Direkt zum Inhalt

Demografiemanagement

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Begriff
    2. Arten
      1. Arbeitsmarkt
      2. Absatzmarkt
      3. Gesundheitsmarkt

    Begriff

    Der Begriff Demografiemanagement lehnt sich an den Begriff des demografischen Wandels an. Demografiemanagement meint den Umgang mit den Auswirkungen des demografischen Wandels und das aktive Gestalten dessen. Der demografische Wandel wird oftmals gleichgesetzt mit der Vorstellung einer alternden Gesellschaft, wobei diese nur einen Teil des demografischen Wandels ausmacht. Der demografische Wandel beschreibt die folgenden vier Elemente der Bevölkerungsentwicklung:

    • die Altersstruktur der Bevölkerung,
    • die Entwicklung der Geburten- und Sterbensrate,
    • die Migration von und nach Deutschland sowie
    • das quantitative Verhältnis beider Geschlechter.

    Die folgende Abbildung veranschaulicht die genannten vier Elemente sowie den Einfluss des Demografiemanagements auf den Arbeitsmarkt, den Absatzmarkt und dem Gesundheitsmarkt:

    Abbildung 1: Eigene Darstellung.

    Arten

    Im Folgenden werden die Auswirkungen des demografischen Wandels auf folgende drei Themenbereiche beschrieben.

    Arbeitsmarkt

    Unternehmen in Deutschland werden vor die Herausforderung gestellt, dass die Anzahl der Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt abnimmt sowie das Arbeitspersonal zunehmend älter wird. Dies hat zur Folge, dass innerhalb der Unternehmen langfristig die Tendenz der Altersverteilung sich zu einer Generation der Über-50-Jährigen verlagert. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die gesetzliche Verlängerung der Lebensarbeitszeit sowie dem Wegfall der Altersteilzeit. Geburtenschwache Jahrgänge erschweren Unternehmen, qualifiziertes Nachwuchspersonal zu gewinnen.

    Die demografische Entwicklung wirkt sich auf ein Unternehmen auf zwei Ebenen aus:

    • Auswirkungen auf den Standort des Unternehmens, wobei diese Auswirkungen von äußeren und weniger steuerbaren Einflüssen wie z. B. der Politik, der Wirtschaft, der Bildung und den gesellschaftlichen Werten abhängen,
    • Direkt betriebliche Auswirkungen auf das Unternehmen bedingt durch Veränderungen des Arbeitsmarkts und der Mitarbeiterfindung und -bindung.

    Letztere Auswirkungen werden durch ein betriebliches Demografiemanagement gesteuert. Das betriebliche Demografiemanagement beschreibt alle betrieblichen Aktivitäten in einem Unternehmen, welche versuchen, den Folgen des demografischen Wandels entgegenzuwirken. Im Besonderen zeigen sich diese Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter innerhalb eines Unternehmens.

    Absatzmarkt

    Die Auswirkungen des demografischen Wandels bereiten Unternehmen nicht nur Schwierigkeiten wie Fachkräfteengpässe und Nachfolgeprobleme, sondern bieten auch Chancen. Bislang wurden die Auswirkungen auf die Absatzmärkte wenig beachtet. Die Alterung der Bevölkerung bringt strukturelle Veränderungen im Konsum von Waren und Dienstleistungen. Da zudem der Bevölkerungsanteil der älteren Konsumentengruppe immer weiter steigt, gewinnt ihre Nachfrage im gesamtwirtschaftlichen Konsum immer mehr an Gewicht. Hinzu kommt es durch die hohe Zuwanderung ins Land und der Abwanderung vom Land in die Städte zu einer räumlichen Verschiebung der Nachfrage. Zielgruppen wie Senioren und Migranten werden für Unternehmen zunehmend wichtiger, was somit eine Relevanz für Senioren-Marketing und Ethno-Marketing darstellt.

    Gesundheitsmarkt

    Der Gesundheitsmarkt ist ein Querschnittsbereich der deutschen Wirtschaft mit überdurchschnittlichen Wachstums- und Beschäftigungsraten. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft (1,3 Prozent) beträgt das durchschnittliche Wachstum der Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft 2,2 Prozent (Zeitraum 2000 – 2013). Gleichzeitig verzeichnet auch der Anteil der Erwerbstätigen in der Gesundheitswirtschaft höhere Zuwachsraten als in der Gesamtwirtschaft (1,8 Prozent vs. 0,5 Prozent, Zeitraum 2000 – 2014). Mit über 6 Millionen direkt Beschäftigten und einem Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung von 11,1 Prozent belegen die Ergebnisse der gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung 2015 diese führende Stellung der Gesundheitswirtschaft als bedeutsamsten Wirtschaftszweig Deutschlands.

