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IP-Management

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: engl. Abk. für Intellectual Property Management (intellectual property = geistiges Eigentum). Es geht also um das Management des geistigen Eigentums (Marken, Patente, Know-how etc.) in Unternehmen. Geistiges Eigentum ist eine der vier Kategorien immateriellen Unternehmensvermögens („intangible assets“; immaterielles Wirtschaftsgut):
    a) Humankapital, verkörpert in den Fertigkeiten, im Wissen und in der Erfahrung von Belegschaft und Management;
    b) strukturelles Kapital, bestehend aus organisationsspezifischen Unternehmensstrukturen, den Unternehmensprozessen und –routinen;
    c) Beziehungskapital in Form der Vernetztheit mit unterschiedlichen Anspruchsgruppen, wie Lieferanten, Kunden, Kooperationspartnern, Investoren etc.;
    d) geistiges Eigentum mit Verfügungsrechten über angemeldete und registrierte Schutzrechte, nämlich: Marken, Patente, Gebrauchsmuster, Geschmacksmuster, Internet-Domains, und nicht registrierte Schutzrechte oder Schutzrechtspositionen, wie der Name bzw. die Firma eines Unternehmens, die Namen oder besonderen Bezeichnungen (Titel) seiner Druckschriften oder sonstigen Veröffentlichungen, seine Urheberrechte, die nicht eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster, seine Software-Entwicklungen, gewährte oder erworbene Lizenzen, alle Erfindungen und sonstigen Schöpfungen, das gesamte Know-how eines Unternehmens sowie alle seine Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse.

    Immer schon galt: Jedes Unternehmen besitzt geistiges Eigentum, und sei es nur in Form seiner Identifikationsmittel (Namen, Firma) und Symbole (Unternehmenskennzeichen) (§ 5 Abs. 1 MarkenG). Üblicherweise nimmt dieser „immaterielle“ Teil des Unternehmensvermögens laufend zu, denn was bei Innovation und Kreation entsteht, ist „geistiges Eigentum“, und handle es sich dabei „nur“ um bloßes Know-how, auch wenn es als solches nicht den speziellen gesetzlichen Schutz genießt, der ansonsten für geistiges Eigentum kennzeichnend ist.

    2. Die Bedeutung der Aufgabenstellung des IP-Managements: Das geistige Eigentum gilt als Treiber von Wachstum und globaler Konkurrenzfähigkeit einer Volkswirtschaft. Im einzelnen Unternehmen bilden die Werte, die z.B. in Marken oder Patenten liegen, zunehmend einen wesentlichen Teil des Unternehmensvermögens. Damit kann die richtige Handhabung und Nutzung von IP entscheidend dazu beitragen, die Position eines Unternehmens im Wettbewerb bedeutend zu verbessern und seinen Wert fühlbar zu steigern. IP-Management ist zu einem zentralen Faktor des Unternehmenserfolgs geworden.

    3. Unternehmensstrategische Verortung: IP-Management setzt die Definition der IP-Strategie des jeweiligen Unternehmens voraus, die ihrerseits die allgemeine Unternehmensstrategie in ihrem speziellen Bereich umsetzt. Die herausragende und stetig steigende Bedeutung der Immaterialgüter eines Unternehmens für seinen Erfolg insgesamt erfordert es, dass strategische Entscheidungen über diese Güter von derjenigen Unternehmensinstanz getroffen werden, die für die Unternehmensstrategie insgesamt zuständig ist. Das ist die Führungsspitze selbst des Unternehmens.

    4. Merkmale: Kennzeichnend für das IP-Management sind die Begriffe des Ganzheitlichen, Systemischen und Prozesshaften.
    a) Ganzheitlich: Die verschiedenen Elemente des geistigen Eigentums ergänzen sich notwendig in ihren Schutzvoraussetzungen und –wirkungen, aber auch in Bezug auf ihre praktische Bedeutung und wirtschaftliche Relevanz. Ein qualifiziertes IP-Management sieht die Gesamtheit der IP-Elemente, berücksichtigt ihre Unterschiede und nutzt sie. Alle IP-Bestandteile ergeben zusammen eine einheitliche, zusammengehörige Vermögensstruktur; sie sind miteinander vernetzt. Zu dieser Ganzheitlichkeit gehören zusätzlich ihr Management und die Prozesse, deren sich das IP-Management bedient.
    b) Systemisch: Das geistige Eigentum ist für sich ein System mit eigenen Funktionen und Subsystemen (solche Subsysteme sind z.B. das Management der einzelnen Schutzrechte, wie Patente und Marken sowie der Portfolios, zu denen sie zusammengefasst sind). Ferner ist das IP-Management zugleich Bestandteil eines übergeordneten Systems, nämlich des Gesamtunternehmens, für das eine einheitliche Strategie konzipiert ist und verfolgt wird („top level-System“). Als ein solches Subsystem korrespondiert und kooperiert das „System IP-Management“ mit anderen „second level“-Systemen, wie der Unternehmenskommunikation und speziell dem Marketing des Unternehmens. Dieser Tatsache ist im Rahmen des IP-Managements ständig Rechnung zu tragen.
    c) Prozesshaft: Das geistige Eigentum unterliegt einem steten Wechsel und dauerhafter Veränderung. Zu den sich ändernden Parametern gehören im juristischen Bereich Änderungen der Gesetzeslage und der Rechtsprechung. Einwirkungen erfährt das IP-Management aber auch von Seiten der wirtschaftlichen Faktoren der Unternehmensentwicklung und der Marktgegebenheiten. Auch sie unterliegen einem fortwährenden Wandel. Dem ist durch Prozessanpassungen Rechnung zu tragen.

