Direkt zum Inhalt

selbstverwaltete sozialistische Marktwirtschaft

Definition

Wirtschaftsordnung mit dominierendem Gesellschaftseigentum an den Produktionsmitteln (Gruppeneigentum der Beschäftigten in den einzelnen Betrieben) sowie dezentraler Planung und Lenkung der Produktions- und Verteilungsprozesse durch die privaten Haushalte und Unternehmen über Wettbewerbsmärkte bei freier Preisbildung (Marktwirtschaft). Die selbstverwaltete sozialistische Marktwirtschaft war im ehemaligen Jugoslawien realisiert.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Charakterisierung: Wirtschaftsordnung mit dominierendem Gesellschaftseigentum an den Produktionsmitteln (Gruppeneigentum der Beschäftigten in den einzelnen Betrieben) sowie dezentraler Planung und Lenkung der Produktions- und Verteilungsprozesse durch die privaten Haushalte und Unternehmen über Wettbewerbsmärkte bei freier Preisbildung (Marktwirtschaft). Die selbstverwaltete sozialistische Marktwirtschaft war im ehemaligen Jugoslawien realisiert.

    2. Organisation/Koordination: a) Das Gesellschaftseigentum ist juristisch negativ definiert: Weder der Staat noch Private (mit Ausnahmen in Landwirtschaft und Kleingewerbe) dürfen Produktionsmitteleigentum erwerben. Diese Definition bewirkt, dass das Gesellschafts- praktisch Gruppeneigentum der Beschäftigten der einzelnen Betriebe ist, über dessen Nutzung die Mitarbeiter im Rahmen der Arbeiterselbstverwaltung entscheiden.

    Unternehmerisches Formalziel ist die Einkommensmaximierung (Einkommensprinzip); über die Reinvestition des am Markt erzielten Unternehmensüberschusses bzw. seine Ausschüttung an die Mitarbeiter entscheiden die Selbstverwaltungsorgane in den Unternehmen.

    Seine Nutzungsrechte und das Recht auf Beteiligung am Unternehmensüberschuss verliert der einzelne Beschäftigte beim Austritt aus dem Unternehmen.

    b) Die wirtschaftspolitischen Ziele, Entwicklungsstrategien und Instrumente werden in sehr allg. gehaltenen und zwischen allen Beteiligten kooperativ ermittelten Gesellschafts- und Entwicklungsplänen fixiert und sollen durch ein System freiwilliger Absprachen zwischen den staatlichen Instanzen, Interessengruppen und Unternehmen durchgesetzt werden.

    3. Funktionsprobleme (bewirkt durch Gesellschaftseigentum, Einkommensprinzip und Arbeiterselbstverwaltung): a) Die Beschäftigten stimmen nur zurückhaltend Neueinstellungen zu, da jedes zusätzliche Gruppenmitglied das Pro-Kopf-Einkommen schmälert, ohne dass sicher ist, ob der zusätzliche Arbeitseinsatz dies ausgleicht. Folgen sind
    (1) eine tendenziell hohe Arbeitslosigkeit und
    (2) eine relativ kapitalintensive Produktion.

    b) Der Reinvestition des Unternehmensüberschusses wird die Ausschüttung als in der Gegenwart verfügbares Einkommen vorgezogen; Folgen sind
    (1) vergleichsweise hohe Kreditfinanzierung der betrieblichen Investitionen und
    (2) durch die damit verbundene Kreditschöpfung (gleich Geldschöpfung) der Geschäftsbanken hohe Inflationsanfälligkeit.

    c) Da das individuelle Einkommen vom jeweiligen Unternehmenserfolg abhängt, sind auch bei gleicher Qualifikation der Beschäftigten große zwischenbetriebliche Einkommensunterschiede zu beobachten. Die bestehende Tendenz, dass das persönliche Einkommen der Mitarbeiter erfolgreicher Unternehmen oft Maßstab der Selbstverwaltungsorgane in den weniger erfolgreichen Unternehmen für deren Ausschüttungsentscheidungen ist, verstärkt die oben erwähnten Probleme.

    d) Das Gesellschaftseigentum verhindert das Entstehen eines Kapitalmarkts und fördert hierdurch die Fehlallokation des Produktivvermögens.

    e) Die Dezentralisierung bzw. „Deetatisierung” durch gesellschaftliche Absprachen ist verbunden mit einer Regionalisierung der Wirtschaftspolitik: Sie fördert den Lokalegoismus der Beteiligten und verhindert hierdurch die Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse innerhalb des Gesamtstaates.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap selbstverwaltete sozialistische Marktwirtschaft Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/selbstverwaltete-sozialistische-marktwirtschaft-46463 node46463 selbstverwaltete sozialistische Marktwirtschaft node31198 Arbeiterselbstverwaltung node46463->node31198 node35936 Einkommensprinzip node46463->node35936 node38124 Marktwirtschaft node46463->node38124 node50911 Wirtschaftsordnung node46463->node50911 node44063 sozialistische Marktwirtschaft node44063->node46463 node43764 staatssozialistische Marktwirtschaft node44063->node43764 node44063->node50911 node47364 Unternehmensverfassung node47364->node31198 node52890 berufsständische Versorgungseinrichtungen node52890->node31198 node31198->node35936 node43133 Rätedemokratie node31198->node43133 node46338 Sozialismus node38124->node31198 node38052 Keynesianismus node38124->node38052 node45094 Organisation node39031 Kommunismus node50911->node46338 node50911->node38124 node50911->node45094 node50911->node39031 node30607 Allokation node30607->node38124 node34985 Gerechtigkeit node34985->node38124 node54080 Wirtschaft node54080->node38124
      Mindmap selbstverwaltete sozialistische Marktwirtschaft Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/selbstverwaltete-sozialistische-marktwirtschaft-46463 node46463 selbstverwaltete sozialistische Marktwirtschaft node38124 Marktwirtschaft node46463->node38124 node50911 Wirtschaftsordnung node46463->node50911 node35936 Einkommensprinzip node46463->node35936 node31198 Arbeiterselbstverwaltung node46463->node31198 node44063 sozialistische Marktwirtschaft node44063->node46463

      News SpringerProfessional.de

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Bücher auf springer.com

      Sachgebiete