Direkt zum Inhalt

Allgemeine Wirtschaftspolitik

Definition

Die Allgemeine Wirtschaftspolitik ist als theoretische Grundlage der Wirtschaftspolitik zu verstehen.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Begriff
    2. Entwicklung
    3. Systematisierung
    4. Struktur
    5. Kritische Analyse

    Begriff

    Im Gegensatz zur wissenschaftlichen Analyse spezieller Bereiche der Wirtschaftspolitik (z.B. Geld-, Finanz-, Einkommens-, Verteilungs-, Konjunktur-, Wachstums-, Beschäftigungspolitik etc.) befasst sich die Allgemeine Wirtschaftspolitik mit der grundsätzlichen Systematik wirtschaftspolitischer Handlungen weitgehend ohne den konkreten Bezug auf bestimmte ökonomische Ziele oder Gegebenheiten. Auch die Analyse bestimmter wirtschaftswissenschaftlicher Theorien, die politisch-praktische Relevanz besitzen, zählt nicht direkt zum Gegenstand der Allgemeinen Wirtschaftspolitik. Jedoch können diese und andere Theorien der Makroökonomik zur praktischen Umsetzung der Allgemeinen Wirtschaftspolitik herangezogen werden. Die Allgemeine Wirtschaftspolitik bezeichnet daher die allgemeine Erklärung wirtschaftspolitischer Aktivitäten staatlicher Instanzen.

    Synonyme Bezeichnungen sind Wissenschaftliche Wirtschaftspolitik, Theorie der Wirtschaftspolitik, Economic Policy, Principals of Political Economy, Applied Economics.

    Entwicklung

    Die Entwicklung der Allgemeinen Wirtschaftspolitik ist eng mit der Entwicklung der Wirtschaftswissenschaft als wissenschaftliche Disziplin verknüpft. Dementsprechend kann das Werk von Smith „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ (1776), als erste Schrift mit wirtschaftspolitischer Relevanz angesehen werden. Im Titel dieses Buches wird eine generelle Zielsetzung der Wirtschaftspolitik, im Inhalt ein Instrumentarium mit einer stark reduzierten Einflussnahme des Staates (Nachtwächterstaat) beschrieben. Nachfolgende Werke von Malthus, Mill und Ricardo prägen den Begriff der „Political Economy“ und vermehren mit der Funktionsausweitung auch das Steuerinstrumentarium des Staates. Mit den Schriften von Marx (1818–1883) beginnt der gesellschaftspolitische Umverteilungsanspruch an die Wirtschaftspolitik und die Wandlung von der Political Economy zur aktivistischen Economic Policy. Diese Wandlung mündet in die erste systematische Theorie einer praktischen Wirtschaftspolitik mit ausgeprägten staatlichen Interventionen, ausformuliert in dem Hauptwerk von Keynes „The General Theory of Employment, Interest and Money“ (1936). Die gleichzeitig beginnende wissenschaftliche Entwicklung der Ökonometrie mit ihrer Konstruktion ökonomischer Totalmodelle und der Vision der vollständigen Steuerbarkeit der Wirtschaft endet zunächst mit der heute eher skeptischen Einschätzung differenzierter wirtschaftspolitischer Lenkungsmöglichkeiten. Gleichzeitig setzt die Erweiterung der Allgemeinen Wirtschaftspolitik um die Betrachtung von institutionellen und prozessualen Grenzen ein (Neue Politische Ökonomie).

    Systematisierung

    Um die Komplexität der Allgemeinen Wirtschaftspolitik zu strukturieren, werden verschiedentlich Aufteilungen vorgenommen, z.B. in die Gestaltung der Wirtschaftsordnung (Ordnungspolitik) und die Einflussnahme auf den wirtschaftlichen Ablauf (Prozesspolitik); gelegentlich wird diese Form der Aufteilung ergänzt durch die Einflussnahme auf die Struktur der Wirtschaft (Strukturpolitik). Eine andere Systematik folgt der Aufteilung in quantitative Wirtschaftspolitik und qualitative Wirtschaftspolitik. Allen Aufteilungen übergeordnet ist die funktionelle Systematisierung, die auf eine bestimmte Zielsetzung (wirtschaftspolitische Ziele) und den entsprechenden Instrumenteneinsatz (wirtschaftspolitische Mittel) verweist.

