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Corporate Think Tank

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Seit einigen Jahren wird der Begriff „Think Tank“ in einem unternehmerischen Kontext verwendet. Man versteht darunter spezielle Organisationsformen zur Bearbeitung zukunftsgerichteter Themen.

    Corporate Think Tanks sind Foren, Projektgruppen oder Unternehmensbereiche, in denen sich interdisziplinäre Teams aus Mitarbeitern und/oder Externen (z.B. Experten, Kooperationspartner, Kunden) mit zukunftsorientierten Fragestellungen beschäftigen. Corporate Think Tanks sollen einen Beitrag zur Entscheidungsfindung von Führungskräften sowie zur Erreichung von Unternehmenszielen leisten, z.B. durch die Durchführung von Foresight-Analysen (Trends, Zukunftsfaktoren), die Konzeption von Strategien oder das Hervorbringen von Innovationen.

    2. Merkmale: Corporate Think Tanks liegt eine spezielle Vorgehensweise zugrunde, die darauf abzielt, Kreativität und Dynamik auszulösen. Sie entfalten ihre volle Wirkung durch die Kombination aus einem für die Themenstellung passenden Format, kreativen Menschen, einem inspirierenden Durchführungsort sowie einem geeigneten Methodenset (z.B. Szenario-Technik, Design Thinking, Design Sprints, Business Model Canvas oder die Methode LEGO® SERIOUS PLAY®). Mit solchen Think Tanks wird versucht, den kreativen Spirit der Start-ups zu imitieren.

    3. Unterscheidung von anderen Begriffen: Nicht immer wird im Kontext der obigen Definition der Begriff Corporate Think Tank verwendet. Synonym sind z.B. Bezeichnungen wie Denkfabrik, Strategieworkshop, Innovation Labs, Ideen Hothouse, Ideation Slam, Kreativforum oder Zukunftswerkstatt.

    Der Terminus Corporate Think Tank stellt eine Art Oberbegriff dar, unter dem sich die zahlreichen Varianten zusammenfassen lassen: In allen diesen Foren wird analysiert („Think“) oder gestaltet („Do“). Man zieht sich temporär aus dem Tagesgeschäft in einen Seminar-/Kreativraum zurück oder arbeitet sogar permanent in entsprechenden Räumlichkeiten („Tank“). Darüber hinaus wird der Begriff Think Tank in einem betriebswirtschaftlichen Zusammenhang sowohl von Unternehmen selbst als auch in den Medien verwendet.

    4. Ziele: Unternehmerische Rahmenbedingungen sind u.a. gekennzeichnet durch disruptive Innovationen, Komplexität und Marktdynamik. Der Einsatz von Corporate Think Tanks kann vor diesem Hintergrund eine Hilfestellung darstellen, um sich den Zugang zu kollektivem Wissen und chancenreichen Ideen zu sichern. Mit dem Einsatz von unternehmerischen Denkfabriken wird die Zielsetzung verfolgt, die Zukunftssicherung von Unternehmen aktiv zu gestalten.

    5. Entwicklung: Ursprünglich wurde der Begriff Think Tank in einem militärischen Kontext angewendet. Im zweiten Weltkrieg bezeichnete man damit abhörsichere Räume („Tank“), in denen über Fragen der strategischen Kriegsführung nachgedacht wurde („Think“). In den 1950er-Jahren etablierte sich die Bezeichnung „Think Tank“ zunehmend für Forschungsinstitute in der Politikberatung.

    6. Ausprägungsformen: Bei betrieblichen Denkfabriken lassen sich üblicherweise zwei Ausprägungsformen unterscheiden:

    a) Analysierende Think Tanks: In diesen Foren werden Themen, wie z.B. Trends, in Form sich abzeichnender technologischer oder gesellschaftlicher Entwicklungen analysiert. Dies dient dem Ziel, Wachstumsmärkte zu identifizieren. Diese Aktivitäten werden auch unter dem Begriff Corporate Foresight zusammengefasst. Der Output ist meist ein Ergebnisbericht, der Führungskräfte in ihrer Entscheidungsfindung und/oder konzeptionellen Arbeit unterstützt.

    b) Gestaltende Think Tanks (auch „Do Tanks“ oder „Idea Tanks“ genannt): In diesen Denkfabriken stehen Tätigkeiten im Vordergrund, die im Anschluss an Analysen durchgeführt werden. Hier entstehen z.B. konkrete strategische Konzepte, Lösungen für spezifische Problemstellungen oder Produktinnovationen.

    In der Praxis finden sich auch Mischformen dieser beiden Ausprägungsformen, bspw. in Form von Strategiebeiräten, die sowohl analytisch als auch gestaltend arbeiten.

