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Web 2.0

Definition

Unter dem Begriff Web 2.0 wird keine grundlegend neue Art von Technologien oder Anwendungen verstanden, sondern der Begriff beschreibt eine in sozio-technischer Hinsicht veränderte Nutzung des Internets, bei der dessen Möglichkeiten konsequent genutzt und weiterentwickelt werden. Es stellt eine Evolutionsstufe hinsichtlich des Angebotes und der Nutzung des World Wide Web dar, bei der nicht mehr die reine Verbreitung von Informationen bzw. der Produktverkauf durch Websitebetreiber, sondern die Beteiligung der Nutzer am Web und die Generierung weiteren Zusatznutzens im Vordergrund stehen.

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    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Begriff und Einordnung
    2. Merkmale
    3. Voraussetzungen
    4. Formen

    Begriff und Einordnung

    Unter dem Begriff Web 2.0 wird keine grundlegend neue Art von Technologien oder Anwendungen verstanden, sondern der Begriff beschreibt eine in sozio-technischer Hinsicht veränderte Nutzung des Internets, bei der dessen Möglichkeiten konsequent genutzt und weiterentwickelt werden. Es stellt eine Evolutionsstufe hinsichtlich des Angebotes und der Nutzung des World Wide Web dar, bei der nicht mehr die reine Verbreitung von Informationen bzw. der Produktverkauf durch Websitebetreiber, sondern die Beteiligung der Nutzer am Web und die Generierung weiteren Zusatznutzens im Vordergrund stehen.

    Merkmale

    Die Dienste und Inhalte des Internets werden nicht mehr als reines Informationsangebot angesehen, das Internet bedeutet somit eine von allen produktiv nutzbare Plattform. Grundlage dafür ist die immer einfacher gewordene Nutzung von Web-Benutzeroberflächen und die Unabhängigkeit der Webanwendungen von den hard- und softwaretechnischen Gegebenheiten. Statt Softwarepakete im klassischen Sinne existiert vielmehr eine große Zahl kleinerer Dienste, sog. Web-Services, die sich leicht weiternutzen, ausbauen und rekombinieren lassen (sog. Mash-Ups). Gefördert wird dies durch die Tatsache, dass aufgrund der grundlegenden Eigenschaften des WWW der Sourcecode meist für alle verfügbar und sichtbar ist. Dadurch liegt der Fokus nicht mehr auf den Softwareanwendungen, sondern vielmehr auf den Datenbeständen, die von den einzelnen Diensten angeboten und genutzt werden. Diese stellen das eigentliche Potenzial dar und werden durch die Nutzbarmachung der sogenannten kollektiven Intelligenz, also des Wissens der gesamten Masse der Nutzer, ständig um Daten erweitert und mit zusätzlichen Informationen angereichert. Durch die Zusammenarbeit der Nutzer wird das Wissen in diesen Datenbeständen der Allgemeinheit erst zugänglich gemacht. Die Erstellung der Inhalte einer Website oder Teile davon geschieht somit nicht mehr allein durch den Betreiber, der den Nutzern ausgewählte Informationen für den reinen Konsum zur Verfügung stellt, sondern erfolgt dadurch, dass sich auch die Internetnutzer an der Erstellung der Inhalte beteiligen. Es ist eine geänderte Nutzung des WWW zu beobachten, bei der aus der ursprünglich eher passiven Nutzung des Internets zusätzlich eine aktive Beteiligung und Mitgestaltung der weltweit verfügbaren Informationsbestände wird. Aufgrund dieser unmittelbaren Partizipation der Nutzer wird vielfach auch von der „Demokratisierung“ des Netzes gesprochen, da die Inhalte des WWW nicht mehr von den Betreibern der Websites allein, sondern von den Nutzern mitbestimmt werden. Die Rolle der Website-Betreiber hat sich im Web 2.0 also insoweit gewandelt, als dass sie in erster Linie für die Bereitstellung einer für die interaktive und kollaborative Nutzung geeigneten Plattform sowie die Administration zuständig sind. Die Aktualisierung des Inhalts erfolgt kontinuierlich durch die intensive Nutzerbeteiligung, sodass die Websites dynamischer und flexibler werden. Der Erfolg der vom Betreiber zur Verfügung gestellten Plattform zeigt sich dann an der Intensität seiner Nutzung, die im Allgemeinen mit der Qualität der Inhalte bzw. dem „Kundennutzen“ korreliert.