    Struktur

    Unter der Beachtung des allgemeinen Handlungsaspekts wirtschaftspolitischer Maßnahmen lässt sich als systematischer Fragenkatalog voranstellen: Wer macht was, warum und wie? Darauf basieren zunächst unmittelbar die charakteristischen Grundelemente der Allgemeinen Wirtschaftspolitik: Die Zielrichtung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen (warum), die Maßnahmen (Mittel der Wirtschaftspolitik) im instrumentalen Sinn selbst (was) und der Träger der Wirtschaftspolitik, den Akteur der Maßnahmen (wer).

    Die Frage nach dem Wie führt erstens zu der Forderung der Rationalität der wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Rational im grundsätzlichen Sinn von vernünftig, einsichtig und zweckmäßig verweist auf die Notwendigkeit, dass zwischen den eingesetzten Mitteln und den damit zu erreichenden Zielen ein Zusammenhang bestehen muss, der sich auch wissenschaftlich begründen lässt. Für diese wissenschaftliche Begründung ist wiederum die Anwendung einer bestimmten Methodik der Wissensgewinnung maßgeblich. Als weitere charakteristische Elemente der Allgemeinen Wirtschaftspolitik bestehen somit der wirtschaftspolitische Ziel-Mittel-Zusammenhang als inhaltliche und formale Beschreibung der zugrunde liegenden ökonomischen Theorie und die Methodologie, mittels derer diese ökonomische Theorie entwickelt wurde. Die Methodologie ist nicht zuletzt deshalb von hoher Bedeutung für die Allgemeine Wirtschaftspolitik, weil sie maßgeblich für die politische Akzeptanz einer wirtschaftspolitisch angewandten ökonomischen Theorie ist.

    Die zweite Antwort auf das Wie der wirtschaftspolitischen Maßnahme verweist auf den wirtschaftspolitischen Prozess. Wirtschaftspolitische Aktionen folgen einer allgemein formulierbaren Handlungssystematik, die in einzelne Ablaufphasen untergliedert wird (Information, Entscheidung, Durchführung, Kontrolle und Modifikation). Der wirtschaftspolitische Prozess trägt dabei in sich wieder Züge der anderen Strukturelemente (Träger, Mittel und Ziele der einzelnen Prozessphasen).

    Insgesamt lässt sich damit die Allgemeine Wirtschaftspolitik durch die Charakteristik der Strukturelemente Ziele der Wirtschaftspolitik, Mittel der Wirtschaftspolitik, Träger der Wirtschaftspolitik, wirtschaftspolitische Ziel-Mittel-Zusammenhänge, methodologische Grundlage der Wirtschaftspolitik und Prozess der Wirtschaftspolitik beschreiben.

    Kritische Analyse

    Da die Allgemeine Wirtschaftspolitik der Vorbereitung konkreter wirtschaftspolitischer Maßnahmen staatlicher Instanzen dient, die einen Eingriff in das individuell verantwortete Wirtschaften bedeuten, obliegt ihr nicht nur die (positive) Analyse der rein technischen Möglichkeiten, sondern auch die (normative) kritische Betrachtung der damit einhergehenden Werturteile. Wirtschaftspolitik ist in der allgemeinen Gesellschaftspolitik eingebunden. Fragen der Ethik, der Freiheit und des Rechts können daher aus der Gesamtbetrachtung der Allgemeinen Wirtschaftspolitik nicht ausgeklammert werden.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Allgemeine Wirtschaftspolitik Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/allgemeine-wirtschaftspolitik-29345 node29345 Allgemeine Wirtschaftspolitik node43852 Smith node29345->node43852 node40778 Makroökonomik node29345->node40778 node37597 Malthus node29345->node37597 node35214 geschlossenes Entscheidungsmodell node35214->node40778 node50048 Wettbewerbskonzepte node39624 Innovation node38674 Industrieökonomik node39624->node38674 node38674->node29345 node38674->node50048 node46326 strategisches Management node38674->node46326 node50487 Unternehmenszusammenschluss node33606 Europäisches Kartellrecht node50487->node33606 node51690 Europäisches Wettbewerbsrecht node51690->node33606 node35127 Fusion node35127->node33606 node36602 EGKS node33606->node29345 node33606->node36602 node48850 Volkswirtschaftstheorie node39468 klassische Lehre node43852->node39468 node40778->node48850 node47916 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) node40778->node47916 node38052 Keynesianismus node40778->node38052 node38023 Lohnpolitik node37240 Mindestlohn node37240->node38052 node34043 Geldpolitik node38052->node29345 node38052->node38023 node38052->node34043 node38052->node47916 node49683 Volkswirtschaftstheorie Dogmengeschichte node49683->node43852 node37597->node43852 node40095 methodologischer Individualismus node40095->node43852
      Mindmap Allgemeine Wirtschaftspolitik Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/allgemeine-wirtschaftspolitik-29345 node29345 Allgemeine Wirtschaftspolitik node43852 Smith node29345->node43852 node40778 Makroökonomik node29345->node40778 node38052 Keynesianismus node38052->node29345 node33606 Europäisches Kartellrecht node33606->node29345 node38674 Industrieökonomik node38674->node29345

