Direkt zum Inhalt

aggregierte Nachfragekurve

Definition

Die aggregierte oder gesamtwirtschaftliche (Güter-)Nachfragekurve beschreibt den Zusammenhang zwischen gesamtwirtschaftlichem Güterpreisniveau und gesamtwirtschaftlicher Güternachfrage. In einem Preis-Mengen-Diagramm verläuft sie mit negativer Steigung, sodass ein fallendes Preisniveau mit einer erhöhten Güternachfrage verbunden ist. In der makroökonomischen Theorie sind Grenzfälle denkbar, bei denen Preisänderungen keine Auswirkungen auf die aggregierte Nachfrage haben, sodass sich in diesen Sonderfällen ein vertikaler Verlauf der gesamtwirtschaftlichen Güternachfragekurve ergibt.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Gesamtnachfragekurve, gesamtwirtschaftliche Nachfragekurve; Begriff der Makroökonomik. Die aggregierte Nachfragekurve beschreibt den Zusammenhang zwischen Gesamtnachfrage und Preisniveau. Sie lässt sich analytisch, z.B. aus dem IS-LM-Modell, ableiten und gibt dann alle Kombinationen von Preisniveau und Output wieder, bei denen - unter der Annahme einer vollkommen elastischen Mengenanpassung der Produzenten - simultanes Gleichgewicht auf Güter- und Geldmarkt herrscht.

    Verlauf: Im Normalfall zeigt die aggregierte Nachfragekurve einen fallenden Verlauf, d.h. mit sinkendem Preisniveau nimmt die aggregierte Nachfragekurve zu.

    Begründung: Ein sinkendes Preisniveau impliziert einen Anstieg des realen Geldangebots, das nun größer ist als die gewünschte Geldnachfrage. Die Wirtschaftssubjekte versuchen, die unerwünschte Überschusskasse z.B. durch den Kauf von Wertpapieren abzubauen. Die steigende Wertpapiernachfrage führt zu einem Anstieg der Kurse und einem Rückgang der Zinssätze. Der Zinsrückgang stimuliert die Investitionsnachfrage. Damit steigen über diesen indirekt wirkenden Realkasseneffekt (sog. Keynes-Effekt) im IS-LM-Modell aber auch die Güternachfrage, die Produktion und das Einkommen. Dieser Anstieg wird durch die einkommensabhängige Konsumnachfrage noch verstärkt. Der geschilderte Multiplikatorprozess hält solange an, bis das wegen des Preisniveaurückgangs gestiegene reale Geldangebot bei gesunkenem Zinssatz und gestiegenem Gesamteinkommen auch gerade nachgefragt wird. Sinkt das Preisniveau, ist simultanes Gleichgewicht auf Güter- und Geldmarkt also nur bei gestiegenem Gesamteinkommen möglich. In einem Einkommen-Preis-Diagramm verläuft die aggregierte Nachfragekurve also fallend. Der Grenzfall einer vertikalen Nachfragekurve ergibt sich, wenn der Keynes-Effekt unwirksam ist, d.h. bei vollkommen zinselastischer Geldnachfrage (Liquiditätsfalle) oder zinsunabhängiger Investitionsnachfrage (Investitionsfalle).

    Der Schnittpunkt von aggregierter Nachfragekurve und aggregierter Angebotskurve bestimmt das gesamtwirtschaftliche Preis- und Mengengleichgewicht

    Vgl. zugehöriger Schwerpunktbeitrag Makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap aggregierte Nachfragekurve Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/aggregierte-nachfragekurve-29211 node29211 aggregierte Nachfragekurve node38841 makroökonomische Totalmodelle geschlossener ... node29211->node38841 node37883 Investitionsfalle node29211->node37883 node37835 Liquiditätsfalle node29211->node37835 node38805 IS-LM-Modell node29211->node38805 node40302 Multiplikatorprozess node29211->node40302 node40991 Keynes-Effekt node29211->node40991 node49032 Wachstumstheorie node37883->node38841 node37883->node38805 node35382 Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals node37883->node35382 node28977 billiges Geld node28977->node37835 node48628 Zentralbankgeld node43895 Offenmarktpolitik node38104 Keynes node37835->node48628 node37835->node43895 node37835->node38104 node29678 autonome Größen node29678->node40302 node39042 Multiplikator node32031 Hicks node38805->node32031 node38052 Keynesianismus node38805->node38052 node40302->node49032 node40302->node39042 node53869 Neukeynesianische Makroökonomik geschlossener ... node53869->node40991 node54313 Nachfrageüberschuss node54313->node40991 node38751 Neutralität des Geldes node38751->node40991 node46643 Realkassenhaltungseffekt node40991->node46643 node51448 Güter-Geldmarkt-Modell node51448->node38805 node53624 Neoklassische Synthese node53624->node38805 node38052->node37883
      Mindmap aggregierte Nachfragekurve Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/aggregierte-nachfragekurve-29211 node29211 aggregierte Nachfragekurve node38805 IS-LM-Modell node29211->node38805 node40991 Keynes-Effekt node29211->node40991 node40302 Multiplikatorprozess node29211->node40302 node37835 Liquiditätsfalle node29211->node37835 node37883 Investitionsfalle node29211->node37883

