Direkt zum Inhalt

Governance-Structure-Theorie der Unternehmung

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Neoklassische Theorie der Unternehmung, wobei sie sich als Weiterentwicklung der Transaktionskostentheorie der Unternehmung sowie als moderne Institutionentheorie versteht.

    Nach Williamson ist ökonomische Organisation als Vertragsproblem zu fassen. Verträge regeln Transaktionen, wobei Transaktionskosten ex ante und ex post entstehen, weil die Verhandlungen ex post davon abhängen, ob der Vertrag vollständig ex ante spezifiziert worden ist und auch alle zukünftigen Ereignisse, die den Vertragsgegenstand berühren, vorhersehen und erfassen kann. Ex ante vollständige Verträge würden allerdings sehr hohe Transaktionskosten verursachen und eine entsprechend hohe Rationalität erfordern.

    Annahmen der begrenzten Rationalität und Opportunismus einerseits und Komplexität/Unsicherheit und Spezifität andererseits ergeben zusammen die Transaktionskostenprobleme. Das Begriffspaar begrenzte Rationalität/Komplexität schließt aus, dass Verträge ex ante vollständig spezifiziert werden können. Das Begriffspaar Opportunismus/Spezifität bildet die Quelle hoher Ex-Post-Transaktionskosten bei Nachverhandlungen bzw. Vertragsanpassungen (fundamentale Transformation). Spezifität ist die Hauptdeterminante der Transaktionskosten, vor Unsicherheit und Häufigkeit.

    Williamson unterscheidet Spezifität von physischen Aktiva, Humankapital, Raum und sog. (Vertrags-)Geiseln (Widmungsspezifität, spezifische Investitionen). Spezifität ist eine Eigenschaft von Investitionen, deren Wert vom Fortbestand der Vertragsbeziehung abhängt und somit Quasirenten erzeugt, die sich opportunistische Vertragspartner anzueignen drohen, wenn Vertragsanpassungen erforderlich werden.

    Ausgehend von einer Markt-Hierarchie-Polarisierung untersucht Williamson die Make-or-Buy-Entscheidung und fragt, warum und welche Transaktionen in einer Unternehmung selbst durchgeführt werden, während andere über den Markt bezogen werden. Vertikale Integration von Transaktionen in eine Unternehmung sind eine Folge (bes. spezifitätsbedingt) zu hoher Transaktionskosten des Marktes (Marktversagen, Grenzen der Unternehmung). Die Hierarchie hat begrenzte Transaktionskostenvorteile, die bes. bei spezifischen Transaktionen wirksam werden (Kontrollmechanismen, sequenzielle Anpassungsvorteile etc.). Diese Vorteile sind wegen der entstehenden Organisationskosten begrenzt, sodass die Integration nur ausgewählter Transaktionen erfolgt. Dabei werden verschiedene Organisationsstrukturen miteinander verglichen.

    Die Organisationsstruktur der Unternehmung dient der Verringerung der Transaktionskosten durch die Ökonomisierung der Folgen begrenzter Rationalität. Die Evolution von der funktionalen zur multidivisionalen bzw. konglomeraten (Theorie der Mehrproduktunternehmung) und multinationalen Unternehmung folge einer Ökonomisierung der Transaktionskosten. Die Technik (Unteilbarkeiten) sei in den seltensten Fällen Ursache für Integration, da eine Technik nicht an eine Organisationsform gebunden sei, also ganz verschieden organisiert werden könne. Folglich entscheiden die Transaktionskosten über die Wahl der Organisationsform, nicht die Technik.

    Williamson entwirft selbst ein umfassenderes Schema, das auch die vielfältigen Kooperationsformen (relationale Verträge) erfasst. Im Kern geht es darum, die verschiedenen Transaktionen entsprechend ihren Eigenschaften (Spezifität, Unsicherheit, Häufigkeit) eindeutig verschiedenen Koordinationsstrukturen zuzuordnen, wobei unterstellt wird, es werden die Transaktions- und Produktionskosten minimiert (vgl. Abbildung „Governance-Structure-Theorie der Unternehmung”).

