Direkt zum Inhalt

makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften

Definition

Bei makroökonomischen Totalmodellen geschlossener Volkswirtschaften handelt es sich um die gesamtwirtschaftliche Darstellung einer Volkswirtschaft unter Vernachlässigung von außenwirtschaftlichen Verflechtungen (wie internationale Güter- und Kapitalströme). Im Rahmen traditioneller keynesianischer Totalmodelle werden gleichzeitig der makroökonomische Güter- und Arbeitsmarkt sowie der monetäre Sektor in Form des Geld- und Wertpapiermarktes betrachtet. Solche Totalmodelle erlauben die simultane Bestimmung des gesamtwirtschaftlichen Einkommens, der Beschäftigung, des Zinssatzes und des Preisniveaus und die Analyse der Wirkungen geld- und fiskalpolitischer Maßnahmen. Für den Arbeitsmarkt kann dabei zwischen festen und flexiblen Geldlohnsätzen, d.h. zwischen Unter- und Vollbeschäftigung, unterschieden werden. Demzufolge können traditionelle keynesianische Totalmodelle sowohl Unterbeschäftigungs- als auch Vollbeschäftigungsgleichgewichtsmodelle sein. Da sie sich aus einer keynesianisch geprägten Nachfrageseite und einer neoklassisch geprägten Angebotsseite zusammensetzen und insofern eine Synthese aus keynesianischen und neoklassischen Ansätzen darstellen, spricht man auch von Modellen der Neoklassischen Synthese.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Charakterisierung
    2. Dazugehörige Stichwörter

    Charakterisierung

    Makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften sind typischerweise traditionelle keynesianische Flexpreismodelle (Keynesianismus), in denen eine simultane Betrachtung des gesamtwirtschaftlichen Gütermarktes, des Geld- und Wertpapiermarktes sowie des Arbeitsmarktes vorgenommen wird. Im Unterschied zu Totalmodellen offener Volkswirtschaften bleiben in makroökonomischen Totalmodellen geschlossener Volkswirtschaften internationale Güter-, Dienstleistungs- und Kapitaltransaktionen zwischen dem Inland und dem Ausland unberücksichtigt. Von neukeynesianischen Makromodellen (Neukeynesianische Makroökonomik) unterscheiden sie sich darin, dass sie keine vollständige Mikrofundierung besitzen. Makroökonomische Totalmodelle haben den großen Vorteil, dass sie das komplexe wirtschaftliche Geschehen in überschaubarer Form darstellen, sodass konkrete Aussagen über den Istzustand einer Volkswirtschaft möglich sind. Mithilfe solcher Modelle können sowohl eine gesamtwirtschaftliche Gleichgewichtsanalyse durchgeführt als auch die Auswirkungen stabilisierungspolitischer Maßnahmen auf makroökonomische Zielvariablen des Staates untersucht werden.

    Im Unterschied zu makroökonomischen Totalmodellen sind mikroökonomische Totalmodelle disaggregierte Modelle, die lediglich der formalen Abbildung ökonomischer Zusammenhänge dienen und keine konkreten Aussagen über die ökonomische Realität zulassen. In solchen Walras-Modellen oder Modellen des allgemeinen Gleichgewichts geht es primär um den Nachweis der Existenz und der Stabilität eines simultanen Gleichgewichts auf allen Güter- und Faktormärkten und damit um die prinzipielle Funktionsweise eines marktwirtschaftlichen Systems.

    Makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften bestehen auf der Nachfrageseite aus dem Güter-Geldmarkt-Modell für die geschlossene Volkswirtschaft (IS-LM-Modell), welches auf eine gesamtwirtschaftliche Güternachfragefunktion reduziert wird (makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften, Nachfrageseite) und auf der Angebotsseite aus den Gleichungen des Arbeitsmarktes sowie einer neoklassischen Produktionsfunktion, die zu einer gesamtwirtschaftlichen Angebotsfunktion zusammengefasst werden (makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften, Angebotsseite). Dabei wird zwischen dem Keynesschen Unterbeschäftigungsfall, der mit einem rigiden Geldlohnsatz verbunden ist (sog. Keynessche Variante), und dem neoklassischen Vollbeschäftigungsfall, der durch vollkommene Preis- und Lohnflexibilität gekennzeichnet ist (neoklassische Variante), unterschieden. Während die gesamtwirtschaftliche Angebotsfunktion bei völliger Preis- und Lohnflexibilität preisunelastisch verläuft, weist sie bei rigidem Geldlohnsatz einen preiselastischen Verlauf auf. Dies hat die Konsequenz, dass von Maßnahmen der Nachfragesteuerung (Geld- und Fiskalpolitik) bei Vorliegen flexibler Löhne und Preise sowie eines gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts bei Vollbeschäftigung keine Realeinkommens- und Beschäftigungseffekte ausgehen können (makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften, Stabilisierungspolitik). Dagegen können mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen i.d.R. Beschäftigungswirkungen erzielt werden, wenn der Geldlohnsatz rigide ist und eine Situation der Unterbeschäftigung vorliegt. Sowohl die Keynessche als auch die neoklassische Variante makroökonomischer Totalmodelle werden zur sog. Neoklassischen Synthese gerechnet, da sie aus einer keynesianisch modellierten Nachfrageseite und einer neoklassisch geprägten Angebotsseite bestehen. Weiterentwicklungen existieren in Form neukeynesianischer Totalmodelle, die entsprechend der Neuen Neoklassischen Synthese zugeordnet werden können.

