Direkt zum Inhalt

Lizenzgebühren

Definition

Lizenzgebühren bezeichnen die aus dem Lizenzvertrag zu zahlenden Entgelte für die Verwertung bes. von Lizenzen und Patenten.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Begriff
    2. Kostenrechnung
    3. Umsatzsteuerrecht
    4. Ertragsteuerrecht
    5. Steuerliche Besonderheiten bei grenzüberschreitenden Fallkonstellationen

    Begriff

    die aus dem Lizenzvertrag zu zahlenden Entgelte für die Verwertung bes. von Lizenzen und Patenten.

    Kostenrechnung

    1. Regelmäßig wiederkehrende, meist mit der Beschäftigung steigende oder fallende Zahlungen werden i.d.R. als Sondereinzelkosten der Fertigung bzw., falls nach Umsatz abgerechnet wird, als Sondereinzelkosten des Vertriebs erfasst.

    2. Einmalige Zahlungen werden aktiviert und die in ihrer Höhe von der Lizenzdauer abhängigen, daraus resultierenden Abschreibungsbeträge (Abschreibung) in die Kostenrechnung übernommen.

    Umsatzsteuerrecht

    Der Lizenzgeber erbringt mit der Überlassung eines Patents, Warenzeichens etc. zur Verwertung durch den Lizenznehmer eine sonstige Leistung im Sinn des Umsatzsteuergesetzes. Sie ist steuerpflichtig, sofern sie im Inland erbracht wird; der Ort der sonstigen Leistung ist i.d.R. dort, wo der Empfänger sein Unternehmen betreibt.

    Mit der Lizenz verbundene, entgeltliche Nebenleistungen, wie z.B. die sachgemäße Erteilung von Rat- und Verbesserungsvorschlägen, werden wie die Hauptleistung behandelt. I.d.R. steht dem Lizenznehmer in Höhe der in der gezahlten Lizenzgebühr enthaltenen Umsatzsteuer auch der Vorsteuerabzug zu.

    Ertragsteuerrecht

    1. Behandlung beim Zahlenden: Lizenzgebühren stellen bei dem, der sie zahlt, abzugsfähige Betriebsausgaben dar (§ 4 IV EStG). Sie werden bei der Gewerbesteuer zu einem Viertel wieder dem Gewerbeertrag hinzugerechnet, also zu einem bestimmten Umfang mit Gewerbesteuer belastet (§ 8 Nr. 1 Buchstabe f GewStG ab 2008).

    2. Behandlung beim Empfänger:  Beim Empfänger können Lizenzgebühren steuerpflichtige Einkünfte aus selbständiger Arbeit sein, § 18 I EStG, sofern es sich um einen Einzelerfinder handelt, der seine Erfindung selbst verwertet. Der Regelfall ist jedoch, dass es sich um Betriebseinnahmen eines gewerblichen Betriebes handelt (wenn die Lizenzgebühren einer Einzelunternehmung oder einer Kapitalgesellschaft zufließen) oder dass es sich um Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung von Rechten handelt (§ 21 EStG; sofern das lizenzierte Recht z.B. Patent geerbtes privates Vermögen darstellt).

    3. Besonderheiten: Sind Zahlender und Empfänger durch bes. Beziehungen miteinander verbunden, muss geprüft werden, ob die Konditionen für die Lizenzgebühren angemessen sind. Ist das nicht der Fall, werden allerdings nur die unangemessenen Teile der gezahlten Lizenzgebühr als verdeckte Gewinnausschüttung oder verdeckte Einlage angesehen, der angemessene Teil der Zahlung bleibt steuerlich anerkannt.

    Steuerliche Besonderheiten bei grenzüberschreitenden Fallkonstellationen

    1. Die Umsatzsteuer für die Lizenzzahlung an einen Lizenzgeber, der nicht im Inland ansässig ist, ist durch den Kunden zu entrichten (Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers, § 13b UStG). Der an den Lizenzgeber ausgezahlte Betrag ist also nur ein Nettobetrag; der Lizenzgeber darf umsatzsteuerlich auch nur eine Nettorechnung stellen und keinesfalls den Empfang von Umsatzsteuer quittieren. Diese Regelung ist auch in anderen EU-Staaten dieselbe (seit 2010: Einstufung als innergemeinschaftliche Dienstleistung).