    Wie auf jedem anderen Markt auch, vereint der Gesundheitsmarkt Angebot und Nachfrage gesundheitsrelevanter Waren und Dienstleistungen. Vor dem Hintergrund der zentralen Stellung und wachsenden Bedeutung des Gesundheitsmarktes als Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber gilt es jedoch einige Besonderheiten zu beachten. Denn anders als auf vollkommenen Märkten, wirken dynamische Mechanismen von Angebot und Nachfrage im triangulierten Gesundheitsmarkt nur sehr bedingt.

    Abbildung 2: Eigene Darstellung.

     

    Aufgrund einer Reihe von Marktunvollkommenheiten zwischen Leistungserbringern, Leistungsempfängern und Kostenträgern sind regelmäßige gesetzliche Eingriffe in die Strukturen, Prozesse und Angebote eines „regulierten“ Gesundheitsmarkts nahezu unvermeidlich. Daher wird der Gesundheitsmarkt nicht primär durch Marktmechanismen, sondern durch politische bzw. gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse gesteuert. Diese weitgehende Ausschaltung marktgetriebener Strukturanpassungsleistungen wirft in der Analyse und Gestaltung von Prozessen des Gesundheitsmarktes zwei relevante Problemstellungen auf:

    1) Unter welchen Bedingungen kann eine optimale Allokation knapper Ressourcen erreicht werden?

    2) Unter welchen Bedingungen muss potenzielles Marktversagen durch staatliche Eingriffe korrigiert werden?

    Zur Sicherstellung einer optimalen Ressourcenallokation kommen daher zunehmend gesundheitsökonomische Evaluationen zur Anwendung, um kosteneffizient gesundheitspolitische Maßnahmen bzw. Intervention zu identifizieren und entscheidungsrelevante Information zu erarbeiten. Darüberhinaus verstärkt das Allokationsproblem aber auch den Handlungsbedarf zur Prozessoptimierung, Qualitätsorientierung und -sicherung, um knappe Gesundheitsressourcen so zu einzusetzen, dass eine möglichst hohe Qualität und Quantität an Gesundheitsdienstleistungen erreicht werden kann.

    Als Querschnittsbereich charakterisieren den Gesundheitsmarkt naturgemäß eine ausgeprägte Akteursheterogenität, multiple Interessenlagen, komplexe Sachthemen und dynamische Entwicklungsprozesse. Gleichzeitig prägen starke Informationsasymmetrien, eingeschränkte Steuerungsfähigkeiten und eine hohe Sensibilität seitens der Bevölkerung die unterschiedlichen Interessen auf dem Gesundheitsmarkt.

    Abbildung 3: Eigene Darstellung.

     

    Darüberhinaus hat sich der Gesundheitsmarkt den letzten Jahren durch Veränderungen sowohl auf der Angebots- wie auch der Nachfrageseite maßgeblich verändert. Einer wettbewerbsgetriebenen Diversifizierung auf der Angebotsseite steht auf der Nachfrageseite eine Zunahme chronischer Erkrankungen sowie Multimorbidität gegenüber. Die resultierenden Problemstellungen bezüglich einer nicht-marktgetriebenen Verteilung knapper Ressourcen sind entsprechend umfangreich und in ihrer Komplexität schwer zu überschätzen.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Demografiemanagement Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/demografiemanagement-99596 node99596 Demografiemanagement node32471 Evaluation node99596->node32471 node53552 Senioren-Marketing node99596->node53552 node52684 Ethno-Marketing node99596->node52684 node44033 Personalmanagement node44033->node32471 node54079 Mensch-Maschine-Interaktion node54079->node32471 node50429 Training node50429->node32471 node51767 Disease Management node51767->node32471 node48977 Zielgruppe node52684->node48977 node37976 Konsumentenverhalten node52684->node37976 node39772 Kommunikationsbeziehung node52684->node39772
      Mindmap Demografiemanagement Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/demografiemanagement-99596 node99596 Demografiemanagement node32471 Evaluation node99596->node32471 node53552 Senioren-Marketing node99596->node53552 node52684 Ethno-Marketing node99596->node52684

      News SpringerProfessional.de

      • Persönlichkeit und Motivation müssen stimmen

        Beim Besetzen vakanter Stellen achten Vertriebsleiter oft stärker auf die fachliche Qualifikation der Bewerber als auf deren Persönlichkeit und Motivation. Michael Schwartz, Leiter des Instituts für integrale Lebens- und Arbeitspraxis in Esslingen, erläutert, warum diese beiden Faktoren im Vertrieb so wichtig sind.

