Direkt zum Inhalt

Ansässigkeitsstaat

Definition

Begriff aus dem Bereich der Doppelbesteuerungsabkommen: derjenige Staat, in dem der Steuerpflichtige seinen Hauptwohnsitz hat und dem er deswegen aus der Sicht des Abkommens zugeordnet wird.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: im Sprachgebrauch der Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) derjenige Staat, in dem der Steuerpflichtige seinen Hauptwohnsitz hat und dem er deswegen aus der Sicht des Abkommens zugeordnet wird.

    2. Funktion im System der Doppelbesteuerungsabkommen: Da in den Doppelbesteuerungsabkommen die Regelungen darüber, wie die Besteuerungsrechte für die Einkünfte eines Steuerpflichtigen verteilt werden, darauf abstellen, wo der Steuerpflichtige ansässig ist und wo nicht, muss im ersten Schritt stets der Ansässigkeitsstaat eindeutig geklärt werden, bevor die Normen eines Abkommens auf einen Einzelfall überhaupt erfolgreich angewandt werden können. So ließe sich z.B. eine Regelung, wonach die Besteuerung von Lizenzeinnahmen allein dem Ansässigkeitsstaat zusteht, nicht praktizieren, wenn nicht vorab eindeutig geklärt wäre, welcher Staat dies im konkreten Einzelfall ist.

    3. Regeln zur Festlegung des Ansässigkeitsstaates enthält jedes Doppelbesteuerungsabkommen im Einleitungsteil (meist Art. 4). Demnach ist als Ansässigkeitsstaat meist derjenige der beiden Staaten anzusehen, in dem der Steuerpflichtige seinen Wohnsitz hat; führt dies noch zu keinem eindeutigen Ergebnis (weil z.B. in beiden Staaten ein Wohnsitz besteht), werden nach einer genau festgelegten Prüfreihenfolge weitere Kriterien solange geprüft, bis ein einziger Staat als Ansässigkeitsstaat feststeht.

    4. Faustregeln: Meist sind natürliche Personen an ihrem Hauptwohnsitzort ansässig, juristische Personen am Ort der Geschäftsleitung.

    5. Unterschied zur persönlichen Steuerpflicht nach nationalem EStG/KStG: Eine unbeschränkte Steuerpflicht bei der dt. ESt/KSt ist zwar im Regelfall Voraussetzung dafür, dass Deutschland auch als Ansässigkeitsstaat eines Steuerpflichtigen nach dem Recht eines Doppelbesteuerungsabkommens gelten kann; umgekehrt fällt die unbeschränkte Steuerpflicht aber nicht fort, wenn nach einem DBA ein anderer Staat als Deutschland als Ansässigkeitsstaat eingestuft wird. Gilt z.B. jemand mit deutschem und belgischem Wohnsitz aufgrund des maßgeblichen Abkommens als ansässig in Belgien, so wird er in Deutschland trotzdem weiterhin nach den Regeln der unbeschränkten Steuerpflicht besteuert; die Einkünfte, die das Abkommen dem anderen Staat zuspricht, werden dann lediglich im Rahmen der Veranlagung zur unbeschränkten Steuerpflicht als steuerfreie Einkünfte behandelt.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Ansässigkeitsstaat Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/ansaessigkeitsstaat-31775 node31775 Ansässigkeitsstaat node33229 Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) node31775->node33229 node47663 Wohnsitzstaat node31775->node47663 node33229->node47663 node49153 unbeschränkte Steuerpflicht node47663->node49153 node44118 Quellenstaat node47663->node44118 node48732 Verbringung node48732->node33229 node43107 Progressionsvorbehalt node43107->node33229 node43470 Steuerrecht node43470->node33229 node40697 Leasing node40697->node31775 node41473 Mietkauf node40697->node41473 node39410 International Financial Reporting ... node40697->node39410 node30251 Büromaschinen node30251->node40697 node32017 Doppelbesteuerung node32017->node47663
      Mindmap Ansässigkeitsstaat Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/ansaessigkeitsstaat-31775 node31775 Ansässigkeitsstaat node33229 Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) node31775->node33229 node40697 Leasing node40697->node31775 node47663 Wohnsitzstaat node47663->node31775

      News SpringerProfessional.de

      • Nachfolger verzweifelt gesucht

        So viele Unternehmen wie noch nie sind auf Nachfolgersuche. Gleichzeitig geht die Schere zwischen Übergabewilligen und Übernahmeinteressenten immer weiter auseinander. Woran es liegt und was Unternehmer tun können.

      • Unternehmen profitieren von Corporate Volunteering

        Engagieren sich Mitarbeiter freiwillig für das Gemeinwohl, profitieren nicht nur gemeinnützige Organisationen und Gesellschaft davon, sondern auch Unternehmen. Wie Corporate Volunteering geplant und in der Unternehmensstrategie verankert wird.

      • Was Bewerber garantiert abschreckt

        Sie sollen Status symbolisieren und modern daher kommen, erreichen aber das genaue Gegenteil. Arbeitsuchende empfinden englische Jobtitel häufig als unnötig aufgebläht. Keep ist simple, ist der bessere Anglizismus im Recruiting.

      • Big Brother im Büro

        Die totale Überwachung von Mitarbeitern ist längst keine negative Utopie mehr, wie sie George Orwell oder Dave Eggers in ihren Romanen heraufbeschwören. Unternehmen können bereits jetzt die Aktivitäten ihrer Angestellten rundum erfassen. Wissenschaftler warnen vor Missbrauch.

      • Private Equity in Deutschland boomt

        Unternehmen günstig kaufen und mit Gewinn verkaufen. Das ist das Konzept von Private Equity-Gesellschaften. Sie sind in Deutschland nach wie vor sehr aktiv, wie eine aktuelle Studie zeigt.

      • Zu wenig Innovation vor lauter Transformation

        Im BCG-Innovations-Ranking 2018 liegen US- und Digitalunternehmen klar vorn. Deutsche Firmen sind erst ab Platz 21 zu finden. Doch was hemmt hierzulande eigentlich die Innovationskraft?

      • Talentierte Mitarbeiter finden und binden

        Im hart gewordenen "War for Talents", in dem Fachkräfte begehrter denn je sind, vergessen Unternehmen offenbar, auf die internen Talente zu setzen. Dabei schlummern in der Belegschaft oft ungeahnte Potenziale.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Norbert Dautzenberg
      Jade Hochschule
      Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth/,
      Standort Wilhelmshaven
      Verwalter einer Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Das Country by Country Reporting ist aus freiwilligen Offenlegungsinitiativen im Bereich der Rohstoffindustrie in den 2000ern entstanden. Diese Konzeption zur Herstellung von Transparenz über bestimmte Faktoren wirtschaftlicher Aktivität, die sich …
      Doppelbesteuerungsabkommen, die auf dem OECD-Muster basieren, enthalten materiell nahezu ausschließlich Regelungen, die – in den Begriffen des hier verwendeten Tatbestandsmodells – die Quantifizierung eines dem Grunde nach entstandenen …
      Der ertragsteuerliche Tatbestand wird abstrakt meist auf der Grundlage der sog. klassischen Tatbestandslehre dargestellt: Diese teilt den Steuertatbestand im Allgemeinen in das Steuersubjekt, das Steuerobjekt, die Steuerbemessungsgrundlage und den …

      Sachgebiete