Direkt zum Inhalt

sektorale Strukturpolitik

Definition

Sektorale Strukturpolitik bezeichnet die Gesamtheit aller wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die auf die Entwicklung der sektoralen Wirtschaftsstruktur Einfluss nehmen. Allg. Ziel der sektoralen Strukturpolitik ist es, die Richtung und/oder das Tempo des sektoralen Strukturwandels zu verändern.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    sektorale Wirtschaftspolitik, Sektorpolitik. 1. Begriff: Sektorale Strukturpolitik bezeichnet die Gesamtheit aller wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die auf die Entwicklung der sektoralen Wirtschaftsstruktur Einfluss nehmen.

    2. Ziele: Allg. Ziel der sektoralen Strukturpolitik ist es, die Richtung und/oder das Tempo des sektoralen Strukturwandels zu verändern. Im Unterschied zur Globalsteuerung zielt die sektorale Strukturpolitik somit auf die Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten einzelner Wirtschaftszweige. Dabei kann es darum gehen, den marktgesteuerten Strukturwandel aufzuhalten oder zumindest abzubremsen. Dieses Ziel kennzeichnet man als Erhaltungspolitik oder auch als konservierende Strukturpolitik. Geht es umgekehrt darum, den Strukturwandel voranzutreiben und den Unternehmen die Anpassung an veränderte Marktgegebenheiten zu erleichtern, so spricht man von Anpassungspolitik. Eine dritte mögliche Zielsetzung kann darin bestehen, den Strukturwandel, u.U. auch gegen die endogenen Kräfte des Marktes, in eine bestimmte Richtung zu lenken. Dies kann als Gestaltungspolitik umschrieben werden. In Deutschland sind Ziele und Aufgaben der sektoralen Strukturpolitik - anders als etwa bei der Wettbewerbspolitik oder der Konjunktur- und Wachstumspolitik - nicht gesetzlich geregelt. Im Jahr 1968 wurden allerdings von der damaligen Bundesregierung „Grundsätze der sektoralen Strukturpolitik“ formuliert, die weitgehend mit dem später von der OECD entwickelten Leitbild einer positiven Anpassungspolitik übereinstimmen.

    3. Träger: Auf Regierungsseite liegen die Kompetenzen für sektorale Strukturpolitik überwiegend bei den Wirtschaftsministerien, teilweise aber auch bei speziellen Ressorts wie Landwirtschaft, Verkehr, Technologie. Sektorale Strukturpolitik wird sowohl auf Bundes- wie auch Landesebene betrieben, daneben hat die Europäische Union (EU) zunehmend strukturpolitische Kompetenzen an sich gezogen. Die EU nimmt bes. Einfluss auf die sektorale Strukturpolitik über die Agrarpolitik, die Handelspolitik sowie bei Maßnahmen zugunsten „sensibler” Wirtschaftsbereiche (Kohle, Eisen, Stahl, Textilien u.Ä.). Generell überwacht die EU nationale sektorale Strukturpolitik im Rahmen ihrer Beihilfenkontrolle. Andererseits beteiligt sich die EU an der nationalen sektoralen Strukturpolitik durch Bereitstellung finanzieller Mittel für Fördermaßnahmen aus verschiedenen Strukturfonds (Strukturpolitik der Europäischen Union). Hier kommen v.a. Teile des Agrarfonds (Europäische Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft) zur Förderung von Investitionen zur Umstrukturierung ländlicher Räume sowie Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) für Umschulungsmaßnahmen bei Beschäftigten aus schrumpfenden Industrien infrage.

    4. Konzeptionstypen: Umfang und Intensität staatlicher Maßnahmen im Rahmen der sektoralen Strukturpolitik, v.a. hinsichtlich der relativen Bedeutung von Erhaltungs- und Gestaltungspolitiken, können nach dem vorherrschenden Konzeptionstyp der sektoralen Strukturpolitik unterschieden werden. Eine stärker interventionistische Form der sektoralen Strukturpolitik, die deutliche Elemente der Strukturlenkung oder -gestaltung enthält, ist die Industriepolitik. Das Konzept der positiven Anpassungspolitik beschränkt sich dagegen vorwiegend auf die Verbesserung der marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um unternehmerische Anpassungsprozesse zu erleichtern.

