Direkt zum Inhalt

Chronic Care Modell

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: umfasst die ganzheitlich gesteuerte Versorgung chronisch Kranker über die einzelnen Sektorengrenzen hinweg.

    2. Merkmale: Ein Großteil der Kosten im Gesundheitswesen entfällt auf einen lediglich kleinen Teil der Bevölkerung (10 Prozent der Versicherten verursachen 80 Prozent der Kosten). Die Konzentration auf diesen Bevölkerungsteil verspricht ein äußerst hohes Effizienzpotential. Ziel ist es, durch eine koordinierte Versorgung Krankheiten frühzeitig zu erkennen, Risikofaktoren zu senken, einen effizienten Behandlungsverlauf im Krankheitsfall zu gewährleisten und im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung der Versorgung durchgeführte Maßnahmen zu evaluieren und Verbesserungsmaßnahmen zu implementieren. Durch die gestiegene Lebenserwartung erhöht sich die Rate chronisch Kranker und multimorbider Krankheitsfälle. Im Zuge einer zunehmenden Multimorbidität (Vorliegen mehrerer Erkrankungen gleichzeitig) unter der Bevölkerung gewinnen Chronic Care Modelle an bes. Bedeutung im Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen.

    3. Formen: Verschiedene Formen zur gezielten Behandlung chronisch Kranker sind dabei vorstellbar. Exemplarisch seien im Folgenden einige angeführt: a) Disease Management ist die strukturierte, kontinuierliche und sektorenübergreifende Versorgung chronisch kranker Patientengruppen nach wissenschaftlich anerkannten Methoden. Die aktive Einbindung betroffener Patienten ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts.

    b) Case Management: Im Gegensatz zum Disease Management liegt der Schwerpunkt nicht in der Betreuung eines Patientenkollektivs durch mehrere Betreuer, sondern in der Einzelfallbetreuung. Zusätzlich wird kein komplettes Krankheitsbild abgedeckt, sondern gezielt ein Behandlungsplan (Care Plan) an den Bedürfnissen des Patienten und den Anforderungen des Auftraggebers ausgerichtet.

    c) Gatekeeping umfasst die gezielte Leistungssteuerung durch einen bes. qualifizierten Arzt. Der Arzt (v.a. Allgemeinmediziner oder niedergelassener Internist; im Folgenden als Hausarzt bezeichnet) ist im Krankheitsfall die erste Anlaufstelle für den Patienten und übernimmt eine Art Lotsenfunktion (Gatekeeper) entlang der Versorgungskette. Gemeinsamkeiten zwischen Gatekeeping und Case Management bestehen in der Übernahme eines bestimmten Versorgungsprozesses durch einen Betreuer. Im Gegensatz zum Case Manager führt der Gatekeeper aber Diagnosen sowie Behandlungen durch und verschreibt Medikamente.

    4. Grundlegende Gemeinsamkeiten: Chronic Care Modelle bauen im Wesentlichen auf drei Grundsätzen auf. Eine optimale Versorgungssituation ist zu definieren, eine effektive Verbesserungsstrategie zu entwickeln und konkrete Maßnahmen sind daraus abzuleiten und zu implementieren. Dabei dient die Berücksichtigung der in der Abbildung aufgeführten Elemente einer erfolgreichen Verbesserung der Versorgung.

    Leistungserbringer sind frühzeitig in die Verbesserungsstrategie mit einzubeziehen. Ein einfacher Zugang zu aktuellem Wissen sollte den Leistungserbringern ermöglicht werden und durch die Einrichtung einrichtungsübergreifender Informationstechnologie eine stets aktuelle Gesamtschau über patientenrelevante Daten zur Verfügung stehen. Zusätzlich sollte das Selbstmanagement und die Verantwortung des Patienten durch geeignete Maßnahmen gestärkt werden.

    5. Risiken: Bei sämtlichen Modellen stehen Kostenvorteile durch die verbesserte Behandlung den Kosten durch einen zumindest anfänglich höheren Ressourcen- und Verwaltungsaufwand gegenüber. Tiefgreifende Veränderungen im Versorgungsprozess erfordern einen aktiv begleiteten Bewusstseinswandel aller Beteiligten. Vor dem Hintergrund zunehmend multimorbider Erkrankungen sollte eine ganzheitliche Versorgung gegenüber einer Aneinanderreihung einzelner Modelle bevorzugt werden.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Chronic Care Modell Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/chronic-care-modell-51765 node51765 Chronic Care Modell node51767 Disease Management node51765->node51767 node28340 Case Management node51765->node28340 node32471 Evaluation node51767->node32471 node51767->node28340 node38272 Kostenstruktur node51767->node38272 node32955 Empowerment node51767->node32955 node51771 Managed Care node28340->node51771 node37108 Kunde node28340->node37108 node35637 Gebrauchsgüter node28340->node35637 node38359 Investitionsgüter node28340->node38359
      Mindmap Chronic Care Modell Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/chronic-care-modell-51765 node51765 Chronic Care Modell node51767 Disease Management node51765->node51767 node28340 Case Management node51765->node28340

