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Konjunkturtheorie

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Teil der Volkswirtschaftstheorie, der sich mit dem Erklären des Zustandekommens von zyklischen Bewegungen (Konjunktur, Konjunkturschwankungen) meist makroökonomischer Größen beschäftigt.

    2. Modelle: a) Autoregressive Konjunkturmodelle: In diesen theoretischen Modellen werden Konjunkturschwankungen auf Zeitverzögerungen (Lag) bzw. auf eine geeignete zeitliche Struktur zurückgeführt, wie sie in Differenzen- oder Differenzialgleichungen zum Ausdruck kommen. Optimierungsansätze und Zufallseinflüsse spielen in diesen Modellen keine Rolle, vielmehr wird die Erklärung des Konjunkturphänomens auf das simultane Zusammenwirken (meist makro-)ökonomischer Größen zurückgeführt.
    (1) Lineare Konjunkturmodelle: Ein Konjunkturmodell heißt linear, wenn seine zugrunde liegenden dynamischen Gleichungen linear sind oder wenn seine Eigenschaften nicht von denen linearer Systeme abweichen.

    Beispiele: Zu den bekanntesten linearen Konjunkturmodellen zählen (a) die Multiplikator-Akzelerator-Modelle von Samuelson (1939) und Hicks (1950). Das Zusammenwirken von linearem Multiplikator (über die Konsumfunktion) und linearem Akzelerator (über die Investitionsfunktion) führt zu einer linearen Differenzengleichung zweiter Ordnung, deren qualitative Lösungen abhängig sind von den Werten der unterstellten Parameter des Systems. (b) Weitere wichtige lineare Modelle stammen von Metzler (Lagerhaltung), Kalecki (Investitionsverhalten) und Phillips (stetiges Multiplikator-Akzelerator-Modell). Als Lösungen werden unterschieden: Gedämpfte Schwingungen (die Amplituden der Variablen verschwinden im Zeitverlauf), harmonische Schwingungen (die Amplituden der Variablen sind konstant im Zeitverlauf) und explosive Schwingungen (die Amplituden steigen beständig, sodass die Werte der Variablen über alle Grenzen anwachsen). Vom Standpunkt der Konjunkturtheorie sind lediglich gedämpfte Schwingungen relevant, da explosive Schwingungen in der Realität nicht vorkommen und harmonische Schwingungen darüber hinaus nur für exakt eine Parameterkonstellation denkbar sind. Da gedämpfte Schwingungen den Konjunkturverlauf im Zeitablauf verschwinden lassen, sind in solchen linearen Modellen andauernde exogene Schocks notwendig, um persistente Konjunkturschwankungen zu erzeugen. Damit wird letztlich die Erklärung des Konjunkturphänomens auf exogene Faktoren zurückgeführt. (c) Zu den linearen Konjunkturmodellen zählen auch die  Modelle mit rationalen Erwartungen. Eine bes. Rolle kommt hierbei den Modellen der Neuen Klassischen Makroökonomik zu. Rationale Erwartungen im Zusammenhang mit Informationsdefiziten und Störungen im monetären Bereich sind für die Auslösung und das Andauern von Konjunkturschwankungen verantwortlich (Lucas 1975). In der Neukeynesianischen Makroökonomie  sind hingegen Preis- und Lohnrigiditäten ursächlich für die Schwankungen.
    (2) Nicht lineare Konjunkturmodelle: Sie ermöglichen die Erzeugung von Schwingungen, die nicht auf exogene Einflüsse angewiesen sind. Die mathematische Struktur der Modelle ist allein für das Auftreten von anhaltenden Konjunkturschwankungen verantwortlich. Zu den frühesten nicht-linearen Modellen zählen die Modelle von Kaldor (1940), Hicks (1950) und Goodwin (1951). Unterschieden werden können sie nach der Art des verwendeten mathematischen Instrumentariums: (a) Modelle unter Verwendung des Poincaré-Bendixson-Theorems: Grundlage ist ein zwei-dimensionales Differenzialgleichungssystem mit instabilem Gleichgewicht. Wird die Dynamik durch ein abgeschlossenes Gebiet begrenzt, entstehen Grenzzyklen.
    (b) Modelle unter Verwendung von Bifurkationstheorien: Grundlage ist ein zwei- oder mehrdimensionales Differenzial- oder Differenzengleichungssystem. Wird ein Parameter des Modells beständig erhöht, kann ein zunächst stabiles Gleichgewicht instabil werden. Beim Übergang von stabilem zu instabilem Gleichgewicht entstehen (Konjunktur-)Schwankungen.
    (c) Räuber-Beute-Modelle: Die Variablen eines Konjunkturmodells verhalten sich zueinander wie Räuber- und Beute-Populationen in biologischen Modellen (z.B. Lohn- und Beschäftigungsquote). Die Anfangswerte der Variablen bestimmen die (konstante) Amplitude des entstehenden Zyklus. Hinter dieser Beschreibung steht die Hypothese, dass Konjunkturschwankungen das Ergebnis von Verteilungskämpfen sind.
    (d) Neuere Ansätze, die in mittelfristigen makroökonomischen Modellen die mathematische Eigenschaft des Chaos nachweisen (Chaos-Theorie) sowie jene ökonomischen Modelle, in denen sog. Katastrophen, d.h. große plötzliche Sprünge der Variablen auftreten.
    (3) Stochastische Ansätze: Die Bedeutung zufallsbedingter Einflüsse für den Konjunkturverlauf wird in praktisch allen Konjunkturtheorien erkannt, ohne dass sie in jedem Einzelfall explizit berücksichtigt werden. Es gibt jedoch Erklärungsansätze, die gerade diese Zufallseinflüsse in das Zentrum der Konjunkturerklärung rücken. E. Slutzky (1937) zeigte bereits, dass Konjunkturschwankungen sich in ihrer zeitlichen Struktur genauso verhielten wie stochastische Zeitreihen, ohne dass damit jedoch eine Erklärung der Konjunkturschwankungen geliefert wurde. W. Krelle (1959) entwickelte ein Konjunkturmodell, in dem Entstehung, Frequenz und Amplitude der Konjunkturschwankungen rein stochastisch bedingt sind.

