Direkt zum Inhalt

Energiegesellschaften

Definition

Energiegesellschaften sind Zusammenschlüsse von natürlichen oder juristischen Personen, regelmäßig zum Zwecke der Förderung einer regionalen und umweltverträglichen und/oder auch autarken Energieversorgung.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Der Wechsel von einer konventionellen Erzeugungsstruktur zu einer nachhaltigen Energieversorgung im Zuge der Energiewende eröffnet zunehmend auch aktiven Bürgern neue Perspektiven, sich in die regionale Energieversorgung einzubringen. Eine Möglichkeit besteht in der Gründung einer sogenannten „Energiegesellschaft“, einer Vereinigung von natürlichen oder juristischen Personen, regelmäßig zum Zwecke der Förderung einer regionalen und umweltverträglichen und/oder auch autarken Energieversorgung. Energiegesellschaften sind sehr unterschiedlich organisiert, zum Beispiel als eingetragene Genossenschaft (e.G.), als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), als GmbH & Co. KG oder als eingetragener Verein (e.V.). Dabei ist die Wahl der Rechtsform als eingetragene Genossenschaft jedoch vor dem Hintergrund besonders verbreitet, dass unternehmerische und zugleich basisdemokratische Elemente vereint werden können. Zahlreiche Energiegesellschaften legen den Schwerpunkt ihres Engagements auf die Errichtung und den Betrieb von Photovoltaik- oder Windkraft-Anlagen, hinzu kommen vermehrt auch Projekte im Bereich von Blockheizkraftwerken, Nahwärmenetzen und Energieeffizienzmaßnahmen.

    2. Ziele: Energiegesellschaften setzen sich regelmäßig zum Ziel, eine unabhängige und versorgungssichere Energiebelieferung in der Region zu etablieren. Gleichzeitig verbleibt damit ein erheblicher Teil der geleisteten Wertschöpfung in der Kommune und wird der Klima- und Umweltschutz gefördert. Zudem stellt ein Zusammenschluss in einer Energiegesellschaft eine zielgerichtete Möglichkeit dar, bürgerschaftliches Engagement mit kommunalwirtschaftlichem Handeln zu verknüpfen.

    3. Aktuelle Entwicklungen: Mit dem Erlass des Gesetzes zur Einführung von Ausschreibungen für Strom aus erneuerbaren Energien und zu weiteren Änderungen des Rechts der erneuerbaren Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG) und dessen Inkrafttreten am 01.01.2017 wurden die Perspektiven von Energiegesellschaften zunächst aufgewertet. Der neu eingefügte § 36g EEG 2016 sollte Bürgerenergiegesellschaften fortan erleichterte Bedingungen für die Teilnahme an Ausschreibungen für Windenergieanlagen an Land zusichern. Nach der Gesetzesbegründung wird damit dem Umstand Rechnung getragen, dass Bürgerenergiegesellschaften einen wesentlichen Anteil zur notwendigen Akzeptanz von neuen Windenergieprojekten an Land beigesteuert und damit zum Fortschritt der Energiewende beigetragen haben.  Mit der Neuregelung eröffneten sich für Energiegesellschaften Perspektiven in Bezug auf  die zukünftige Anlage- und Investitionstätigkeit sowie Erleichterungen im Verfahren der Zuschlagserteilung. Das „Gesetz zur Förderung von Mieterstrom und zur Änderung weiterer Vorschriften des Erneuerbare-Energien-Gesetzes“, das am 29.06.2017 vom Bundestag beschlossen wurde und am 07.07.2017 den Bundesrat passiert hat, stellt für das Engagement von Bürgerinitiativen einen schweren Rückschlag dar. Unter anderem hat sich der Gesetzgeber dafür entschieden, für die Ausschreibungsrunden zu den Gebotsterminen am 01.02.2018 und am 01.05.2018 die Privilegierung von Energiegesellschaften auszusetzen. Damit werden erneut verlässliche Rahmenbedingungen erforderlich, um die Finanzierung der Geschäftsmodelle der Energiegesellschaften abzusichern.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      News SpringerProfessional.de

      • "Das Silicon Valley ist nicht über Nacht entstanden"

        Wenn es ein Digitalisierungs-Mekka gibt, in das deutsche Manager pilgern, ist es das Silicon Valley. Was Unternehmen von den US-Vorreitern lernen und ob sie die 180-Grad-Wende schaffen können, beantworten Sven Grote und Rüdiger Goyk im Gespräch.