    5. Ziele des IP-Managements: a) Die Ziele aller Managementdisziplinen ordnen sich dem zentralen Unternehmensziel unter, auf der Ebene der Kaufentscheidung vorgezogen zu werden. Das kann erfolgen, wenn das Unternehmen und seine Leistungen aus der Sicht der Zielgruppen mit einem möglichst konkurrenzlosen Kundennutzen deutlich positiv aufgeladen wahrgenommen werden. Das IP-Management – orchestriert mit der Unternehmenskommunikation und speziell dem Marketing des Unternehmens – trägt dazu bei, derartige Wahrnehmungsprozesse gezielt herbeizuführen.
    b) Objekte und Inhalte einer solchen intensiven Wahrnehmung sind zumeist in der Lage, Gegenstand von Schutzrechten zu sein. Dabei korrelieren der Grad der Vorteilhaftigkeit der Wahrnehmungsinhalte und die Intensität der Wahrnehmung mit dem Schutzumfang von Schutzrechten und Schutzrechtspositionen. Nur solche mit großem Schutzumfang sind für Unternehmen interessant. Sie zu schaffen, bezweckt das IP-Management.
    c) Werden solche wertvollen Schutzrechte in der Unternehmenskommunikation intensiv benutzt, fördert das die positive Wahrnehmbarkeit des Unternehmens und seiner Produkte und dehnt noch einmal den Schutzumfang. Es entsteht eine Aufwärtsspirale, die die Wettbewerbsstärke des Unternehmens vermehrt und seinen Wert steigert.

    6. Das geistige Eigentum in den Zeiten der Wissensökonomie: In den Strukturen der Wissensökonomie hat das geistige Eigentum eine gehobene Position inne. Mit der Produktion von Neuwissen und dessen bestmöglicher Absicherung ist das Schaffen geistigen Eigentums ein wesentliches Wertschöpfungsgeschehen. Drei seiner Funktionen sind zu unterscheiden und wirken zusammen: IP ist, erstens, ein – zunehmend wesentlicher – Teil des Unternehmensvermögens. Ferner visualisiert IP als Gesamtbestand an Rechten und geschützten Rechtpositionen das Eigentum an Wissen. Schließlich richtet IP den Blick auf die gegebenen Möglichkeiten, aus diesem Vermögenspotential und den geschützten Exklusivrechten für das Unternehmen wirtschaftliche Vorteile zu generieren.

    Der damit verdeutlichten Stellung von IP in der Wissensgesellschaft und –ökonomie entspricht es, die Unternehmensstrukturen und –prozesse so zu gestalten, dass sie den veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten und Erfordernissen entsprechen und ein effizientes IP-Management ermöglichen. Dazu ist es tendenziell erforderlich, die traditionell existierende Trennung zwischen den beteiligten Unternehmens-Teilbereichen Technik, Ökonomie, Management und Recht aufzuheben, den damit verbundenen Mangel an Flexibilität zu überwinden und interdisziplinär wertschaffend tätig zu sein. Dann wird das IP-Management in der Lage sein, qualifizierte Strategien der Aneignung immateriellen Vermögens zu definieren und auf dieser Grundlage das Ziel der systematischen Steigerung des Unternehmenserfolges zu verfolgen. Dabei wird es darauf achten, im Unternehmen die Entwicklung inter- und multidisziplinärer Leistungsstrukturen zu stimulieren, auf denen das qualifizierte IP-Management sachlich und personell aufbauen kann.

    IP-Management legt alsdann den Fokus darauf, die wesentlichen IP-Managementprozesse des Unternehmens zu organisieren, zu steuern und zu kontrollieren.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Axel Mittelstaedt
      LADM Liesegang Aymans Decker, Mittelstaedt & Partner
      Rechtsanwalt

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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