Direkt zum Inhalt

Ziel-Mittel-Zusammenhang

Definition

Funktionale Verbindung zwischen den eingesetzten wirtschaftspolitischen Mitteln und den damit erreichten Werten der wirtschaftspolitischen Ziele.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Ziel-Mittel-Beziehung, Ziel-Mittel-Funktion. 1. Begriff: Der Ziel-Mittel-Zusammenhang beinhaltet die wirtschaftspolitisch verwendbare Formulierung bestimmter wirtschaftwissenschaftlicher Theorien. Für seine politisch-praktische Akzeptanz ist bes. entscheidend, auf welcher methodologischen Grundlage die zugrunde liegende wirtschaftswissenschaftliche Theorie entwickelt wurde (Methodologie).

    2. Spezifikation: a) Formell wird der Ziel-Mittel-Zusammenhang zunächst durch eine allg.  mathematische Funktion dargestellt:

    Z = f(M),

    wobei: M = Element der Gesamtmenge möglicher Mitteleinsatzwerte und Z = Element der mit dieser Funktion erreichbaren Zielwerte. Für den praktischen Einsatz ist die Spezifikation dieser Funktion notwendig. Die allg. analytische Funktion (z.B. Z = a × m + b) reicht dabei nicht aus. Erst die numerisch spezifizierte Funktion (z.B. Z = 0,5 × M + 2) eröffnet die Möglichkeit der Lösung von Zielaufgaben.

    b) Das einfache Schema des Ziel-Mittel-Zusammenhangs lässt sich ausweiten auf eine multivariable Funktion

    Z = f(M1, M2, M3, ..., Mn),

    bei denen eine Kombination von Mitteleinsätzen (M1, M2, M3, ..., Mn) den Zielwert Z beeinflusst. Sind für die verschiedenen Mitteleinsatzkombinationen bestimmte Varianten ausgeschlossenen, liegt ein Ziel-Mittel-Zusammenhang mit Nebenbedingung vor. In der Mikroökonomik ist diese Situation z.B. bei der Nutzenmaximierung mit Budgetrestriktion gegeben.

    Die Nebenbedingung ist ebenfalls zu formulieren (z.B. g (M1, M2, M3, ..., Mn) = 0) und numerisch zu spezifizieren. Die Lösung der Zielaufgabe bedingt nun die Lösung eines Gleichungssystems aus Ziel-Mittel-Funktion und Nebenbedingung.

    c) Eine zusätzlich Erweiterung des Gleichungssystems resultiert aus der simultanen Verfolgung mehrerer Zielwerte (Zielbündel):

    Z1 = f1(M11, M21, M31, ..., Mn1),

    Z2 = f2(M12, M22, M32, ..., Mn2),

    Z3 = f3(M13, M23, M33, ..., Mn3) etc.,

    wobei als weitere Nebenbedingung ein Ausschluss bestimmter Zielwertekombinationen bestehen kann (Zielkonflikte): h (Z1, Z2, Z3, ...) = 0.

    d) Weitere Spezifikationsvarianten beziehen die Zeitdimension ein (dynamische Modelle) und unterscheiden Ziel- und Mittelwerte, die zu bestimmten Zeitpunkten oder in bestimmten Zeitperioden realisiert werden.

    3. Lösung: Die praktische Anwendung der Ziel-Mittel-Zusammenhänge bedingt stets die Lösung der Zielaufgabe, die durch die Festlegung eines bestimmten Zielwertes Z* (bei Zielbündeln einer bestimmten Zielwertekombination) gestellt wird. Gesucht ist/sind demnach der oder die Mitteleinsatzwerte, die zu den vorgegebenen Zielwerten führen. Im mathematischen Sinn bedeutet dies die Auflösung der Funktion Z*= f(M) nach M.

    Die Lösung des Ziel-Mittel-Zusammenhangs kann zum einen an den mathematischen Grenzen bestimmter Gleichungssysteme scheitern, deren nichtexistente oder nichtbestimmbare Lösungen bereits auf der allg. analytischen Ebene beweisbar sind. Zum anderen kann die Nichtlösbarkeit an den mangelhaften oder unmöglichen numerischen Spezifikationen liegen.

    Wenngleich die ständig weiter entwickelten Methoden der Ökonometrie zunächst die Hoffnung auf immer bessere numerische Spezifikationen von Ziel-Mittel-Zusammenhängen verbreiteten, hat sich zuletzt eine zunehmende Skepsis gegenüber den Spezifikationsmöglichkeiten entwickelt. Dies gilt v.a. für die komplexen Totalmodelle der wirtschaftspolitischen Feinsteuerung.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Ziel-Mittel-Zusammenhang Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/ziel-mittel-zusammenhang-48211 node48211 Ziel-Mittel-Zusammenhang node37562 Methodologie node48211->node37562 node39342 Mikroökonomik node48211->node39342 node45537 Objektivität node42884 Operationalisierbarkeit node45537->node42884 node40095 methodologischer Individualismus node39199 Kritischer Rationalismus node37562->node40095 node37562->node39199 node29345 Allgemeine Wirtschaftspolitik node37562->node29345 node38677 Induktion node37562->node38677 node44735 Ordnungspolitik node38052 Keynesianismus node38052->node29345 node34332 Ethik node29345->node48211 node29345->node44735 node29345->node34332 node40778 Makroökonomik node29345->node40778 node50933 wirtschaftspolitisches Ziel node50933->node48211 node51205 Wirtschaftssubjekt node39342->node51205 node39342->node40778 node47459 wirtschaftspolitische Mittel node47459->node48211 node42884->node48211 node42884->node47459 node42650 Operationalisierung node42650->node48211 node42650->node50933 node42650->node47459 node42650->node42884 node42040 Produktion node42040->node39342 node42919 Produzentenrente node42919->node39342
      Mindmap Ziel-Mittel-Zusammenhang Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/ziel-mittel-zusammenhang-48211 node48211 Ziel-Mittel-Zusammenhang node39342 Mikroökonomik node48211->node39342 node37562 Methodologie node48211->node37562 node42650 Operationalisierung node42650->node48211 node42884 Operationalisierbarkeit node42884->node48211 node29345 Allgemeine Wirtschaftspolitik node29345->node48211

      News SpringerProfessional.de

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Bücher auf springer.com

      Sachgebiete