Direkt zum Inhalt

Macht

Definition

wirtschaftlich: Möglichkeit einzelner oder mehrerer zusammenwirkender Wirtschaftssubjekte zur Beeinflussung der Willensentscheidungen anderer Wirtschaftssubjekte zur Förderung der eigenen Interessen.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Begriff
    2. Wettbewerb
    3. Wirtschaftsethik

    Begriff

    Nach Weber die Chance, „innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“. Diese sehr allg. Definition von Macht ist von Arndt im Hinblick auf wirtschaftliche Macht weiterentwickelt worden. Danach ist wirtschaftliche Macht Ausdruck von wirtschaftlicher Überlegenheit: „Wer über wirtschaftliche Macht verfügt, ist in der Lage, die Handlungsfähigkeit anderer Wirtschafter auszunutzen und ggf. sogar die Willensentscheidungen anderer Wirtschafter im eigenen Interesse zu beeinflussen. Im Grenzfall entscheidet der Mächtige für den Schwachen“.

    Wettbewerb

    1. Arten: a) (Horizontale) Marktmacht: In der Wettbewerbstheorie werden im Hinblick auf die Konkretisierung des unbestimmten Rechtsbegriffes Marktbeherrschung in § 18 GWB und Art. 102 AEUV zwei Machtkonzepte als Unterfälle horizontaler Marktmacht vertreten: das traditionelle - von Cournot analysierte - Einzelmachtkonzept (Monopole, Teilmonopole und überragende Marktstellungen eines Unternehmens (vgl. § 18 I GWB) sowie das sog. Gruppenmachtkonzept, das von der Zielsetzung der gemeinsamen Gewinnmaximierung (Joint Profit Maximization) von Unternehmensgruppen aufgrund von Absprachen im Sinn von § 1 GWB (Kollektivmonopol) oder eines Quasi-Agreements (Gruppendisziplin bzw. Preisführerschaft) i.S.d. § 18 V GWB ausgeht. In der europäischen Wettbewerbspolitik spricht man von kollektiver Marktbeherrschung.
    b) (Vertikale) Partnermacht im Sinn von H. Arndt, bei welcher es nicht auf die Stellung auf dem relevanten Markt, sondern auf die Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen den Marktpartnern (Anbieter und Nachfrager) ankommt; je nachdem, wer dominiert, liegt Anbieter- oder Nachfragermacht vor. Der dominierende Marktpartner zwingt dem anderen Partner seinen Willen auf, was bis zur Ausbeutung des Marktpartners gehen kann.

    Partnermacht kann jedoch nur bei einer Beeinträchtigung des (horizontalen) Wettbewerbs vorliegen, die im Ergebnis zu einer Einschränkung von Alternativen und damit zu einer vertikalen Abhängigkeit führen kann. Das Konzept der vertikalen Partnermacht ist insofern kein eigenständiger Erklärungsansatz für Macht, sondern nur eine andere (vertikale) Betrachtungsweise desselben Phänomens.

    2. Bei der wettbewerbspolitischen und -rechtlichen Frage, was angemessene oder unangemessene Marktmacht ist, handelt es sich - wie auch in anderen Bereichen der Wirtschaftspolitik - um eine Ermessensentscheidung. Anders als z.B. bei der Geld- und Finanzpolitik sind diese Ermessensentscheidungen jedoch einer richterlichen Kontrolle unterworfen, was an die Justiziabilität der Kriterien entsprechend hohe Anforderungen stellt.

    Wirtschaftsethik

    1. Macht und der rechte Gebrauch von Macht sind ein zentrales Thema der Ethik seit der griech. Philosophie. Bis in die gegenwärtige Wirtschaftsethik lassen sich zwei grundlegende Alternativen des Umgangs mit Macht unterscheiden.

    a) Die Konzeption, die auf Platon zurückgeht, hält Macht für erwünscht zur Verwirklichung sittlicher Ziele bzw. - in der schwächeren Variante - für unvermeidlich, und sie versucht, die mit Macht offensichtlich verbundenen Gefahren durch die individuelle Moral der Mächtigen (Bindung an die Gerechtigkeit) unter Kontrolle zu halten: So begegnet man heute in der Wirtschaftsethik der Forderung nach einer „Ethik der wirtschaftlichen Macht“. Diese Vorstellung mündet mehr oder weniger offen in totalitäre Gesellschaftsmodelle oder in paternalistische, hierarchische Führungskonzeptionen für Unternehmen und Organisationen. Die moralische Bändigung der Macht soll oft durch entsprechende Erziehung der Machthaber (seit Platon) und durch moralische Appelle, teils mit Hinweis auf die Verantwortung des Mächtigen, zumindest vor Gott (Hobbes), gefördert werden.

    b) Die andere Konzeption versucht, Macht durch entsprechende institutionelle Vorkehrungen zu domestizieren und/oder abzubauen. Diese Strategie steht Pate bei der Entwicklung des modernen republikanischen bzw. demokratischen Staates: Bindung des Fürsten an Recht und Gesetz, Verfassung, Rechtsstaat, Gewaltenteilung und parlamentarische Kontrolle sind die historisch bevorzugten Mittel. Seit Kant spielt die öffentliche Kritik an den Mächtigen eine bedeutende Rolle.

