Direkt zum Inhalt

Gewerkschaften

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Geschichte der Gewerkschaften
    2. Heutige Bedeutung in der Bundesrepublik Deutschland
    3. Internationale Organisationen
    4. Gewerkschaften in anderen Ländern

    nach Industrie-Gruppen, nach Berufen oder nach politischen oder religiösen Richtungen gegliederte Vereinigungen von Arbeitnehmern bzw. von Arbeitnehmervereinigungen zur Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen und als sonstige Interessenvertretungen gegenüber dem Staat und den Arbeitgebern (Arbeitgebervereinigungen).

    Vgl. auch Sozialpartner.

    Geschichte der Gewerkschaften

    1. Bis 1933: a) Erste im Verlauf der Industrialisierung aufgrund der schlechten sozialen Lage der Arbeitnehmerschaft entstandene gewerkschaftsähnliche Vereinigungen wurden in Deutschland 1848 wieder aufgelöst. Neu hervorgegangen aus den 1865 und 1866 gegründeten Reichsorganisationen der Tabakarbeiter und Buchdrucker. Voraussetzung für weiterreichende Gewerkschafts-Gründung: Die 1869 aufgrund der Agitation von Lassalle in Preußen gewährte Koalitionsfreiheit.

    Drei Richtungen:
    (1) Die „Arbeiterschaften”, hervorgegangen aus Lassalles „Allgemeinem Deutschen Arbeiterverein” und den 1868 durch Bebel begründeten „Internationalen Gewerksgenossenschaften”;
    (2) die durch Hirsch und Duncker gegründeten freiheitlich-nationalen Gewerkvereine. 1878: Sozialistengesetz (Lahmlegung der unter
    (1) erwähnten Gewerkschaften bis zur Aufhebung des Gesetzes 1890), Spitzenorganisation dieser „freien” Gewerkschaften seit 1891: Generalkommission;
    (3) seit Mitte der 1990er-Jahre aufgebaute christliche Gewerkschaft, hervorgegangen aus der christlich-sozialen Bewegung (Bischof Ketteler). Diese drei Richtungen der dt. Gewerkschaften als Richtungsgewerkschaften waren politisch ausgerichtet: Freie Gewerkschaft verbunden mit der Sozialdemokratie, christliche Gewerkschaft der Zentrumspartei nahe stehend, Hirsch-Dunckersche Gewerkschaft den liberalen Parteien nahe stehend.

    b) Nach dem Ersten Weltkrieg neuer Auftrieb der Gewerkschafts-Bewegung durch das sog. Novemberabkommen vom 15.11.1918 zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern: Anerkennung der Gewerkschaften als Vertretung der Arbeitnehmer und deren unbedingter Koalitionsfreiheit; Verzicht der Arbeitgeber auf Werksvereine; Regelung der Arbeitsbedingungen für sämtliche Arbeitnehmer durch Kollektivvereinbarungen mit den Gewerkschaften (Tarifvertrag); Einrichtung von Arbeitsausschüssen (Vorläufer der Betriebsräte) in sämtlichen Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten; Einführung des 8-Stunden-Tages. Aus den Grundsätzen dieses Abkommens ist entwickelt worden:
    (1) Das kollektive Arbeitsvertragsrecht,
    (2) Betriebsräterecht,
    (3) Urlaubsrecht,
    (4) Verbesserung des Sozialversicherungsrechts und dessen Ergänzung durch Vorsorge für den Fall der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit.

    2. 1933 bis 1945: Auflösung der Gewerkschaften sämtlicher Richtungen. Überführung ihrer Mitglieder in die „Deutsche Arbeitsfront”.

    3. Nach 1945: Neugründung der Gewerkschaften. An die Stelle von Richtungs-Gewerkschaften traten Einheits-Gewerkschaften, statt des Berufsprinzips dominierte das Prinzip des Industrieverbandes.

    Ausnahme: Deutsche Angestellten-Gewerkschaft. 1949 Trennung der westdeutschen Gewerkschaft vom gesamtdeutschen „Freien Deutschen Gewerkschaftsbund” (FDGB seitdem Bezeichnung für die alleinige Gewerkschaftsorganisation in der ehemaligen DDR) und Gründung des DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund). Dieser lehnte auf seinem Gründungskongress den Neuaufbau einer kapitalistischen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung ab und forderte stattdessen energische Schritte in Richtung einer Wirtschaftsdemokratie. Er geriet damit in einen Gegensatz zu den vorherrschenden politischen Kräften, der sich auf gewerkschaftlicher Seite 1955 in der Gründung der CGD (Christliche Gewerkschaftsbewegung Deutschlands) äußerte.

    Heutige Bedeutung in der Bundesrepublik Deutschland

    17 nach dem Industrieprinzip organisierte Einzelgewerkschaften zusammengefasst im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), Sitz in Berlin. Daneben Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Sitz in Berlin; Deutscher Beamtenbund (DBB), Sitz in Berlin; Christlicher Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB), Sitz in Berlin.

    Internationale Organisationen

    um die Jahrhundertwende von Deutschland aus entstanden. 1949 konstituierte sich nach Ablösung vom kommunistisch orientierten Weltgewerkschaftsbund der Internationale Bund Freier Gewerkschaften (IBFG).

