das Etablieren von Standards, die rasche Realisierung von Erfahrungskurveneffekten, zu nutzen. Durch den Einsatz eines qualitativ hochwertigen Projektmanagements und die Parallelisierung von Teilprozessen kann die Technologieentwicklungszeit auf das dafür erforderliche Maß verkürzt werden. Eine Folgerrolle ist sinnvoll, wenn es gelingt, am aufgebauten Know-how des Führers zu partizipieren ohne vergleichbar hohe Kosten und Risiken zu tragen.

    3. Umsetzung der Technologiestrategien

    Werden durch die Entwicklung von Technologiestrategien Handlungskorridore vorgegeben, so müssen zur Strategieumsetzung konkrete Maßnahmen zur Realisierung der technologischen Ziele erarbeitet werden. Vor allem sind die Aktivitäten zur Beschaffung und Verwertung von Technologien zu steuern. Da ein großer Anteil der Maßnahmen nicht den Charakter von Routinetätigkeiten aufweist, wird vom operativen Technologiemanagement erwartet, flexibel auf Veränderungen zu reagieren und optimale Wege innerhalb der Handlungskorridore ohne gesonderte Planungsvorgaben zu identifizieren. Hierbei finden Instrumente des Projektmanagements wie Netzpläne und Meilensteintrendanalysen Anwendung.

    4. Technologie-Controlling

    Die Aufgabe des Technologie-Controlling ist es, das Technologiemanagement rechtzeitig mit Informationen über Fehlentwicklungen zu versorgen sowie Anpassungen im Planungsprozess vorzunehmen. Dazu müssen Planungs- und Kontrollinstrumente entwickelt und implementiert werden, die neue Entwicklungen im Unternehmensumfeld erkennen, die Umsetzung der Technologiestrategien überwachen sowie die Entstehung und Nutzung von technologischem Wissen im Unternehmen fördern. Geeignete Verfahren sind Projektdeckungsrechnung, Plan-Ist-Vergleiche und Profitabilitätsrechnungen. In Bereichen radikaler technologischer Innovationen, die möglicherweise noch nicht über hinreichende Akzeptanz in der Gesellschaft verfügen und hinsichtlich ihrer naturwissenschaftlichen Zusammenhänge unvollständig erforscht sind, werden Instrumente der Risikoabschätzung und –überwachung eingesetzt.

    III. Organisation des Technologiemanagements

    Die Organisation des Technologiemanagements beinhaltet die Gestaltung von Unternehmensstruktur, -prozessen und -kultur zur Realisierung von Rahmenbedingungen, die ein effektives und effizientes Technologiemanagement unterstützen. Neben der Primärorganisation, die dauerhaft anfallende Aufgaben wahrnimmt, existieren zeitlich oftmals befristete sekundärorganisationale Struktureinheiten zur hierarchie-, funktions- und projektübergreifenden Abstimmung. Zunehmend gewinnen unternehmensübergreifende Organisationsformen des Technologiemanagements an Bedeutung. So schließen sich Unternehmen beispielsweise in Technologienetzwerken zusammen, um gemeinsam Technologiefrühaufklärungsaktivitäten und Technologieentwicklungen voranzutreiben. Der Zusammenschluss verschiedener Akteure führt zur Aufteilung von Kosten, zur Nutzung unterschiedlicher Informationsquellen und Deutungsschemata, zur Vernetzung von Kompetenzen und Ressourcen sowie zur Stärkung der Stellung im Hinblick auf das Setzen von Trends und Standards. Zunehmend werden für derartige Kooperationen auch bestehende Strukturen wie Branchenverbände genutzt. Somit entfallen Suchkosten für etwaige Partner und es kann auf bestehendes Vertrauen aufgebaut werden.

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