    Voraussetzungen

    In technischer Hinsicht wurde die Mitgestalterrolle der Internetnutzer vor allem durch die Bereitstellung entsprechender Tools auf redaktionellem Gebiet ermöglicht, sodass nicht mehr zwingend spezifische Fachkenntnisse in Auszeichnungssprachen (z.B. HTML, XML), Skriptsprachen (z.B. PHP, JSP) und Datenbanksprachen erforderlich sind, um aktiv Inhalte für Webseiten zu produzieren. Daneben gehören zu einer erfolgreichen Web 2.0-Applikation auch das Bedürfnis und die Bereitschaft der Internetnutzer, eigene Erfahrungen und Kenntnisse in die Informationswelt des WWW einzubringen. Die Motivation hierfür fußt auf zwei Gründen: Zum einen ist das Internet zu einem sehr bedeutsamen und einflussreichen Medium für gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen geworden, an dem die Nutzer partizipieren möchten. Zum anderen besteht die Möglichkeit, sich relativ leicht in einer virtuellen Gemeinschaft zu profilieren und damit Selbstbestätigung und soziale Anerkennung gewinnen zu können.

    Formen

    Der Grundgedanke der Kollaboration kann im Web 2.0 auf verschiedene Arten realisiert werden. Für die reine Kollaboration hinsichtlich gemeinsamen Arbeitens an Inhalten, für Diskussionen zu strittigen Inhalten sowie für Kontrollfunktionen und Entscheidungen haben sich Wikis etabliert, die jedem Benutzer ermöglichen, Beiträge zu verfassen, zu editieren oder zu löschen. Durch die kollektive Zusammenarbeit ergibt sich automatisch ein mächtiges Kontrollinstrument, das i.d.R. allein durch die große Anzahl an Nutzern falsche Informationen oder Missbrauch des Dienstes erschwert oder nahezu unmöglich macht. Eine solche gemeinsame Schaffung von Inhalten wird auch als Crowd Sourcing bezeichnet. Dabei wird die zu bewältigende Aufgabe auf die Arbeitskraft einer Masse freiwilliger und kostenlos arbeitender Anwender verlagert. In diesem Zusammenhang wird auch von der Nutzung der kollektiven Intelligenz (Wisdom of the Crowd) gesprochen. Beispiel hierfür ist die Onlineenzyklopädie Wikipedia als typische Web 2.0-Anwendung, die aus Beiträgen vieler, beliebiger, nicht zuvor geprüfter Internetnutzer entstanden ist, während Britannica Online als „Web 1.0“-Anwendung von wenigen, sorgfältig ausgewählten Fachexperten erstellt wurde.

    Im Rahmen des Social Tagging werden Informationsobjekte (Texte, Bilder, Videos etc.) von einer Gruppe von Nutzern mit Schlagwörtern (Tags) versehen, ohne dass hierfür genaue Regeln oder ein feststehendes Vokabular spezifiziert werden müssen. Dadurch werden die Assoziationsfähigkeiten einer breiten Masse von Anwendern genutzt, ohne dass Hierarchien oder wertende Instanzen vorab Einfluss ausüben können. Durch das Social Tagging wird eine sinnvolle, intuitive und qualitativ hochwertige Verschlagwortung erreicht, die eine gute inhaltliche Erschließung der Informationsobjekte und eine Verbesserung von Suchergebnissen ermöglichen, selbst wenn einzelne Tags unpassend oder sogar als kritisch einzustufen sind. Darüber hinaus können Beziehungen zwischen einzelnen Informationsobjekten hergestellt werden, die vorher zwar vorhanden, aber nicht offensichtlich gewesen sind.

    Das Ergebnis des Social Tagging ist eine Folksonomy, die aus den gesamten vergebenen Tags besteht und zumeist in einer Tag Cloud dargestellt wird, welche die Tags der Folksonomy gemäß ihrer Bedeutung in unterschiedlichen Schriftgrößen darstellt, sodass die relevantesten Begriffe im Vordergrund stehen.

    Eine auf Hyperlinks beschränkte Form des Social Tagging ist das Social Bookmarking, bei dem Nutzer ihre Bookmarks (halb)öffentlich in einer gemeinschaftlichen Link-Sammlung archivieren. Diese können ohne Beschränkung mit Tags versehen, bewertet oder kommentiert werden, wodurch zu den einzelnen Lesezeichen Zusatzinformationen generiert werden, die wiederum bei einer Internetrecherche gezielt ausgewertet werden und zu besseren Suchergebnissen führen können. Bekannte Plattformen des Social Bookmarking sind z.B. del.icio.us, Furl oder Mr. Wong. Zu den weiteren Anwendungen des Web 2.0 zählen Blogs und Mash-Ups.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Richard Lackes
      Technische Universität Dortmund,
      LS für Wirtschaftsinformatik
      Universitätsprofessor
      Dr. Markus Siepermann
      Technische Universität Dortmund,
      LS für Wirtschaftsinformatik
      Wissenschaftlicher Mitarbeiter

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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