    Gegen den Ansatz von Williamson wird zunehmend Kritik geäußert: Es fehlten dynamische Transaktionskosten, bes. Informationsübertragungskosten, um die Grenzen der Unternehmung zu erklären. Spezifität besitze keine eindeutige Wirkung auf die Integrationsentscheidung. Die Vernachlässigung von Technik und Innovationen bzw. der Entwicklung technischer Möglichkeiten führe dazu, dass die Erklärung der Entwicklung von Organisationsstrukturen zu kurz greife, v.a. weil die Technik als gegeben und frei zugänglich unterstellt wird. Diese Kritikpunkte werden von den dynamisch-evolutorischen Theorien der Unternehmung aufgegriffen, die demzufolge die Grenzen der Unternehmung u.a. von der Marktdynamik abhängig machen.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Governance-Structure-Theorie der Unternehmung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/governance-structure-theorie-der-unternehmung-34348 node34348 Governance-Structure-Theorie der Unternehmung node47344 Transaktion node34348->node47344 node37760 neoklassische Theorie der ... node34348->node37760 node49432 Transaktionskostentheorie der Unternehmung node34348->node49432 node40961 Kontrakt node49761 Vertrag node40961->node49761 node53900 Ambiguität node49831 Unsicherheit node53900->node49831 node46086 Prospect-Theorie node46086->node49831 node44514 Sicherheit node44593 punktuelle Anreize node44593->node47344 node43672 Sammelanreize node43672->node47344 node48587 Transaktionskostenökonomik node47344->node48587 node44196 Self Enforcing Contract node44196->node49761 node44668 Schuldanerkenntnis node44668->node49761 node47264 Willenserklärung node40996 mikroökonomische Theorie der ... node37760->node40996 node50000 Wohlfahrtsökonomik node37760->node50000 node30607 Allokation node37760->node30607 node33038 Gleichgewicht node37760->node33038 node49340 Unternehmer node49761->node34348 node49761->node47264 node49831->node34348 node49831->node44514 node34530 Grenzen der Unternehmung node34530->node34348 node49432->node47344 node49432->node49340 node49432->node49761 node49432->node49831 node49432->node34530 node53872 Risk-Pooling node53872->node49831
      Mindmap Governance-Structure-Theorie der Unternehmung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/governance-structure-theorie-der-unternehmung-34348 node34348 Governance-Structure-Theorie der Unternehmung node37760 neoklassische Theorie der ... node34348->node37760 node49432 Transaktionskostentheorie der Unternehmung node34348->node49432 node49761 Vertrag node34348->node49761 node47344 Transaktion node34348->node47344 node49831 Unsicherheit node34348->node49831

      News SpringerProfessional.de

      • Psychopath und Psychopath gesellt sich gern

        Menschen mit psychopathischen Tendenzen sind unter rüden Chefs zu Bestleistungen fähig, so eine Studie. Was nach einer Win-Win-Situation für stressige Arbeitsumfelder klingt, hat auch seine Kehrseiten.

      • Wie agil sind Unternehmen wirklich?

        Großunternehmen und Konzerne müssen große Veränderungen bei der Entwicklung und Umsetzung von digitalen Kundenstrategien bewältigen. Customer Experience-Verantwortliche sehen hier noch zuviel Silodenken in den Unternehmen.

      • Was Made in China 2025 für Europa bedeutet

        Europäische Manager schauen häufig nur nach Westen, wenn sie auf der Suche nach den neuesten Trends sind. Dagegen sollten wir unseren Blick viel stärker nach Osten – genauer nach China – ausrichten, wenn wir erkennen wollen, welche Entwicklungen die Welt herausfordern werden, meint Springer-Autor Ralf T. Kreutzer.

      • "Im Einkauf erwarte ich für KI noch einen großen Schub"

        Die Wolf GmbH hat die digitale Transformation im Einkauf stark vorangetrieben. Der Systemanbieter für Heiz-, Klima- und Lüftungstechnik fördert schnelle Prozesse durch technologischen und organisatorischen Fortschritt, so Purchasing Director Ernst Kranert im Interview.

      • Warum Unternehmen ein Fehlermanagement brauchen

        Fehler werden mit schlampiger Arbeit assoziiert. Dabei haben sie häufig mit belastenden Situationen in Unternehmen zu tun. Wie Manager mit Fehlern umgehen sollten und was sie von Piloten lernen können, beschreibt Gastautor Jan U. Hagen.

      • Was der DSGVO den Schrecken nimmt

        DSGVO-Alarm über Deutschland: Überquellende digitale Postfächer. Schulen, Vereine, Blogger und kleine Unternehmen schließen ihre Webseiten. Manager und Vorstände fürchten säbelwetzende Abmahnanwälte. 

      • Wenn alte IT-Technik der Digitalisierung im Weg steht

        In vielen Unternehmen kommt oft Jahre alte Hard- und Software zum Einsatz, die so genannte Legacy. Für digitale Innovationen ist das eine große Hürde. Thomas Hellweg, Geschäftsführer DACH beim IT-Infrastruktur-Spezialisten Tmaxsoft, empfiehlt Unternehmen, notwendige Modernisierungen in sechs Schritten anzugehen.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Peter Haric
      Institutsvorstand Leitbetriebe Austria Institut

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Die Leistungserstellung in Unternehmen ist in der Regel verbunden mit dem innerbetrieblichen Transport von Gütern und Materialien. Die Materialflussplanung nimmt daher für Industriebetriebe einen zentralen Stellenwert bei der Fabrikplanung ein.
      Netzwerke sind heute in aller Munde – auch wenn ihre Bedeutung für Arbeit dabei zumeist nicht im Mittelpunkt steht. Das verwundert, ist doch die Herausbildung, Fortschreibung und gegebenenfalls Veränderung von Arbeit und deren Regulation eine der …
      Will man die Geschichte des Investmentbankings aufzeigen, so kommt man nicht umhin, das Investmentbanking vorher zu beschreiben. Anderseits ist das Wesen dieses Bankgeschäfts ja gerade von der Zeit und vom historischen Kontext abhängig. Eine …

      Sachgebiete