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monetäre Wachstumstheorie

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    Ausführliche Definition im Online-Lexikon

    1. Begriff: In der monetären Wachstumstheorie wird analysiert, welche Wirkung monetäre Größen, wie Geld, Geldmenge, Inflation, u.a. auf das Wachstum realer Größen wie Kapitalintensität und Pro-Kopf-Konsum haben. Die Klassiker der Nationalökonomie gingen von realen Auswirkungen des Geldes aus (z.B. Smith, Mill). Geld existierte als Warengeld und wurde wie andere Güter getauscht; es gab also relative Preise des Geldes und die Menge des gehandelten Geldes bestimmte direkt den Handel realer Waren. Seitdem die Geldmenge keiner Warendeckung unterliegt, wird Geld mit anderen Maßstäben betrachtet.

    2. Ansätze: a) In der postkeynesianischen Wachstumstheorie sorgen variable Preise für eine Übereinstimmung zwischen Sparen und Investieren in einer Periode, falls der Mengenausgleich über den Multiplikatorprozess nicht ausreicht. Dieser Ansatz wird als Keynes-Wicksell-Ansatz bezeichnet, weil Mengen (Keynes) und Preise (Wicksell) als Ausgleichsmechanismus angewendet werden. Für die langfristige Analyse sind diese Ansätze jedoch in den Hintergrund geraten, weil sie sich auf die kurze Periode und dessen Gleichgewicht beziehen und nicht auf das langfristige gleichgewichtige Wachstum.

    b) Bei den Versuchen, monetäre Phänomene in die neoklassische Wachstumstheorie zu integrieren, können drei Modelltypen unterschieden werden.
    (1) Im Modell von Tobin (1965) werden Geld- und Realkapital als alternative Formen der Vermögensanlage angesehen. Eine Zunahme der Geldmengenwachstumsrate erhöht in diesem Modell die Kapitalintensität und den Pro-Kopf-Konsum (Tobin-Effekt). Der Effekt fand allerdings keine empirische Bestätigung. Kritisiert wurde u.a., dass die Konsum- bzw. Sparentscheidung und die Geldnachfrage der Wirtschaftsobjekte nicht aus Entscheidungskalkülen abgeleitet wurde.
    (2) Das Modell von Sidrauski (1967) begründet die Tradition, Geld als Argument der Nutzenfunktion anzusehen und die Entscheidung von Wirtschaftsobjekten mikroökonomisch herzuleiten. In diesen Modellen wird die sog. Superneutralität des Geldes nachgewiesen: Geldmengenwachstum und Inflation haben keinerlei Wirkung auf reale Größen wie die Kapitalintensität und den Pro-Kopf-Konsum.
    (3) Im Modell von Levhari und Patinkin (1968) wird Geld als Argument der Produktionsfunktion berücksichtigt, indem die Realkasse als Produktionsfaktor modelliert wird. In einer Erweiterung dieses Modells wird die Konsum-/Sparentscheidung von Haushalten in einem intertemporalen Optimierungsmodell hergeleitet. Als Ergebnis folgt, dass bei Zunahme des Geldmengenwachstums Kapitalintensität und Pro-Kopf-Konsum sinken (Stockmann-Effekt). Die nutzentheoretische und die produktionstheoretische Herleitung der Geldnachfrage im Rahmen monetärer Wachstumsmodelle führen also zu unterschiedlichen Ergebnissen.

    c) Neuere Ansätze versuchen Geld gleichzeitig in der Nutzen- und der Produktionsfunktion zu berücksichtigen. Dabei bestätigen deterministische Modelle den negativen Effekt des Geldmengenwachstums auf reale Größen. Hingegen sind die Ergebnisse stochastischer Modelle, in denen Risiken der ökonomischen Entwicklung berücksichtigt werden, unbestimmt - hier kann sowohl restriktive als auch expansive Geldpolitik eine positive Wachstumswirkung haben. Langfristige empirische Analysen bestätigen jedoch eher die Neutralität geldpolitischer Maßnahmen hinsichtlich des Wirtschaftswachstums und einen eindeutig positiven Zusammenhang zwischen niedriger Inflationsrate und wirtschaftlichem Wachstum.

    Vgl. auch Geldtheorie, Geldpolitik, Wachstumspolitik.

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