Direkt zum Inhalt

Marktwirtschaft

Definition

Wirtschaftsordnung mit dezentraler Planung und Lenkung der wirtschaftlichen Prozesse, die über Märkte mittels des Preismechanismus koordiniert werden. Staatliche Mindestaufgaben sind Setzung der Rahmenbedingungen, innerhalb derer die wettbewerbliche Koordination wirkungsvoll erfolgen kann, sowie Bereitstellung öffentlicher Güter (Liberalismus).

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Verkehrswirtschaft; Vertragswirtschaft. 1. Begriff: Wirtschaftsordnung mit dezentraler Planung und Lenkung der wirtschaftlichen Prozesse, die über Märkte mittels des Preismechanismus koordiniert werden. Staatliche Mindestaufgaben sind Setzung der Rahmenbedingungen, innerhalb derer die wettbewerbliche Koordination wirkungsvoll erfolgen kann, sowie Bereitstellung öffentlicher Güter (Liberalismus). Neben der Ordnungspolitik (Wettbewerbspolitik; Umweltpolitik), die den Rahmen für die wirtschaftlichen Aktivitäten absteckt, gibt es direkte Eingriffe des Staates in den Wirtschaftsablauf. Diese werden als Instrumente der Prozesspolitik bezeichnet und werden z.B. im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz (STWG) legislativ verankert.

    2. In der Realität gibt es unterschiedliche Formen der Marktwirtschaft. Neben der Marktwirtschaft mit Dominanz des Privateigentums an Produktionsmitteln (privatwirtschaftliche Marktwirtschaft) gibt es die - allerdings instabile - Marktwirtschaft mit Dominanz des Staatseigentums (sozialistische Marktwirtschaft in der Volksrepublik China) sowie die Marktwirtschaft mit Gruppeneigentum (Arbeiterselbstverwaltung im früheren Jugoslawien; selbstverwaltete sozialistische Marktwirtschaft).

    3. Koordinationsformen: Die einzelwirtschaftlichen Planträger (Unternehmer und Haushalte) treffen ihre Entscheidungen über Produktion, Konsum, Sparen und Investieren und damit über Angebot und Nachfrage auf den einzelnen Märkten nach eigenen Zielvorstellungen im Streben nach Gewinn- bzw. Nutzenmaximierung. Dabei richten sie sich nach den für sie relevanten Marktpreisen, die bei freier Preisbildung die gesamtwirtschaftlichen Knappheitsrelationen der Güter und Leistungen ausdrücken und die wiederum durch die Reaktionen der Wirtschaftssubjekte selbst beeinflusst werden. Dieser permanente Rückkopplungsprozess bewirkt die Abstimmung der Einzelpläne und lenkt das selbstinteressierte Handeln in gesamtwirtschaftlich wohlfahrtsfördernde Bahnen (unsichtbare Hand des Marktes, A. Smith): Sich frei bildende Preise informieren die Planträger über das jeweils zweckmäßigste Handeln, zwingen sie ggf. zu Planänderungen und motivieren sie durch Aussicht auf Gewinn- bzw. Nutzensteigerung. Der Wettbewerb kontrolliert gleichzeitig das individuelle Selbstinteresse, da durch Reaktionen der Marktneben- und -gegenseite und hierdurch induzierte Preisänderungen die permanente Gefahr der Gewinnerodierung sowie bei unsachgemäßen Entscheidungen die Gefahr von Vermögensverlusten besteht.

    4. Staatsfunktionen: a) Voraussetzungen für eine, auf dem Konzept des Liberalismus beruhende Ordnung sind:
    (1) Staatliche Gewährleistung der individuellen Wirtschafts- und Vertragsfreiheit und
    (2) Etablierung individuell zugeordneter und übertragbarer Eigentumsrechte (Property Rights bzw. Verfügungsrechte) an den wirtschaftlichen Gütern. Auch hat der Staat eine aktive und vorbeugende Politik zum Schutz der Wettbewerbsfreiheit zu betreiben, um das Entstehen wettbewerbshemmender Marktmacht zu verhindern (vgl. zu den konstitutiven und regulierenden Prinzipien einer Wettbewerbsordnung Freiburger Schule).
    b) Die Frage nach Notwendigkeit und Umfang sonstiger staatlicher Aktivitäten (z.B. Bereitstellung öffentlicher und meritorischer Güter, Sozial-, Vermögens-, Konjunktur-, Strukturpolitik etc.) wird je nach wirtschaftspolitischem Leitbild (neben Ordoliberalismus z.B. soziale Marktwirtschaft, Planification, Wohlfahrtsstaat) und wirtschaftstheoretischer Konzeption (Neoklassik, Monetarismus, Keynesianismus etc.) unterschiedlich beantwortet.

    Mindmap Marktwirtschaft Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/marktwirtschaft-38124 node38124 Marktwirtschaft node38052 Keynesianismus node38124->node38052 node45936 Pareto-Optimum node30607 Allokation node45936->node30607 node34434 Gewinnmaximierung node48143 Wirtschaftlichkeitsprinzip node33997 erwerbswirtschaftliches Prinzip node33997->node38124 node33997->node34434 node33997->node48143 node31257 Bedarfsdeckungsprinzip node33997->node31257 node40778 Makroökonomik node47916 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) node38052->node40778 node38052->node47916 node41093 Neoklassik node38052->node41093 node41093->node38124 node41093->node30607 node28886 Distribution node54080 Wirtschaft node54080->node38124 node54080->node38052 node48087 Unternehmen node54080->node48087 node54032 Industrie 4.0 node54080->node54032 node28662 Dienstleistungen node54080->node28662 node50164 Utilitarismus node34985 Gerechtigkeit node50164->node34985 node30607->node38124 node34332 Ethik node34985->node38124 node34985->node28886 node34985->node30607 node34985->node34332 node54195 Digitalisierung node54195->node54080
    Mindmap Marktwirtschaft Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/marktwirtschaft-38124 node38124 Marktwirtschaft node38052 Keynesianismus node38124->node38052 node54080 Wirtschaft node54080->node38124 node34985 Gerechtigkeit node34985->node38124 node30607 Allokation node30607->node38124 node33997 erwerbswirtschaftliches Prinzip node33997->node38124

    News SpringerProfessional.de

    Literaturhinweise SpringerProfessional.de

    Bücher auf springer.com

    Sachgebiete

    Interne Verweise