Direkt zum Inhalt

Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals

Definition

Mithilfe der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals lässt sich eine gesamtwirtschaftliche Investitionsfunktion entwickeln, die in negativer Weise vom Marktzinssatz und in positiver Weise von der subjektiven unternehmerischen Ertrags- oder Erlöserwartung abhängt. Diese Funktion ist ein wichtiger Bestandteil traditioneller makroökonomischer Totalmodelle.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Mithilfe dieses Konzepts lässt sich die Zinsabhängigkeit von Investitionen erklären. Investitionen erbringen im Laufe ihrer Lebensdauer Nettoerlöse. Werden alle zukünftig erwarteten Nettoerlöse mit einem Zinssatz auf den Entscheidungszeitpunkt der Investitionsdurchführung abdiskontiert, spricht man vom Kapitalwert eines Investitionsprojektes. Die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals entspricht nun demjenigen internen Zinssatz (r) des Kapitals, bei dem die Summe der abdiskontierten zukünftigen Nettoerlöse genau den Anschaffungskosten des Investitionsobjektes entspricht. Ein Investitionsobjekt ist demnach genau dann für einen Investor gewinnbringend, wenn der interne Zinssatz den Marktzinssatz für alternative Finanzanlagen (i) übersteigt - dies begründet den Begriff Grenzleistungsfähigkeit. Da verschiedene Investitionsobjekte eine unterschiedliche Grenzleistungsfähigkeit r aufweisen, gilt: Bei sinkendem Marktzinssatz (i) werden immer mehr Investitionsobjekte rentabel.

    Das Aggregat aller Investitionsobjekte einer Volkswirtschaft kann durch eine stetig verlaufende Investitionsfunktion dargestellt werden, die einen negativen Zusammenhang zwischen Marktzinssatz und gesamtwirtschaftlicher privater Investitionstätigkeit I beschreibt (vgl. Abbildung „Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals”). Die Lage dieser Kurve im i/I-Diagramm ist stark von der subjektiven unternehmerischen Ertrags- oder Erlöserwartung abhängig. Eine allg. Verbesserung (Verschlechterung) dieser Erwartung führt zu einer Rechtsverlagerung (Linksverlagerung) der Investitionsfunktion. Die unternehmerische Ertragserwartung wird damit aber auch zu einem Lageparameter der makroökonomischen IS-Gleichung und Nachfragekurve.

    Vgl. auch IS-LM-Modell, Makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften, Wachstumstheorie.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/grenzleistungsfaehigkeit-des-kapitals-35382 node35382 Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals node49032 Wachstumstheorie node35382->node49032 node39806 Kapitalwert node35382->node39806 node41037 makroökonomische Totalmodelle geschlossener ... node35382->node41037 node38805 IS-LM-Modell node35382->node38805 node39042 Multiplikator node53869 Neukeynesianische Makroökonomik geschlossener ... node37365 makroökonomische Totalmodelle geschlossener ... node53869->node37365 node41589 nachfragebeschränktes Gleichgewicht node37365->node35382 node37365->node41589 node37365->node41037 node40302 Multiplikatorprozess node40302->node49032 node43852 Smith node27867 Bruttoinlandsprodukt (BIP) node49032->node43852 node49032->node27867 node54308 Stabilisator node30342 aggregierte Angebotskurve node37780 Kapitalwertmethode node39806->node37780 node41465 Investitionsrechnung node39806->node41465 node31727 Bezugszeitpunkt node39806->node31727 node27685 Barwert node39806->node27685 node41037->node39042 node41037->node54308 node41037->node30342 node38052 Keynesianismus node41037->node38052 node51448 Güter-Geldmarkt-Modell node51448->node38805 node53624 Neoklassische Synthese node53624->node38805 node32031 Hicks node38805->node32031 node38805->node38052 node38984 makroökonomische Totalmodelle geschlossener ... node38984->node37365
      Mindmap Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/grenzleistungsfaehigkeit-des-kapitals-35382 node35382 Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals node39806 Kapitalwert node35382->node39806 node38805 IS-LM-Modell node35382->node38805 node41037 makroökonomische Totalmodelle geschlossener ... node35382->node41037 node49032 Wachstumstheorie node35382->node49032 node37365 makroökonomische Totalmodelle geschlossener ... node37365->node35382