      News SpringerProfessional.de

      • Enterprise Social Networks fördern Innovationen

        Der digitale Reifegrad deutschsprachiger Unternehmen verbessert sich zusehends. In allen Bereichen haben digitale Prozesse mittlerweile die analogen Formen der Zusammenarbeit überholt. Doch es gibt noch viel zu tun.

      • Konsequent digital steigert die Profite

        Je intensiver Unternehmen digitalisiert sind, desto höher ist ihr Gewinnwachstum. Allerdings braucht es dazu konsequente Strategien und den Willen zum Wandel auf allen Ebenen.

      • Warum Manager die Macht der Controller fürchten

        Die Rolle des Controllers verändert sich. Er soll gerade als Unterstützung im strategischen Bereich an Einfluss gewinnen. Doch noch ist nicht jeder Manager bereit, den Controller als Sparringspartner zu sehen.

      • So viele befriste Arbeitsverträge wie nie

        Es gibt viel zu tun für die Bundesregierung – auch beim Thema befristete Arbeitsverträge. Denn deren Zahl hat im Jahr 2017 ein Rekordhoch erreicht. Bei der Hälfte fehlt sogar der sachliche Grund.

      • Facebook und VW stehen nicht für Werte

        Cambridge Analytica bei Facebook und die nicht endende Abgasaffäre bei Volkswagen haben das Image beider Unternehmen schwer geschädigt. Verbraucher wissen nicht mehr, welcher Ethik sie folgen. Ein Gastbeitrag von Jan Döring.

      • Umweltaspekte in das Controlling integrieren

        Controlling wird mit Kennzahlen und nüchternen Fakten verbunden, selten jedoch mit dem Thema Umwelt. Eine Studie legt jedoch offen, wie wichtig es ist, Umweltaspekte mit dem Controlling zu verzahnen.

      • Mittelstand tut sich mit Kreditfinanzierung schwer

        Fast 15 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) haben laut einer aktuellen Studie keine ausreichenden Mittel zur Finanzierung nötiger betrieblicher Investitionen. Ähnlich sieht das Bild in Großbritannien und noch schlechter in Frankreich aus.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb
      Universität Siegen
      Außerplanmäßiger Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Aber das Lohngefälle zwischen Mann und Frau wächst, zeigt eine Studie. Die Politik hat zwar das Entgelttransparenzgesetz geschaffen, doch damit können Mitarbeiter offenbar wenig anfangen. 
      Magaret Abraham, Präsidentin der „International Sociological Association“ (Hofstra University), gab am ersten Veranstaltungstag in ihrem Referat eine eindringliche Situationsbeschreibung: We are today poised at a critical juncture in history when …
      Der aktuelle Mehrjährige Finanzrahmen der EU läuft Ende 2020 aus. Die EU-Kommission hat mittlerweile ihren Vorschlag für 2021 bis 2027 vorgelegt. Trotz der hochfliegenden Pläne Emmanuel Macrons für eine „Neugründung“ Europas sind im Budget eher …

      Sachgebiete