    2. Doppelbesteuerungsabkommen: Bei den Ertragsteuern sehen die Doppelbesteuerungsabkommen vor, dass die Versteuerung der Lizenzgebühren i.d.R. nur im Staat des Lizenzgebers erfolgt (Art. 12 OECD-MA). In einigen selteneren Fällen wird dem Staat, aus dem die Lizenzgebühren stammen, das Recht zugestanden, eine geringfügige Quellensteuer zu erheben (oft: 5 Prozent  der Lizenzzahlung). Eine Regelung des EU-Rechts, wonach eine Besteuerung im Herkunftsstaat bei grenzüberschreitenden Lizenzzahlungen von einem EU-Mitgliedsstaat in einen anderen hinein untersagt ist, gilt nur für Zahlungen zwischen direkt miteinander verbundenen Mutter-, Tochter- und Schwesterkapitalgesellschaften, aber schon nicht mehr für Zahlungen von Enkelgesellschaften.

    3. Nationales dt. Recht:  Auf die Zahlung von Lizenzgebühren an einen Empfänger, der nur beschränkt steuerpflichtig ist, sieht das dt. Steuerrecht die Einbehaltung einer Quellensteuer von 15 Prozent zzgl. eines 5,5-prozentigen  Solidaritätszuschlages vor (in der Summe 15,825 Prozent), § 50a I EStG. Mit der Einbehaltung dieser Abzugssteuer sind die steuerlichen Verpflichtungen des ausländischen Zahlungempfängers gegenüber dem dt. Staat dann abgegolten (§ 50 II EStG, § 32 KStG). Der Steuerabzug ist jedoch auch dann von der zahlenden Person zwingend vorzunehmen, wenn nach einem Doppelbesteuerungsabkommen der Empfänger an sich das Recht hätte, in Deutschland gar nicht der Besteuerung unterworfen zu werden (§ 50d EStG). Die nach dem Abkommen eigentlich gebotene Steuerfreiheit wird vielmehr in solchen Fällen erst dadurch hergestellt, dass das Bundeszentralamt für Steuern auf Antrag des Empfängers vom einbehaltenen Steuerabzugsbetrag den Betrag erstattet, der nach dem Doppelbesteuerungsabkommen (oder anderen Sonderregelungen) nicht einbehalten werden darf. Hält der Zahlende dieses Verfahren nicht ein und verzichtet er eigenmächtig auf den Einbehalt der vorgeschriebenen Steuer, haftet er für die nicht abgeführte Steuer; hat er vorsätzlich gehandelt, ist auch eine Bestrafung wegen Steuerhinterziehung denkbar (da die Bestrafung wegen Nichtanmeldung einer Steuer generell nicht davon abhängt, ob diese Steuer später erstattet werden könnte).

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Lizenzgebühren Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/lizenzgebuehren-41475 node41475 Lizenzgebühren node46605 Sondereinzelkosten des Vertriebs node41475->node46605 node42887 Sondereinzelkosten der Fertigung node41475->node42887 node31208 Abschreibung node41475->node31208 node42833 Patent node41475->node42833 node38383 Lizenz node41475->node38383 node43545 Patentportfolio node43545->node42833 node29569 Absatzeinzelkosten node29569->node46605 node32784 Einzelkosten node46605->node32784 node42473 Sondereinzelkosten node46605->node42473 node35464 Forschungskosten node35464->node42887 node33571 Fertigungseinzelkosten node33571->node42887 node32589 Fertigungssonderkosten node32589->node42887 node42887->node42473 node36463 Erfinderschutz node36463->node42833 node35680 Früchte node35680->node42833 node32781 Gebrauchsmuster node28473 Anlagevermögen node31208->node28473 node42833->node32781 node52366 Verschmutzungsrechte node52366->node38383 node52655 UMTS/3G node52655->node38383 node34235 gewerbliche Schutzrechte node38383->node34235 node39518 Instandhaltungskosten node39518->node31208 node33965 gebrochene Abschreibung node33965->node31208 node27867 Bruttoinlandsprodukt (BIP) node27867->node31208 node33804 Garantiekosten node33804->node46605
      Mindmap Lizenzgebühren Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/lizenzgebuehren-41475 node41475 Lizenzgebühren node31208 Abschreibung node41475->node31208 node38383 Lizenz node41475->node38383 node42833 Patent node41475->node42833 node42887 Sondereinzelkosten der Fertigung node41475->node42887 node46605 Sondereinzelkosten des Vertriebs node41475->node46605

