Direkt zum Inhalt

technischer Fortschritt

Definition

Herstellung neuartiger oder wesentlich verbesserter Produkte und Materialien sowie Anwendung neuer Verfahren, die eine rationellere Produktion der bekannten Produkte und Materialien erlaubt, d.h. es möglich macht, eine gegebene Produktmenge mit niedrigeren Kosten bzw. eine größere Menge des Produktes mit gleichbleibenden Kosten zu erstellen.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Herstellung neuartiger oder wesentlich verbesserter Produkte und Materialien sowie Anwendung neuer Verfahren, die eine rationellere Produktion der bekannten Produkte und Materialien erlaubt, d.h. es möglich macht, eine gegebene Produktmenge mit niedrigeren Kosten bzw. eine größere Menge des Produktes mit gleichbleibenden Kosten zu erstellen.

    Der Begriff technischer Fortschritt ist wertend, weil von Fortschritt nur in Hinblick auf eine ganz bestimmte Zielsetzung gesprochen werden kann; die mit dem technischen Fortschritt einhergehenden Begleiterscheinungen (Substitutionen, Rationalisierungen und damit eventuelle Qualifikationsverluste durch die Einführung neuer Techniken, neue Belastungsverschiebungen am Arbeitsplatz, Arbeitsplatzverluste von Betroffenen) werden nicht einbezogen.

    2. Entstehung: Technischer Fortschritt entsteht durch Innovationen, bei denen drei Phasen unterschieden werden:
    (1) Phase der Invention (Erfindung): Erarbeitung naturwissenschaftlich-technischen Wissens, von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen und Erfindungen.
    (2) Phase der Innovation: Die erstmalige kommerzielle Anwendung führt zur Erweiterung des technischen Könnens und zur Entstehung von Produkt-, Material- und/oder Verfahrensinnovationen; Hauptaktivitäten sind u.a. Konstruieren, Experimentieren mit Prototypen, montagegerechte Anwendung und Verwertung in der Produktion und erste Marketingbestrebungen.
    (3) Phase der Diffusion: Die Innovationen werden mittels Marketingaktivitäten und Technologietransfer in Form von Materialien, Produkten, Verfahren (Investitionsgütern), Patenten und Lizenzen wirtschaftlich verwertet; ihre Anwendung breitet sich dadurch aus (diffundiert).

    3. Arten: a) Potenzieller technischer Fortschritt: technischer Fortschritt, der aufgrund des Standes der naturwissenschaftlich-technischen Forschung und Entwicklung augenblicklich oder in unmittelbarer Zukunft durchführbar ist (Forschung und Entwicklung (F&E)).

    b) Realisierter technischer Fortschritt: Es wird nur ein Teil dessen, was technisch, betrieblich und gesellschaftlich möglich ist (Technologiefolgenabschätzung) tatsächlich realisiert, politische und v.a. wirtschaftliche Kriterien sind entscheidend (Technologiemanagement).

    c) Ungebundener technischer Fortschritt (unverkörperter technischer Fortschritt) liegt vor, wenn er nicht an den Einsatz neuer Maschinen (bzw. Arbeitskräfte) gebunden ist (Disembodied Technical Progress).

    d) Gebundener technischer Fortschritt dagegen kann nur verwirklicht werden, wenn neue Maschinen oder neu geschulte Arbeitskräfte eingesetzt werden (Embodied Technical Progress).

    e) In den Anfängen der Wachstumstheorie betrachtete man nur den autonomen technischen Fortschritt, der wie „Manna vom Himmel“ fällt. Technischer Fortschritt, der auf bestimmte Ursachen zurückgeführt wird, heißt dagegen induzierter technischer Fortschritt.

    4. Wirkungen: Der technische Fortschritt wird als neutral bezeichnet, wenn er die Einkommensverteilung nicht verändert, genauer: die Aufteilung des Faktoreinkommens auf Löhne (einschließlich Gehälter) und Zinsen, wenn die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital gemäß ihrem Grenzprodukt entlohnt werden (Grenzproduktivitätstheorie).

    5. Aktuelle Diskussion: In den Arbeiten der neuen Wachstumstheorie steht die Erklärung des technischen Fortschritts und damit die Erklärung der entscheidenden Determinante des Wirtschaftswachstums im Mittelpunkt. Dabei wird in diesen Ansätzen davon ausgegangen, dass technischer Fortschritt durch Forschung und Entwicklung (F&E) von rational handelnden Akteuren produziert wird. Nicht der vom Staat, oder von staatlichen Organisationen, durchgeführten Grundlagenforschung, sondern der von profitorientierten Unternehmen durchgeführten F&E kommt damit hinsichtlich der Wachstumsimpulse die wichtigere Rolle zu. Die Ansätze knüpfen damit an Schumpeters Theorie der profitorientierten Innovationsanstrengungen von dynamischen Unternehmern an.

