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makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften, Weiterentwicklungen

Definition

Zu den Weiterentwicklungen traditioneller keynesianischer Totalmodelle zählen: a) die Berücksichtigung internationaler Güter- und Kapitaltransaktionen (d.h. der Übergang zu einer offenen Volkswirtschaft);

b) die Berücksichtigung dynamischer Elemente wie Preis- und Wechselkursänderungserwartungen sowie einer verzögert ablaufenden Preis- und Lohnanpassung (d.h. der Übergang von statischen zu dynamischen Makromodellen);

c) der Übergang von der Modellwelt der vollständigen zur monopolistischen Konkurrenz (d.h. preissetzendes Verhalten auf Güter- und Faktormärkten);

d) die stärkere Mikrofundierung, d.h. die Entwicklung der Verhaltensgleichungen der Marktteilnehmer aus expliziten intertemporalen Optimierungsansätzen.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    Keynesianische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften sind in verschiedene Richtungen weiterentwickelt worden. Hierzu zählen v.a. die Übertragung auf offene Volkswirtschaften und die stärkere entscheidungslogische (Mikro-)Fundierung. Durch die explizite Berücksichtigung internationaler Güter- und Kapitaltransaktionen ergeben sich makroökonomische Totalmodelle offener Volkswirtschaften. Makroökonomische Totalmodelle offener Volkswirtschaften können sich sowohl auf kleine als auch große offene Volkswirtschaften beziehen (Totalmodelle großer offener Volkswirtschaften), wobei zwischen dem Keynesschen Unterbeschäftigungsfall und dem neoklassischen Vollbeschäftigungsfall unterschieden werden kann. Im Sonderfall, dass neben den Geldlohnsätzen auch die Güterpreise vollkommen starr sind, ergibt sich das IS-LM-Z-Modell (Mundell-Fleming-Modell), das das IS-LM-Modell auf offene Volkswirtschaften überträgt (Totalmodelle offener Volkswirtschaften, Nachfrageseite). Dieses Fixpreismodell, das den Güter-, Geld- und Devisenmarkt simultan betrachtet, lässt sich auch auf eine Zwei-Länder-Währungsunion übertragen (IS-LM-Z-Modell einer Währungsunion). Solche keynesianischen Makromodelle offener Volkswirtschaften sind - ebenso wie die entsprechenden Modelle geschlossener Volkswirtschaften - statische Modelle, die keine explizite Dynamik enthalten. Sie lassen sich aber durch die Annahme einer verzögerten Preis-Lohn-Anpassung vom Phillips-Kurven-Typ (Phillips-Kurve) sowie durch die Berücksichtigung rationaler Preis- und Wechselkursänderungserwartungen (Erwartungen) in der IS- und Phillips-Kurven-Gleichung sowie der Bedingung für die Zinsparität in dynamische sattelpunktstabile Makromodelle offener Volkswirtschaften überführen (dynamische Makroökonomik, Sattelpunktstabilität). Mit solchen dynamischen Modellansätzen offener Volkswirtschaften können die intertemporalen Effekte antizipierter und nicht antizipierter geld- und fiskalpolitischer Maßnahmen auf zentrale Makrovariablen (wie Inlandsprodukt und Wechselkurs) untersucht werden. Das bekannteste und mittlerweile klassische Modell dieser Modellklasse ist das von Dornbusch (1976) entwickelte Dornbusch-Modell, mit dem sich das Overshooting-Phänomen, d.h. das Überschießen des nominellen Wechselkurses im Anschluss an einen monetären Schock erklären lässt.

    Die theoretische und empirische Forschung zur monetären Makroökonomik offener Volkswirtschaften basiert in jüngerer Zeit nicht nur auf Modellen vom Mundell-Fleming-Dornbusch-Typ, sondern in zunehmenden Maße auf Makromodellen, die zur Neuen Makroökonomik offener Volkswirtschaften (New Open Economy Macroeconomics (NOEM)) gerechnet werden. NOEM-Modelle analysieren offene Volkswirtschaften im Rahmen dynamischer allgemeiner Gleichgewichtsmodelle, die vollständig mikrofundiert sind. Die Dynamik zentraler makroökonomischer Variablen (wie Output und Wechselkurs) wird dabei aus der expliziten mikroökonomischen Modellierung der intertemporalen Optimierungsprobleme von Haushalten und Unternehmen entwickelt. Das bekannteste NOEM-Modell ist das von Obstfeld und Rogoff Mitte der 1990er-Jahre entwickelte Redux-Modell. Ein weiteres Kennzeichen von NOEM-Modellen ist, dass sie neben der Mikrofundierung von einer verzögerten Preisanpassung sowie von monopolistischer Konkurrenz auf dem Gütermarkt ausgehen. Deshalb lassen sich diese Modelle der ursprünglich für geschlossene Volkswirtschaften entwickelten Neukeynesianischen Makroökonomik (Neuer Keynesianismus) zuordnen. Im Unterschied zu den Modellen der Neokeynesianischen Theorie werden in NOEM-Modellen keine Mengenrationierungs- und Ungleichgewichtskonstellationen auf dem Güter- und Arbeitsmarkt betrachtet; vielmehr handelt es sich um allgemeine Gleichgewichtsmodelle, die auch Elemente der Neuen Klassischen Makroökonomik enthalten, wie z.B. die explizite Berücksichtigung der intertemporalen Substitutionsentscheidung zwischen Arbeit und Freizeit. Andererseits unterscheiden sie sich von klassischen und neuklassischen Ansätzen darin, dass von verzögerter Preisanpassung und der Modellwelt der monopolitischen Konkurrenz auf Güter- und/oder Faktormärkten ausgegangen wird. 

    Vgl. zugehöriger Schwerpunktbeitrag Makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Hans-Werner Wohltmann
      Universität Kiel,
      Institut für Volkswirtschaftslehre
      Lehrstuhlinhaber

      Sachgebiete