    a) Optimierungsansätze: In diesen Modellen werden Konjunkturschwankungen aus dem Optimierungsverhalten von Entscheidungsträgern hergeleitet. Im Vordergrund stehen hierbei Modelle der Neuen Politischen Ökonomie. Die Regierung eines demokratischen Staates maximiert z.B. die Anzahl der Wählerstimmen bei einer Wahl mit geeigneten wirtschaftspolitischen Maßnahmen unter Berücksichtigung ökonomischer Nebenbedingungen, z.B. der Phillips-Kurve. Die Lösung dieses Optimierungsansatzes führt zu einem zyklischen Verlauf von Rate der Inflation und Arbeitslosenquote, sodass diese (Konjunktur-)Schwankungen letztlich durch das politische System bedingt sind. In neuester Zeit wurde gezeigt, wie das Optimierungsverhalten im Rahmen einer staatlichen Wirtschaftspolitik Konjunkturausschläge verstärken kann.

    b) Real-Business-Cycle-Modelle (RBC-Modelle): Von den Konjunkturtheorien der Neuen Klassischen Makroökonomik sind die RBC-Modelle von bes. Bedeutung. Stochastische Schocks wirken über die Produktionsfunktion auf das gesamtwirtschaftliche Angebot ein, sodass zusammen mit Verstärkereffekten Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Produktion auftreten können, die als Konjunkturschwankungen interpretierbar sind. Die Verstärkereffekte können z.B. über die Zeitdauer der Investitionsgüterproduktion oder über substituierendes Verhalten bez. Arbeitszeit und Freizeit eingeführt werden. Die empirische Relevanz der RBC-Modelle ist allerdings umstritten.

    c) Ökonometrische Konjunkturmodelle: Für die vergangene konjunkturelle Entwicklung einer Wirtschaft wird auf der Basis theoretischer Überlegungen ein dynamisches ökonometrisches Modell statistisch geschätzt (Ökonometrie). Ist die Schätzung hinreichend gut, kann dieses ökonometrische Konjunkturmodell zur Konjunkturprognose herangezogen werden.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Gustav A. Horn
      Hans-Böckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)
      Wissenschaftlicher Direktor

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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