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gesundheitsbezogene Lebensqualität

Definition

Gesundheitsbezogene Lebensqualität ist ein subjektives psychologisches Konstrukt, das den Gesundheitszustand aus der Perspektive des Individuums einschätzt. Gesundheit beschreibt nur einen Teilaspekt der allg. Lebensqualität und steht neben Einflussfaktoren wie Wohlstand, Freiheit, Politik, Bildung, Kultur und Religion. In gesundheitsökonomischen Evaluationen stellt die gesundheitsbezogene Lebensqualität einen zentralen Ergebnisparameter dar.

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Gesundheitsbezogene Lebensqualität ist ein subjektives psychologisches Konstrukt, das den Gesundheitszustand aus der Perspektive des Individuums einschätzt. Gesundheit beschreibt nur einen Teilaspekt der allg. Lebensqualität und steht neben Einflussfaktoren wie Wohlstand, Freiheit, Politik, Bildung, Kultur und Religion. In gesundheitsökonomischen Evaluationen stellt die gesundheitsbezogene Lebensqualität einen zentralen Ergebnisparameter dar. Die Abgrenzung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität leitet sich aus der WHO-Definition (WHO) von Gesundheit ab und umfasst
    (1) physische Gesundheit,
    (2) psychisches Wohlbefinden und
    (3) soziale Integration.

    2. Krankheitsspezifische und generische Instrumente: Bei der Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität unterscheidet man zwischen
    (1) krankheitsspezifischen und krankheitsübergreifenden (generischen) Ansätzen. Spezifische Instrumente der Lebensqualitätsmessung zielen auf spezifische Erkrankungen wie z.B. chronische Polyarthritis oder Asthma bronchiale. Die Instrumente sind auf Aspekte der Lebensqualität fokussiert, die bei der spezifischen Erkrankung relevant sind. Vorteile der spezifischen gegenüber den generischen Lebensqualitätsinstrumenten sind, a) dass sie auf Veränderungen im Gesundheitsstatus sensitiv reagieren,

    b) Patienten die spezifischen Instrumente als relevant erachten da ihre eigenen Gesundheitsprobleme abgebildet werden und 

    c) die Interpretierbarkeit von Veränderungen relativ einfach ist weil Änderungen der Lebensqualität mit Änderungen klinischer Parameter korrelieren. Generische Profilinstrumente messen die gesundheitsbezogene Lebensqualität umfassend. Häufig eingesetzte generische Lebensqualitätsinstrumente sind der Short Form-36 Health Survey (SF-36), das Nottingham Health Profile (NHP) und das Sickness Impact Profile (SIP). Vorteil der generischen Profilinstrumente ist, dass sie - anders als spezifische Instrumente - krankheitsübergreifende Vergleiche (also Vergleiche von Interventionen bei unterschiedlichen Erkrankungen) unterstützen.

    3. Profil- und Indexinstrumente: Eine weitere Unterscheidung der Lebensqualitätsansätze erfolgt zwischen Profil- und Indexinstrumenten. Profilinstrumente erlauben eine differenzierte Einschätzung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität indem sie über die berücksichtigten Dimensionen ein Profil von Scores ausweisen. Nachteil aus gesundheitsökonomischer Perspektive ist, dass kein Gesamtindex gebildet wird. Damit lassen sich unterschiedliche Gesundheitsprogramme mit jeweils unterschiedlichen Verbesserungen bei Dimensionen der Lebensqualität (z.B. Verbesserung der körperlichen Rollenfunktion bei Programm A, Verbesserung des psychischen Gesundheitsstatus und Schmerzminderung bei Programm B) nicht direkt vergleichen. Präferenzbasierte Ansätze der Lebensqualitätsmessung liefern einen Gesamtlebensqualitätsindex. Sie weisen die gesundheitsbezogene Lebensqualität aber weniger differenziert aus und sind damit auch weniger sensitiv als Profilinstrumente. Vorteilhaft aus gesundheitsökonomischer Perspektive ist, dass die präferenzbasierten Ansätze einen Index der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bilden und damit eindeutige Vergleiche von Gesundheitsinterventionen unterstützen. Zudem sind Indexinstrumente präferenzbasiert.

    4. Präferenzbasierte Ansätze: Bei den präferenzbasierten Ansätzen unterscheidet man zwischen Ansätzen der direkten Nutzenbewertung und Instrumenten der indirekten Nutzenbewertung. Die quantitative Bestimmung von Präferenzwerten erfolgt durch Ansätze der direkten Nutzenbewertung (insbesondere Standard Gamble, Time Trade-off und Rating Scale). Gemeinsam ist den Ansätzen, dass die Studienteilnehmer in (zumeist) mündlichen strukturierten Befragungen Präferenzurteile abgeben sollen. Die Präferenzurteile werden durch geeignete Algorithmen in Präferenzwerte umgerechnet. Eine - deutlich weniger zeitaufwendige - Alternative der nutzentheoretischen Lebensqualitätsmessung sind die Instrumente der indirekten Nutzenbewertung. Die indirekte Nutzenbewertung erfolgt über standardisierte Lebensqualitätsfragebögen (Indexinstrumente). In den Fragebögen werden die Dimensionen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (körperliche Funktionsfähigkeit, körperliche Rollenfunktion, psychischer Gesundheitszustand, Schmerz und soziale Integration) mit jeweils mehreren Antwortmöglichkeiten (wie bspw. keine geringe, mäßige oder starke Schmerzen) abgebildet. Aus der Kombination von Antwortmöglichkeiten der verschiedenen Lebensqualitätsdimensionen lassen sich Gesundheitszustände beschreiben. Referenzgesundheitszustände, die ein möglichst breites Spektrum der Gesundheit abbilden sollten werden von einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe bewertet - und zwar durch einen der direkten Nutzenbewertungsansätze (Standard Gamble, Time Trade-off und Rating Scale). In regressionsanalytischen Modellen werden dann - basierend auf den Bewertungen der Referenzgesundheitszustände - die Präferenzwerte aller potenziell durch das Lebensqualitätsinstrument definierten Gesundheitszustände bestimmt. Damit liegt eine Normbewertung durch eine repräsentative Bevölkerungsstichprobe vor. Das in Europa am weitesten verbreitete Indexinstrument ist der EQ-5D (EuroQol). Weitere - insbesondere in den USA - eingesetzte Indexinstrumente sind der Health Utility Index (HUI) und die Quality of Well-Being Scale (QWB).

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      Autoren der Definition

      Prof. Dr. Volker Eric Amelung
      Medizinische Hochschule Hannover,
      Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung
      Professor
      Prof. Dr. Axel Mühlbacher
      Hochschule Neubrandenburg,
      IGM Institut Gesundheitsökonomie und Medizinmanagement,
      Fachbereich Gesundheit, Pflege, Management
      PD Dr. Christian Krauth
      Medizinische Hochschule Hannover,
      Abt. Epidemiologie, Sozialmedizin und
      Gesundheitssytemforschung
      Leiter des Arbeitsbereichs Gesundheitsökonomie

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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