Direkt zum Inhalt

Regulierung

Definition

gesetzgeberische Maßnahmen zur Verhaltensbeeinflussung von Wirtschaftssubjekten mit dem Ziel der Korrektur oder Vermeidung unerwünschter Marktergebnisse.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Allgemein
    2. Strukturpolitik

    staatliche Regulierung.

    Allgemein

    Regulierung bezeichnet Verhaltensbeeinflussung von Unternehmen und Konsumenten durch gesetzgeberische, meist marktspezifische Maßnahmen mit dem Ziel der Korrektur bzw. Vermeidung von vermutetem Marktversagen, z.B. zur Verhinderung monopolistischen Machtmissbrauchs und ruinöser Konkurrenz. Regulierung bezieht sich im Wesentlichen auf Marktzugang, Preise, Qualität und Konditionen sowie auf den Kontrahierungszwang.

    Typische Regulierungsmaßnahmen sind Produktionsauflagen, Qualitätsstandards bei Produkten und Dienstleistungen, Ausnahmen vom Wettbewerbsgesetz, Berufsordnungen sowie Vorschriften der Preis- und Tarifgestaltung.

    In der Bundesrepublik Deutschland ist neben weiteren staatlichen Einrichtungen insbesondere die Bundesnetzagentur in den Bereichen Elektrizität, Gas, Post, Eisenbahn und Telekommunikation regulierend tätig.

    Gegensatz: Deregulierung.

    Strukturpolitik

    1. Begriff: Einschränkungen der Gewerbefreiheit (Vertragsfreiheit), die für bestimmte Märkte oder für Gruppen von Unternehmen gelten. Regulierung ist insofern von allg. ordnungsrechtlichen Rahmensetzungen (z.B. Gewerbeordnung) abzugrenzen. Aus wettbewerbspolitischer Sicht handelt es sich um Ausnahmebereiche des Wettbewerbsrechts, da für die regulierten Sektoren oder Märkte Sonderordnungen geschaffen werden.

    2. Begründungen: Die Einrichtung von Sonderordnungen wird entweder damit begründet, dass auf einem bestimmten Markt oder in einem Wirtschaftsbereich Wettbewerb nicht funktionieren kann, weil Bedingungen eines natürlichen Monopols vorliegen, oder dass ein unbeschränkter Wettbewerb zu volkswirtschaftlich oder gesellschaftspolitisch unerwünschten Konsequenzen führen könnte. Im ersten Fall (z.B. leitungsgebundene Energieversorgung) dient die Regulierung dem Schutz vor missbräuchlicher Ausnutzung der monopolistischen Anbieterposition. Im zweiten Fall kann es z.B. darum gehen, ruinöse Konkurrenz zwischen Anbietern auf einem Markt mit beschränkter Nachfrage zu verhindern oder den Schutz der Verbraucher zu gewährleisten, wenn die Nachfrageseite gegenüber der Angebotsseite (praktisch) nicht behebbare Informationsdefizite aufweist.

    3. Formen: a) Regulierung des Marktzutritts, z.B. Konzessionsvergabe im Güterfernverkehr (Ziel ist hier die Vermeidung ruinöser Konkurrenz); Zulassung zum Geschäftsbetrieb bei Banken und Versicherungen (Ziel ist hier die Gewährleistung von Sachkunde und einer verantwortlichen Unternehmensleitung).
    b) Preisregulierungen, z.B. Tarif- oder Gebührenordnungen, Höchstpreisverordnungen.
    c) Verhaltensregulierungen zur Sicherung eines ordnungsgemäßen Geschäftsbetriebs, z.B. Vorschriften seitens der Banken- und Versicherungsaufsicht, die im Interesse des Verbraucherschutzes erlassen werden.

    4. Träger der Regulierung: Regulierung wird durch Fachbehörden auf Bundes- oder Landesebene ausgeübt (z.B. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Bundesnetzagentur).

    5. Umfang und Bedeutung: Traditionell stark regulierte Wirtschaftsbereiche sind die Energie- und Verkehrswirtschaft, die Telekommunikation, die Finanzdienstleistungen (einschließlich Bankenregulierung) und die Landwirtschaft. Maßnahmen der Regulierung können ein wichtiges Instrument der sektoralen Strukturpolitik sein. Das heute erreichte Ausmaß der Regulierung wird aber zunehmend kritisch beurteilt und zumindest teilweise als effizienzmindernd angesehen. Die Praxis hat zudem gezeigt, dass die Aufhebung von Regulierung (Deregulierung), z.B. im Telekommunikationsbereich, zu Produktivitätssteigerungen führen kann, ohne die möglichen negativen Effekte auszulösen, deren Vermeidung der ursprüngliche Anlass für die Einführung einer Regulierung war. Ein prominentes Beispiel, das gegen die Aufhebung und die damit verbundenen wohlfahrtssteigernden Wirkungen bestehender Regulierungsvorschriften spricht, ist die Regulierung der Finanzmärkte und des Interbankenmarktes zur Vermeidung weiterer Finanzmarktkrisen. Siehe auch die Basel-III-Regulierungsvorschriften.

    Mindmap Regulierung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/regulierung-46038 node46038 Regulierung node39365 natürliches Monopol node46038->node39365 node37289 Marktversagen node46038->node37289 node38183 Kontrahierungszwang node46038->node38183 node30607 Allokation node46135 öffentliche Unternehmen node42299 Outsourcing node42900 Privatisierung node42900->node46038 node42900->node46135 node42900->node42299 node29753 Deregulierung node42900->node29753 node38487 Monopol node38487->node39365 node39955 Infrastruktur node39955->node39365 node36167 Economies of Scale node39365->node36167 node45936 Pareto-Optimum node39210 Internalisierung externer Effekte node39210->node37289 node34801 externer Effekt node42153 sektoraler Strukturwandel node42153->node46038 node27801 Arbeitslosigkeit node42153->node27801 node37289->node30607 node37289->node45936 node37289->node34801 node51769 hausarztzentrierte Versorgung (Gatekeeping) node51769->node38183 node40033 Krankenversicherung node50150 Vertragsfreiheit node38183->node40033 node38183->node50150 node32453 Drei-Sektoren-Hypothese node32453->node42153 node43599 struktureller Wandel node43599->node42153 node29753->node46038
    Mindmap Regulierung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/regulierung-46038 node46038 Regulierung node38183 Kontrahierungszwang node46038->node38183 node37289 Marktversagen node46038->node37289 node39365 natürliches Monopol node46038->node39365 node42153 sektoraler Strukturwandel node42153->node46038 node42900 Privatisierung node42900->node46038

    News SpringerProfessional.de

    Literaturhinweise SpringerProfessional.de

    Bücher auf springer.com

    Sachgebiete