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Wirtschaftsinformatik

Definition

Wissenschaft von dem Entwurf, der Entwicklung und der Anwendung computergestützter Informations- und Kommunikationssysteme (IuK-Systeme) und -techniken in Unternehmungen und Verwaltungen zur Unterstützung ihrer Geschäftsprozesse. Die Wirtschaftsinformatik nimmt eine Schnittstellenfunktion zwischen der oft technisch ausgerichteten Informatik und der anwendungsorientierten Betriebswirtschaftslehre wahr. Ihr interdisziplinärer Charakter wird durch den Einbezug arbeitswissenschaftlicher, psychologischer, soziologischer und mathematisch-technischer Aspekte noch verstärkt.

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    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Begriff und Einordnung
    2. Gegenstand
    3. Teilgebiete
      1. Allgemeine Wirtschaftsinformatik
      2. Spezielle Wirtschaftsinformatik

    Begriff und Einordnung

    Wissenschaft von dem Entwurf, der Entwicklung und der Anwendung computergestützter Informations- und Kommunikationssysteme (IuK-Systeme) und -techniken in Unternehmungen und Verwaltungen zur Unterstützung ihrer Geschäftsprozesse. Die Wirtschaftsinformatik nimmt eine Schnittstellenfunktion zwischen der oft technisch ausgerichteten Informatik und der anwendungsorientierten Betriebswirtschaftslehre (BWL) wahr. Ihr interdisziplinärer Charakter wird durch den Einbezug arbeitswissenschaftlicher, psychologischer, soziologischer und mathematisch-technischer Aspekte noch verstärkt.

    Gegenstand

    Die Wirtschaftsinformatik befasst sich mit speziellen Problemen, die sich bei der Umsetzung von anwendungsorientiertem Wissen in DV-Strukturen ergeben, und mit den Auswirkungen neuer IuK-Technologien auf die Geschäftsprozesse im Unternehmen und auf die eingesetzten Methoden der Betriebswirtschaftslehre. Des Weiteren zielt sie auf die wirtschaftliche Gestaltung von IuK-Systemen in Unternehmungen und auf das Management der informationellen Ressourcen ab. Die Aufgabe der Wirtschaftsinformatik besteht darin, Erklärungsmodelle für die IuK-Funktion in den Geschäftsprozessen sozioökonomischer Systeme zu entwerfen und Modelle, Methoden und Werkzeuge für ihre Gestaltung bereitzustellen. Hierdurch sollen die betrieblichen IuK-Systeme unter Einbezug ihrer Verknüpfungen mit externen Informationssystemen und Geschäftspartnern mit geeigneten Beschreibungsmethoden dokumentierbar und im Hinblick auf Effizienz- und Bewertungskriterien analysierbar werden. Die Prognose des Systemverhaltens und die Identifikation potenzieller Schwachstellen der Informationsversorgung von betrieblichen Prozessen und der Kommunikation mit internen und externen Stellen bieten die Grundlagen für eine Verbesserung der IuK-Systeme in den Unternehmungen. Typisch für die Wirtschaftsinformatik ist, dass sie sich nicht nur mit den technischen Details und theoretischen Aspekten von IuK-Systemen, sondern auch mit den betriebswirtschaftlichen Konsequenzen und Fragen der organisatorischen Einbindung der Techniken in ein sozioökonomisches Gesamtsystem beschäftigt.

    Teilgebiete

    Vielfach findet sich eine Gliederung der Wirtschaftsinformatik in eine Allgemeine Wirtschaftsinformatik und eine an Funktionen, Branchen oder Objektbereichen ausgerichtete Spezielle Wirtschaftsinformatik.

    Allgemeine Wirtschaftsinformatik

    Die Allgemeine Wirtschaftsinformatik beinhaltet neben Basiskenntnissen in den informationstechnischen und informationswirtschaftlichen Grundlagen darauf aufbauende, branchen- und bereichsunabhängige Wirtschaftsinformatikkenntnisse.

    • Inhalte der informationstechnischen Grundlagen sind (1) Architektur von Rechnern und Rechnernetzen, (2) Aufbau und Funktionsweise von Systemsoftware und Datenbanken, (3) ausgewählte Anwendungssysteme und Anwendungssoftware, (4) Programmierlogik und Algorithmenentwurf und (5) Implementierung und Programmentwicklung in einer gängigen Programmiersprache, z.B. C++, Delphi, sowie (6) Nutzung von Datenbanken mit SQL etc.
    • Die informationswirtschaftlichen Grundlagen betreffen den wirtschaftlichen Umgang mit dem Produktionsfaktor „Information “ und somit die Planung, Organisation und Kontrolle der informationswirtschaftlichen Ressourcen. Hierzu zählen (1) Informationsbedarfsplanung und -analyse, (2) Informationsbeschaffung, (3) Kriterien zur Auswahl von IuK-Systemen, (4) Gestaltung der IuK-Infrastruktur sowie (5) IuK-Controlling.

