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Rationierung

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Rationierung bedeutet die Zuteilung beschränkt verfügbarer Güter und Dienstleistungen gemäß einem definierten Zuteilungsalgorithmus. Rationierung liegt vor, wenn das Güter- und Dienstleistungsangebot nicht ausreicht, um die Nachfrage zu befriedigen. Ein Beispiel aus der Medizin sind Spenderorgane für Transplantationen. In der Ökonomie spricht man von Rationierung, wenn der herrschende Marktpreis nicht zu einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage führt. Eine Rationierung der Nachfrage ist durch einen Nachfrageüberhang charakterisiert. Der Marktpreis liegt dann typischerweise unter dem markträumenden Gleichgewichtspreis. In der Medizin spricht man häufig von Rationierung, wenn - bei begrenzten Ressourcen - ein objektiver Bedarf nicht gedeckt werden kann, medizinisch indizierte Leistungen also vorenthalten werden.

    2. Rationalisierung: In der gesundheitspolitischen Diskussion werden Rationierung und Rationalisierung häufig einander gegenübergestellt und gefordert, dass zunächst Rationalisierungspotentiale ausgeschöpft werden, bevor Gesundheitsleistungen rationiert werden. Rationalisierung bedeutet, dass Effizienz- und Produktivitätssteigerungen in der Gesundheitsversorgung realisiert werden. Die Ausschöpfung von Rationalisierungspotentialen impliziert, dass diagnostische und therapeutische Technologien aussortiert werden, wenn sie nicht effektiv sind oder wenn sie kostenintensiver sind als vergleichbar effektive Versorgungsalternativen. Außerdem lassen sich Rationalisierungspotentiale durch organisatorische Anpassungen von Versorgungsprozessen oder durch Optimierung von Steuerungs- und Anreizsystemen realisieren.

    3. Implizite und explizite Rationierung: Rationierung wird differenziert in offene und verdeckte Rationierung. Bei verdeckter Rationierung erfolgt die Rationierung implizit. Beispiele sind Wartelisten für Gesundheitsleistungen (wie z.B. Operationen) oder auch Budgets und Honorierungssysteme wie Fall- und Kopfpauschalen (sofern Vergütung und Budgets nicht ausreichen, um die Kosten einer medizinisch indizierten Versorgung zu gewährleisten). Nachteile der impliziten Rationierung sind, dass keine transparenten Rationierungskriterien offengelegt werden und damit eine Ungleichbehandlung der Patienten ermöglicht wird. Vorteil ist, dass bei der Versorgung individueller Patienten ein größerer Entscheidungsspielraum besteht. Bei offener Rationierung werden die Rationierungskriterien explizit genannt. Rationierung wird damit transparent und konsistent. Die Gleichbehandlung von Patienten wird gefördert und Leistungserbringer von Entscheidungskonflikten entlastet, da die Zuteilung von Gesundheitsleistungen objektiviert ist. Nachteil ist, dass eine (indizierte) Anpassung der Versorgung bei individuellen Patienten deutlich erschwert wird.

    4. Priorisierung: Unter Priorisierung versteht man die ausdrückliche Festlegung von Prioritäten in der Versorgung. Bei der Priorisierung wird eine mehrstufige Rangfolge von Indikationen, Patientengruppen und Technologien entwickelt. Die Priorisierung sollte anhand transparenter und nachvollziehbarer Kriterien erfolgen. Priorisierung unterscheidet sich von Rationierung insofern, als bei hinreichendem Budget evtl. nur nicht wirksame Technologien durch Priorisierung ausgeschlossen werden. Faktisch werden mit Priorisierung aber zunehmend Rationierungsentscheidungen unterstützt. Priorisierung lässt sich interpretieren als Umsetzung einer explizit ausgewiesenen Rationierung.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Volker Eric Amelung
      Medizinische Hochschule Hannover,
      Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung
      Professor
      Prof. Dr. Axel Mühlbacher
      Hochschule Neubrandenburg,
      IGM Institut Gesundheitsökonomie und Medizinmanagement,
      Fachbereich Gesundheit, Pflege, Management
      PD Dr. Christian Krauth
      Medizinische Hochschule Hannover,
      Abt. Epidemiologie, Sozialmedizin und
      Gesundheitssytemforschung
      Leiter des Arbeitsbereichs Gesundheitsökonomie

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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