    Dazugehörige Stichwörter

    Weitere Stichwörter zu diesem Schwerpunktbeitrag:

    Makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften, Angebotsseite; Makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften, Nachfrageseite; Makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften, stabile Gleichgewichtszustände; Makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften, Stabilisierungspolitik; Makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften, Weiterentwicklungen; Totalmodelle großer offener Volkswirtschaften; Totalmodelle offener Volkswirtschaften; Totalmodelle offener Volkswirtschaften, Angebotsseite; Totalmodelle offener Volkswirtschaften, Nachfrageseite; Stabilisierungspolitik in einer großen offenen Volkswirtschaft; Stabilisierungspolitik in einer kleinen offenen Volkswirtschaft; Stabilisierungspolitik in einer Währungsunion; IS-LM-Modell; IS-LM-Z-Modell; IS-LM-Z-Modell einer Währungsunion; Mundell-Fleming-Modell; IS-Kurve; LM-Kurve; Keynes-Effekt; Einkommen-Ausgaben-Modell; Multiplikator; Stabilisator; Sparparadoxon; effektive Nachfrage; Konsumfunktion; Sparfunktion; Ex-ante-Analyse; Angebotsüberschuss; Nachfrageüberschuss; aggregierte Angebotskurve; aggregierte Nachfragekurve.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/makrooekonomische-totalmodelle-geschlossener-volkswirtschaften-41037 node41037 makroökonomische Totalmodelle geschlossener ... node54308 Stabilisator node41037->node54308 node39042 Multiplikator node41037->node39042 node38052 Keynesianismus node41037->node38052 node30342 aggregierte Angebotskurve node41037->node30342 node42209 Sparparadoxon node41037->node42209 node29678 autonome Größen node54354 Neukeynesianische Makroökonomik optimale ... node54354->node54308 node53869 Neukeynesianische Makroökonomik geschlossener ... node53869->node41037 node53869->node54308 node33002 Einkommen-Ausgaben-Modell node33002->node41037 node54308->node33002 node40302 Multiplikatorprozess node40302->node39042 node41843 Konjunkturtheorie node41843->node39042 node28410 Akzelerationsprinzip node28410->node39042 node39042->node29678 node38023 Lohnpolitik node38052->node38023 node34043 Geldpolitik node38052->node34043 node47916 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) node38052->node47916 node38841 makroökonomische Totalmodelle geschlossener ... node38841->node41037 node39468 klassische Lehre node27315 Aufschlagspreisbildung node32438 Grenzproduktivitätstheorie node30342->node38841 node30342->node39468 node30342->node27315 node30342->node32438 node37240 Mindestlohn node37240->node38052 node42209->node33002 node42209->node40302
      Mindmap makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/makrooekonomische-totalmodelle-geschlossener-volkswirtschaften-41037 node41037 makroökonomische Totalmodelle geschlossener ... node38052 Keynesianismus node41037->node38052 node30342 aggregierte Angebotskurve node41037->node30342 node39042 Multiplikator node41037->node39042 node54308 Stabilisator node41037->node54308 node42209 Sparparadoxon node41037->node42209

      News SpringerProfessional.de

      • Digitalisierung in Deutschland stagniert

        Nur langsam geht es für die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung voran, zeigt der Monitoring Report Digital. Die Kernergebnisse: die Wirtschaft stagniert, digitale Vorreiter fehlen und alle warten auf den Breitbandausbau.

      • Forschungsagenda 2030 für die produzierende Industrie

        Die strategische Forschungsagenda der Initiative "manufuture-DE" hat aktuelle und zukünftig relevante Forschungsbedarfe deutscher Industrieunternehmen aus dem Bereich der Produktionstechnik bis zum Jahr 2030 formuliert und priorisiert.

      • "Unternehmen tragen Verantwortung für Konsumenten"

        Wer in der digitalen Welt nicht untergehen will, muss sich einige Kompetenzen aneigen. Sonst frisst die Digitalisierung ihre User, warnen Anabel Ternès und Hans-Peter Hagemes im Gespräch mit Springer Professional. Insbesondere Unternehmen sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein.

      • Digitalisierung schafft Chancen für weibliche Führungskräfte

        Mittlerweile erfüllen zwar die Aufsichtsräte der Dax-30-Unternehmen im Durchschnitt die gesetzliche Frauenquote. Aber gerade in Führungspositionen im operativen Geschäft sind Frauen, auch in der Finanzbranche, immer noch rar gesät. Und das sieht nur in einem Fachbereich besser aus.

      • Verantwortungsvolle Chefs haben mehr Stress

        Ein Chef, der sich seiner Verantwortung im Job bewusst ist, führt ein stressbelastetes Dasein. Zumindest, wenn er sich in einer gehobenen Machtposition befindet. Das haben Wissenschafter herausgefunden.

      • Dax-Vorstände verdienen noch mehr

        Wenn etwas die Gemüter erhitzt, dann sind es immer wieder die exorbitanten Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen. Eine aktuelle Studie gibt der Diskussion neue Nahrung. Demnach bekommen die CEOs von der Post, Heidelberg Cement, Adidas und Daimler unglaubliche Summen. 

      • Enterprise Social Networks fördern Innovationen

        Der digitale Reifegrad deutschsprachiger Unternehmen verbessert sich zusehends. In allen Bereichen haben digitale Prozesse mittlerweile die analogen Formen der Zusammenarbeit überholt. Doch es gibt noch viel zu tun.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Hans-Werner Wohltmann
      Universität Kiel,
      Institut für Volkswirtschaftslehre
      Lehrstuhlinhaber

      Sachgebiete

      Interne Verweise