      News SpringerProfessional.de

      • Nachfolger verzweifelt gesucht

        So viele Unternehmen wie noch nie sind auf Nachfolgersuche. Gleichzeitig geht die Schere zwischen Übergabewilligen und Übernahmeinteressenten immer weiter auseinander. Woran es liegt und was Unternehmer tun können.

      • Unternehmen profitieren von Corporate Volunteering

        Engagieren sich Mitarbeiter freiwillig für das Gemeinwohl, profitieren nicht nur gemeinnützige Organisationen und Gesellschaft davon, sondern auch Unternehmen. Wie Corporate Volunteering geplant und in der Unternehmensstrategie verankert wird.

      • Was Bewerber garantiert abschreckt

        Sie sollen Status symbolisieren und modern daher kommen, erreichen aber das genaue Gegenteil. Arbeitsuchende empfinden englische Jobtitel häufig als unnötig aufgebläht. Keep ist simple, ist der bessere Anglizismus im Recruiting.

      • Big Brother im Büro

        Die totale Überwachung von Mitarbeitern ist längst keine negative Utopie mehr, wie sie George Orwell oder Dave Eggers in ihren Romanen heraufbeschwören. Unternehmen können bereits jetzt die Aktivitäten ihrer Angestellten rundum erfassen. Wissenschaftler warnen vor Missbrauch.

      • Private Equity in Deutschland boomt

        Unternehmen günstig kaufen und mit Gewinn verkaufen. Das ist das Konzept von Private Equity-Gesellschaften. Sie sind in Deutschland nach wie vor sehr aktiv, wie eine aktuelle Studie zeigt.

      • Zu wenig Innovation vor lauter Transformation

        Im BCG-Innovations-Ranking 2018 liegen US- und Digitalunternehmen klar vorn. Deutsche Firmen sind erst ab Platz 21 zu finden. Doch was hemmt hierzulande eigentlich die Innovationskraft?

      • Talentierte Mitarbeiter finden und binden

        Im hart gewordenen "War for Talents", in dem Fachkräfte begehrter denn je sind, vergessen Unternehmen offenbar, auf die internen Talente zu setzen. Dabei schlummern in der Belegschaft oft ungeahnte Potenziale.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Weber
      WHU – Otto Beisheim School of Management,
      Institut für Management und Controlling
      ICM
      Direktor
      Dr. Norbert Dautzenberg
      Jade Hochschule
      Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth/,
      Standort Wilhelmshaven
      Verwalter einer Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Die Harmonisierung der direkten Unternehmensbesteuerung wurde bisher hauptsächlich auf dem Gebiet der Besteuerung von Dividenden, Zinsen und Lizenzgebühren erzielt, wie anhand des folgenden Überblicks über den erreichten Stand der Harmonisierung der
      In vielen Finanzabteilungen ist die Jahresabschlusserstellung gerade in vollem Gange. Bernd Heesen erläutert im Interview, was hierbei bedacht werden soll und warum regelmäßige Informationen an Kreditgeber relevant sind.
      Im Kontext des digitalen Wandels wird in den vergangenen Jahren im öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs verstärkt über die Etablierung und Durchsetzung digitaler Geschäftsmodelle gesprochen. Diese nutzen die Digitalisierung, um innovative …

      Sachgebiete