      News SpringerProfessional.de

      • Persönlichkeit und Motivation müssen stimmen

        Beim Besetzen vakanter Stellen achten Vertriebsleiter oft stärker auf die fachliche Qualifikation der Bewerber als auf deren Persönlichkeit und Motivation. Michael Schwartz, Leiter des Instituts für integrale Lebens- und Arbeitspraxis in Esslingen, erläutert, warum diese beiden Faktoren im Vertrieb so wichtig sind.

      • Neue Recruitingstrategien gegen den Fachkräftemangel

        Für den deutschen Mittelstand wird der Fachkräftemangel zum Geschäftsrisiko, zeigen Studien. Und die Situation soll sich noch verschärfen. Höchsten Zeit also, bei der Personalbeschaffung neue Weg zu gehen, so Gastautor Steffen Michel. 

      • Weniger IPO-Prospekt, dafür mehr Anlegerschutz

        Wer sich bislang per Börsengang Geld am Kapitalmarkt besorgen wollte, musste einen aufwendigen Prospekt erstellen. Eine Neuregelung sorgt jetzt bei kleineren IPOs (Initial Public Offering) für Abhilfe. Wie die Voraussetzungen aussehen, erklärt Rechtsanwalt Jörg Baumgartner in seinem Gastbeitrag.

      • Whatsapp startet Business-Offensive

        Im Servicefall können Verbraucher einige Unternehmen bereits über den Messenger-Dienst Whatsapp kontaktieren. Doch was passiert, wenn der Kundenservice Nachrichten initiativ versendet? Ein neues Business-Tool soll genau das ermöglichen.

      • Kundennutzenmodelle im B2B-Vertrieb von E-Marktplätzen

        Elektronische B2C-Marktplätze müssen ihre über Jahre errungene dominante Marktstellung in Gewinne umzumünzen, ohne ihre Marktstellung zu gefährden. Dazu gehört, Preise für langjährige Händler drastisch zu erhöhen. Kundennutzenmodelle spielen dabei eine wichtige Rolle.

      • "Belastete Geschäftsmodelle sind meistens nicht genug innoviert"

        Der ehemalige Roland-Berger-Krisenberater Thomas Knecht hat an der Spitze von Hellmann den Turnaround des weltweiten Logistikers geschafft. Branche und Wirtschaft fordert er zu mehr Wachsamkeit auf. Im Interview spricht er über Anpassungsfähigkeit und Insolvenzschutz.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Hans-Werner Wohltmann
      Universität Kiel,
      Institut für Volkswirtschaftslehre
      Lehrstuhlinhaber

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      In diesem abschließenden Kapitel des Teils IV wollen wir uns noch etwas vertrauter mit der neuen aggregierten Güternachfrage machen. Wir fragen zunächst nach den Auswirkungen einer expansiven Fiskal- oder Geldpolitik auf die Lage der aggregierten …
      In diesem Kapitel erfahren Sie, wie die Preise auf unterschiedlichen Märkten aus Angebot und Nachfrage gebildet werden. Als Gruppe gewinnen mehrere Karibikreisen und entscheiden anhand des Gleichgewichtspreises, wer mitfliegen darf. An der Costa …
      In diesem Beitrag wird zunächst anhand üblicher volkswirtschaftlicher Kennzahlen wie dem Bruttoinlandsprodukt, der Erwerbstätigenzahl und dem Anlagevermögen gezeigt, welche Rolle dem Verkehrssektor als Wirtschaftszweig zukommt. Danach wird …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

      Sachgebiete