    Über die Grundlagenkenntnisse hinausgehende Allgemeine Wirtschaftsinformatik-Inhalte stellen die folgenden Bereiche dar:

    (1) Informationsmanagement: Im Rahmen des Informationsmanagements werden die strategische, taktische und operative Planung, Organisation und Kontrolle aller informationellen Ressourcen wie Hardware, Software, Daten, Personal und Prozesse untersucht. Orientiert an der informationslogistischen Kette Beschaffung, Verarbeitung, Verbreitung, Speicherung und Übertragung (Kommunikation) werden Modelle, Methoden und Instrumente zur Unterstützung der entsprechenden Managementaufgaben dargestellt und analysiert. Bspw. wäre die Entscheidung über Eigenerstellung oder Fremdbezug von EDV-Leistungen eine langfristig operative Beschaffungsentscheidung, die Auswahl und das Customizing von Standardsoftware ein weiteres Managementfeld.

    (2) Software Engineering: Beim Software Engineering befasst sich die Wirtschaftsinformatik mit den Phasen der Systementwicklung und den dort eingesetzten Prinzipien, Methoden und Werkzeugen. Im Einzelnen geht es um Methodiken der Systemplanung und der Systemanalyse, der Entwicklung von Entwurfsmethoden (u.a. objektorientierter Entwurf) und der Systemimplementierung. Softwaretechnologische Fragestellungen und Maßnahmen der Softwarequalitätssicherung ergänzen die Inhalte.

    (3) Architektur integrierter Informationssysteme: Sie hat Beschreibungs- und Analysemethoden zur Untersuchung integrierter Informationssysteme zum Gegenstand (Architektur integrierter Informationssysteme).

    (4) Datenmodellierung und Datenbanken: Da Datenbanken das Rückgrat aller betrieblichen Informationssysteme darstellen, kommt im Rahmen der Wirtschaftsinformatik der Datenmodellierung und der Untersuchung verschiedener Datenbankkonzepte eine wichtige Bedeutung zu. Datenmodelle stellen den Bauplan für das Dateninventar dar und determinieren so die Qualität der hieraus entworfenen Datenbanken. Verschiedene Datenbankkonzepte wie relationale und objektorientierte Datenbanken, verteilte Datenbanken und föderative Datenbanken sowie Data Warehouse-Konzepte (Data Warehouse) sind Gegenstand entsprechender Untersuchungen.

    (5) Internet und Intranet: Durch die rasanten Entwicklungen im Bereich der globalen Datennetze werden die Möglichkeiten und Grenzen von Internet- und Intranetkonzepten für die betrieblichen Belange immer wichtiger. Ihre Nutzung, die Gestaltung von Schnittstellen zu den internen Informationssystemen sowie ihre Implikationen auf die innerbetrieblichen, zwischenbetrieblichen und überbetrieblichen Prozesse untersucht die Wirtschaftsinformatik. Eine für die Unternehmungen bedeutsame Anwendung der Internettechnologie stellt das

    (6) Internet Business und das E-Commerce dar.

    (7) Computer Supported Cooperative Work (CSCW): Beim CSCW geht es um die Frage, inwiefern IuK-Technologien die Gruppenarbeit in arbeitsteiligen Organisationen unterstützen können. Neben expliziter und impliziter Kommunikation durch Mail-Systeme, Videokonferenzen oder Bulletin-Board-Systemen werden Workflow- und Workgroup-Konzepte (z.B. zur Sitzungsunterstützung oder zur gemeinsamen Dokumentenbearbeitung) betrachtet, die eine Koordination und (noch weitergehend) eine Kooperation im Rahmen einer arbeitsteilig organisierten Gesamtaufgabe erlauben.

    (8) Computational Intelligence und KI-Methoden in der Unternehmensplanung: Die Einsatzmöglichkeiten von Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) wie wissensbasierte Systeme, neuronale Netze, evolutionäre Algorithmen, ergänzt um Fuzzy-Konzepte, zur Unterstützung der Unternehmensplanung sind ein weiteres Teilgebiet der Wirtschaftsinformatik. Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich hier in jüngster Zeit bes. durch das Data Mining und das Wissensmanagement. Darüber hinaus beschäftigt sich die Wirtschaftsinformatik u.a. noch mit

    (9) Wissens- und Dokumentenmanagement-Systemen,

    (10) Decision Support Systemen (DSS) und

    (11) Multimedia und Medieninformatik.

    Spezielle Wirtschaftsinformatik

    Die Spezielle Wirtschaftsinformatik untersucht die Gestaltung von IuK-Systemen in speziellen Branchen oder Funktionsbereichen. Branchenorientierte Ausrichtungen zeigen sich bspw. bei Themen wie Handelsinformationssysteme, Bankinformationssysteme, Versicherungsinformationssysteme, Industriebetriebliche Informationssysteme, Krankenhausinformationssysteme, Verkehrsbetriebliche Informationssysteme, Informationssysteme in Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen. Funktionsorientierte Differenzierungen sehen u.a. Produktionsplanungs- und -steuerungssysteme (PPS-Systeme), Vertriebsinformationssysteme, Einkaufs- und Beschaffungsinformationssysteme, Logistikinformationssysteme, Personalinformationssysteme, Finanzinformationssysteme sowie Informationssysteme in Rechnungswesen und Controlling vor.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Richard Lackes
      Technische Universität Dortmund,
      LS für Wirtschaftsinformatik
      Universitätsprofessor

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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      Texte auf dem Stand der wissenschaftlichen Forschung, für Praktiker verständlich aufbereitet. Diese Idee ist die Basis von „Wirtschaftsinformatik & Management“, kurz WuM. So soll der Wissenstransfer von Universität zu Unternehmen gefördert werden.

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