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Industrialisierung

Definition

Die Industrialisierung bezeichnet einen volkswirtschaftlichen Prozess, der gekennzeichnet ist durch eine signifikante Zunahme der gewerblichen Gütererzeugung (sekundärer Sektor) auf Kosten des Agrarbereichs (primärer Sektor). Diese Erzeugung von gewerblichen Massengütern erfolgt mit wachsendem Maschineneinsatz in großgewerblicher, arbeitsteiliger Produktionsorganisation.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Begriff
    2. Industrialisierungskonzepte

    Begriff

    Volkswirtschaftlicher Prozess, der gekennzeichnet ist durch eine signifikante Zunahme der gewerblichen Gütererzeugung (sekundärer Sektor) auf Kosten des Agrarbereichs (primärer Sektor). Diese Erzeugung von gewerblichen Massengütern erfolgt mit wachsendem Maschineneinsatz in großgewerblicher, arbeitsteiliger Produktionsorganisation.

    Industrialisierungskonzepte

    Die Grundstrukturen von in verschiedenen Volkswirtschaften zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlicher Weise ablaufenden Industrialisierungsprozesse können anhand ausgewählter Indikatoren erfasst und zu Industrialisierungskonzepten verdichtet werden, anhand derer u.U. Anregungen für die Industrialisierung von heute nicht oder wenig industrialisierten Ländern gewonnen werden können.

    Drei wichtige Industrialisierungskonzepte: 1. Nach A. Gerschenkron wird der Verlauf der Industrialisierung einer Volkswirtschaft maßgeblich von ihrer wirtschaftlichen Rückständigkeit zu Beginn dieses Prozesses bestimmt. Mit dem Grad der Rückständigkeit nehmen v.a. die Schnelligkeit und Intensität der Industrialisierung und damit u.a. auch die von der Bevölkerung während des Prozesses zu tragenden Lasten (Einschränkung des Konsumniveaus) zu. Bes. Bedeutung kommt der Regelung der Kapitalbereitstellung zu: Während in einem wirtschaftlich fortgeschrittenen Land (z.B. England) die Kapitalbeschaffung überwiegend durch Selbstfinanzierung der Unternehmen erfolgen kann, bedarf es dazu bei einem rückständigen Land der Institution „Kreditinstitut” (z.B. in Deutschland) oder sogar des direkten Eingriffs des Staates (z.B. in Russland). Mit fortschreitender Industrialisierung kann die Kapitalbereitstellung sukzessive auf die Unternehmen selbst verlagert werden.

    2. Hoffmann unterscheidet im Industrialisierungsprozess anhand der Nachfragestruktur grundsätzlich vier Perioden: a) Vorherrschen der Konsumgüterindustrie, b) allmähliches Wachstum der Kapitalgüterindustrie, c) Gleichgewicht zwischen Konsum- und Kapitalgüterindustrie, d) Übergewicht der Kapitalgüterindustrie.

    Den ersten Ansatzpunkt für die Industrialisierung einer Volkswirtschaft bildet der Massenbedarf der Bevölkerung an lebensnotwendigen Gütern, sodass bei der Konsumgüterproduktion industrielle Verfahren eingesetzt werden können. Durch zunehmende soziale Differenzierung und wachsende Beschäftigtenzahl verschiebt sich im Zusammenhang mit steigenden Haushaltseinkommen die Nachfrage- und Produktionsstruktur. Lohnsteigerungen wiederum begünstigen den Substitutionsprozess zugunsten von Wirtschaftsbereichen mit höherer Wertschöpfung. Diese Differenzierung in der Produktion geht mit wachsender Qualifikation des Produktionsfaktors Arbeit (Ausbildung) und institutioneller Bereitstellung des Produktionsfaktors Kapital (Kreditinstitute) einher. So entsteht allmählich neben der Nachfrage auch die Möglichkeit zur Herstellung von Kapitalgütern. Aufgrund der aufgezeigten Interdependenzen erlangen die Kapitalgüterindustrien immer größere Bedeutung.

    3. Rostow findet ausgehend von einer traditionellen Gesellschaft mit vorindustriellen Wirtschafts- und Herrschaftsstrukturen im Industrialisierungsprozess vier typische Wachstumsphasen: a) Anlaufperiode, in der die Vorbedingungen für zukünftiges, industrielles Wachstum gelegt werden; b) Aufschwungperiode (Take off), in der ein sich selbst tragender wirtschaftlicher Aufschwung einsetzt; c) Reifeperiode, in der die Entwicklung konsolidiert wird; d) Massenkonsumperiode, in der erste Marktsättigungen auftreten.

    Entscheidend für den Erfolg und den konkreten Ablauf der Industrialisierung ist die Aufschwungperiode, in der nach Überwindung von entwicklungshemmenden Faktoren wirtschaftliches Wachstum zu einer normalen Bedingung des Wirtschaftens wird. Die Aufschwungperiode ist dadurch gekennzeichnet, dass geeignete Rahmenbedingungen im sozio-ökonomischen und institutionellen Bereich vorliegen, die Quote produktiver Investitionen mind. zehn Prozent beträgt und einer oder mehrere industrielle Bereiche als Führungsbereiche (Leading Sector) mit sehr hohen Wachstumsraten und umfangreichen Vorwärts- und Rückwärtskoppelungseffekten fungieren.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Henning Klodt
      Institut für Weltwirtschaft
      Leiter des Zentrums Wirtschaftspolitik

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