    7. Formate: Neben der Differenzierung in analytische und/oder gestaltende Think Tanks existieren auch im Hinblick auf die Vorgehensweise sowie die organisatorische Ansiedlung eine Vielzahl unterschiedlicher Formen.

    a) Corporate Think Tanks als permanent installierte, ausgegliederte Bereiche zeichnen sich dadurch aus, dass zum eigentlichen Unternehmenssitz eine räumliche Distanz existiert. Als Grund für eine solche Maßnahme wird aufgeführt, dass sich innerhalb der als bürokratisch empfundenen Strukturen eines Großunternehmens Kreativität nur ungenügend entfaltet. Alternativ gründen Unternehmen Tochterunternehmen, initiieren Joint Ventures oder beteiligen sich an Start-ups. Eine weitere Variante ist ein gehobenes Trendscouting von technologiegetriebenen Großunternehmen. Sie betreiben bspw. im Silicon Valley Büros, um auf diese Weise die dynamischen Entwicklungen der Gründerszene vor Ort mit zu verfolgen. Aufgrund des hohen Aufwands (Räumlichkeiten, Personal etc.) ist dieses Format permanent installierter Denkfabriken insbes. bei Großunternehmen anzutreffen.

    b) Corporate Think Tanks als temporäre Projektgruppen/Workshops/Events werden sowohl von Unternehmen als auch von anderen Initiatoren (z.B. Initiativen, Verbände) durchgeführt. Die Intention besteht darin, in kurzer Zeit effizient und zielorientiert Analysen durchzuführen oder nach neuen Ideen zu suchen. Die anfallenden Kosten für einen solchen zeitlich begrenzten Think Tank können (je nach Format) niedrig gehalten werden. Insofern ist diese Variante für Unternehmen jeder Größenordnung geeignet. Gelegentlich initiieren sogar Abteilungen oder Funktionsbereiche Think Tanks, um z.B. über die eigene strategische Ausrichtung innerhalb des Unternehmens nachzudenken.

    c) Corporate Think Tanks als externe Dienstleistung werden von Designschmieden oder Ideenagenturen angeboten. Als „Do Tanks“ haben sie sich darauf spezialisiert, Ideen für Neuprodukte oder Lösungen für sonstige Problemstellungen zu generieren. Je nach Auftragsumfang eignet sich bei Bedarf die Inanspruchnahme dieser kommerziellen Think Tanks für Unternehmen jeder Größe.

    8. Kritische Würdigung: Um das Potenzial der Corporate Think Tanks ausschöpfen zu können, sollten Unternehmen einerseits die Vorteile dieser Vorgehensweise kennen. Andererseits sollten sie auch den Aspekten Rechnung tragen, die in einem Think Tank falsch laufen könnten bzw. als potenzielle Nachteile einzustufen sind.

    a) Vorteile: Bieten eine effiziente Möglichkeit zur Bearbeitung zukunftsgerichteter Themen an; sind für ein großes Themenspektrum einsetzbar; können in den unterschiedlichsten Formaten realisiert werden; sind gut mit anderen Aktivitäten kombinierbar; können Kreativität freisetzen; gewährleisten hohe Motivation und viel Leidenschaft bei den Akteuren; ermöglichen die Chance auf wirklich neue Ideen/Konzepte; bieten sich für den Einsatz einer Vielzahl von unterstützenden Tools/Methoden an.

    b) Nachteile: Können z.B. aufgrund einer nicht gut durchdachten Konzeption scheitern; bedingen einen moderaten bis hohen finanziellen und organisatorischen Aufwand (einschließl. für eine sich anschließende Umsetzungsphase); bringen die Gefahr mit sich, aus einer Vielzahl an Methoden die für eine Themenstellung/einen Teilnehmerkreis nicht geeigneten auszuwählen; können solche Ideen/Konzepte hervorbringen, die nicht zum Mindset einer Organisation passen; können trotz einer erfolgreichen Durchführung bei der Ergebnisumsetzung scheitern („Ergebnisse verschwinden in der Schublade“, „Alibiveranstaltung“).

    Für die Bearbeitung von Zukunftsthemen und die dafür notwendige Ideensammlung sind Corporate Think Tanks ideale Plattformen, wenn sie sorgfältig geplant und professionell durchgeführt werden. Gerade unkonventionelle Vorgehensweisen und Methoden können einen entscheidenden Beitrag leisten, um neue Wege zu beschreiten und Erfolg versprechende Chancen zu identifizieren.

    9. Ausblick: Unternehmen rufen unterschiedliche Initiativen ins Leben, um ihre zukünftige Entwicklung aktiv zu gestalten. Corporate Think Tanks stellen eine Möglichkeit dar und kommen in ihren verschiedenen Ausprägungsformen zunehmend zum Einsatz. Vor dem Hintergrund einer weiter steigenden Marktdynamik ist davon auszugehen, dass entsprechenden Formaten auch zukünftig eine hohe Bedeutung zukommen wird.

     

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Sven Poguntke
      Sven Poguntke – Business Development Consultants
      Geschäftsführer

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