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Industriedistrikt

Definition

regionales Produktionsnetzwerk kleiner und mittlerer Unternehmen.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: von A. Marshall Anfang des 20. Jh. geprägter Begriff für einen räumlich verorteten Produktionsverbund kleiner und mittlerer Unternehmen einer Branche, die auf ein spezielles Produkt, eine bestimmte Produktpalette oder die Herstellung spezifischer Komponenten innerhalb des Produktionsverbundes spezialisiert sind.

    2. Merkmale: Ausschlaggebend für das erfolgreiche Funktionieren eines Industriedistrikts sind eine flexible Spezialisierung und Kooperation der Unternehmen, räumliche Nähe, Vertrauen und soziokulturelle Verbundenheit (Embeddedness), ein funktionierender Wettbewerb zwischen den Unternehmen sowie ein dichtes Netz sozio-institutioneller Beziehungen und Strukturen (Institutional Thickness).

    3. Beispiele: Als Beispiele für das klassische Industriedistrikt nach Marshall werden u.a. immer wieder Hightech-Regionen wie das kalifornische Silicon Valley (Informationstechnik, Mess- und Kontrollinstrumente, Software und Halbleitertechnologie) in seiner frühen Entwicklung oder eher handwerklich orientierte lokale Produktionssysteme wie das Dritte Italien (u.a. Schuhe, Keramik, Holzmöbel), in Deutschland die Region Albstadt in Baden-Württemberg (Wirk- und Strickwaren) oder die Uhrenproduktion im Schweizer Kanton Jura angeführt.

    4. Abwandlungen: Neben dem Industriedistrikt nach Marshall lassen sich weitere Formen unterscheiden: Beim Hub-and-Spoke-Distrikt ist ein großes, vertikal integriertes Schlüsselunternehmen, das für die regionale Wirtschaft eine Naben- bzw. Ankerfunktion ausübt, umgeben von einer Vielzahl kleiner Unternehmen (z.B. Zulieferer, Dienstleister), die wie die Speichen eines Rades um die Nabe angeordnet sind. Es existieren sowohl regionale als auch überregionale Beziehungen. Als Beispiele lassen sich Toyota City in Japan und Boeing City in Seattle/USA (Automobil- bzw. Flugzeugbau) anführen. Eine daraus abgeleitete Sonderform ist das State-anchored-Distrikt, bei dem der Anker in Form einer öffentlichen oder staatlichen Einrichtung, z.B. einer Militärbasis, eines Behördenkomplexes oder einer Universität, auftritt. Beispiele sind Colorado Springs (Hauptquartier des militärischen Weltraumkommandos der USA, Luftwaffenakademie, zahlreiche Universitätsinstitute) sowie Boulder (University of Colorado, Elektroindustrie), beide im US-Bundesstaat Colorado gelegen. Solche Konstellationen induzieren regionales Wachstum durch die Entstehung von Zulieferbeziehungen, regionale Verflechtungen wie beim Marshallschen Industriedistrikt treten jedoch kaum auf. Beim Satelliten-Plattform-Distrikt handelt es sich um eine meist außerhalb von Ballungsräumen befindliche Standortgemeinschaft von Zweigbetrieben (verlängerte Werkbänke) regionsexterner, multinationaler Unternehmungen, die durch geringe regionale Verflechtungen gekennzeichnet ist. Ein Beispiel ist das Research Triangle in North Carolina (Elektronik, Telekommunikation, Life Science). Oft ist ein derartiger Industriedistrikt auch das Resultat staatlicher Förderinitiativen zur Belebung des Wirtschaftswachstums in peripheren Regionen.

    Vgl. auch Cluster.

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    Mindmap Industriedistrikt Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/industriedistrikt-38009 node38009 Industriedistrikt node30562 Cluster node38009->node30562 node34859 Embeddedness node38009->node34859 node53737 Regionalisierung node53737->node38009 node37928 Netzwerk node37928->node38009 node48607 Wirtschaftsraum node48607->node38009

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    Markussen, A. R.: Sticky Places in Slippery Space: A Typology of Industrial Districts
    27. Jg., Nr. 3, 1996, S. in: Economic Geography, S. 293-313

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