Direkt zum Inhalt

Infrastruktur

Definition

Grundausstattung einer Volkswirtschaft (eines Landes, einer Region) mit Einrichtungen, die zum volkswirtschaftlichen Kapitalstock gerechnet werden können, die aber für die private Wirtschaftstätigkeit den Charakter von Vorleistungen haben.

Klassische Beispiele sind Verkehrsnetze (Straßen, Schienen- und Wasserwege) sowie Ver- und Entsorgungseinrichtungen (Energie, Wasser, Kommunikationsnetze), ohne deren Existenz eine privatwirtschaftliche Güterproduktion oder Leistungserstellung nicht oder zumindest nur mit geringerer Effizienz möglich wäre (wirtschaftsnahe Infrastruktur).

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Infrastrukturkapital. 1. Begriff: Grundausstattung einer Volkswirtschaft (eines Landes, einer Region) mit Einrichtungen, die zum volkswirtschaftlichen Kapitalstock gerechnet werden können, die aber für die private Wirtschaftstätigkeit den Charakter von Vorleistungen haben.

    Klassische Beispiele sind Verkehrsnetze (Straßen, Schienen- und Wasserwege) sowie Ver- und Entsorgungseinrichtungen (Energie, Wasser, Kommunikationsnetze), ohne deren Existenz eine privatwirtschaftliche Güterproduktion oder Leistungserstellung nicht oder zumindest nur mit geringerer Effizienz möglich wäre (wirtschaftsnahe Infrastruktur).

    2. Arten: a) Materielle Infrastruktur (Infrastruktur i.e.S.; Social Overhead Capital): Ausstattung einer Volkswirtschaft mit derartigen materiellen Gütern.

    b) Immaterielle Infrastruktur (Infrastruktur i.w.S.; personale Infrastruktur): Man zählt auch den Aufbau oder die Verbesserung des Humankapitals hinzu, z.B. durch das Bildungswesen, Forschungseinrichtungen, aber auch Gesundheits- und andere soziale Dienstleistungen.

    c) Institutionelle Infrastruktur: Diese schließt auch den institutionellen Rahmen (v.a. die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialordnung) mit ein.

    3. Merkmale: Einrichtungen der Infrastruktur weisen i.d.R. einige oder alle der folgenden ökonomischen Merkmale auf: a) Investitionscharakter: Dies ist offensichtlich für die Bestandteile der materiellen Infrastruktur (Verkehrswegebau, leitungsgebundene Energieversorgung, Telekommunikationsnetze). Weithin unstrittig ist aber auch der Investitionscharakter von Ausgaben für das Bildungswesen oder für Forschung und Entwicklung (F&E) (Investitionen in das Humankapital). Der institutionellen Infrastruktur (z.B. allg. Verwaltung, Rechtsprechung) fehlen dagegen Merkmale von Investitionsgütern.

    b) Lange Nutzungsdauer mit entsprechend langer Kapitalbindung.

    c) Es handelt sich häufig um große Investitionsprojekte mit hohem Kapitalbedarf.

    d) Die Projekte sind typischerweise nicht beliebig teilbar. Aus technischen Gründen ist i.d.R. eine Mindestgröße oder -leistung erforderlich. Die Angebotsmenge kann sich zudem nicht an der marginalen Nachfrageeinheit orientieren, sondern muss auf eine durchschnittliche Inanspruchnahme hin konzipiert werden. Es wird also ein bestimmtes Leistungsangebot vorgehalten, unabhängig davon, ob es zu jeder Zeit eine entsprechende Nachfrage gibt (z.B. das fahrplanmäßige Transportangebot öffentlicher Verkehrsmittel).

    e) Ebenfalls typisch sind externe Effekte. Eine verbesserte Verkehrsanbindung kann die Attraktivität einer Region insgesamt steigern und z.B. zu höheren Grundstückswerten führen (positive externe Effekte). Andererseits kann das größere Verkehrsaufkommen aber auch zu Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen (negative externe Effekte).

    f) Die Nutzung der Infrastruktur kann unentgeltlich sein (in Deutschland z.B. der Besuch allgemeinbildender Schulen) oder auch die Entrichtung eines Entgelts erfordern (z.B. Gebühren für öffentliche Ver- und Entsorgungsleistungen). Da die Kosten je zusätzlicher Leistungseinheit i.Allg. sinken (fallende Durchschnittskosten), sind spezielle Preisbildungsregeln erforderlich (Peak Load Pricing). Anbieterseitig liegen zudem häufig Bedingungen eines natürlichen Monopols vor, die normalerweise eine staatliche Regulierung hinsichtlich Preis und Qualität der Leistungen, aber auch der Versorgungssicherheit erforderlich machen.

    g) Aus diesen Merkmalen leitet sich die traditionelle Auffassung von Infrastruktur als einem überwiegend öffentlichen Gut (Kollektivgut) im Sinn der Finanzwissenschaft ab. Eine privatwirtschaftliche Leistungserstellung ist deshalb nicht prinzipiell ausgeschlossen, in der Praxis ist sie bislang aber eher die Ausnahme (Privatschulen, -universitäten, privat betriebene Autobahnen). Die Frage der Privatisierung öffentlicher Leistungen ist heute aber ein wichtiges Thema der Infrastrukturpolitik.

