Direkt zum Inhalt

Sektorkopplung

Definition

Sektorkopplung ist die Verschränkung von Strom, Wärme, Mobilität und Industrieabläufen zum Zwecke der Senkung von Kohlenstoffdioxidemissionen.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Zum Beginn des umfassenden energiepolitischen Prozesses im Übergang von der Energiegewinnung aus fossilen und nuklearen Energieträgern zu einer nachhaltigen Energieversorgung, der als Energiewende bezeichnet wird, wurden die Sektoren Elektrizität, Wärmeversorgung und Verkehr selten gemeinsam betrachtet und bewertet. Der Begriff der Sektorkopplung verklammert daher zwei energiewirtschaftliche Leitgedanken: Vor allem bezieht sich der Begriff auf die Verschränkung von Strom, Wärme, Mobilität und Industrieabläufen zum Zwecke der Senkung von Kohlenstoffdioxidemissionen. Daneben steht das Konzept der Sektorkopplung für eine zunehmende Flexibilisierung von Stromerzeugung und –nachfrage. Ein etabliertes Beispiel für Sektorkopplung ist das Nutzen von Wärme, die als Nebenprodukt der Stromerzeugung entsteht (sog. „Kraft-Wärme-Kopplung“). Bisher stehen Konzepte zur Weiterleitung von überschüssigem Strom zur Erzeugung von Wärme (Power-to-Heat) oder zur Herstellung von Brenngas (Power-to-Gas) im Fokus der öffentlichen Debatte. Diskutiert werden aber zunehmend auch andere Kopplungsmodelle wie etwa Power-to-Mobility, Power-to-Valuables und Power-to-Liquids.

    2. Ziele: Das Konzept der Sektorkopplung hat zum Ziel, die Durchlässigkeit für Energieflüsse zwischen den Sektoren Strom, Wärme, Mobilität und Industrie zu erhöhen und damit letztlich den Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien voranzubringen. Überschüssige Energie aus der zeitweise stark schwankenden Einspeisung von Wind- und Solarstrom kann in den Sektoren Wärme, Mobilität und Industrie zum Einsatz kommen, ohne dass es einer volkswirtschaftlich ineffizienten Abregelung von überproduktiven Anlagen bedarf. Darüber hinaus weist die Sektorkopplung Potenziale bezüglich der Flexibilisierung der Energieversorgung auf, wonach ab- und zuschaltbare Lasten der Wärme-, Mobilität- und Industriesektoren ihren Strombedarf an den aktuellen Erfordernissen des Stromsystems ausrichten können.

    3. Ausblick: Die Entwicklung einer verstärkten Sektorkopplung kommt nur langsam vorwärts, was insbesondere auf den lückenhaften Rechtsrahmen zurückzuführen ist, der Unternehmen der Bereiche Strom, Wärme, Mobilität und Industrie nur geringe wirtschaftliche Anreize für Investitionen setzt. Erforderlich sind daher ein ganzheitlicher und verlässlicher gesetzgeberischer Ansatz und eine technologieoffene und innovationsfreundliche Regulatorik.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      News SpringerProfessional.de

      • "Das Silicon Valley ist nicht über Nacht entstanden"

        Wenn es ein Digitalisierungs-Mekka gibt, in das deutsche Manager pilgern, ist es das Silicon Valley. Was Unternehmen von den US-Vorreitern lernen und ob sie die 180-Grad-Wende schaffen können, beantworten Sven Grote und Rüdiger Goyk im Gespräch.

      • Utility 4.0 – mehr als eine Worthülse?

        Vierpunktnull auf Teufel komm raus. Kein Themengebiet scheint heute ohne das Zahlenkürzel '4.0' auszukommen. Mit Utility 4.0 ist dieses Phänomen nun auch im Energiesektor angekommen. Zu Recht?

      • Das blaue Jobwunder der Digitalisierung

        Immer mehr Studien prognostizieren, dass die digitale Transformation insgesamt keine Arbeitsplätze kostet. Denn es entstehen auch jede Menge neue Jobs. Die erfordern jedoch andere Kompetenzen.

      • Starke Teams lassen Risiken zu

        "Werde eins mit deinem Projekt", proklamierte vor Jahren eine Baumarktkette. Ein kerniger Slogan, der seine Parallele in einer Google-Studie findet: Teammitglieder die risikobereit in ihrer Aufgabe aufgehen, arbeiten effektiver.

      • "Freibeträge in Abfindungsregelungen wieder einführen"

        Seit 1. Januar gilt die Institutsvergütungsverordnung (IVV). Mit ihr wurden in erster Linie die Anforderungen der Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA für eine solide Vergütungspolitik in deutsches Recht umgesetzt. Wie sich das auf die Personal- und Abfindungsstrategien bei den Banken auswirkt, erklärt Jurist Christoph Abeln im Interview.

      • So teuer wird der Fachkräftemangel

        Dass der Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft bremst, ist nicht neu. Allerdings war bislang nicht klar, wie sehr fehlendes Personal zu Buche schlägt. Einer Studie zufolge drohen bis zum Jahr 2030 wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. 

      • KMU zögern bei tiefgreifender Digitalisierung

        Der digitale Wandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus. Viele kleine und mittelständische Unternehmen haben das nicht vollends erkannt, weshalb sie sich auf die Optimierung einzelner interner Prozesse versteifen.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Ines Zenke
      Becker Büttner Held (BBH), Rechtsanwälte • Wirtschaftsprüfer • Steuerberater
      Partner, Rechtsanwältin/Fachanwältin für Verwaltungsrecht

      Zeitschriften

      Buchmüller, C./Hennig, B.: Zuschaltbare Lasten, Innovationsausschreibungen, Experimentierklauseln und vieles mehr - Die Entstehung eines Rechtsrahmens für die Sektorkopplung; in: Zeitschrift für Neues Energierecht (ZNER)
      2016, S. 384-391
      Reiche, K.: Energiewende gewinnt nur ganzheitlich mit Sektorkopplung; in: e|m|w Zeitschrift für Energie, Markt, Wettbewerb 1/2017
      2017, S. 6

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Dieses essential beschreibt die energiewirtschaftsrechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen Energiespeicher heute im Zusammenspiel mit anderen Flexibilitätsoptionen agieren können. Da Speicher als Letztverbraucher behandelt werden, können Abgaben, Entgelte und Umlagen beim Strombezug eines Speichers grundsätzlich anfallen. 
      Mit der Sektorkopplung wird die Nutzung von (erneuerbarem) Strom für die Sektoren Wärme und Verkehr sowie ggf. auch der Einsatz in industriellen Anwendungen, die derzeit auf Basis fossiler Rohstoffe stattfinden, bezeichnet. 
      Wasserstoff wird heute vorwiegend aus Kohlenwasserstoffen erzeugt und weltweit als Grundstoff in einer Vielzahl von chemischen Prozessen in der Industrie eingesetzt. Derzeit erlangt Wasserstoff eine zunehmend größere "sichtbare" Bedeutung als sauberer Energieträger und Mobilitätskraftstoff und nicht zuletzt als wesentliches Bindeglied für die sogenannte "Sektorkopplung". 

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

        Sachgebiete