Direkt zum Inhalt

Cluster

Definition

Wirtschaftsgeografie: räumliche Zusammenballung von Unternehmen und unterstützend-zugehöriger Einrichtungen.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Statistik
    2. Wirtschaftsgeografie

    Statistik

    homogene Gruppe von bezüglich eines bestimmten Merkmals gleichartigen Elementen.

    Vgl. auch Clusteranalyse.

    Wirtschaftsgeografie

    1. Begriff: räumliche Konzentration miteinander verbundener Unternehmen und Institutionen innerhalb eines bestimmten Wirtschaftszweiges. Der Cluster kann neben Unternehmen vernetzter Branchen auch weitere für den Wettbewerb relevante Organisationseinheiten (z.B. Forschungsinstitutionen, Hochschulen, Kammern, Behörden, Finanzintermediäre, Normen setzende Instanzen etc.) beinhalten. Als räumliche Zusammenballung von Menschen, Ressourcen, Ideen und Infrastruktur stellt sich ein Cluster als hoch komplexes Netzwerk mit dynamischen internen Interaktionen dar, das nicht zwingend mit administrativen Grenzen kongruent sein muss. Die Grundüberlegung ist, dass räumliche Nähe die wirtschaftliche Entwicklung sowie die Entstehung von Wissen und Innovationen fördert.

    2. Dimensionen eines Clusters: Es lassen sich folgende Dimensionen eines Clusters unterscheiden:
    a) horizontale Dimension: Sie beschreibt die gleichzeitige Präsenz von Unternehmen, die ähnliche Produkte herstellen, und daher in Konkurrenz stehen. Zwar unterhalten sie keine intensiven Kontakte zueinander, profitieren aber von der Kopräsenz an einem Standort, welche sie in die Lage versetzt, sich über Produkte und Produktionsbedingungen der Wettbewerber zu informieren. Dies ist v.a. bei räumlicher Nähe möglich, über längere Distanzen dagegen nur schwer zu erreichen.
    b) Vertikale Dimension: Sie meint die Konzentration vor- und nachgelagerter Unternehmenseinheiten. Sobald ein spezifischer industrieller Cluster existiert, besteht für Zulieferer, Abnehmer und Dienstleister der Anreiz, sich in derselben Region niederzulassen, um Agglomerationseffekte auszuschöpfen. Der Ansiedlungsanreiz ist dabei umso stärker ausgeprägt, je intensiver die Arbeitsteilung innerhalb der Wertschöpfungskette des Clusters ist.
    c) Institutionelle Dimension: Sie bezieht sich darauf, dass regionale Konzentrationsprozesse die Bildung eines spezifischen Regel- und Normensystems begründen. So teilen die Clusterakteure dieselben bzw. sich ergänzende Technikvorstellungen und Arbeitswerte, sodass sich feste Beziehungen und Konventionen bilden, welche die Grundlage für Zuverlässigkeit und Vertrauen in die gegenseitige Leistungsfähigkeit sind.
    d) Externe Dimension: In ihr kommt zum Ausdruck, dass die Offenheit eines Clusters nach außen von substanzieller Bedeutung ist. Die kontinuierliche Integration externer Impulse gilt als unabdingbare Voraussetzung für die Sicherstellung der Reproduktivität und die Generierung von Innovations- und Wachstumsprozessen über clusterinterne Netzwerke. Ein sog. "lock in", d.h. die kreative Austrocknung eines Clusters durch mangelnde Impulse von außen, ist zu vermeiden.

    3. Eigenschaften und Beispiele: Cluster divergieren hinsichtlich ihrer Größe, Bandbreite und ihres Entwicklungsstandes. Sie bestehen meist aus kleinen und mittleren Unternehmen (z.B. der italienische Schuhmodencluster oder der Möbelcluster im US-Bundesstaat North Carolina), umfassen gegebenenfalls aber auch größere Unternehmen (z.B. das Silicon Valley oder Hollywood). Die zusammengefassten Unternehmen können modernen Hochtechnologiebranchen entstammen. Beispiele sind u.a. die Route-128-Region im Raum Boston (Minicomputer, Softwareentwicklung, Bio- und Gentechnologie), Sophia Antipolis in Südfrankreich und der M4-Corridor im britischen Berkshire/Thames Valley (Informations- und Telekommunikationstechnologie), die südschwedischen Regionen Lund und Malmö sowie Martinsried bei München (Biotechnologie). Es kann sich aber auch um konventionelle Branchen, wie z.B. die Textilindustrie auf der Schwäbischen Alb, die Messerwarenindustrie in Solingen, das Fahrradhandwerk in Freiburg, die Uhrenindustrie im Schweizer Jura, den Standortverbund des kalifornischen Weinanbaus oder das Dritte Italien (u.a. Schuhe, Textilien, Möbel, Glas in Nordostitalien), handeln.