    Vgl. auch evolutorische Wachstumstheorie, Wachstumstheorie.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap technischer Fortschritt Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/technischer-fortschritt-50317 node50317 technischer Fortschritt node39624 Innovation node50317->node39624 node43068 Pflegeversicherung node40068 Kapitalintensität node50617 technische Fortschrittsfunktion (TFF) node50617->node50317 node50617->node40068 node32991 Finanzpolitik node32918 Handelspolitik node49032 Wachstumstheorie node49032->node50317 node34043 Geldpolitik node51073 Wachstumspolitik node51073->node50317 node51073->node32991 node51073->node32918 node51073->node49032 node51073->node34043 node31157 Agenda 2010 node34680 Hartz-Gesetze node42936 Sozialpolitik node51731 Sozialpolitik in der ... node51731->node50317 node51731->node43068 node51731->node31157 node51731->node34680 node51731->node42936 node37089 Linearhomogenität node42560 Produktionsfunktion node37089->node42560 node36167 Economies of Scale node36167->node42560 node41103 Neo-Faktorproportionen-Theorie node41103->node42560 node45598 Produktionsfaktoren node42560->node50317 node42560->node45598 node40581 Innovationsdichte node40581->node39624 node40363 Innovationsforschung node40363->node39624 node52239 Gründungsidee node52239->node39624 node54513 Corporate Entrepreneurship node54513->node39624 node37166 Kaldors Wachstumsmodell node37166->node50617
      Mindmap technischer Fortschritt Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/technischer-fortschritt-50317 node50317 technischer Fortschritt node39624 Innovation node50317->node39624 node42560 Produktionsfunktion node42560->node50317 node51731 Sozialpolitik in der ... node51731->node50317 node51073 Wachstumspolitik node51073->node50317 node50617 technische Fortschrittsfunktion (TFF) node50617->node50317

      News SpringerProfessional.de

      • Unternehmen profitieren von Corporate Volunteering

        Engagieren sich Mitarbeiter freiwillig für das Gemeinwohl, profitieren nicht nur gemeinnützige Organisationen und Gesellschaft davon, sondern auch Unternehmen. Wie Corporate Volunteering geplant und in der Unternehmensstrategie verankert wird.

      • Was Bewerber garantiert abschreckt

        Sie sollen Status symbolisieren und modern daher kommen, erreichen aber das genaue Gegenteil. Arbeitsuchende empfinden englische Jobtitel häufig als unnötig aufgebläht. Keep ist simple, ist der bessere Anglizismus im Recruiting.

      • Big Brother im Büro

        Die totale Überwachung von Mitarbeitern ist längst keine negative Utopie mehr, wie sie George Orwell oder Dave Eggers in ihren Romanen heraufbeschwören. Unternehmen können bereits jetzt die Aktivitäten ihrer Angestellten rundum erfassen. Wissenschaftler warnen vor Missbrauch.

      • Private Equity in Deutschland boomt

        Unternehmen günstig kaufen und mit Gewinn verkaufen. Das ist das Konzept von Private Equity-Gesellschaften. Sie sind in Deutschland nach wie vor sehr aktiv, wie eine aktuelle Studie zeigt.

      • Zu wenig Innovation vor lauter Transformation

        Im BCG-Innovations-Ranking 2018 liegen US- und Digitalunternehmen klar vorn. Deutsche Firmen sind erst ab Platz 21 zu finden. Doch was hemmt hierzulande eigentlich die Innovationskraft?

      • Talentierte Mitarbeiter finden und binden

        Im hart gewordenen "War for Talents", in dem Fachkräfte begehrter denn je sind, vergessen Unternehmen offenbar, auf die internen Talente zu setzen. Dabei schlummern in der Belegschaft oft ungeahnte Potenziale.

      • Digitalisierung in betrieblicher Altersvorsorge angekommen

        Mittlerweile ist die Digitalisierung auch in der betrieblichen Altersvorsorge angekommen. Die aktuelle Mercer-Studie deckt Details auf und erklärt, wieso sich zwei Drittel der befragten Unternehmen eine digitale Informationsplattform wünschen.

      • Industrie 4.0 – und Schicht im Schacht?

        Je nach Standpunkt und Blickwinkel scheint der Trend zu Digitalisierung und Vernetzung der Industrie zur Industrie 4.0 positive oder negative Auswirkungen auf die Arbeitsplatzentwicklung zu versprechen. Wirtschaftsforscher haben jetzt eine Gesamtschau versucht.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Henning Klodt
      Institut für Weltwirtschaft
      Leiter des Zentrums Wirtschaftspolitik
      Dr. Andreas Schäfer
      Universität Leipzig, Institut für Theoretische Volkswirtschaftslehre
      Akademischer Rat

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Der österreichische Salzbergbau wurde seit 1995 von 2 Zäsuren geprägt: dem Ende des Salzmonopols und der Privatisierung des vorher zu 100% staatlichen Unternehmens. Seither konnte mit einem um 30% verringerten Personalstand die Bergbauproduktion um 3…
      Mit welchen umweltpolitischen Massnahmen kann eine Richtungsänderung der Innovationsaktivitäten hin zu mehr Umweltinnovationen erreicht werden? Mit der steigenden Bedeutung umweltpolitischer Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen gewinnt diese …

      Sachgebiete