    2. Macht und Wirtschaft: In der Ökonomik wird hervorgehoben, dass die gesamte Sphäre der Privatautonomie die Macht des Staates einschränkt und der Wettbewerb generell, auch der Wettbewerb zwischen Staaten, Gesellschaften und ihren Ordnungen, machtbegrenzend wirkt. Für Böhm ist der Wettbewerb „das großartigste und genialste Entmachtungsinstrument der Geschichte“; schon ein potenzieller Wettbewerber (potenzieller Wettbewerb) domestiziert Macht. Auf Unternehmensebene führt diese Konzeption zu neuen, kooperativen Führungskonzepten, zu Dezentralisierung mit vielen Entscheidungszentren, zur Etablierung von Unternehmensverfassungen und zur Entwicklung entsprechender Unternehmenskulturen. Die moderne Transaktionskostenökonomik könnte für die wirtschaftsethische Behandlung von Macht systematisch wichtig werden. Im Zentrum steht die Abhängigkeit, in die Interaktionspartner aufgrund transaktionsspezifischer Investitionen geraten können. Macht lässt sich konzeptualisieren als Fähigkeit eines Partners, die Quasirente des anderen auszubeuten. Rationale Akteure antizipieren das und gehen solche - „an sich“ produktive - Interaktionen so lange nicht ein, wie sie nicht durch entsprechende institutionelle Arrangements vor dieser Macht sicher sind.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Macht Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/macht-40211 node40211 Macht node46459 potenzieller Wettbewerb node40211->node46459 node49537 Weber node40211->node49537 node45740 relevanter Markt node40211->node45740 node48518 Wettbewerbstheorie node48518->node40211 node49210 wettbewerbspolitische Leitbilder node48518->node49210 node32300 Friedman node34593 Eucken node49210->node40211 node49210->node32300 node49210->node34593 node52672 interne Kommunikation node52688 harte und weiche ... node33168 Führung node54083 Leadership node54083->node40211 node54083->node52672 node54083->node52688 node54083->node33168 node32611 Einzelmachtkonzept node32611->node40211 node46459->node45740 node39762 Max-Weber-These node39762->node49537 node29945 Bürokratie node29945->node49537 node39666 Methodenstreit node37009 Kapitalismus node49537->node39666 node49537->node37009 node42780 offener Markt node42780->node46459 node43058 Preisbildungsmodelle node43058->node46459 node38090 Newcomer node38090->node46459 node38420 Leitbild node38420->node49210
      Mindmap Macht Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/macht-40211 node40211 Macht node46459 potenzieller Wettbewerb node40211->node46459 node49537 Weber node40211->node49537 node32611 Einzelmachtkonzept node32611->node40211 node54083 Leadership node54083->node40211 node49210 wettbewerbspolitische Leitbilder node49210->node40211

      News SpringerProfessional.de

      • Persönlichkeit und Motivation müssen stimmen

        Beim Besetzen vakanter Stellen achten Vertriebsleiter oft stärker auf die fachliche Qualifikation der Bewerber als auf deren Persönlichkeit und Motivation. Michael Schwartz, Leiter des Instituts für integrale Lebens- und Arbeitspraxis in Esslingen, erläutert, warum diese beiden Faktoren im Vertrieb so wichtig sind.

      • Neue Recruitingstrategien gegen den Fachkräftemangel

        Für den deutschen Mittelstand wird der Fachkräftemangel zum Geschäftsrisiko, zeigen Studien. Und die Situation soll sich noch verschärfen. Höchsten Zeit also, bei der Personalbeschaffung neue Weg zu gehen, so Gastautor Steffen Michel. 

      • Weniger IPO-Prospekt, dafür mehr Anlegerschutz

        Wer sich bislang per Börsengang Geld am Kapitalmarkt besorgen wollte, musste einen aufwendigen Prospekt erstellen. Eine Neuregelung sorgt jetzt bei kleineren IPOs (Initial Public Offering) für Abhilfe. Wie die Voraussetzungen aussehen, erklärt Rechtsanwalt Jörg Baumgartner in seinem Gastbeitrag.

      • Whatsapp startet Business-Offensive

        Im Servicefall können Verbraucher einige Unternehmen bereits über den Messenger-Dienst Whatsapp kontaktieren. Doch was passiert, wenn der Kundenservice Nachrichten initiativ versendet? Ein neues Business-Tool soll genau das ermöglichen.

      • Kundennutzenmodelle im B2B-Vertrieb von E-Marktplätzen

        Elektronische B2C-Marktplätze müssen ihre über Jahre errungene dominante Marktstellung in Gewinne umzumünzen, ohne ihre Marktstellung zu gefährden. Dazu gehört, Preise für langjährige Händler drastisch zu erhöhen. Kundennutzenmodelle spielen dabei eine wichtige Rolle.

      • "Belastete Geschäftsmodelle sind meistens nicht genug innoviert"

        Der ehemalige Roland-Berger-Krisenberater Thomas Knecht hat an der Spitze von Hellmann den Turnaround des weltweiten Logistikers geschafft. Branche und Wirtschaft fordert er zu mehr Wachsamkeit auf. Im Interview spricht er über Anpassungsfähigkeit und Insolvenzschutz.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Andreas Suchanek
      Handelshochschule Leipzig und
      Wittenberg, Zentrum für Globale Ethik
      Prof. Dr. Nick Lin-Hi
      Universität Vechta
      Professor für Wirtschaft und Ethik
      Dr. Ingo Mecke
      Bundeskartellamt,
      Federal Cartel Office
      Berichterstatter der 10. Beschlussabteilung

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Jeder, der Macht hat, ist auch eine Quelle der Gefahr.
      Jeder, der Macht hat, ist auch eine Quelle der Gefahr.
      Kryptowährungen sind der staatlichen Kontrolle entzogen und ihre Entwicklung für Experten schwer prognostizierbar. Nun haben zwei Yale-Ökonomen ein Modell entwickelt, dass eine faktenbasierte Einschätzung erleichtert.

      Sachgebiete