      • Utility 4.0 – mehr als eine Worthülse?

        Vierpunktnull auf Teufel komm raus. Kein Themengebiet scheint heute ohne das Zahlenkürzel '4.0' auszukommen. Mit Utility 4.0 ist dieses Phänomen nun auch im Energiesektor angekommen. Zu Recht?

      • Das blaue Jobwunder der Digitalisierung

        Immer mehr Studien prognostizieren, dass die digitale Transformation insgesamt keine Arbeitsplätze kostet. Denn es entstehen auch jede Menge neue Jobs. Die erfordern jedoch andere Kompetenzen.

      • Starke Teams lassen Risiken zu

        "Werde eins mit deinem Projekt", proklamierte vor Jahren eine Baumarktkette. Ein kerniger Slogan, der seine Parallele in einer Google-Studie findet: Teammitglieder die risikobereit in ihrer Aufgabe aufgehen, arbeiten effektiver.

      • "Freibeträge in Abfindungsregelungen wieder einführen"

        Seit 1. Januar gilt die Institutsvergütungsverordnung (IVV). Mit ihr wurden in erster Linie die Anforderungen der Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA für eine solide Vergütungspolitik in deutsches Recht umgesetzt. Wie sich das auf die Personal- und Abfindungsstrategien bei den Banken auswirkt, erklärt Jurist Christoph Abeln im Interview.

      • So teuer wird der Fachkräftemangel

        Dass der Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft bremst, ist nicht neu. Allerdings war bislang nicht klar, wie sehr fehlendes Personal zu Buche schlägt. Einer Studie zufolge drohen bis zum Jahr 2030 wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. 

      • KMU zögern bei tiefgreifender Digitalisierung

        Der digitale Wandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus. Viele kleine und mittelständische Unternehmen haben das nicht vollends erkannt, weshalb sie sich auf die Optimierung einzelner interner Prozesse versteifen.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Ines Zenke
      Becker Büttner Held (BBH), Rechtsanwälte • Wirtschaftsprüfer • Steuerberater
      Partner, Rechtsanwältin/Fachanwältin für Verwaltungsrecht

      Zeitschriften

      Maus, H.: Beitrag zur Energiewende in bürgerschaftlicher Hand; in: Stadt und Gemeinde
      2011, S. 298-299
      Strobel, E.: BürgerEnergiegenossenschaften – eine Bereicherung für die Kommune, in: Die Gemeinde (BWGZ)
      2012, S. 732-733

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Die Transformation des Energiesystems in Deutschland ist durch eine hohe Akteursvielfalt gekennzeichnet. Genaue Zahlen hierzu gibt es allerdings nicht, allenfalls Schätzungen für den Anteil unterschiedlicher Akteursgruppen an der installierten …
      Nach Schätzungen von Experten laufen deutschlandweit in den Jahren 2010 bis 2016 etwa 8 000 der insgesamt rund 14 000 Konzessionen im Strombereich aus (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Baden-Württemberg, 2012). Das sind fast 60 % aller Stromnetzkonzessionen, über die in einem relativ kurzen Zeitfenster entschieden werden muss. 
      Nachfolgend werden fünf verschiedene Akteurstypen identifiziert, die aus regime-, struktur- und kontextspezifischen Gründen sowohl Treiber als auch Hemmnis (oder sogar beides gleichzeitig) für das Voranschreiten einer Energiewende sind. Dabei …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

        Sachgebiete