    Gewerkschaften in anderen Ländern

    1. Entwicklung der Gewerkschaft in Frankreich: Confédération Générale du Travail.

    2. Gewerkschaft in den USA: American Federation of Labor-Congress of Industrial Organizations (Zusammenschluss AFL-CIO im Dezember 1955), Independents.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Gewerkschaften Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/gewerkschaften-35386 node35386 Gewerkschaften node46614 Sozialpartner node35386->node46614 node28044 Arbeiterbewegung node35386->node28044 node48267 Tarifvertrag node35386->node48267 node39874 Industrialisierung node43244 Streik node49773 wilder Streik node49773->node35386 node49773->node43244 node31934 gewerkschaftliche Vertrauensleute node50633 Vertrauensleute der Gewerkschaft node31934->node50633 node39660 Koalitionsfreiheit node39660->node35386 node50633->node35386 node50633->node39660 node29228 Betriebsrat node50633->node29228 node28822 Arbeitgeberverbände node28822->node35386 node43709 öffentliches Recht node51983 Arbeitsrecht node51983->node35386 node51983->node39874 node51983->node28822 node51983->node43709 node46614->node48267 node36583 Einigungsstelle node29793 Betriebsverfassung node36583->node29793 node42112 soziale Angelegenheiten node29228->node35386 node30819 Betrieb node29793->node35386 node29793->node42112 node29793->node29228 node29793->node30819 node28044->node46614 node41501 Massenänderungskündigung node41501->node49773
      Mindmap Gewerkschaften Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/gewerkschaften-35386 node35386 Gewerkschaften node46614 Sozialpartner node35386->node46614 node29793 Betriebsverfassung node29793->node35386 node51983 Arbeitsrecht node51983->node35386 node50633 Vertrauensleute der Gewerkschaft node50633->node35386 node49773 wilder Streik node49773->node35386

      News SpringerProfessional.de

      • Persönlichkeit und Motivation müssen stimmen

        Beim Besetzen vakanter Stellen achten Vertriebsleiter oft stärker auf die fachliche Qualifikation der Bewerber als auf deren Persönlichkeit und Motivation. Michael Schwartz, Leiter des Instituts für integrale Lebens- und Arbeitspraxis in Esslingen, erläutert, warum diese beiden Faktoren im Vertrieb so wichtig sind.

      • Neue Recruitingstrategien gegen den Fachkräftemangel

        Für den deutschen Mittelstand wird der Fachkräftemangel zum Geschäftsrisiko, zeigen Studien. Und die Situation soll sich noch verschärfen. Höchsten Zeit also, bei der Personalbeschaffung neue Weg zu gehen, so Gastautor Steffen Michel. 

      • Weniger IPO-Prospekt, dafür mehr Anlegerschutz

        Wer sich bislang per Börsengang Geld am Kapitalmarkt besorgen wollte, musste einen aufwendigen Prospekt erstellen. Eine Neuregelung sorgt jetzt bei kleineren IPOs (Initial Public Offering) für Abhilfe. Wie die Voraussetzungen aussehen, erklärt Rechtsanwalt Jörg Baumgartner in seinem Gastbeitrag.

      • Whatsapp startet Business-Offensive

        Im Servicefall können Verbraucher einige Unternehmen bereits über den Messenger-Dienst Whatsapp kontaktieren. Doch was passiert, wenn der Kundenservice Nachrichten initiativ versendet? Ein neues Business-Tool soll genau das ermöglichen.

      • Kundennutzenmodelle im B2B-Vertrieb von E-Marktplätzen

        Elektronische B2C-Marktplätze müssen ihre über Jahre errungene dominante Marktstellung in Gewinne umzumünzen, ohne ihre Marktstellung zu gefährden. Dazu gehört, Preise für langjährige Händler drastisch zu erhöhen. Kundennutzenmodelle spielen dabei eine wichtige Rolle.

      • "Belastete Geschäftsmodelle sind meistens nicht genug innoviert"

        Der ehemalige Roland-Berger-Krisenberater Thomas Knecht hat an der Spitze von Hellmann den Turnaround des weltweiten Logistikers geschafft. Branche und Wirtschaft fordert er zu mehr Wachsamkeit auf. Im Interview spricht er über Anpassungsfähigkeit und Insolvenzschutz.

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Die europäische Integration stellt die vormals vor allem auf nationaler Ebene organisierten Interessengruppen vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig bietet sie für die Vertretungsarbeit dieser Gruppen aber auch eine neue Ebene und neue Arenen.
      Sascha Kristin Futh untersucht anhand von drei zeitgeschichtlich bedeutenden Kampagnen zum ersten Mal vergleichend die strategische Kommunikation von Gewerkschaften. Sie analysiert die Bedingungen, unter denen die Gewerkschaften ihren Einfluss …
      Eine Auswertung der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) ergibt, dass der Organisationsgrad der Gewerkschaften unter den Arbeitnehmern im Jahr 2014 nur noch bei knapp 18% lag. Damit wurde im wiedervereinigten Deutschland …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

      Sachgebiete