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angebotsinduzierte Nachfrage

Definition

Die These der angebotsinduzierten Nachfrage besagt, dass Ärzte (allgemeiner: Leistungserbringer im Gesundheitssektor)
(1) Umfang und Struktur der Nachfrage nach Gesundheitsleistungen beeinflussen und
(2) bei der Festlegung der Nachfrage eigene (Einkommens-)Interessen verfolgen. Sie stellt eine Erklärung für den empirisch belegten Zusammenhang dar, dass die Pro-Kopf-Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen mit steigender Arztdichte zunimmt, auch wenn die Preise der Gesundheitsleistungen konstant bleiben (während auf normalen Märkten die Nachfrage ceteris paribus nur bei sinkenden Preisen ansteigt).

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Die These der angebotsinduzierten Nachfrage besagt, dass Ärzte (allgemeiner: Leistungserbringer im Gesundheitssektor)
    (1) Umfang und Struktur der Nachfrage nach Gesundheitsleistungen beeinflussen und
    (2) bei der Festlegung der Nachfrage eigene (Einkommens-)Interessen verfolgen. Sie stellt eine Erklärung für den empirisch belegten Zusammenhang dar, dass die Pro-Kopf-Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen mit steigender Arztdichte zunimmt, auch wenn die Preise der Gesundheitsleistungen konstant bleiben (während auf normalen Märkten die Nachfrage ceteris paribus nur bei sinkenden Preisen ansteigt).

    2. Besonderheiten von Gesundheitsleistungen: Dass Ärzte die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen beeinflussen können, wird mit den Besonderheiten des Gesundheitsmarktes begründet. Insbesondere wird auf die asymmetrische Information zwischen Ärzten (Anbietern) und Patienten (Nachfragern) verwiesen. Patienten haben zumeist nur unvollständige Informationen über diagnostische und therapeutische Optionen. Damit lässt sich begründen, dass Ärzte die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen wesentlich determinieren, sobald die Patienten sie konsultieren (sog. angebotsdeterminierte Nachfrage). Dies ist unproblematisch solange der Arzt ein perfekter Agent der Patienteninteressen ist, wenn er also Entscheidungen trifft, wie sie der Patient bei hinreichenden medizinischen Kenntnissen selbst treffen würde (sog. Primärnachfrage). Sofern der Arzt jedoch eigene (Einkommens-)Interessen in die Entscheidungen über Umfang und Struktur der Gesundheitsleistungen einfließen lässt, geht angebotsdeterminierte in angebotsinduzierte Nachfrage über. Angebotsinduzierte Nachfrage wird dadurch erleichtert, dass Patienten umfassend gegen Versorgungskosten versichert sind, sodass ihre Zahlungsbereitschaft keine wirksame Begrenzung ihres Konsums an Gesundheitsleistungen darstellt.

    Beispiel: In einer Region wird bisher die Primärnachfrage nach Gesundheitsleistungen bedient. Lassen sich in der Region weitere Ärzte nieder und steigt damit die Arztdichte in der Region an, dehnt der individuelle Arzt die Nachfrage nach eigenen Gesundheitsleistungen über die medizinisch indizierte Primärnachfrage aus, um das bisherige Einkommen auch zukünftig zu realisieren.

    3. Alternative Erklärungen für den Nachfrageanstieg nach Gesundheitsleistungen bei zunehmender Arztdichte (und konstanten Preisen):
    (1) der permanente Nachfrageüberhang und
    (2) der Zeitkosteneffekt. Bei der These des permanenten Nachfrageüberhangs wird angenommen, dass im Gesundheitssektor ein Nachfrageüberhang besteht, der auch bei voller Kapazitätsauslastung der Ärzte nicht bedient werden kann. Dementsprechend steigt die Nachfrage parallel mit dem Angebot an, wenn sich in einer Region weitere Ärzte niederlassen. Bei der bestehenden Preisregulierung verändern sich die Preise der Gesundheitsleistungen nicht. Mit dem Zeitkosteneffekt lässt sich eine Ausdehnung der Leistungsmenge bei steigender Arztdichte auch mit rationalen Entscheidungen der Patienten begründen. Die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen ist mit Zeitkosten (Warte- und Wegezeiten) der Patienten verbunden. Mit steigender Arztdichte sinken die Zeitkosten der Patienten und es ist rational, die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen auszudehnen.

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