    Vgl. auch Infrastrukturausstattung, statistische Messung.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Infrastruktur Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/infrastruktur-39955 node39955 Infrastruktur node37735 Kapitalstock node39955->node37735 node43134 regionale Disparitäten node27997 Beihilfe node48506 Wirtschaftsförderung node27997->node48506 node27350 Beihilfehöchstsätze node27350->node48506 node34145 Förderung der Wirtschaft node34145->node48506 node34748 Globalsteuerung node48506->node39955 node48506->node34748 node39874 Industrialisierung node31870 Agglomeration node46166 Region node28473 Anlagevermögen node37735->node28473 node47916 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) node37735->node47916 node48914 Wachstumsdeterminanten node48914->node39955 node48914->node43134 node48914->node39874 node48914->node31870 node48914->node46166 node39967 Infrastrukturausstattung statistische Messung node39967->node39955 node40111 Infrastrukturkapital node40111->node39955 node40111->node39967 node28743 Anwartschaftsdeckungsverfahren node28743->node37735 node28738 Aggregate Investment Approach node28738->node37735 node48441 wirtschaftsnahe Infrastruktur node48441->node39955
      Mindmap Infrastruktur Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/infrastruktur-39955 node39955 Infrastruktur node37735 Kapitalstock node39955->node37735 node40111 Infrastrukturkapital node40111->node39955 node48914 Wachstumsdeterminanten node48914->node39955 node48506 Wirtschaftsförderung node48506->node39955 node48441 wirtschaftsnahe Infrastruktur node48441->node39955

      News SpringerProfessional.de

      • Persönlichkeit und Motivation müssen stimmen

        Beim Besetzen vakanter Stellen achten Vertriebsleiter oft stärker auf die fachliche Qualifikation der Bewerber als auf deren Persönlichkeit und Motivation. Michael Schwartz, Leiter des Instituts für integrale Lebens- und Arbeitspraxis in Esslingen, erläutert, warum diese beiden Faktoren im Vertrieb so wichtig sind.

      • Neue Recruitingstrategien gegen den Fachkräftemangel

        Für den deutschen Mittelstand wird der Fachkräftemangel zum Geschäftsrisiko, zeigen Studien. Und die Situation soll sich noch verschärfen. Höchsten Zeit also, bei der Personalbeschaffung neue Weg zu gehen, so Gastautor Steffen Michel. 

      • Weniger IPO-Prospekt, dafür mehr Anlegerschutz

        Wer sich bislang per Börsengang Geld am Kapitalmarkt besorgen wollte, musste einen aufwendigen Prospekt erstellen. Eine Neuregelung sorgt jetzt bei kleineren IPOs (Initial Public Offering) für Abhilfe. Wie die Voraussetzungen aussehen, erklärt Rechtsanwalt Jörg Baumgartner in seinem Gastbeitrag.

      • Whatsapp startet Business-Offensive

        Im Servicefall können Verbraucher einige Unternehmen bereits über den Messenger-Dienst Whatsapp kontaktieren. Doch was passiert, wenn der Kundenservice Nachrichten initiativ versendet? Ein neues Business-Tool soll genau das ermöglichen.

      • Kundennutzenmodelle im B2B-Vertrieb von E-Marktplätzen

        Elektronische B2C-Marktplätze müssen ihre über Jahre errungene dominante Marktstellung in Gewinne umzumünzen, ohne ihre Marktstellung zu gefährden. Dazu gehört, Preise für langjährige Händler drastisch zu erhöhen. Kundennutzenmodelle spielen dabei eine wichtige Rolle.

      • "Belastete Geschäftsmodelle sind meistens nicht genug innoviert"

        Der ehemalige Roland-Berger-Krisenberater Thomas Knecht hat an der Spitze von Hellmann den Turnaround des weltweiten Logistikers geschafft. Branche und Wirtschaft fordert er zu mehr Wachsamkeit auf. Im Interview spricht er über Anpassungsfähigkeit und Insolvenzschutz.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Henning Klodt
      Institut für Weltwirtschaft
      Leiter des Zentrums Wirtschaftspolitik

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Alle relevanten Bücher, Zeitschriften und Artikel zum Thema auf einen Blick.
      Der Beitrag analysiert die zeitgenössische digitale Partizipationskultur aus dezidiert gesellschaftstheoretischer Perspektive. Diese Kultur ist charakterisiert durch mediale Infrastrukturen, die Teilnahme ermöglichen, Interfaces, die zur Teilnahme …
      Die Digitalisierung nimmt ungebremst ihren Lauf und macht auch vor der Wasserversorgung nicht Halt. Durch interaktive Vernetzung werden Infrastrukturen immer unabhängiger vom Menschen.Mit dem Internet des Wassers erreicht die Schweizer Firma …

      Sachgebiete