    Zu beachten ist, dass von einem Cluster auch Gefahren für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region ausgehen können. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Cluster nur aus wenigen Branchen besteht, auf welche sich die Region, z.B. bei der Bereitstellung von Infrastruktur, der Wirtschaftsförderung oder der Qualifizierung von Arbeitskräften, einseitig spezialisiert. Eine derartige, anpassungsresistente Monostruktur macht eine Region gegenüber strukturellen und konjunkturellen Krisen besonders anfällig. Als Beispiele lassen sich der Niedergang der Montanindustrie im Ruhrgebiet, die Krise des Automobilstandortes Detroit und die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Uhrenindustrie Ende der 1980er-/Anfang der 1990er-Jahre anführen. Zu beachten ist ferner, dass bei einer zu starken Ausrichtung eines Clusters auf lokale Beziehungen und Institutionen wichtige nationale oder internationale Bezüge vernachlässigt werden. Hinzu kommen klassische Agglomerationsnachteile. Denn ein clusterbedingtes Wirtschaftswachstum führt zu regionalen Belastungen durch hohe Immobilienpreise und Mieten, steigende Arbeitskosten sowie eine überlastete Infrastruktur. Ein Anstieg der Lebenshaltungskosten und Umweltbelastungen bewirkt, dass die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und damit die Wettbewerbsfähigkeit wieder nachlassen. 

    Vgl. auch Industriedistrikt.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Cluster Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/cluster-30562 node30562 Cluster node28221 Clusteranalyse node30562->node28221 node39624 Innovation node30562->node39624 node43213 regionale Integration node48419 Subvention node46166 Region node46166->node30562 node53737 Regionalisierung node53737->node30562 node53737->node43213 node53737->node48419 node53737->node46166 node35657 Globalisierung node53737->node35657 node30494 Datenreduktion node30494->node28221 node31008 Dendrogramm node40417 multivariate Statistik node28221->node31008 node28221->node40417 node41413 Localization Economics node41822 Lokalisationsvorteile node41413->node41822 node28562 Agglomerationseffekte node28562->node30562 node39045 kreatives Milieu node39045->node30562 node38009 Industriedistrikt node39045->node38009 node48987 Transaktionskosten node39045->node48987 node34859 Embeddedness node39045->node34859 node46534 Regionalentwicklung node39045->node46534 node41822->node30562 node41822->node28562 node40581 Innovationsdichte node40581->node39624 node40363 Innovationsforschung node40363->node39624 node52239 Gründungsidee node52239->node39624 node54513 Corporate Entrepreneurship node54513->node39624 node38009->node30562
      Mindmap Cluster Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/cluster-30562 node30562 Cluster node39624 Innovation node30562->node39624 node28221 Clusteranalyse node30562->node28221 node39045 kreatives Milieu node39045->node30562 node41822 Lokalisationsvorteile node41822->node30562 node53737 Regionalisierung node53737->node30562

      News SpringerProfessional.de

      • Enterprise Social Networks fördern Innovationen

        Der digitale Reifegrad deutschsprachiger Unternehmen verbessert sich zusehends. In allen Bereichen haben digitale Prozesse mittlerweile die analogen Formen der Zusammenarbeit überholt. Doch es gibt noch viel zu tun.

      • Konsequent digital steigert die Profite

        Je intensiver Unternehmen digitalisiert sind, desto höher ist ihr Gewinnwachstum. Allerdings braucht es dazu konsequente Strategien und den Willen zum Wandel auf allen Ebenen.

      • Warum Manager die Macht der Controller fürchten

        Die Rolle des Controllers verändert sich. Er soll gerade als Unterstützung im strategischen Bereich an Einfluss gewinnen. Doch noch ist nicht jeder Manager bereit, den Controller als Sparringspartner zu sehen.

      • So viele befriste Arbeitsverträge wie nie

        Es gibt viel zu tun für die Bundesregierung – auch beim Thema befristete Arbeitsverträge. Denn deren Zahl hat im Jahr 2017 ein Rekordhoch erreicht. Bei der Hälfte fehlt sogar der sachliche Grund.

      • Facebook und VW stehen nicht für Werte

        Cambridge Analytica bei Facebook und die nicht endende Abgasaffäre bei Volkswagen haben das Image beider Unternehmen schwer geschädigt. Verbraucher wissen nicht mehr, welcher Ethik sie folgen. Ein Gastbeitrag von Jan Döring.

      • Umweltaspekte in das Controlling integrieren

        Controlling wird mit Kennzahlen und nüchternen Fakten verbunden, selten jedoch mit dem Thema Umwelt. Eine Studie legt jedoch offen, wie wichtig es ist, Umweltaspekte mit dem Controlling zu verzahnen.

      • Mittelstand tut sich mit Kreditfinanzierung schwer

        Fast 15 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) haben laut einer aktuellen Studie keine ausreichenden Mittel zur Finanzierung nötiger betrieblicher Investitionen. Ähnlich sieht das Bild in Großbritannien und noch schlechter in Frankreich aus.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Hans-Dieter Haas
      Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie,
      Ludwig-Maximilians-Universität München
      o. Univ.-Prof. i. R.
      Dr. Simon-Martin Neumair
      Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie
      Ludwig Maximilians-Universität
      Prof. Dr. Klaus Wübbenhorst
      GfK SE
      Vorsitzender des Vorstands
      Prof. Dr. Udo Kamps
      RWTH Aachen, Institut für Statistik und Wirtschaftsmathematik
      Inhaber des Lehrstuhls für Statistik

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      The Sulige is situated in the northwest of the Ordos Basin, which is the most difficult gas field to develop of low permeability, low pressure, and low abundance in China. Economical and effective exploitation was restricted heavily by longer …
      A technique for studying the star motions inside the open star clusters is proposed. It allows for revealing the details of the spatial and kinematic cluster structure on the basis of precise measurements of the astrometric parameters of the …
      Phylogenetic trees are fundamental to biology and are benefitting several other research areas. Various methods have been developed for inferring such trees, and comparing them is an important problem in computational phylogenetics. Addressing …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

      Sachgebiete