      News SpringerProfessional.de

      • "Der beste Deal kann sich zum Flop entwickeln"

        Wie Übernahmen von Unternehmen gelingen, erklärt M&A-Experte Florian Bauer im Exklusiv-Interview. Denn der Professor für strategisches Management an der Lancaster University Management School erlebt viel zu oft, wie die Integration zugekaufter Kandidaten scheitert.

      • Aufsichtsrat – kein Job für nebenbei

        Die Zeiten, in denen Vorstände nebenher zahlreiche Aufsichtsratsmandate anhäuften, sind vorbei. Die Hauptgründe: Zeitmangel und strengere Anforderungen. Beginnt nun die Ära der Berufsaufsichtsräte?

      • "Ignoranz versucht, einen anderen zum Nichts zu machen"

        Sie wirken auf den ersten Blick harmlos: Ignoranzfallen am Arbeitsplatz. Dabei handelt es sich um Mobbing, um subtile seelische Gewalt, die Mitarbeitern an die Nieren geht. Springer-Autorin Lilo Endriss erklärt im Interview, warum Ignoranzfallen so tückisch sind.

      • Verbraucher können bald gemeinsam klagen

        Der Bundestag hat entschieden: Ab November ist es Verbrauchern möglich, über Verbände eine Musterfeststellungsklage gegen Unternehmen einzureichen, um gemeinsam Schadensersatz zu fordern. Die Opposition sieht das Gesetz kritisch.

      • Psychopath und Psychopath gesellt sich gern

        Menschen mit psychopathischen Tendenzen sind unter rüden Chefs zu Bestleistungen fähig, so eine Studie. Was nach einer Win-Win-Situation für stressige Arbeitsumfelder klingt, hat auch seine Kehrseiten.

      • Wie agil sind Unternehmen wirklich?

        Großunternehmen und Konzerne müssen große Veränderungen bei der Entwicklung und Umsetzung von digitalen Kundenstrategien bewältigen. Customer Experience-Verantwortliche sehen hier noch zuviel Silodenken in den Unternehmen.

      • Was Made in China 2025 für Europa bedeutet

        Europäische Manager schauen häufig nur nach Westen, wenn sie auf der Suche nach den neuesten Trends sind. Dagegen sollten wir unseren Blick viel stärker nach Osten – genauer nach China – ausrichten, wenn wir erkennen wollen, welche Entwicklungen die Welt herausfordern werden, meint Springer-Autor Ralf T. Kreutzer.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Hans-Werner Wohltmann
      Universität Kiel,
      Institut für Volkswirtschaftslehre
      Lehrstuhlinhaber
      Dr. Andreas Schäfer
      Universität Leipzig, Institut für Theoretische Volkswirtschaftslehre
      Akademischer Rat

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Vor dem Hintergrund der 2008 einsetzenden Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise und den darin virulent gewordenen Problemen von Liquiditätsfalle und Nullzinsgrenze haben namhafte Ökonomen wie etwa Mankiw (2009) und Buiter (2009) sich für negative …
      In einer Marktwirtschaft wird die Verwendung knapper Ressourcen gesteuert durch Preissignale. Die Preise für Güter und für Produktionsfaktoren zeigen an, welche Arten von wirtschaftlicher Aktivität gewinnbringend und damit gesellschaftlich …
      Kennziffern, bei denen ein Marktwert im Zähler steht, spielen in mehreren Teilbereichen der Wirtschaftswissenschaften eine wichtige Rolle. In der neokeynesianischen Investitionstheorie wird der Quotient aus dem Marktwert und dem Reproduktionswert …

      Sachgebiete