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Revision von Impact Investing vom 28.01.2019 - 16:40

Impact Investing

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    Ausführliche Definition

    1. Begriffsdefinition und -abgrenzung: Unter Impact Investing (dt. Wirkungsorientiertes Investieren) versteht man Investitionen in Unternehmen, Organisationen und Fonds, mit der gezielten Absicht, neben einer positiven finanziellen Rendite messbare, positive Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesellschaft zu erzielen. Die soziale bzw. ökologische Wirkung ist Teil der Investmentstrategie und wird gemessen. Damit unterscheidet sich Impact Investing sowohl von klassischen, rein renditegetriebenen Anlagen als auch von Spenden, d.h. Impact Investing schließt die Lücke zwischen renditeorientierten Investitionen und Spenden für soziale Zwecke. Der entscheidende Unterschied zum Social Responsible Investing sind die explizite Festlegung von Wirkungszielen und die Messung der Wirkung des Investments.
    Die Abbildung "Einordnung des Begriffs Impact Investing" zeigt, wie sich Impact Investing im Vergleich zu benachbarten Begriffen einordnen lässt.


    2. Nachhaltige Kapitalanlagen
    Investitionsentscheidungen werden i.d.R. anhand der Kriterien Rendite, Risiko und Volatilität getroffen. Bei einer nachhaltigen Kapitalanlage werden diese drei Kriterien durch die Nachhaltigkeit erweitert. Das heutige Verständnis von Nachhaltigkeit basiert auf dem im Jahr 1987 veröffentlichten Brundtland-Bericht der Vereinten Nationen (nachhaltige Entwicklung). Auf seine Veröffentlichung folgte 1989 die Einberufung der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung, die im Jahr 1992 in Rio de Janeiro stattfand und auf der das internationale Aktionsprogramm „Agenda 21“ zur Umsetzung nachhaltigen Handelns beschlossen wurde. Dabei sind die drei Dimensionen Ökonomie, Soziales und Ökologie in Balance zu bringen. Als Standard nachhaltiger Anlagen haben sich die ESG-Kriterien etabliert.

    3. GrundlagenEine der wesentlichen Grundlagen für das Impact Investing wurde 2015 auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen gelegt. Damals einigten sich 193 Staaten auf 17 globale Ziele, die als Sustainable Development Goals (SDGs) eine Leitlinie für den Einsatz finanzieller Mittel für soziale und ökologische Zwecke bilden.

    4. Anlagemöglichkeiten: Impact Investing umfasst eine große Bandbreite an Anlagemöglichkeiten, die sich über verschiedene geographische Regionen, Anlageklassen und Sektoren erstrecken. So erreicht die finanzielle Unterstützung Kleinunternehmer und Projekte für eine nachhaltige Landwirtschaft, erneuerbare Energien, Umweltschutz sowie eine Grundversorgung mit Bildung, Gesundheit und Erziehung. Dabei können die Vorhaben sowohl Entwicklungsländer als auch Industriestaaten betreffen. Neben Mikrokrediten und verschiedenen anderen Darlehensformen kommt auch zunehmend Private Equity zum Einsatz.

    5. MarktentwicklungDer deutsche Markt für wirkungsorientiertes Investieren befindet sich in einer frühen Entwicklungsphase, gewinnt aber aufgrund zahlreicher nationaler und internationaler Initiativen seit 2012 an Bedeutung. Die Grundidee, privates Kapital für die Lösung sozialer Probleme zu mobilisieren, zeigt bislang in angelsächsischen Ländern mit liberalen Wohlfahrtsstaaten die schnellste Verbreitung.

    6. MarktvolumenDas Marktvolumen der nach ESG-Kriterien angelegten Finanzmittel belief sich Anfang 2016 weltweit auf etwa 22,9 Billionen; dies entspricht einem Zuwachs von 25 Prozent im Vergleich zum Beginn des Jahres 2014. Das am schnellsten wachsende Segment im globalen Anlagegeschäft (Investmentfonds) ist das Impact Investing. Schätzungen gehen davon aus, dass mittlerweile rund 228 Milliarden Dollar gemanagt werden. Der deutsche Markt für nachhaltige Geldanlagen ist zwar noch klein, wächst jedoch stark. Die meisten wirkungsorientierten Investitionen (Impact Investing) entfielen in Deutschland in den Jahren 2013 bis 2015 gemessen an der Transaktionsanzahl am häufigsten auf Sozialunternehmen in den Bereichen Beschäftigung (20 Prozent) und Bildung (18 Prozent), gefolgt von Gesundheit (12 Prozent) und nachhaltigem Konsum/Umwelt (9 Prozent).

    7. Rendite- und RisikoerwartungNachhaltige Kapitalanlagen sind nicht mit einem Renditeverzicht verbunden. So belegen Studien, dass die Berücksichtigung von ESG-Kriterien mindestens einen neutralen, mehrheitlich aber sogar einen positiven Einfluss auf den Unternehmens- bzw. Anlageerfolg hat. Eine Gegenüberstellung der Eurozonen-Aktienindizes Euro Stoxx und Euro Stoxx Sustainability zeigt, dass die beiden Kursentwicklungen auch bei langfristiger Betrachtung kaum voneinander abweichen und die nachhaltigkeitsorientierten Anlagen somit keinen systematischen Nachteil gegenüber „klassischen“ Anlagen aufweisen. Zudem entwickelt sich ein nachhaltiges Portfolio ähnlich oder sogar deutlich besser in Bezug auf das Risiko als ein konventionelles Vergleichsportfolio.

    8. Anlagemotive und InvestorenViele Investoren wollen heute mehr als nur Rendite, sie wollen auch etwas Positives für die Gesellschaft bewirken, also eine Rendite mit Wirkung bzw. eine „Soziale Rendite“. Der nachhaltigkeitsorientierte Anleger profitiert somit einerseits von der finanziellen Rendite, andererseits vom sozialen, ethischen und ökologischen Effekt, den seine Auswahl nach sich zieht. Besonders beliebt ist Impact Investing bei wohlhabenden Familien. So war 2017 mehr als ein Drittel der Family Offices in diesem Bereich engagiert, was einem Zuwachs von fast fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Außerdem ist ein wachsender Anteil institutioneller Investoren zu verzeichnen, da immer mehr Versicherungskonzerne, Großbanken und Private-Equity-Gesellschaften Impact Investing nutzen. Während 2012 ein vernachlässigbarer Anteil des investierbaren Vermögens (unter 5 Prozent) von institutionellen Investoren investiert wurde, stammt etwa ein Viertel der von bis Ende 2015 verwalteten Finanzmittel von dieser Investorengruppe.

    9. Aktuelle Trends und AusblickStanden bisher die Umweltaspekte unter den Nachhaltigkeitsthemen im Vordergrund, wird sich der Fokus zukünftig zunehmend auf die soziale Verantwortung von Unternehmen richten (Corporate Social Responsibility). Dabei geht es z.B. um den Umgang mit den Geschlechtern, Chancengleichheit, Arbeitnehmerrechte und Personalmanagement, aber auch um Gesundheits- und Sicherheitsfragen bei den Zulieferern. Insgesamt hat der Markt für Impact Investing das Potenzial, in den nächsten Jahren stark zu wachsen und in Zukunft Anlagestrategien weltweit maßgeblich zu beeinflussen.

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