      • Neue Recruitingstrategien gegen den Fachkräftemangel

        Für den deutschen Mittelstand wird der Fachkräftemangel zum Geschäftsrisiko, zeigen Studien. Und die Situation soll sich noch verschärfen. Höchsten Zeit also, bei der Personalbeschaffung neue Weg zu gehen, so Gastautor Steffen Michel. 

      • Weniger IPO-Prospekt, dafür mehr Anlegerschutz

        Wer sich bislang per Börsengang Geld am Kapitalmarkt besorgen wollte, musste einen aufwendigen Prospekt erstellen. Eine Neuregelung sorgt jetzt bei kleineren IPOs (Initial Public Offering) für Abhilfe. Wie die Voraussetzungen aussehen, erklärt Rechtsanwalt Jörg Baumgartner in seinem Gastbeitrag.

      • Whatsapp startet Business-Offensive

        Im Servicefall können Verbraucher einige Unternehmen bereits über den Messenger-Dienst Whatsapp kontaktieren. Doch was passiert, wenn der Kundenservice Nachrichten initiativ versendet? Ein neues Business-Tool soll genau das ermöglichen.

      • Kundennutzenmodelle im B2B-Vertrieb von E-Marktplätzen

        Elektronische B2C-Marktplätze müssen ihre über Jahre errungene dominante Marktstellung in Gewinne umzumünzen, ohne ihre Marktstellung zu gefährden. Dazu gehört, Preise für langjährige Händler drastisch zu erhöhen. Kundennutzenmodelle spielen dabei eine wichtige Rolle.

      • "Belastete Geschäftsmodelle sind meistens nicht genug innoviert"

        Der ehemalige Roland-Berger-Krisenberater Thomas Knecht hat an der Spitze von Hellmann den Turnaround des weltweiten Logistikers geschafft. Branche und Wirtschaft fordert er zu mehr Wachsamkeit auf. Im Interview spricht er über Anpassungsfähigkeit und Insolvenzschutz.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Julia Siegmüller
      EUFH - Europäische Fachhochschule Rhein/Erft
      Professur für Therapieforschung und Therapiemethodik in den Gesundheitsberufen
      Prof. Dr. habil. Robin Haring
      Europäische Fachhochschule Rhein/Erft GmbH
      Professor für Gesundheitswissenschaften
      Nasika Daoudi
      Europäische Fachhochschule Rhein/Erft GmbH
      Wissenschaftliche Mitarbeiterin
      Prof. Dr. Tanju Aygün
      Europäische Fachhochschule in Neuss
      Professor und Studiendekan Handelsmanagement

      Bücher

      Fleßa, S., Greiner, W. : Grundlagen der Gesundheitsökonomie - Eine Einführung in das wirtschaftliche Denken im Gesundheitswesen.
      2013
      Rosenbrock, R., Gerlinger, T. : Gesundheitspolitik - Eine systematische Einführung.
      2006
      Schöffski, O., Graf von der Schulenburg, JM : Gesundheitsökonomische Evaluationen
      2012
      Meyer-Hentschel, H./Meyer-Hentschel, G. (Hrsg.): Jahrbuch Senioren-Marketing 2010/2011
      Frankfurt, 2010
      Bieritz, L., Stöver, B. und Wolter, M. I.: Doch noch nicht weniger und älter. Die Folgen der Zuwanderung für Arbeitsmarkt, Bauinvestitionen, Bildungsbranchen und Gesundheitswesen in Deutschland.
      S. In: Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung. BBSR-Online-Publikation Nr. 04/2017: „Regionale Implikationen der Zuwanderung aus dem Ausland in Deutschland Dezembertagung der DGD-Arbeitskreise ‚Städte und Regionen‘, ‚Migration, Integration, Minderh

      Zeitschriften

      Busse, R.: Gesundheitsökonomie - Ziele, Methodik und Relevanz.
      2006, S. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz. 49:3-10.

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Unter welchen Bedingungen gelingt gesundes und motiviertes Arbeiten über eine verlängerte Lebensarbeitszeit hinweg? Wie kann konstruktiv mit demografischen Konfliktfeldern im Betrieb umgegangen werden? Diesen und anderen Fragen widmen sich die Aut
      Die Generation YGeneration Y , als Repräsentantin der aktuell jüngsten Belegschaftsgruppe in Unternehmen, ist Gegenstand des Interesses von Wissenschaft und Praxis gleichermaßen. Um ihre Ziele, Wertvorstellungen und Karriereorientierung empirisch …
      Nachdem in diesem Buch einige Beiträge zum „Jungend forscht“ zu finden sind, möchte ich Sie hier mitnehmen zu einem Thema, das sich mehr mit der „Generation Herbst“, das heißt der älteren Mitarbeiter 50 +, in Unternehmen beschäftigt und trotzdem oder

      Sachgebiete