    5. Instrumente: a) Ordnungspolitische Instrumente:
    (1) Eingriffe in die Wettbewerbsordnung, z.B. Schutz vor ausländischer Konkurrenz durch Importbeschränkungen, zeitlich befristete Tolerierung kartellartiger Absprachen zwischen Unternehmen eines unter Strukturproblemen leidenden Wirtschaftszweigs (Strukturkrisenkartelle). Schaffung von wettbewerblichen Ausnahmebereichen durch Regulierung.
    (2) Eingriffe in die Eigentumsordnung, z.B. Verstaatlichung Not leidender, nicht mehr wettbewerbsfähiger Unternehmen.

    b) Prozesspolitische Instrumente:
    (1) Festlegung von Produktionsmengen, Preisen oder auch Beschränkung von Produktionskapazitäten. Als direkte Eingriffe in die unternehmerische Entscheidungsautonomie mit marktwirtschaftlichen Prinzipien an sich unvereinbar, werden solche Instrumente im Zusammenhang mit anderen marktlenkenden Maßnahmen dennoch eingesetzt (z.B. garantierte Absatzmengen in der Agrarpolitik, Gewährung staatlicher Beihilfen an die Stahlindustrie innerhalb der EU nur bei Einhaltung nationaler Produktionsquoten).
    (2) Begünstigung einzelner Sektoren durch Verbesserung der Absatzbedingungen. Dies kann, innerhalb enger Grenzen, durch die Nachfrage des Staates geschehen (z.B. Förderung der Bauwirtschaft durch staatliche Bauaufträge). Die volkswirtschaftliche Nachfragestruktur kann durch selektive steuerliche Maßnahmen (z.B. Reduzierung bestimmter Verbrauchsteuern) beeinflusst werden. Förderung des Absatzes inländischer Produzenten durch Schutz vor Importkonkurrenz über die Erhebung von Zöllen (innerhalb der EU nicht möglich, nach den Regeln des GATT auch gegenüber sonstigen Staaten nur noch sehr begrenzt einsetzbar); Förderung des Auslandsabsatzes (Exportförderung).
    (3) Verbesserung der Angebotsbedingungen, v.a. durch Entlastung der Unternehmen bei den Produktions- und/oder Investitionskosten (Wirtschaftsförderung). Eine Verbesserung der Angebotsbedingungen kann auch durch die Infrastrukturpolitik des Staates oder andere staatliche Vorleistungen, z.B. in den Bereichen Forschung und Entwicklung (F&E), bewirkt werden.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap sektorale Strukturpolitik Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/sektorale-strukturpolitik-42303 node42303 sektorale Strukturpolitik node43265 sektorale Wirtschaftsstruktur node42303->node43265 node38692 Infrastrukturpolitik node42303->node38692 node49872 Wirtschaftszweig node42303->node49872 node33427 Güterfernverkehr node50131 Verkehrspolitik node33427->node50131 node38913 Industriepolitik node38913->node42303 node48492 Wirtschaftsstruktur node43616 Strukturpolitik node43616->node42303 node43616->node38913 node43616->node48492 node43616->node38692 node42019 Regionalpolitik node43616->node42019 node45386 Rheinisch-Westfälisches Institut für ... node35830 Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) node34721 ifo Institut für ... node30045 Deutsches Institut für ... node44603 Strukturberichterstattung node44603->node42303 node44603->node45386 node44603->node35830 node44603->node34721 node44603->node30045 node35857 EU-Verkehrspolitik node35857->node50131 node35177 Güterkraftverkehr node35177->node50131 node43265->node49872 node27943 Dienstleistungssektor node43265->node27943 node43072 sekundärer Sektor node43265->node43072 node44019 primärer Sektor node43265->node44019 node50131->node42303 node33968 Finanzwissenschaft node29000 Dienstleistungsgesellschaft node32920 Humankapital node39955 Infrastruktur node38692->node33968 node38692->node29000 node38692->node32920 node38692->node39955
      Mindmap sektorale Strukturpolitik Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/sektorale-strukturpolitik-42303 node42303 sektorale Strukturpolitik node43265 sektorale Wirtschaftsstruktur node42303->node43265 node38692 Infrastrukturpolitik node42303->node38692 node50131 Verkehrspolitik node50131->node42303 node44603 Strukturberichterstattung node44603->node42303 node43616 Strukturpolitik node43616->node42303