      News SpringerProfessional.de

      • Was Bewerber garantiert abschreckt

        Sie sollen Status symbolisieren und modern daher kommen, erreichen aber das genaue Gegenteil. Arbeitsuchende empfinden englische Jobtitel häufig als unnötig aufgebläht. Keep ist simple, ist der bessere Anglizismus im Recruiting.

      • Big Brother im Büro

        Die totale Überwachung von Mitarbeitern ist längst keine negative Utopie mehr, wie sie George Orwell oder Dave Eggers in ihren Romanen heraufbeschwören. Unternehmen können bereits jetzt die Aktivitäten ihrer Angestellten rundum erfassen. Wissenschaftler warnen vor Missbrauch.

      • Private Equity in Deutschland boomt

        Unternehmen günstig kaufen und mit Gewinn verkaufen. Das ist das Konzept von Private Equity-Gesellschaften. Sie sind in Deutschland nach wie vor sehr aktiv, wie eine aktuelle Studie zeigt.

      • Zu wenig Innovation vor lauter Transformation

        Im BCG-Innovations-Ranking 2018 liegen US- und Digitalunternehmen klar vorn. Deutsche Firmen sind erst ab Platz 21 zu finden. Doch was hemmt hierzulande eigentlich die Innovationskraft?

      • Talentierte Mitarbeiter finden und binden

        Im hart gewordenen "War for Talents", in dem Fachkräfte begehrter denn je sind, vergessen Unternehmen offenbar, auf die internen Talente zu setzen. Dabei schlummern in der Belegschaft oft ungeahnte Potenziale.

      • Digitalisierung in betrieblicher Altersvorsorge angekommen

        Mittlerweile ist die Digitalisierung auch in der betrieblichen Altersvorsorge angekommen. Die aktuelle Mercer-Studie deckt Details auf und erklärt, wieso sich zwei Drittel der befragten Unternehmen eine digitale Informationsplattform wünschen.

      • Industrie 4.0 – und Schicht im Schacht?

        Je nach Standpunkt und Blickwinkel scheint der Trend zu Digitalisierung und Vernetzung der Industrie zur Industrie 4.0 positive oder negative Auswirkungen auf die Arbeitsplatzentwicklung zu versprechen. Wirtschaftsforscher haben jetzt eine Gesamtschau versucht.

      • Agile Führung zur Stärkung der Veränderungsintelligenz

        Braucht Agilität überhaupt noch Führung? Oder sind Führung und Agilität nicht ein Widerspruch in sich? Wie das Konzept der Veränderungsintelligenz zeigt, hängt die Antwort vom jeweiligen Agilitätskontext ab, so Gastautorin Antje Freyth.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Volker Eric Amelung
      Medizinische Hochschule Hannover,
      Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung
      Professor
      Prof. Dr. Axel Mühlbacher
      Hochschule Neubrandenburg,
      IGM Institut Gesundheitsökonomie und Medizinmanagement,
      Fachbereich Gesundheit, Pflege, Management
      PD Dr. Christian Krauth
      Medizinische Hochschule Hannover,
      Abt. Epidemiologie, Sozialmedizin und
      Gesundheitssytemforschung
      Leiter des Arbeitsbereichs Gesundheitsökonomie

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Medium-Term Hydro Generation Scheduling (MTHGS) plays an important role in the operation of hydropower systems. In the first place, this paper presents a Chance Constrained Model for solving the optimal MTHGS problem. The model recognizes the …
      This paper describes Alya Red CCM, a cardiac computational modelling tool for supercomputers. It is based on Alya, a parallel simulation code for multiphysics and multiscale problems, which can deal with all the complexity of biological systems simul
      Das Auto der Zukunft weiß, was der Fahrer braucht. Es misst die Vitaldaten des Fahrers und gibt Tipps für mehr Wohlbefinden. Gehörten Autos und Gesundheit bislang eher nicht zusammen, soll sich das künftig ändern.

      Sachgebiete