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Unternehmenslebenszyklus

Definition

Der Unternehmenslebenszyklus ist ein Forschungskonstrukt, das verschiedene Aspekte der Unternehmensentwicklung im Rahmen eines idealtypischen Verlaufs von Wachstum, Reife und Alter beschreibt. Es lassen sich mindestens fünf spezifische Perspektiven von Lebenszyklusmodellen unterscheiden: (1) Marktentwicklungsmodell, (2) Metamorphose-Modelle, (3) Krisenmodelle, (4) Strukturveränderungsmodelle und (5) Verhaltensänderungsmodelle. In der angloamerikanischen Forschung wird auch unterschieden zwischen Unternehmenslebenszyklus (corporate life cycle; abgekürzt CLC) und Organisationslebenszyklus (organizational life cycle; abgekürzt OLC). Häufig behandeln aber beide Modell-Ansätze sowohl die Entwicklung der Organisation als auch des gesamten Unternehmens, sodass diese Differenzierung im Grunde keine Differenz markiert.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    1. Definition: Lebenszyklusmodelle beschreiben den Verlauf der Unternehmensentwicklung anhand einer biologischen Analogie. Sie gehen davon aus, dass Unternehmen einem quasi-biologischen Entwicklungsmuster sequenziell ablaufender Phasen von Wachstum, Reife und Alter folgen. Es lassen sich mindestens fünf spezifische Ansätze von Lebenszyklusmodellen nach ihren Forschungsperspektiven unterscheiden: (1) Marktentwicklungsmodelle, (2) Metamorphose-Modelle, (3) Krisenmodelle, (4) Strukturveränderungsmodelle und (5) Verhaltensänderungsmodelle.

    2. Modelle: a) Marktentwicklungsmodellen liegt die Annahme einer synchronen Entwicklung von Produktlebenszyklus und Unternehmenslebenszyklus zugrunde. Der Unternehmenslebenszyklus in den Dimensionen Absatz, Umsatz und Gewinn entwickelt sich parallel mit dem Markt dieses Produktes. Mit der Marktsättigung sinkt die Nachfrage nach diesem Produkt, Umsätze können nur durch Preisnachlässe und damit auf Kosten der Margen und des Gewinns stabilisiert werden. Mikroökonomische Modelle basieren implizit auf diesem Ansatz, wobei ein idealtypisches Ein-Produkt-Unternehmen die Grundlage für diverse mikroökonomische Theorien der Unternehmensentwicklung angenommen wird. Bei Mehr-Produkt-Unternehmen sinkt hingegen die Prognosefähigkeit von Marktentwicklungsmodellen, da die Entwicklung des Unternehmens vom Lebenszyklus mehrerer Märkte abhängig ist. Mehr-Produkt-Unternehmen wachsen dann kontinuierlich, wenn sie auslaufende Produkt- oder Technologiezyklen – also einem abnehmenden Marktwachstum – durch Neuentwicklung zuvorkommen.
    b) Metamorphose-Modelle beschreiben die Entwicklung eines Unternehmens als Abfolge von Entwicklungsstufen, die sich jeweils durch Strukturmerkmale der Organisation unterscheiden. Diese Modelle beschreiben die Entwicklung des Unternehmens aus der Perspektive der Organisationsentwicklung und weniger aus der Perspektive der gesamten Unternehmensentwicklung.
    c) Krisenmodelle gehen davon aus, dass Unternehmen im Laufe ihrer Entwicklung jeweils phasenspezifische Kontrollkrisen überwinden müssen, damit sie weiterwachsen. Durch das Umsatzwachstum stoßen Unternehmen an Grenzen ihrer Struktur. Wenn diese nicht dem Unternehmenswachstum synchron verläuft, kommt es zu Kontrollkrisen. Somit ähneln Krisenmodelle den Metamorphose-Modellen in ihrem Fokus auf strukturelle Merkmale von Organisationen. Sie unterscheiden sich von diesen jedoch in ihrem Determinismus: Unternehmen müssen im Durchlaufen verschiedener Lebensphasen spezifische Krisen (z. B. Gründungskrise, Wachstumskrise etc.) überwinden, um weiter zu wachsen. Ebenso wie die Metamorphose-Modelle sind die Krisenmodelle stärker auf die Strukturmerkmale von Organisationen fokussiert und weniger auf die Interaktion von Markt und Unternehmen im Lebenszyklus.
    d) Strukturänderungsmodelle basieren auf einer Abfolge von Entwicklungsphasen, die sich hinsichtlich Organisationsstrukturen und Managementsystemen unterscheiden, jedoch die Unternehmensentwicklung ebenfalls deterministisch beschreiben. Damit ähneln sie einerseits den deterministischen Metamorphose-Modellen, die eine zwingende Abfolge von Phasen postulieren. Andererseits beinhalten diese Modelle – ähnlich den Krisenmodellen – deterministische Annahmen darüber, dass bestimmte Strukturänderungen für zukünftiges Wachstum zwingend für den Unternehmenserfolg sind. Insofern sind diese Modelle – im Gegensatz zu anderen Modellen – eher normativ als deskriptiv.
    e) Verhaltensänderungsmodelle sind rein verhaltenswissenschaftliche Modelle, die davon ausgehen, dass das Management bzw. der Unternehmer seine Fähigkeiten bzw. sein Verhalten z. B. im Bereich Führungsstil und Entscheidungsverhalten den Erfordernissen eines Unternehmens anpassen muss, damit das Unternehmen weiterwachsen kann. Insofern sind diese Modelle im Bereich der Wirtschaftspsychologie und der Organisationslehre zu verorten, wenngleich hier die Interaktion zwischen Markt und Unternehmen stärker thematisiert wird als in anderen Modell-Ansätzen.

    3. Bewertung: Lebenszyklusmodelle sind im Wesentlichen deskriptive Modelle, die die idealtypische Entwicklung von Unternehmen darstellen. Ihr Erkenntniswert liegt in der Vereinfachung komplexer Interaktionen zwischen Unternehmen und Markt und den sich daraus ergebenden strukturellen Veränderungen im Kontext einer langfristigen Unternehmensentwicklung und den daraus abgeleiteten Empfehlungen für die Managementpraxis insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung von Prozessen und Organisation des Unternehmens.

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      Dr. Peter Haric
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