      News SpringerProfessional.de

      • "Das Silicon Valley ist nicht über Nacht entstanden"

        Wenn es ein Digitalisierungs-Mekka gibt, in das deutsche Manager pilgern, ist es das Silicon Valley. Was Unternehmen von den US-Vorreitern lernen und ob sie die 180-Grad-Wende schaffen können, beantworten Sven Grote und Rüdiger Goyk im Gespräch.

      • Utility 4.0 – mehr als eine Worthülse?

        Vierpunktnull auf Teufel komm raus. Kein Themengebiet scheint heute ohne das Zahlenkürzel '4.0' auszukommen. Mit Utility 4.0 ist dieses Phänomen nun auch im Energiesektor angekommen. Zu Recht?

      • Das blaue Jobwunder der Digitalisierung

        Immer mehr Studien prognostizieren, dass die digitale Transformation insgesamt keine Arbeitsplätze kostet. Denn es entstehen auch jede Menge neue Jobs. Die erfordern jedoch andere Kompetenzen.

      • Starke Teams lassen Risiken zu

        "Werde eins mit deinem Projekt", proklamierte vor Jahren eine Baumarktkette. Ein kerniger Slogan, der seine Parallele in einer Google-Studie findet: Teammitglieder die risikobereit in ihrer Aufgabe aufgehen, arbeiten effektiver.

      • "Freibeträge in Abfindungsregelungen wieder einführen"

        Seit 1. Januar gilt die Institutsvergütungsverordnung (IVV). Mit ihr wurden in erster Linie die Anforderungen der Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA für eine solide Vergütungspolitik in deutsches Recht umgesetzt. Wie sich das auf die Personal- und Abfindungsstrategien bei den Banken auswirkt, erklärt Jurist Christoph Abeln im Interview.

      • So teuer wird der Fachkräftemangel

        Dass der Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft bremst, ist nicht neu. Allerdings war bislang nicht klar, wie sehr fehlendes Personal zu Buche schlägt. Einer Studie zufolge drohen bis zum Jahr 2030 wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. 

      • KMU zögern bei tiefgreifender Digitalisierung

        Der digitale Wandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus. Viele kleine und mittelständische Unternehmen haben das nicht vollends erkannt, weshalb sie sich auf die Optimierung einzelner interner Prozesse versteifen.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Henning Klodt
      Institut für Weltwirtschaft
      Leiter des Zentrums Wirtschaftspolitik

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Wer sich aus der Perspektive des Jahres 1987 mit der in der Bundesrepublik in den letzten Jahren betriebenen Industriepolitik - hier als aktive sektorale und regionale Strukturpolitik begriffen - beschäftigt, dem fällt ein gesteigertes Interesse …
      Nach einem Rückblick auf die Geschichte der europäischen Energiepolitik werde ich den Policy-Prozess um die Etablierung der Energiepolitik für Europa (EPE) – von den ersten Anstößen im Oktober 2005 bis zur Verabschiedung des Energie- und …
      In Kapitel vier wurden als Argumente für industriepolitische Eingriffe technologische externe Effekte und Rentenumlenkung in oligopolistischen Märkten diskutiert. Die Industriepolitik wird aber oft nicht nur als sektorale Strukturpolitik,sondern …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

      Sachgebiete